Die Liste der Stolpersteine in Berlin-Tiergarten enthält die Stolpersteine im Berliner Ortsteil Tiergarten im Bezirk Mitte die an das Schicksal der Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Spalten der Tabelle sind selbsterklärend. Die Tabelle erfasst einen Kopfstein, insgesamt 91 Stolpersteine und ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen. Inzwischen gibt es auch Stolperschwellen, die aus einem im Gehweg verankerten längeren Metallstreifen bestehen. Sie tragen keine Personennamen, sondern weisen auf hier früher befindliche Einrichtungen hin. Seit kurzem haben sich auch Kopfsteine etabliert, die an umgekommene Personen anderer Herkunft erinnern.
Kopfstein In Berlin-Tiergarten wurde bisher folgender Kopfstein verlegt: Bild Name Standort Verlegedatum Erläuterung Koordinaten 100px Kopfstein Herbert-von-Karajan-Straße 1 Kopfstein für Musiker der Philharmonie
Stolpersteine Folgende Stolpersteine sind in Tiergarten verlegt: Bild Name Standort Verlegedatum Leben 100px Wichmannstraße 10 100px Genthiner Straße 46 Der Stein wurde ursprünglich am 1. Juli 2010 verlegt (Foto des ersten Steins); am 24. März 2021 wurde er durch einen berichtigten Stein ersetzt. 100px Magdeburger Platz 1 100px Herbert-von-Karajan-Straße 1 100px Von-der-Heydt-Straße 16 100px Genthiner Straße 45 100px Genthiner Straße 45 100px Kurfürstenstraße 58 100px Kurfürstenstraße 58 100px Landgrafenstraße 14 100px Derfflingerstraße 16 100px Genthiner Straße 14 100px Klingelhöferstraße 18 (Lieferanteneinfahrt Von-der-Heydt-Straße) 100px Genthiner Straße 30G 100px Genthiner Straße 30G 100px Genthiner Straße 30G 100px Genthiner Straße 30G 100px Wichmannstraße 10 100px Wichmannstraße 10 100px Genthiner Straße 46 Der Stein wurde ursprünglich am 23. September 2016 verlegt (Foto des ersten Steins); am 24. März 2021 wurde er durch einen berichtigten Stein ersetzt. 100px Lützowplatz 5 Ruth Fabisch kam am 21. Februar 1907 als Tochter des Vertreters Gustav Fabisch und seiner Frau Anna geborene Barschall zur Welt. Sie hatte noch zwei Geschwister: Margot, die in jungen Jahren an Grippe starb und Paul (1903–1974), der 1935 nach Buenos Aires emigrierte und dort als Pablo Fabisch Anerkennung als Maler und Grafiker erhielt. Ruth Fabisch wurde Sekretärin und war seit 1932 im Bankhaus Warburg beschäftigt. 1937 heiratete sie den Autoschlosser Hermann Frank, damals wohnte sie noch bei ihren Eltern am Lützowplatz 5. Mithilfe ihres Arbeitgebers konnte sie zusammen mit ihrem Mann einen Monat nach der Heirat nach Südafrika emigrieren. Dort kamen ihre Töchter auf die Welt: Maureen (1942) und Barbara Jean (1947). Hermann Frank starb 1981, sie selbst im Jahr 2000.kirchenkreis-steglitz.de 100px Schillstraße 8 100px Kurfürstenstraße 27 100px Kurfürstenstraße 27 100px Kurfürstenstraße 27 100px Kurfürstenstraße 27 100px Potsdamer Straße 102 100px Potsdamer Straße 102 100px Einemstraße 22 100px John-Foster-Dulles-Allee 10 100px Herbert-von-Karajan-Straße 1 100px Paul-Löbe-Allee (nahe Große Querallee) 100px Paul-Löbe-Allee (nahe Große Querallee) 100px Herbert-von-Karajan-Straße 1 100px Genthiner Straße 14 In der Nacht vom 3. auf den 4. Mai 2019 wurde der Stein gestohlen und am 7. Oktober 2021 durch einen neuen Stein ersetzt (Foto des neuen Steins) 100px Genthiner Straße 14 In der Nacht vom 3. auf den 4. Mai 2019 wurde der Stein gestohlen und am 7. Oktober 2021 durch einen neuen Stein ersetzt (Foto des neuen Steins) 100px Landgrafenstraße 9 100px Landgrafenstraße 9 100px Landgrafenstraße 9 100px Landgrafenstraße 9 100px Landgrafenstraße 9 100px Landgrafenstraße 9 100px Kurfürstenstraße 50 100px Lützowstraße 41 eingeweiht am 23. September 2005 100px Magdeburger Platz 1 100px Pohlstraße 64 100px Lützowstraße 87 100px Lützowstraße 87 100px Pohlstraße 64 100px Lützowstraße 87 100x100px Herbert Landau Keithstraße 15 Herbert Landau (geboren am 2. Januar 1909 in Berlin) war der Sohn von Julian und Marie Landau. Die Familie wohnte zunächst in der Kurfürstenstraße;131, später in der Lutherstraße 3. Herbert wuchs in einer gutsituierten Familie auf, besuchte das Wilhelms-Gymnasium und später das Französische Gymnasium in Berlin, das er mit dem Abitur abschloss. Er hegte schon früh den Berufswunsch, im Bankwesen tätig zu werden und sich eines Tages selbstständig zu machen. Landau verfolgte diesen Wunsch zielstrebig, studierte Jura und Wirtschaftswissenschaften an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin (heute: Humboldt-Universität), beherrschte mehrere Fremdsprachen (Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch) und machte eine Banklehre. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde ihm diese hoffnungsvolle Zukunft mit einem Schlag verwehrt. Er musste sich mit einer untergeordneten Stellung begnügen, zeitgleich bereitete er seine Auswanderung vor. Die Bank wurde Ende 1937 liquidiert und Herbert verlor seine Arbeit. Bis zu seiner Flucht arbeitete er auf Honorarbasis als Übersetzer.
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde er im Zuge der Novemberpogrome verhaftet, in das KZ Sachsenhausen verschleppt und misshandelt. Er erlebte dort sieben Wochen schwerster körperlicher und seelischer Misshandlung. Am 23. Dezember 1938 wurde er entlassen, da er nachweisen konnte, dass ihm ein Einreisevisum für die USA in Aussicht gestellt wurde. Infolge der unmenschlichen Behandlung hatte er schwere körperliche und psychische Schäden davongetragen. Der Druck war enorm. Es drohte die erneute Verhaftung, wenn er die Fristen zur „Auswanderung“ nicht einhalten konnte. Obwohl die Gestapo wusste, dass ein Termin beim amerikanischen Konsulat erst am 23. Februar 1939 anberaumt war, setzte sie ihm eine Frist, das Land bis zum 21. Februar 1939 zu verlassen. Letztlich gelang es, die Frist bis zum 4. März 1939 zu verlängern. Am 1. März 1939 erhielt er endlich das Einreisevisum in die USA und reiste am 4. März 1939 über Amsterdam nach London und schließlich Southampton. Dort begab er sich am 18. März 1939 an Bord der „Queen Mary“ und erreichte am 23. März 1939 New York. Am 6. März 1941 trat er in die US Army ein (er wurde Ende 1946 entlassen), am 21. Juli 1942 wurde er amerikanischer Staatsbürger. Sein Weg, beruflich in den USA Fuß zu fassen, war schwierig und mühselig. Schließlich gelang es ihm, sich mit einer Weiterbildung zum Versicherungsmakler und Ausübung dieses Berufes eine berufliche Existenz aufbauen.
1951 heiratete er Marianne Zöllner. Marianne Zöllner (* 7. Mai 1913) stammte auch aus Berlin.Marianne Zöllner auf mappingthelives.org Sie floh im Januar 1938 zu ihrer Mutter, zunächst nach Amsterdam und mit ihr gemeinsam, kurz vor dem Überfall der Nazis auf die Niederlande, über Portugal nach Brasilien. Dort lebten sie ein Jahr in Rio de Janeiro. Mutter und Tochter erreichten am 25. August 1941 per Schiff New York. Am 5. Januar 1948 erhielten sie die amerikanische Staatsbürgerschaft. Hier lernten sich Herbert und Marianne kennen, sie heirateten und adoptierten ein Mädchen namens Pamela.
Im November 1985 starb Herbert Landau in Flushing, Queens, New York. Marianne starb am 31. Dezember 1991. 100x100px Julian Landau Keithstraße 15 Julian Landau wurde am 25. April 1864 in Breslau (Niederschlesien) geboren. Er stammte aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, seine Eltern waren Karl und Amalie Landau, geb. Brum. Nach dem Abitur studierte Julian Landau in Breslau Zahnmedizin. Schon 1885 wurde ihm die Approbation erteilt. In den USA setzte er das Studium an der Temple University in Philadelphia fort, die damals auf dem Gebiet der Zahnheilkunde und zahnärztlichen Technik führend war. Dort erwarb er den Doktortitel – in den USA D.D.S (Doctor of Dental Surgery) genannt. Zahnärzte mit diesem Titel waren in Deutschland sehr begehrt. 1895 ließ er sich in Berlin nieder, betrieb seine Praxis zunächst in der Leipziger Straße 107. Am 7. Mai 1905 heirateten er und Marie Landau, geborene Cohn. Marie wurde am 7. Januar 1867 in Berlin geboren. Nach ihrer Hochzeit zogen sie zunächst in die Kurfürstenstraße 131, wo sich auch die Praxis befand. Sohn Herbert kam am 2. Januar 1909 zur Welt. Später – mit Umbau des Hauses der Kurfürstenstraße 131 in ein Bürohaus – zog die Familie in die Lutherstraße 3, wo Julian Landau fortan auch als Zahnarzt praktizierte. 1939 wurde die Lutherstraße in Keithstraße umbenannt. Landau war ein geschätzter Zahnarzt; seine Praxis war technisch auf einem hohen Niveau. Zu den Patienten zählten viele höhergestellte Beamte und, da er fließend Englisch und Französisch sprach, auch Diplomaten. Vor 1933 muss er eine große, erfolgreiche Praxis gehabt haben.
Es ist nicht viel über das Leben der Familie Landau bekannt, darüber wie Marie aufwuchs, wie sich Julian und Marie Landau kennenlernten, welche Rolle die jüdische Religion in der Familie spielte. Den wenigen Informationen in den Akten ist nur zu entnehmen, dass sie bis zur Machtübernahme der Nazis gutsituiert waren und ein gesellschaftliches Leben pflegten. Herbert Landau gab in seinem Antrag auf Entschädigung für seinen Vater an, dass beide Elternteile aus wohlhabenden Verhältnissen stammten und dass die Wohnung in der Kurfürstenstraße 131 sehr großzügig ausgestattet gewesen sei. Nach dem Boykott jüdischer Geschäfte, Banken, Arztpraxen, Rechtsanwalts- und Notarkanzleien am 1. April 1933 gingen die Einnahmen der Zahnarztpraxis drastisch zurück. Die Zulassung zur Kassenbehandlung wurde den jüdischen Ärzten und Zahnärzten bereits 1933 entzogen. Der Entzug der Approbation erfolgte für Zahnärzte mit der 8. Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 17. Januar 1939 und wurde zum 31. Januar 1939 vollzogen. Landau durfte sich fortan nur noch „Zahnbehandler“ nennen und war ausschließlich für die „Krankenbehandlung für Juden“ zugelassen. Mit dem Wegbleiben der nichtjüdischen Patienten, der zunehmenden Flucht von Juden aus dem Land und der Verarmung derer, die es nicht schaffen, zu entkommen, brachen die Einnahmen vollends ein.
Marie Landau starb am 22. Januar 1936. Landau war wahrscheinlich aufgrund der Wohnungspolitik der Nazis, die den Mieterschutz und die freie Wohnungswahl für Juden mit einem Gesetz Ende April 1939 erheblich einschränkte, und aufgrund seiner Existenznöte dazu gezwungen, sich räumlich stark zu verkleinern. Das Gesetz sah vor, Juden in bestimmten Häusern auf kleinstem Raum zu konzentrieren. Des Weiteren konnten jüdische Mieter angewiesen werden, weitere Juden als Untermieter in ihre Wohnung aufzunehmen. In der Vermögenserklärung von Landau wurden verschiedene Untermieter benannt: seine frühere Haushälterin, die er nicht mehr beschäftigen durfte, bewohnte ein Zimmer, ein Ehepaar zwei abgetrennte Räume sowie eine 62-jährige Frau ein Zimmer.