Die Liste der Stolpersteine in Berlin-Lichtenrade enthält die Stolpersteine im Berliner Ortsteil Lichtenrade im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden.
Finanziert werden Stolpersteine durch private Spenden. Im Ortsteil Lichtenrade koordiniert das Museum Tempelhof-Schöneberg für den Bezirk Tempelhof-Schöneberg die Verlegung der Stolpersteine. Alle bisherigen Stolpersteine im Ortsteil verlegte Gunter Demnig am 21. März 2007. Die Spalten der Tabelle sind selbsterklärend. Die Tabelle erfasst insgesamt 33 Stolpersteine und ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen.
Bild Name Standort Verlegedatum Leben 100px Mellener Straße 33 (ehem. Roonstraße 41) Jachaiwet Bank wurde am 26. Oktober 1919 in Ufa geboren. Sie ist die Tochter von Chaje Atzig und dem Schneider Salomon Bank sowie die Schwester von Josef (geboren 1921),Josef Bank. In: Ortsfamilienbuch Juden im Reich.Josef Bank. mappingthelives.org Alexander (geboren 1922) und Erna (geboren 1923). Ihre drei Geschwister kamen bereits in Berlin auf die Welt. Da sie gut singen und Gitarre spielen konnte, sang sie oft bei Hochzeiten jüdische Lieder. In einem Juweliergeschäft von Albert Fuss in der Breslauer Straße 20a in Berlin-Friedrichshain absolvierte sie eine zweijährige Lehre, die sie im Juni 1934 begonnen hatte.Suchanzeige von Sylvia M. Meneses. Juwelier Albert Fuss. berlin.de, Dezember 2014. Bis zu einem Berufsverbot am 1. Dezember 1936 wurde sie von Albert Fuss als Verkäuferin übernommen. Bereits im Januar konnte sie aber bis zum 1. November 1938 im Uhrengeschäft Adam Minoga in der Koppenstraße 4 in Berlin-Friedrichshain weiterhin arbeiten. Ihr Bruder Alexander und der Vater wurden im Zuge der so genannten „Polenaktion“ am 28. Oktober 1938 abgeschoben. 1939 musste ihre Mutter und die übrigen Geschwister nach Polen emigrieren. Die russische Staatsangehörigkeit bewahrte sie vor der Aussiedlung. Sie verlobte sich mit Gert Leisersohn (siehe weiter unten) und wohnte mit ihm in der Wohnung der Schwiegereltern in der Friedrich-Franz-Straße 16 in Berlin-Tempelhof. 1941 musste die Wohnung aufgegeben werden. Sie zog mit der Familie Leisersohn nach Lichtenrade in die Roonstraße.Kurt Schilde: Erinnern, und nicht vergessen: Dokumentation zum Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus aus dem Bezirk Tempelhof. Bezirksamt Tempelhof von Berlin, 1988, S. 18 ff.; S. 95 ff. Am 27. November 1941 wurde sie mit ihrem Verlobten mit dem siebten Berliner Transport von Berlin nach Riga deportiert.Deportationsliste nach Riga. Center for Jewish History; Beide wurden im Wald von Rumbula am 30. November 1941 ermordet. Sie änderte in Berlin ihren russischen Vornamen in Josefine und wurde meist kurz „Fine“ genannt. In der Sekundärliteratur gibt es alternative Schreibweisen zum ursprünglichen Vornamen: Jachaiweth oder Jschaiweth. Der Bruder Alexander überlebte den Holocaust im Exil durch einen Kindertransport nach England und heiratete dort Traute Leisersohn, die Schwester von Gert Leisersohn. Der Juwelier Albert Fuss wurde am 23. Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt und von dort am 16. Mai 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. 100px Beethovenstraße 29 Hildegard Braun, geborene Kretschmer, wurde am 22. November 1912 in Hirschberg (poln. Jelenia Góra) geboren. Am 9. November 1938 (Novemberpogrome 1938) heiratete sie Werner Braun. Aus der Ehe ging am 16. Februar 1940 die Tochter Ruth hervor. Sie wurde am 28. März 1942 zusammen mit ihrer Tochter von Berlin in das Ghetto Piaski deportiert.11. Osttransport – Transportliste 288. statistik-des-holocaust.de; abgerufen am 5. März 2019 Ein Todesdatum ist nicht bekannt. 100px Beethovenstraße 29 Ruth Braun wurde am 16. Februar 1940 in Berlin geboren. Sie ist die Tochter von Hildegard und Werner Braun. Sie wurde am 28. März 1942 von Berlin in das Ghetto Piaski deportiert. Ein Todesdatum ist nicht bekannt. 100px Beethovenstraße 29 Werner Braun wurde am 8. Mai 1909 in Berlin geboren. Er war das erste Kind von Gertrud und Julius Braun. Sein Bruder Gerhard kam 13 Jahre später zur Welt. Am 9. November 1938 (Novemberpogrome 1938) heiratete er Hildegard Kretschmer. Aus der Ehe ging am 16. Februar 1940 die Tochter Ruth hervor. Er wurde am 28. März 1942 von Berlin in das Ghetto Piaski deportiert.11. Osttransport – Transportliste 241. statistik-des-holocaust.de; abgerufen am 5. März 2019 Am 17. September 1942 wurde Werner Braun ermordet. 100px Mozartstraße 22 Sarina Djuk wurde am 28. Februar 1875 in Konstantinopel (heute: Istanbul) geboren. Die Eltern, Moses und Rebecka Djuk, waren ursprünglich jüdischen Glaubens, aber gemeinsam zum Christentum konvertiert. Die Mutter stammte aus einer armenischen Rabbinerfamilie und der Vater war polnischer Herkunft. Die insgesamt vier Kinder der Familie wurden evangelisch getauft und erzogen. Ende 1914 zog sie nach Berlin, da die Schottische Missionsschule, die sie einst als Schülerin besuchte und an ebendieser selbst fast 20 Jahre unterrichtete, infolge des Ersten Weltkrieges geschlossen wurde. Mit dem 4. großen Alterstransport wurde sie am 17. März 1943 von Berlin in das Ghetto Theresienstadt deportiert.4. großer Alterstransport – Transportliste 206. statistik-des-holocaust.de; abgerufen am 5. März 2019 Sie starb ebenda am 1. Juni 1944. 100px Galluner Straße 31 (ehem. Leopoldstraße 12) Rosa Engler wurde am 27. Juni 1880 in Soldau (poln. Działdowo) geboren. Zur Volkszählung 1939 wohnte sie Siegmunds Hof 5 in Berlin-Tiergarten.Volkszählung 1939: Rosa Engler Zuletzt wohnte sie zur Untermiete bei Don Rosenblüth (siehe dort). Am 15. Juli 1942 wurde sie mit dem 22. Alterstransport von Berlin in das Ghetto Theresienstadt deportiert.Deportationsliste des 22. Alterstransports. statistik-des-holocaust.de Rosa Engler starb ebenda am 28. Februar 1943 nach offizieller Todesfallanzeige an Gastroenteritis.Todesfallanzeige von Rosa Engler. holocaust.cz 100px Beethovenstraße 29 Clara Feininger, geborene Fürst, wurde am 15. Februar 1879 in Berlin geboren. Sie ist die Tochter von Anna Wilhelmine Friederike Mücke und des jüdischen Malers Gustav Gerson Fürst sowie die Schwester von Edmund Fürst. Am 23. Februar 1901 heiratete sie den Maler Lyonel Charles Adrian Feininger. Nachdem er 1905 die Künstlerin Julia Berg, geborene Lilienfeld (1881–1970) kennengelernt hatte, ließ er sich im November 1907 von seiner Frau scheiden. Sie zog die gemeinsamen Töchter Eleonore und Marianne (geboren 1901 und 1902) auf und lebte zum Teil von den Unterhaltszahlungen. Im Berliner Adressbuch war sie mit der Berufsbezeichnung Pianistin eingetragen und wohnte seit etwa 1915 über 20 Jahre in der Birkbuschstraße 6 in Berlin-Steglitz. Zur Volkszählung 1939 wohnte sie in Kleinschönebeck und hatte eine Wohnung im Stahenweg in der Kolonie Stahenberge (heute vermutlich Heideweg, Kolonie Hohenberge).Jani Pietsch: „Ich besaß einen Garten in Schöneiche bei Berlin“ Das verwaltete Verschwinden jüdischer Nachbarn und ihre schwierige Rückkehr. Campus-Verlag, 2006, ISBN 3-593-38027-7, S. 76. In einer Anzeige im Jüdischen Nachrichtenblatt gab sie bekannt, dass sie ihre Wohnung zum 1. November 1940 räumt. Feininger wohnte anschließend zur Untermiete bei Hildegard und Werner Braun in der Beethovenstraße. Am 10. Januar 1944 wurde sie mit dem 99. TheresienstadttransportDeportationsliste des 99. Theresienstadttransports. statistik-des-holocaust.de in das Ghetto Theresienstadt und von dort am 23. Oktober 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. In der Sekundärliteratur gibt es alternative Schreibweisen zum Vornamen (Klara oder Cläre), aber auch Feininger selbst gibt zur Volkszählung 1939 den Vornamen Cläre an. 100px Hilbertstraße 1 100px Hilbertstraße 1 100px Uhlandstraße 41a 100px Charlottenstraße 28 100px Franziusweg 63 100px Franziusweg 63 100px Franziusweg 63 100px Alt-Lichtenrade 123 (ehem. Dorfstraße 51) Leo Jakobowitz wurde am 21. Juni 1899 in Friedrichswille (heute polnisch Kolonia Biskupska) im Kreis Tarnowitz (Oberschlesien) geboren. Am 28. März 1942 wurde mit dem 11. Osttransport aus der Dorfstraße 51 ins Ghetto Piaski deportiert und von dort wahrscheinlich in das Lager Trawniki. Seitdem gilt er als verschollen. 100px Maffeistraße 49 Erna Esther Mandus kam am 18. November 1899 in Erfurt in einer jüdischen Familie auf die Welt, ihre Eltern waren Martin Mandus (1863–1942) und Elsbeth geborene Altmann (1876–1942). Erna hatte noch zwei jüngere Brüder, Herbert Hirsch (1901–1959) und Erwin Armandus (1905–1981), die in Berlin geboren wurden. Sie besuchte das Stern’sche Konservatorium und wurde Opernsängerin und Pianistin. Am 2. März 1929 heiratete sie in Berlin-Neukölln den nichtjüdischen Herbert Julius Robert Paris (1903–1972). 1931 lebte sie am Kottbusser Damm 65, der Wohnung ihrer Eltern. Nach ihrer Laufbahn als Sängerin lehrte sie Gesang und Klavier. Am 26. Januar 1938 wurde ihre Ehe rechtskräftig geschieden. Im Oktober 1941 zog sie nach Lichtenrade in eine Mansarde mit Notküche in der Maffeistraße 49. Am 24. August 1942 heiratete sie den verwitweten Eigentümer des Hauses, Adolf Armin Kochmann (1890–1952),Adolf Kochmann. mappingthelives.org dessen nichtjüdische Frau Ernestine Hermine geborene Hilbert am 22. Juni 1941 verstorben war. Adolf Kochmann war Redakteur und Fachschriftsteller, der vorzugsweise über deutsche Literatur schrieb. 1920 bei seiner ersten Hochzeit gab er als Religionszugehörigkeit „Dissident“ an und auf seiner Sterbeurkunde steht evangelisch, nach den NS-Gesetzen war er jüdisch.Adolf Kochmann In: Berlin: Meldekarten von jüdischen Einwohner/-innen Quelle: Arolsen Archives Erna Kochmann leistete Zwangsarbeit bei Siemens & Halske im Wernerwerk am Charlottenburger Ufer. Am 4. August 1943 wurde sie mit dem 40. Transport nach Auschwitz deportiert, ihr Todesdatum ist unbekannt.Erna Kochmann. Nr. 66 Transportliste Welle 57 – 40. Osttransport in das KL Auschwitz, 04.08.1943. Arolsen Archives. Der Wert ihres zurückgelassenen Inventars betrug 530,40 Mark.Kochmann, Erna In: 36A (II) 19751 (Seite 29 der sogenannten Vermögenserklärung) Quelle: Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Potsdam Ihr Mann Adolf Kochmann überlebte die Shoah und den Zweiten Weltkrieg in Berlin, heiratete 1947 erneut und starb 1952. Wie er seiner Deportation entgehen konnte, ist unbekannt. Die JRSO führte für Adolf Kochmann eine Klage auf Wiedergutmachung für das Grundstück Hoeschweg 2, Ecke Maffeistraße 49.Akzeichen 34 WGA 4740/JRSO. wga-datenbank.de