Gallneukirchen ist eine Stadtgemeinde im Unteren Mühlviertel im Bezirk Urfahr-Umgebung.
Geografie Das Ortszentrum von Gallneukirchen liegt 14 Kilometer nordöstlich der Landeshauptstadt Linz im Unteren Mühlviertel in einer weitläufigen Talsenke, dem Gallneukirchner Becken. Mit einer Fläche von 5,18 Quadratkilometern und Einwohnern (Stand ) ist Gallneukirchen flächenmäßig die kleinste und bezogen auf die Einwohneranzahl die zweitgrößte Gemeinde des Bezirks. Das Gemeindegebiet bedeckt eine Fläche von 5,18 Quadratkilometern. Die größte Ausdehnung in Ost-West-Richtung beträgt 3 und in Nord-Süd-Richtung 2,9 Kilometer.DORIS: , (Abgerufen am 4. Juni 2009).
Die höchste Erhebung befindet sich nördlich des Ortszentrums in der Nähe von Punzenberg auf rund und der tiefste an der Großen Gusen nächst der Grenze zur Nachbargemeinde Engerwitzdorf (Ortsteil Schweinbach) auf rund Das Zentrum Gallneukirchens liegt auf
mini|Landschaft um Gallneukirchen Gallneukirchen gehört zum Granit- und Gneisplateau, dem österreichischen Anteil der Böhmischen Masse. Aus geologischer und geomorphologischer Sicht sowie unter Aspekten der Raumnutzung gehört der nördliche Teil des Gemeindegebietes zur oberösterreichischen Raumeinheit Zentralmühlviertler Hochland, während der südliche Teil in die Raumeinheit Südliche Mühlviertler Randlagen fällt.
Im Norden des Gemeindegebietes besteht der Untergrund aus Engerwitzdorfer Granit und Migmagranit. Der Anteil am Gallneukirchner Becken im südlichen Teil des Gemeindegebietes besteht aus tertiären Ablagerungen auf Mauthausner Granit. Die Ablagerungen bildeten zum größten Teil Schlier und im Übrigen Sande. Entlang der Fließgewässer finden sich Alluvionen, wo zahlreiche Fossilien gefunden wurden.Rudolf Grill: Das Oligocänbecken von Gallneukirchen bei Linz a. D. und seine Nachbargebiete. In: Mitteilungen der Österreichischen Geologischen Gesellschaft. Band 28, Wien 1935, S. 37–72 ().
Die Große Gusen durchfließt das Gemeindegebiet von Nord nach Süd in Richtung Donau. Im Gemeindegebiet mündet der Mirellenbach in die Gusen. Namhafte Stillgewässer sind auf Grund der kleinen Gemeindefläche nicht vorhanden.
Gemeindegliederung mini|Stadtgliederung und Nachbargemeinden Der ehemalige Markt Gallneukirchen ist jeweils mit denselben Grenzen seit 1784 Katastralgemeinde und seit 2001 Stadtgemeinde mit dem Ortsteil Gallneukirchen.
Die Verteilung der Flächennutzung zeigt, dass die land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen 75 % und Gärten 13,5 % der Gemeindefläche ausmachen.
Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Urfahr.
Nachbargemeinden
Im Westen und Süden ist Gallneukirchen mit den Ortsteilen Linzerberg, Klaus, Schweinbach und Simling der Nachbargemeinde Engerwitzdorf zusammengewachsen.
Klima Die nächstgelegenen staatlichen Klimastationen befinden sich in Reichenau (), Allerheiligen () und Linz (). Deren Daten bilden die Grundlage für die Beschreibungen des Klimas in den zwei für Gallneukirchen relevanten Raumeinheiten.ZAMG: Klimadaten von Österreich 1971–2000, (Abgerufen am 12. Juni 2009). Das Gemeindegebiet von Gallneukirchen zählt auf Grund der Beckenlage zu den klimatisch begünstigten Lagen Oberösterreichs. Durch die Südexposition des Beckens ist das Klima mild und das Jahresmittel liegt zwischen acht und neun Grad Celsius, weist somit starke Ähnlichkeiten zum Klima im Linzer Raum oder im Machland auf.
Kühlster Monat ist der Jänner mit mittleren Temperaturen von −1,5 bis −2,1 °C und wärmster der Juli mit einem Temperaturmittel zwischen 17,7 und 18,8 °C. Die Niederschläge liegen im Gallneukirchner Becken zwischen 700 und 800 mm pro Jahr und es ist somit der trockenste Bereich der Raumeinheit Südliche Mühlviertler Randlagen. Durch die für das Mühlviertel hohen Temperaturen ist im Winter die Gesamtschneedecke gering und durchgehende Schneedecken sind die Ausnahme. Winde kommen am häufigsten aus dem Westen, am zweithäufigsten aus dem Südosten.
Geschichte Ortsgeschichte mini|hochkant|Die Stadtpfarrkirche Gallneukirchen, Ansicht aus Südost Im Tertiär war das heutige Gemeindegebiet vom Meer bedeckt. In der jüngeren Steinzeit siedelten Menschen an den Abhängen zum Gallneukirchner Becken, wovon zahlreiche Funde von Flach- und Steinbeilen zeugen. Eine Grabhügelanlage mit 4 Gräbern aus der ausgehenden Bronzezeit wurde östlich des Zentrums in Tumbach freigelegt.
Die ab 1832 durch Gallneukirchen führende Pferdeeisenbahn Budweis–Linz–Gmunden bewirkte einen wirtschaftlichen Aufschwung des Ortes. 1873 wurde der Vorläuferverein des heutigen evangelischen Diakoniewerks gegründet. Die Lage im sogenannten „Speckgürtel“ von Linz bewirkt seit den 1960er-Jahren einen starken Bevölkerungszuwachs. Auf Grund der steigenden Bedeutung des Marktes erfolgte 2001 die Erhebung zur Stadt. Der Slogan der Stadt lautet „Stadt erleben, Land genießen“.
Vermutlich bestand bereits im 9. Jahrhundert eine Pfarre in Gallneukirchen, die sich bereits damals von der Mutterpfarre Linz gelöst hatte und somit eine der ältesten Pfarren des heutigen Mühlviertels ist. Die Kirche ist dem Heiligen Gallus geweiht, der um 640 nach Christus gestorben ist und wurde erstmals 1180 erwähnt. Eine bereits ins Jahr 1125 datierte Urkunde verwendet den Ortsnamen Novenkirchen. 1145 wurde der Vorgängerbau des heutigen Schlosses Riedegg von Gottschalk von Haunsperg errichtet, der die Lehenshoheit über den Ort hatte. Die Lehenshoheit ging 1211 mit dem Erwerb von Riedegg an das Bistum Passau und wurde von diesem bis 1411 ausgeübt. Das Bistum bestellte die Pfarrer und Marktrichter des Ortes. Um 1260 erhielt der Ort das Marktrecht, das unter anderem 1510 bestätigt wurde und seit 1356 wird der heutige Ortsname Gallneukirchen verwendet.
Die Lage an einem wichtigen Handelsweg von Linz über Freistadt nach Böhmen war die Grundlage des Wohlstandes und der Existenz der Marktbewohner.
1411 ging die Lehenshoheit um 5000 Pfund Wiener Pfennige an die Brüder Caspar und Gundakar von Starhemberg auf Burg Wildberg, deren Nachkommen die Burg Riedegg 1539 zu einem Schloss umbauen ließen.
Im 15. Jahrhundert wurde die Pfarrkirche auf die heutige Größe ausgebaut. Im 16. Jahrhundert bekannten sich die meisten Gallneukirchner zum protestantischen Glauben. Nachdem 1562 unter Rüdiger von Starhemberg der neue Glaube offiziell geworden war, blieb der Ort bis zur Gegenreformation protestantisch. Im Zuge der Bauernkriege brannte 1622 der Markt, wobei viele Häuser in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Während der Napoleonischen Kriege war der Ort mehrfach besetzt und ist seither wieder bei Oberösterreich. Von 1832 bis 1872 transportierte die Pferdeeisenbahn Güter und Personen durch Gallneukirchen. Die Bahnstation war Oberndorf. Ein kurzes Teilstück der Trasse kann in der Nähe des Mirellenbachs besichtigt werden.
1810 entstand eine Erweckungsbewegung durch den katholischen Pfarrer Martin Boos.Zum Wirken von Boos siehe Johannes Evangelista Goßner (Hrsg.): Martin Boos, der Prediger der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Sein Selbstbiograph, neu hrsg. von Franz Graf-Stuhlhofer, 2. Auflage 2021. Verlag für Kultur und Wissenschaft, Bonn 2021. Dessen Anhänger, die Boosianer, wurden als Ketzer aus der Kirche ausgeschlossen. Mit Jahresbeginn 1873 erfolgte von den Boosianern die Gründung des Vereins für Innere Mission, aus dem das heutige evangelische Diakoniewerk hervorgegangen ist.
1905 wurde die evangelische Pfarrkirche errichtet. 1933 erwarb ein Engländer das Schloss Riedegg von den Starhembergern, bevor es 1936 die Mariannhiller Missionare erwarben.
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 wurde Oberösterreich zum Gau Oberdonau. Anfang Mai 1945 erreichten amerikanische Panzer den Markt. Ab 1. Juli 1945 besetzte die Rote Armee Gallneukirchen und der Ort gehörte bis 1955 zur sowjetischen Besatzungszone. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nahm der Ort einen beträchtlichen Aufschwung, wozu insbesondere der Anschluss an die Mühlkreis Autobahn in den 1970er Jahren beitrug.
1985 wurde die Gemeinde eine Europagemeinde und seit 1992 besteht eine Partnerschaft mit Northeim in Niedersachsen.
Am 5. März 2001 wurde Gallneukirchen von der Oberösterreichischen Landesregierung zur Stadt erhoben.
Bevölkerungsentwicklung
Um 1545 wurden im Urbar Riedegg 87 Häuser im Amt Gallneukirchen erwähnt. 1846 wurde die Anzahl der Einwohner mit 1467 angegeben.
Im Jahr 1869 wohnten im Gemeindegebiet 1509 Menschen. Bis 1961 stieg die Einwohnerzahl stetig auf 2741. In den 1960er Jahren begann ein beträchtlicher Bevölkerungszuwachs, der auf die Lage im Speckgürtel von Linz zurückzuführen ist. Die Einwohnerzahl im Bezirksvergleich überdurchschnittlich. Bei der Volkszählung 2001 hatte Gallneukirchen 5915 Einwohner und 2006 wurden bereits 6309 Einwohner verzeichnet. Durch neuerlichen kontinuierlichen Zuzug können 2020 bereits 6.574 Hauptwohnsitze gezählt werden. Bezogen auf die Einwohneranzahl ist Gallneukirchen die drittgrößte der acht Städte des Mühlviertels nach Perg und Freistadt.
Bei der Volkszählung 2001 betrug der Anteil der Einwohner, die 60 Jahre und älter waren 14,4 %, während 20 % unter 15 Jahre alt waren. Der Anteil der weiblichen Bevölkerung lag bei 51 %.Volkszählung 2001: Demografische Daten (Download als PDF; 10 kB).
Von den 4730 Bewohnern Gallneukirchens, die 2001 älter als 15 Jahre waren, hatten 10,9 % eine Universität, Fachhochschule oder Akademie abgeschlossen und 14 % eine Matura absolviert. 45,4 % verfügten über einen Lehrabschluss oder den Abschluss einer berufsbildenden mittleren Schule. 29,7 % der betreffenden Bevölkerungsgruppe hatten die Pflichtschule als höchsten Abschluss.
Sprachen Der deutsche Dialekt, der im Raum Gallneukirchen sowie im größten Teil Oberösterreich allgemein gesprochen wird, ist das Ostmittelbairische. 97,4 % der Gallneukirchner gaben 2001 Deutsch als Umgangssprache an. 0,5 % sprachen kroatisch und 0,4 % türkisch, der Rest andere Sprachen.
Der Anteil der Gallneukirchner mit ausländischer Staatsbürgerschaft lag 2001 mit 4 % unter dem Durchschnitt Oberösterreichs. Dabei hatten 0,9 % der Gallneukirchner Bevölkerung eine Staatsbürgerschaft aus Bosnien und Herzegowina, 0,6 % eine aus der Türkei und 2,5 % aus anderen Ländern der Welt. Insgesamt waren 2001 etwa 6,4 % der Gallneukirchner im Ausland geboren.
Religion Bei der Volkszählung 2001 haben 4860 Personen (82,2 %) römisch-katholisch als Religionsbekenntnis angegeben, 312 (5,3 %) evangelisch, 131 (2,2 %) islamisch, 20 (0,3 %) orthodox und 125 sonstige Glaubensrichtungen. 467 (7,9 %) Gallneukirchner haben sich zu keiner Religion bekannt.
Die römisch-katholische Pfarre Gallneukirchen gehört zum Dekanat Gallneukirchen und umfasst auch Gebietsteile in den benachbarten politischen Gemeinden. Mit über 11.500 Katholiken ist die Pfarre die größte im Mühlviertel.Diözese Linz: Die Mitglieder der evangelischen Kirche gehören zur evangelischen Pfarrgemeinde Gallneukirchen, die im mittleren und nordöstlichen Mühlviertel über 1300 Gläubige umfasst.
Seit 2013 gibt es die „Christen-Gemeinde in Gallneukirchen“, die sich die Einheit aller Christen der Region zum Ziel gesetzt hat, die Jesus Christus im Zentrum ihres Lebens haben.Siehe Christen-Gallneukirchen
Kultur und Sehenswürdigkeiten hochkant|mini|alt=alter Brunnen am Marktplatz|Der Brunnen am Marktplatz mini|Schloss Riedegg Südansicht mini|Gusenhalle
Die katholische Stadtpfarrkirche Gallneukirchen besteht vermutlich seit dem 9. Jahrhundert und ist dem Heiligen Gallus geweiht. Die heutige Größe wurde durch einen Umbau im 14. Jahrhundert erreicht, die Einrichtung stammt überwiegend aus dem Jahr 1770. Die evangelische Christuskirche wurde zwischen 1904 und 1905 für die evangelische Christusgemeinde Gallneukirchen errichtet, deren Einzugsgebiet den östlichen Bereich des Bezirks Urfahr-Umgebung und den gesamten Bezirk Freistadt umfasst. Die letzte Renovierung des neugotischen Baus erfolgte 1997.