Die Liste der Stolpersteine in Berlin-Wedding enthält die Stolpersteine im Berliner Ortsteil Wedding im Bezirk Mitte, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Spalten der Tabelle sind selbsterklärend. Die Tabelle erfasst insgesamt 79 Stolpersteine und ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen. Inzwischen gibt es auch Stolperschwellen, die aus einem im Gehweg verankerten längeren Metallstreifen bestehen. Sie tragen keine Personennamen, sondern weisen auf hier früher befindliche Einrichtungen hin.
Stolperschwelle In Berlin-Wedding ist folgende Stolperschwelle verlegt worden: Bild Standort Lage Verlegedatum Erläuterung 300px Kurt-Schumacher-Damm 41 Zur Erinnerung an die Fabrikaktion
Stolpersteine Folgende Stolpersteine sind in Wedding verlegt:
Bild Name Standort Verlegedatum Leben 100px Turiner Straße 46 geboren am 20. Oktober 1908 in Berlin, verheiratet mit Anni Levi, gemeinsame Tochter Evelyne, von Beruf Klempner; Deportation am 4. März 1943 von Berlin in das Vernichtungslager Auschwitz mit dem 34. Osttransport 100px Turiner Straße 46 geborene Levi, geboren am 10. Juni 1909 in Berlin, verheiratet mit Alfons Alexander, gemeinsame Tochter Evelyne; Deportation am 4. März 1943 von Berlin in das Vernichtungslager Auschwitz mit dem 34. Osttransport 100px Turiner Straße 46 geboren am 3. Mai 1936 in Berlin, Tochter von Anni und Alfons Alexander; Deportation am 4. März 1943 von Berlin in das Vernichtungslager Auschwitz mit dem 34. Osttransport 100px Reinickendorfer Straße 77 geboren am 20. Dezember 1923 in Berlin; Deportation am 17. November 1941 von Berlin in das Ghetto Kowno (Kauen) Fort IX, ebenda am 25. November 1941 ermordet 100px Reinickendorfer Straße 77 geborene Heymann, geboren am 18. Februar 1896 in Berlin; Deportation am 17. November 1941 von Berlin in das Ghetto Kowno (Kauen) Fort IX, ebenda am 25. November 1941 ermordet 100px Reinickendorfer Straße 77 Julius Barkowsky wurde am 24. Dezember 1887 in Friedland bzw. Bartenstein (russ. Prawdinsk; poln. Bartoszyce) geboren; Deportation am 17. November 1941 von Berlin in das Ghetto Kowno (Kauen) Fort IX, ebenda am 25. November 1941 ermordet 100px Maxstraße 12 Willi Bolien wurde am 8. März 1907 in Berlin-Wedding geboren. Der gelernte Klempner war im Arbeitersport aktiv und ein erfolgreicher Kraulschwimmer. Im Sommer war er regelmäßig als Rettungsschwimmer am Plötzensee tätig, mindestens eine Person soll er dabei vor dem Ertrinken bewahrt haben. Nach sechs Jahren Arbeitslosigkeit erhielt er 1935 eine Anstellung bei der Hans Windhoff Apparate- und Maschinenfabrik AG, die zu diesem Zeitpunkt bereits ein Zulieferbetrieb für die Luftfahrtindustrie war. Noch im gleichen Jahr heiratete er Hildegard Plantikow. Nach den Berichten seines Sohns, der 1942 geboren wurde, gab es wegen der langen Phase der Arbeitslosigkeit zwischen Willy Bolien und seinen Schwiegereltern regelmäßig Streitigkeiten. Im Jahr 1943 begann Willi Bolien eine Widerstandsgruppe in seinem Betrieb aufzubauen. Er leitete Flugblätter weiter, sammelte Geld für die Unterstützung von Widerständlern und sorgte für Kontakte zu sowjetischen Zwangsarbeitern. Zum Schutz vor den Luftangriffen auf Berlin brachte er seine Frau und seinen Sohn nach Herzberg an der Schwarzen Elster. Seine Besuche dort nutzte er auch, um Gespräche mit möglichen Mitstreitern zu führen und Flugblätter im südlichen Brandenburg zu verteilen. Nachdem Karl Rudolf, ein Freund aus dem Arbeitersport, seine Wohnung durch einen Bombentreffer verloren hatte, zog Willi Bolien zu seinen Eltern und überließ seine Wohnung der Familie seines Freundes. Am 13. Oktober 1944 wurde er in der Maxstraße 12 – der Wohnung seiner Eltern – festgenommen und in die Gestapozentrale am Alexanderplatz gebracht. Hier wurde er gefoltert, um Informationen über weitere Widerständler zu erhalten. Durch seinen Entschluss, sich aus einem Fenster zu stürzen, wurden mindestens drei Mitglieder seiner Widerstandsgruppe nicht entdeckt. Willi Bolien überlebte den Sturz nicht und starb am 14. Oktober 1944. Bereits in den 1950er Jahren wurde an dem Haus Maxstraße 12 eine Gedenktafel angebracht, sie wurde jedoch erst beschmiert und schließlich durch Hammerschläge zerstört. Ein Ersatz für die Tafel wurde am 12. Juni 1951 angebracht, jedoch wurde auch diese ein Ziel von Anschlägen, so dass sie auf Wunsch der Witwe von Willi Bolien abgenommen wurde. 100px Sprengelstraße 14 geborene Grossmann, geboren 1904, Tochter eines Heilpraktikers, der zugleich auch Vorsitzender des Berufsverbandes war; verheiratet mit Rudolf Demloff, hatten zwei Söhne (Erwin und Jürgen), in der Familie gab es Spannungen zwischen dem Vater und dem Schwiegersohn, da er aus ärmeren Verhältnissen kam; Anna Demloff belastete diese Situation, 1934 wurde bei ihr „manisch-depressives Irresein“ diagnostiziert, kam zunächst in die Wittenauer Heilstätten, 1938 wurde die Ehe geschieden und zur gleichen Zeit wurde sie in eine andere Anstalt verlegt, am 3. Juli 1940 wurde sie in der Tötungsanstalt Hartheim ermordet (PDF) 100px Müllerstraße 52 100px Müllerstraße 52 100px Nordufer 14 Otto Frank wurde 1874 als Sohn eines Zigarrenmachers geboren. Seit seiner Ausbildung zum Maschinenschlosser war er Mitglied im Deutschen Metallarbeiter-Verband, was er auch bis zur Zerschlagung dieser Gewerkschaft 1933 blieb. Seit 1912 war er hauptamtlicher Parteisekretär der SPD Berlin, von 1914 bis 1917 diente er trotz seines Alters als Soldat im Ersten Weltkrieg. Nach seiner Zeit als Soldat wurde er 1917 zum Vorsitzenden der Vorwärts-Pressekommission gewählt, in den Jahren 1918 und 1919 war er Mitglied des Berliner Vollzugsrats. Mit der Entscheidung für eine parlamentarische Demokratie wurde er 1919 in die verfassungsgebende Preußische Landesversammlung gewählt. Mit der Verabschiedung der Preußischen Verfassung endete diese Versammlung, so dass Otto Frank nach der Bildung von Groß-Berlin schließlich am 21. Februar 1921 zum besoldeten Bezirksstadtrat von Wedding gewählt werden konnte. Rund einen Monat vor dem Ende seiner regulären zwölfjährigen Amtszeit wurde das Rathaus Wedding am 14. März 1933 von Angehörigen der SA besetzt, wobei Otto Frank verletzt wurde. Das Verbot der SPD führte dazu, dass Otto Frank zusammen mit Alfred Markwitz, Karl Schwarz und Richard Schmidt eine illegale Parteileitung bildete, die mit Parteimitgliedern im Exil Kontakt hielt. Im August 1933 wurde die Gruppe verhaftet und in Untersuchungshaft genommen. Während der Verhöre in der Gestapo-Zentrale und im Columbia-Haus wurden Otto Frank und seine Kollegen mehrfach misshandelt; Otto Frank weigerte sich zunächst, ein vorbereitetes Geständnis zu unterschreiben. Zum Prozessbeginn am 17. Februar 1934 wiesen die Beschuldigten, die sich unter anderem von Ernst Fraenkel vertreten ließen, sowohl auf die erzwungenen Geständnisse auch auf die brutalen Verhöre hin. Das Kammergericht sprach schließlich alle Angeklagten aus Mangel an Beweisen frei. Die Verletzungen, die Otto Frank erlitten hatte, waren jedoch so schwerwiegend, dass er am 20. Juli 1936 an den Folgen der Misshandlungen verstarb. 100px Nazarethkirchstraße 49 100px Utrechter Straße 10 (ehem. Utrechter Straße 4) geborene Goldschmidt, geboren am 27. Mai 1887 in Berlin, wohnte seit Mitte der 1930er Jahre in der Utrechter Straße; Deportation am 27. November 1941 von Berlin nach Riga, ebenda am 30. November 1941 ermordet 100px Liebenwalder Straße 40 geboren am 3. August 1940 in Berlin, Sohn von Heinz Hermann Jospe und seiner Frau Henriette; Deportation am 12. Januar 1943 von Berlin in das Vernichtungslager Auschwitz 100px Liebenwalder Straße 40 geboren am 19. Oktober 1915 in Briesen (Mark), verheiratet mit Henriette Hopp, lebten seit 1938 in der Liebenwalder Straße, im dritten Stock des II. Quergebäudes, in einer Einzimmerwohnung, gemeinsamer Sohn Awigdor; arbeitete zuletzt als Zwangsarbeiter beim Kolonialpolitischen Amt der NSDAP als Kohlen-Transportarbeiter; am 11. Januar 1943 kam die gesamte Familie in das Sammellager Große Hamburger Straße 26 und wurde am 12. Januar 1943 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert 100px Liebenwalder Straße 40 geborene Hopp, geboren am 30. Juli 1914 in Berlin, verheiratet mit Heinz Hermann Jospe, gemeinsamer Sohn Awigdor; arbeitete zuletzt als Monteurin bei der Firma Elektrica in der Hauptstraße 49 in Schöneberg; Deportation am 12. Januar 1943 von Berlin in das Vernichtungslager Auschwitz 100px Liebenwalder Straße 44 geborene Springer, geboren am 25. Februar 1870 in Schnaittach, Witwe und Rentnerin, wohnte in einer Zweizimmerwohnung; Deportation am 19. Januar 1942 von Berlin nach Riga in das Ghetto Riga 100px Malplaquetstraße 12 100px Malplaquetstraße 12 100px Groninger Straße 22 geboren am 28. November 1898 in Stettin (poln. Szczecin), von Beruf Arbeiter und Reichstagsabgeordneter; am 26. Januar 1935 von der Gestapo verhaftet, vom Volksgerichtshof wegen Vorbereitung zum Hochverrat Anfang August 1935 zum Tode verurteilt, Todesurteil wurde später in eine lebenslange Zuchthaushaft umgewandelt, vom Gefängnis Plötzensee kam er ab Februar 1936 in das Zuchthaus Brandenburg-Görden und am 21. Dezember 1943 in das KZ Buchenwald; starb ebenda am 18. Oktober 1944 an Flecktyphus. 100px Müllerstraße 28 geborene Graetz, geboren am 1. Februar 1868 in Wollstein, wohnte zuletzt zusammen mit ihrer Tochter Hilde Meyerstein; Deportation am 6. August 1942 von Berlin in das Ghetto Theresienstadt, starb ebenda am 22. August 1942 nach offizieller Todesfallanzeige an Kachexie und „Erschöpfung“Korytowski Regina Todesfallanzeige, Ghetto Theresienstadt auf holocaust.cz 100px Utrechter Straße 43 100px Afrikanische Straße 140 100px Liebenwalder Straße 16 100px Liebenwalder Straße 16 100px Liebenwalder Straße 16 100px Liebenwalder Straße 16 100px Otawistraße 23 Der erste Stolperstein für Julius Lewin wurde am 12. September 2008 verlegt (Foto des damals verlegten Steins) und am 30. November 2021 gegen eine neue Fassung ausgetauscht.