Die Liste der Stolpersteine in Berlin-Britz enthält die Stolpersteine im Berliner Ortsteil Britz im Bezirk Neukölln, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Spalten der Tabelle sind selbsterklärend. Die Tabelle erfasst insgesamt 32 Stolpersteine und ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.

Laut einer Presseerklärung der Anwohnerinitiative „Hufeisern gegen Rechts“ wurden in der Nacht vom 5. zum 6. November 2017 die sieben in der Hufeisensiedlung verlegten Stolpersteine von bisher unbekannten Tätern ausgegraben und entwendet. Dies betrifft die Steine für Stanislaw Kubicki, Hans-Georg Vötter, Wienand Kaasch, Rudolf Peter, Gertrud Seele, Heinrich Uetzfeld und Georg Obst.Presseerklärung zur Entwendung aller sieben Stolpersteine in der Britzer Hufeisensiedlung. hufeiserngegenrechts.de, 6. November 2017 Nach einer erfolgreichen Spendenaktion wurden diese Stolpersteine im Dezember 2017 ersetzt.Wiederverlegung der Stolpersteine in der Hufeisensiedlung terminiert! hufeiserngegenrechts.de

Bild Name Standort Verlege­datum Leben 100px Backbergstraße 23 Klara Agnes Dora Charlotte wurde am 7. Dezember 1893 in Berlin-Tempelhof mit dem Mädchennamen Sonntag geboren, ihre Eltern waren der Arbeiter Eugen Sonntag (geb. am 16. April 1862 in Stettin) und Agnes Sonntag (geb. Lehmann am 13. Oktober 1859 in Frankfurt an der Oder). Von Beruf war sie Stenotypistin. Am 26. September 1919 hatte sie in Berlin den Büroassistent Karl Friedrich Wilhelm Adel (geb. am 9. Oktober 1889 in Berlin) geheiratet, diese Ehe ist am 24. Mai 1930 geschieden worden. Seit 1931 war sie Mitglied des Freidenkerverbandes, bekam über ihre Tochter Kontakt zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAPD). 1933 mietete sie eine Wohnung in der Weißenburger Straße 79 im Prenzlauer Berg an, die sie der SAPD als illegale Deckadresse zur Verfügung stellte. Über einen Informanten wurde die konspirative Wohnung von der Gestapo enttarnt. Am 22. August 1933 wurden Charlotte Adel, ihre Tochter Lilli und ein Großteil der Berliner Bezirksleitung der SAPD verhaftet. In der Untersuchungshaft wurden die Gefangenen schwer gefoltert, um weitere Informationen über die illegale Organisation zu erpressen. Charlotte Adel unternahm einen Selbstmordversuch, um weiteren Misshandlungen zu entgehen. Am 1. Dezember 1934 kam es schließlich vor dem Volksgerichtshof zum Prozess. In dem Verfahren gegen Max Köhler und Genossen wurde Charlotte Adel wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu 1,5 Jahren Gefängnis verurteilt. Die Haft verbrachte sie im Frauengefängnis Barnimstraße. Nach ihrer Entlassung am 1. März 1935 zog sie nach Britz und wohnte in der Karlstraße 23 (heute Backbergstraße 23). Dort vereinsamte sie, da sich viele Freunde und Bekannte von ihr zurückgezogen hatten. Sie stand als „Politische“ unter ständiger Polizeiaufsicht. Auch ihre Arbeitssuche blieb erfolglos, daher wusste sie oft nicht, wie sie das Nötigste zum Leben aufbringen sollte. Finanzielle Schulden belasteten sie immer mehr. Am 14. Mai 1938 kam Charlotte Adel schließlich zu dem Schluss, dass für sie politisch und privat alles zerstört sei. An diesem Tag nahm sie sich das Leben. Der Stolperstein wurde am 4. September 2018 von der Anwohnerinitiative „Hufeisern gegen Rechts“ verlegt. 100px Dörchläuchtingstraße 4 100px Andreasberger Straße 9 100px Andreasberger Straße 9 100px Rungiusstraße 33 Else Grand wurde am 19. Dezember 1893 in Ortelsburg geboren. Zusammen mit ihrer Schwester Johanna entging sie der Deportation nur durch Suizid am 3. November 1941. 100px Rungiusstraße 33 Johanna Grand wurde am 31. Dezember 1892 in Ortelsburg geboren. Zusammen mit ihrer älteren Schwester Else beging sie am 3. November 1941 Suizid, um ihrer bevorstehenden Deportation zu entgehen. 100px Paster-Behrens-Straße 16 1928 zog der jüdische Verleger-, Buchhändler und Kabarettist Leon Hirsch in die Britzer Hufeisensiedlung. Die neue Wohnstätte in der Moses-Löwenthal-Straße 16 war gleichzeitig Verlag, Buchhandlung und Organisationsbüro für die von ihm ins Leben gerufene und geleitete Kabarettgruppe „Die Wespen“. Während er mit seinen Verlag wenig Erfolg hatte, wurde die politische Kabarettgruppe „Die Wespen“ in den Berliner Arbeitervierteln ein Publikumsmagnet. Künstlerinnen und Künstler wie Erich Weinert, Ernst Busch, Hanns Eisler, Walter Mehring, Erich Kästner, Else Lasker-Schüler, Roda Roda, Karl Schnog sowie Erich Mühsam gehörten zu dem ständig wechselnden Ensemble. Bereits 1932 erklärten die Nationalsozialisten den jüdischen Anarchisten zum „Volksfeind“ und zerschlugen Anfang 1933 die Kabarettgruppe. Leon Hirsch flüchtete im April 1934 ins Schweizer Exil. Erst nachdem zwei Schweizer Antifaschisten seinen Lebensunterhalt garantierten, erhielt er eine Aufenthaltserlaubnis, die aber jegliche Erwerbstätigkeit ausdrücklich ausschloss. In Brissago am Lago Magiore fand Hirsch schließlich eine Bleibe bei dem Antifaschisten Conti Rossini. Nach einem 22-monatigen Krankenhausaufenthalt in Bern verstarb er am 27. Juni 1954 an Leukämie. Begraben liegt er auf dem jüdischen Friedhof in Bern. Der Stolperstein wurde von der Anwohnerinitiative „Hufeisern gegen Rechts“ gespendet. 100px Parchimer Allee 94 Der kommunistische Metallgewerkschafter Wienand Kaasch wurde 1890 in Stolp/Pommern geboren. 1912 trat er der SPD bei, die er 1917 aus Protest gegen die Burgfriedenspolitik verließ. Über die USPD wechselte er 1920 zur KPD. Ab 1922 arbeitete er als hauptamtlicher Funktionär in ihrer Zentrale, u. a. als Leiter der Organisationsabteilung des Zentralkomitees. Ab 1931 wurde er zur Kommunistischen Internationale nach Moskau entsandt, für die er zunächst als Instrukteur in Rumänien und den USA tätig war. Ab Mitte 1932 arbeitete er ein Jahr als Lehrer an der Moskauer Lenin-Schule, danach in der deutschen Sektion der Roten Gewerkschaftsinternationale. Aus dieser Position heraus erhielt er 1935 den Auftrag, als Instrukteur der Bezirksleitung Berlin-Brandenburg illegal nach Deutschland einzureisen. Er sollte in der KPD die Politik der Aktionseinheit propagieren und Kontakte zur SPD knüpfen. Außerdem sollte er für den Aufbau Freier Gewerkschaften werben. Rückblickend muss gesagt werden, dass ihm zu wenig Zeit blieb, um nachhaltige Erfolge zu erzielen. Schon vier Wochen nach dem Beginn seiner Arbeit in Berlin wurde er von den Nationalsozialisten verhaftet und zu 11 Jahren Zuchthaus wegen „Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens“ verurteilt. Diese Zuchthausstrafe hat er nicht überlebt. Am 19. Januar 1945 ist er aufgrund der unmenschlichen Haftbedingungen im Zuchthaus Luckau verstorben. Wie genau die Faschisten die Gefahr durch ein einheitliches Handeln der Arbeiterbewegung erkannten, sprachen sie in der Urteilsbegründung gegen Kaasch aus. Sein Handeln sei besonders verwerflich, da „es zur Bildung einer für den Bestand des Staates äußerst gefährlichen Einheitsfront führen sollte.“ Die Stolpersteinverlegung wurde gemeinsam von der Berliner IG Metall und der Anwohnerinitiative „Hufeiseisern gegen Rechts“ initiiert. 100px Onkel-Bräsig-Straße 46 Der Stolperstein wurde von der Klasse 9c (Schuljahr 2013/14) der Alfred-Nobel-Schule gespendet. Der am 4. Dezember 2017 als Ersatz für den am 6. November 2017 gestohlenen Stolperstein verlegte neue Stein enthält ein falsches Todesjahr (1941 statt 1942) und soll durch eine dritte Fassung ersetzt werden.Gestohlene Stolpersteine werden ersetzt. Die Erinnerung ist jetzt einbetoniert. In: Berliner Zeitung, 4. Dezember 2017. 100px Buschkrugallee 179 Der am 11. Dezember 1868 in Tost (heute Toszek in Polen) geborene Apotheker Adolf Mockrauer eröffnete 1928 die Albrecht-Dürer-Apotheke in der damaligen Rudower Allee 86, heute Buschkrugallee 179. Er war in seiner Nachbarschaft beliebt und seine Apotheke entwickelte sich schnell zu einer sehr gefragten Einrichtung. 1936 zwangen ihn die Nationalsozialisten seine Apotheke an einen „arischen“ Apotheker zu verpachten, der ihm jedoch die Geschäftsführung weiterhin überließ. Als Neuköllner SA-Männer am 9. November 1938 seine Apotheke zerschlugen und den 70-Jährigen verprügelten, sah Mockrauer sein Lebenswerk zerstört. Ihm gelang die Flucht nach Chile, jedoch hatte ihm das NS-Regime sein gesamtes Vermögen entzogen. Ohne finanzielle Mittel und ohne Spanischkenntnisse gelang es ihm nicht, im Exil Fuß zu fassen. Darüber hinaus traf Mockrauer auch in Chile auf national-sozialistische und antisemitische Haltungen. Ein Neuanfang war für ihn nicht möglich. Im Alter von 71 Jahren nahm er sich am 16. September 1940 das Leben.Große Beteiligung bei der Stolpersteinverlegung für den jüdischen Apotheker Adolf Mockrauer. hufeiserngegenrechts.de Der Stolperstein wurde von Neuköllner Bürgern gespendet und seine Verlegung von der Anwohnerinitiative „Hufeisern gegen Rechts“ ausgerichtet. 100px Gielower Straße 28 Georg Obst wurde am 7. April 1902 in Salzbrunn/Schlesien geboren. Im Jahre 1930 zog er nach Berlin-Britz in die Hufeisensiedlung. Dort heiratete er die Krankenschwester Elisabeth Zimmer. Am 13. Dezember 1933 kam ihr gemeinsamer Sohn Bernd Obst zur Welt. Politisch organisiert war Georg Obst zunächst in der Sozialistischen Arbeiterjugend und später in der SPD. Als diese von den Nationalsozialisten am 22. Juni 1933 verboten wurde, schloss sich Georg Obst einer sozialdemokratischen Widerstandsgruppe an. Er organisierte illegale Treffen, besorgte illegales Material, so z. B. die „Sozialistische Aktion“, und verteilte dieses in Britz. Dora Lösche, nach 1945 Mitglied des Neuköllner SPD-Vorstandes, urteilte über Georg Obst rückblickend: „Wenn einer von den Britzer SPD-Genossen illegal gearbeitet hat, dann Georg Obst.“ Am 7. Februar wurde er von der Gestapo verhaftet und in ihrer Zentrale in der Prinz-Albrecht-Straße 8 einem „verschärften“ Verhör unterzogen. Er sollte seine illegalen Verbindungen nennen. In der Zelle äußerte Georg Obst anschließend gegenüber einem Mithäftling, dass er befürchte, bei weiteren Folterungen nicht mehr schweigen zu können. Als Georg Obst am nächsten Tag erneut zum Verhör geführt wurde, stürzte er sich vom dritten Stock des Treppenhauses, um seine Genossen zu schützen. Elisabeth Obst berichtete von den Foltermerkmalen, die sie am toten Körper ihres Mannes bei ihrem abschließenden Besuch im Leichenschauhaus gesehen hatte.