Die Liste der Stolpersteine in Berlin-Tempelhof enthält die Stolpersteine im Berliner Ortsteil Tempelhof im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Spalten der Tabelle sind selbsterklärend. Die Tabelle erfasst insgesamt 75 Stolpersteine und ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.

Bild Name Standort Leben Koord. 100px Werner-Voß-Damm 5 100px Peter-Strasser-Weg 22 Else Ring kam am 1. Januar 1887 in Lipine/Oberschlesien als Tochter des Mediziners Dr. Max Ring und seiner Frau Ida geboren Kosterlitz zur Welt. Sie heiratete am 2. Februar 1909 den Kaufmann Oskar Ansbach und zog zu ihm nach Tarnowitz. Die Tochter Ruth wurde am 22. November 1909 und der Sohn Herbert am 2. März 1913 geboren. Weil nach dem Ersten Weltkrieg die Stadt Tarnowitz nach Polen eingegliedert wurde, übersiedelte die Familie nach Berlin. Seit 1922 wohnte sie im eigenen Haus im Preußenring 11, der 1936 in Peter-Strasser-Weg 22 umbenannt wurde. Else Ansbach schrieb Gedichte und nahm an politischen Veranstaltungen teil, so demonstrierte sie für die Freilassung von Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti, den in den USA inhaftierten anarchistischen Gewerkschaftsfunktionären, die beide nach einem Todesurteil 1927 hingerichtet worden sind. Ihr Sohn Herbert wurde wegen seiner Mitgliedschaft in einer Gruppe junger Kommunisten verhaftet und zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Else Ansbach stellte wegen der schweren Herzkrankheit ihres Sohnes einen Antrag auf Haftverschonung in Gedichtform, daraufhin erhielt Herbert Haftverschonung, die er nutzte, um illegal das Land zu verlassen. Die Tochter Ruth konnte ebenfalls emigrieren. Am 26. Oktober 1942 wurde Else Ansbach zusammen mit ihrem Mann nach Riga deportiert und dort am 29. Oktober 1942 ermordet.statistik-des-holocaust.deBiografische Zusammenstellung nach: Kurt Schilde: Erinnern – und nicht vergessen, Berlin 1988, S. 13 f. 100px Peter-Strasser-Weg 22 Oskar Ansbach kam am 22. Oktober 1879 in Tarnowitz/Oberschlesien als fünftes von sechs Kindern des Gastwirts Samuel Ansbach und seiner Frau Henriette geborene Stein zur Welt. Nach der Schule machte er eine Lehre bei einem Getreidekaufmann, bei dem er nach Beendigung der Lehre einige Zeit tätig war. Dann gründete er ein eigenes Geschäft und heiratete 1909 Else Ring. In Tarnowitz wurden die Kinder Ruth (1909) und Herbert (1913) geboren. Weil Tarnowitz nach dem Ersten Weltkrieg nach Polen eingegliedert wurde, zog die Familie nach Berlin und wohnte ab 1922 im eigenen Haus im Preußenring 11 (heute Peter-Strasser-Weg 22). Oskar Ansbach gründete in Berlin einen Großhandel, der jedoch die Zeit der Inflation nicht überstand. Er arbeitete als Handelsvertreter, bis ihm 1938 als Jude diese Tätigkeit untersagt wurde. Die Kinder Herbert und Ruth konnten ins Ausland fliehen, Oskar Ansbach wurde mit seiner Frau Else am 26. Oktober 1942 nach Riga deportiert und dort am 29. Oktober 1942 ermordet.statistik-des-holocaust.deBiografische Zusammenstellung nach: Kurt Schilde: Erinnern- und nicht vergessen. Berlin 1988, S. 15. 100px Friedrich-Wilhelm-Straße 8 100px Friedrich-Wilhelm-Straße 8 100px Attilastraße 114 Gertrud Ulrike Rosalie Basta wurde am 2. März 1926 in Berlin-Charlottenburg geboren, ihre Eltern waren Käthe und Willy Basta. 1934 floh sie zusammen mit ihren Eltern nach Palästina, wo sie am 14. Mai 1934 einreisten. Später nannte sie sich Shoshana, sie starb 2004. 100px Attilastraße 114 Käthe Basta wurde am 1. Mai 1895 in Stettin mit dem Mädchennamen Jastrow geboren, ihre Eltern waren der Schneider Jonas Jastrow (1860–1922) und die Kindergärtnerin Ernestine Jastrow, geborene Spandau (1861–1942).Ernestine Jastrow geborene Spandau auf mappingthelives.org Sie hatte noch Geschwister, Friedrich (1888), Arno (1890), Alice verh. Krisch (1891–1943),Alice Krisch geborene Jastrow auf mappingthelives.org Trude verh. Sperling (1892–1941) und Wilhelm (1897).DocID: 6179749 (WILHELM JASTROW) In: Arolsen Archives Am 18. Januar 1926 heiratete sie den Kaufmann Willy Basta in Berlin-Steglitz. Ihre Tochter Gertrud Ulrike Rosalie wurde am 2. März 1926 in Berlin-Charlottenburg geboren. 1934 floh Käthe Basta gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Tochter nach Palästina, wo sie am 14. Mai 1934 einreisten. Ihre Mutter Ernestine Jastrow wurde am 17. August 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie nur kurze Zeit später am 3. September 1942 aufgrund katastrophaler hygienischer Bedingungen, Mangelernährung und fehlender medizinischer Versorgung zu Tode kam.Jastrow Ernestine: Todesfallanzeige, Ghetto Theresienstadt auf holocaust.cz

Ihr Bruder Wilhelm Jastrow und seine Frau Anni überlebten durch Flucht über Uruguay und Brasilien nach Chile, für sie wurden am 23. Juni 2023 vor der Kaiser-Wilhelm-Straße 19 in Berlin-Lankwitz Stolpersteine verlegt. 100px Attilastraße 114 Willy Basta wurde am 4. September 1901 in Posen geboren, seine Eltern waren Hermann Basta (1866–1930) und Cornelia geborene Fraenkel (1872–1944).Hermann Basta auf szukajwarchiwach.gov.plCornelia Basta geborene Fraenkel auf mappingthelives.org Er hatte noch eine Schwester, Gertrud Rosalie Ulrike (1906–1907). Am 18. Januar 1926 heiratete er Käthe Jastrow in Berlin-Steglitz. Seine Tochter Gertrud Ulrike Rosalie wurde am 2. März 1926 in Berlin-Charlottenburg geboren. 1929 steht Willy Basta mit der Attilastraße 114, die zu der Zeit zu Mariendorf gehörte, im Berliner Adreßbuch. Am 20. Juli 1930 starb sein Vater Hermann Basta in Berlin-Schöneberg. 1934 floh Willy Basta gemeinsam mit seiner Frau und Tochter nach Palästina, wo sie am 14. Mai 1934 einreisten. Seine Mutter Cornelia Basta wurde am 14. September 1942 aus der Vorbergstraße 15, dem langjährigen Wohnort der Familie Basta, in das Ghetto Theresienstadt deportiert und am 16. Mai 1944 weiter in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, wo sie ermordet wurde.

Willy Basta starb am 15. Juli 1959 in Tel Aviv, Israel.William Basta auf geneanet.org Für seine Mutter Cornelia Basta wurde ebenfalls am 23. Juni 2023 ein Stolperstein vor der Vorbergstraße 15 in Schöneberg verlegt (siehe dort). 100px Blumenthalstraße 22 100px Blumenthalstraße 22 Lore Bender wurde am 28. Januar 1924 in Berlin geboren.Lore Bender auf mappingthelives.org Sie lebte ab 1932 mit ihren Eltern Rudolf Bender (1888–1943) und Gertrud Bender (geb. Cohn; 1895–1943) in der Blumenthalstraße und war ab 1934 in einer Mädchenschule in Mariendorf.Rudolf Bender auf joodsmonument.nlGertrud Bender-Cohn auf joodsmonument.nl Mit elf Jahren wurde sie aufgrund der Nürnberger Gesetze von der Schule verwiesen. 1937 floh die Familie nach Amsterdam. Dort besuchte Lore keine Schule mehr, weil sie die Sprache nicht beherrschte. Mit 16 Jahren begann sie eine Schneiderlehre und trug zum Einkommen der Familie bei. Die Niederlande wurden 1940 von den Nazis besetzt und Lore wenig später aus antisemitischen Gründen entlassen.

In der Nacht, in der ihre Eltern verhaftet und deportiert wurden, war Lore nicht zuhause und entging der Verhaftung, wurde dann aber einen Monat später verschleppt, um Zwangsarbeit für die Firma Philips zu leisten. Bis zur Deportation ihrer Eltern nach Sobibor konnten sie noch Briefkontakt halten. Mit anderen Philips-Gefangenen wurde sie 1944 nach Auschwitz deportiert. Fünf Tage später kam sie zur Zwangsarbeit in die Telefunken-Fabrik nach Reichenbach, die im Februar 1945 Ziel eines Bombenangriffs wurde. Sie durchlitt einen viertägigen Todesmarsch nach Tschechien durch tiefen Schnee. In den zwei Jahren seit ihrer Ergreifung in Amsterdam war sie in neun verschiedenen Lagern.