Gramastetten ist eine Marktgemeinde in Oberösterreich im Bezirk Urfahr-Umgebung im oberen Mühlviertel mit Einwohnern (Stand ).

Geografie Gramastetten liegt auf einer Höhe von im oberen Mühlviertel. Die größten Gewässer sind die Große Rodl und der Bleicherbach. Die höchsten Erhebungen sind Guglbühel (601 m) im Norden und Koglerauer Spitz (685 m) im Süden.

Die Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 10,9 und von West nach Ost 9,6 Kilometer. Die Gesamtfläche umfasst  Quadratkilometer. Davon sind 58 Prozent landwirtschaftliche Nutzfläche und 33 Prozent sind bewaldet.

Flächenverteilung

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):

Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Urfahr.

Nachbargemeinden

Geschichte Ortsgeschichte Die Geschichte von Gramastetten reicht bis in das Jahr 2500 v. Chr. zurück, wie viele jungsteinzeitliche Funde in LimbergChristine Schwanzar: Die Ur- und Frühgeschichte des Mühlviertels. Katalog des OÖ. Landesmuseums, 1988, S. 241 ()., Anger und anderen Ortschaften bezeugen.Fundstätten und Funde. In: Schwierz: Heimatbuch Band 2, 2005, S. 62–76.Josef Reitinger: Der Bezirk Urfahr in urgeschichtlicher Zeit. In: Oberösterreichische Heimatblätter. 1963, S. 38–39 (). Aus dem 9. Jahrhundert n. Chr. stammen 7 slawische Hügelgräber in der Koglerau.Die frühgeschichtlichen Hügelgräber in der Koglerau. In: Schwierz: Heimatbuch Band 2, 2005, S. 78–86.

Der Ortsname leitet sich von dem Namen Grimhard ab. Damals wurden Orte oft nach Personen benannt. Die ältesten Betitelungen des Ortes waren Grimhartesstetin (1110), Crimarsteten (1180) und Grimarstetin (1236). Weitere sehr alte Ortsteile sind Türkstetten (1180 Duringensteten, also Stätte einer Person namens During), Schlagberg (1206 Slafberc), Asenbaum (1285 Asenboam, mhd. „Stützbalken“) und die 1287 erwähnten Ortschaften Feldsdorf (Felsdorf als Lichtung, von slawisch bel=weiß/hell), Hals (lateinisch De Collo), Lassersdorf (Lazzensdorf, vom Personennamen Wladislaw), Limberg (Lintperge, von Linde).

Im Jahr 1110 wurde die Altpfarre, die Ottensheim, Lichtenberg, Oberneukirchen, Zwettl an der Rodl, Leonfelden und Vorderweißenbach umfasste, gegründet und die erste Kirche geweiht. Bis 1292 Leonfelden als eigene Pfarre abgetrennt wurde, erstreckte sich das Gebiet der Altpfarre also in dem durch kleine Rodl und Haselbach begrenzten Streifen zwischen der Donau im Süden und dem Sternstein im Norden.Schwierz: Heimatbuch Band 3, 2009, Karten S. 87 und S. 114.

Kaiser Maximilian I. erhob am 7. Jänner 1518 Gramastetten zum Markt, und am 14. Mai 1551 verlieh der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Ferdinand I. der Gemeinde das Recht, ein Wappen zu führen.Urkunden Nr. 1 und Nr. 3 im Kommunalarchiv Kaiser Ferdinand III. bestätigte am 3. November 1639 die Privilegien der Gemeinde und erlaubte zusätzlich die Abhaltung von Jahrmärkten.Pfarramt Gramastetten: Ein kleines Geschichtsbild anläßlich der Feier des 800jährigen Bestandes der Pfarre. Linz 1910, S. 19 ().Urkunde Nr. 12 im Kommunalarchiv Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges waren die Gramastettner am Bau der Schwedenschanze bei Bad Leonfelden beteiligt. Das Bürgerspital (heute Schmiedberg 1) wurde 1664 erstmals erwähnt.Schwierz: Heimatbuch Band 3, 2009, S. 215.

Die Brandkatastrophen von 1842 (auf der Nordseite der Marktstraße), 1861 (Südseite) und 1862 (Osten) verwüsteten alle Gebäude des MarktesSchwierz: Heimatbuch Band 3, 2009, S. 242–245. mit Ausnahme der Kirche (die dann 1945 brannte). Das Gramastettner Marktbuch ging leider beim Wiener Justizpalastbrand 1927 verloren.Schwierz: Heimatbuch Band 3, 2009, S. 302.

Zweiter Weltkrieg Während 1945 etliche Mühlviertler Gemeinden den vormarschierenden US-amerikanischen Truppen kampflos übergeben wurden und damit verschont blieben, ließen die Kommandanten der deutschen Einheiten trotz gegenteiliger Bitten der Bevölkerung Gramastetten verteidigen. Der Ort stand von US-amerikanischen Truppen unter Beschuss, welche am Abend des 3. Mai, wenige Tage vor der Kapitulation der deutschen Wehrmacht, mit Panzern auf dem Markt eintrafen. Der Kampf um Linz hielt zwei Tage an. Die Amerikaner vertrieben viele Bewohner aus ihren Häusern, in denen sie sich sodann niederließen. Bei den Kämpfen fielen die 1908 erbaute Schule, das Mesnerhaus und weitere Häuser den Flammen zum Opfer. Dass nicht der ganze Markt niederbrannte, lag an der extremen Windstille und den harten Dächern, die einige Häuser bereits anstatt Strohdächern besaßen. Weiters wurden die Kirche, der Turm und etliche Gebäude durch die Angriffe zerstört. Unter den Toten der Kämpfe waren ausschließlich Soldaten. Die gefallenen deutschen Soldaten wurden am Friedhof in Gramastetten beigesetzt.Gramastetten unter Beschuss: Die letzten Tage des 2. Weltkrieges in Gramastetten auf grimhard.at

Die US-amerikanischen Truppen zogen am 5. Mai 1945, als die Kampfhandlungen in Oberösterreich mit dem Fall von Linz beendet waren, aus Gramastetten ab und übergaben Ende Juli 1945 das Mühlviertel der Roten Armee.

Neuere Geschichte Anlässlich der 500-Jahre-Markt-Feierlichkeiten 2018 wurde eine Häuserchronik verfasst, wobei Informationsschilder mit Text und alten Zeichnungen nach dem Entwurf von Plexiglasdesigner Rudolf Fiereder an den Fassaden der Gebäude in der Marktstraße gut sichtbar angebracht wurden.

Bevölkerungsentwicklung

Die Zunahme der Einwohnerzahl in den letzten Jahrzehnten beruht auf einer stark positiven Wanderungsbilanz. Diese ging seit 2001 etwas zurück, dafür wurde die Geburtenbilanz positiv. 2024 war die Geburtenbilanz negativ aber die Zuwanderung viel positiver.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Burgruine Lichtenhag mini|hochkant|Pfarrkirche Gramastetten mini|hochkant|Die Jahresstiege

Burgruine Lichtenhag: Die erstmalige urkundliche Erwähnung war 1167. Nachdem die Burg unter den Starhembergern mit anderen Herrschaften zusammengelegt wurde, begann der Verfall. Die Ruine ist heute in Privatbesitz. Katholische Pfarrkirche Gramastetten hl. Laurentius: Im Jahr 1110 weihte der aus Passau stammende Bischof Ulrich die erste Kirche in Gramastetten, die dem heiligen Laurentius geweiht wurde. Eine neue spätgotische Kirche mit Unterkirche wurde im Jahr 1440 errichtet. Ein Vertreter der Kirche von 1945 bis 1964 war Pfarrer Pater Konrad Just, der für seine Taten auch als „Don Camillo des Mühlviertels“ bekannt war. Kalvarienbergkirche Gramastetten Premakirche der fünf Weltreligionen: Die private Hofkapelle in Türkstetten wurde am 18. September 2017 durch Vertreter von fünf Weltregionen eröffnet, nämlich Lama Tenzin Sangpo (Buddhismus), Abt Reinhold Dessl (Christentum), Naresh Sheetal (Hinduismus), Hussein Haimour (Islam) und Ville Lignell (Judentum).Kirche für fünf Religionen in Gramastetten auf orf.at, 19. September 2017. Baderhaus aus dem 16. Jh., Wohnhaus des Arztes und Bürgermeisters Alois Peither, im 20. Jh. Pfarrkino von Pfarrer Konrad Just JahresstiegeDie Jahresstiege. In: Schwierz: Heimatbuch Band 2, 2005, S. 211–217.: Der Marktbürger Alois Peither (zur Person siehe Abschnitt „Persönlichkeiten“) besaß die „Kirchleitn“, einen mit Buschwerk verwachsenen, sehr steilen Hang, der sich hinter der Kirche befand und bis zur Rodl reichte. Für die Kultivierung musste er sehr viel Geld aufbringen. Sein Plan war, auf der „Kirchleitn“ Plantagen anzulegen, die vor allem den Armen nutzen sollten. Mit dieser Idee begann ein Lebenswerk für Alois Peither. Zwei Etagen waren 1846 alleine mit Maulbeerbäumen, die für die Seidenraupenzucht verwendet werden sollten, bepflanzt. Des Klimas wegen konnten die Seidenraupen jedoch nicht überleben. So begann er seinen Hang weiter zu kultivieren und hatte 1876 bereits fünf mit Blumen, Sträuchern, Obstbäumen und Hopfen, der damals staatlich gefördert wurde, bepflanzte Terrassen. Zu seinen weiteren Kultivierungsmaßnahmen zählten das Anlegen eines Gemüsegartens und einer Wein- und Hopfenlaube sowie das Aufstellen eines Bienenstocks. Das Ziel seines Lebenswerkes war es, besonders für die Armen Arbeit zu schaffen. Er benötigte Maurer, welche die Mauern für die Terrassen aufstellen und erhalten mussten. Zusätzlich brauchte er Leute, die Gestrüpp und Bäume entfernten, Sprengungen durchführten, Dünger und Erde lieferten usw. Des Weiteren ließ er von den Armen eine Stiege erbauen, die an den Terrassen entlang zur Talsohle führt. Die Stiege besteht aus 365 Stufen, deshalb wird diese auch „Jahresstiege“ genannt. Alois Peither hat eine Eiche auf der Anhöhe seiner „Kirchleitn“ gepflanzt, von der die Jahresstiege zur Rodl geht. Von diesem Platz hat man einen Ausblick auf das Rodltal und die Burgruine Lichtenhag. Mit einer um den Baum aufgestellte Bank war der Ort Lieblingsplatz von Peither.Wohltäter Peither auf grimhard.at

Kulturgüter Das Gramastettner Lied: Das Lied „Mein liebes Gramastett'n“ wurde am 26. September 1951 in Aussee von dem in Gramastetten geborenen Hans Gielge geschrieben. Er widmete das Lied dem Herrn Oberlehrer Hauser und seinem lieben Geburtsort Gramastetten.Gramastettner Lied (PDF) auf der Webseite der Gemeinde mini|Gramastettner Krapferl Spezialitäten aus Gramastetten: In Gramastetten wurde seit 200 Jahren Lebkuchen und Zwieback produziert. Der Zwieback war sehr beliebt und so stellten ihn auch Linzer Betriebe her, welche den Zwieback als Gramastettner Zwieback verkauften. Erst ein wenig später wurden die Gramastettner Krapferl erfunden. Bekannt sind diese seit 1900, es ist jedoch unbekannt, wie lange es die Krapferl bereits gibt.Schwierz: Heimatbuch Band 3, 2009, S. 269–271. Die landesweit bekannten Krapferl werden nach einem altüberlieferten Rezept aus Mürbteig gefertigt. Die Erste, die die „Gramastettner Krapferl“ produzierte war Katharina Humalin. Familie Hummel, die Nachkommen von Humalin, fuhren mit der Erzeugung der Krapferl bis 1933 fort. Ein Großneffe der Familie Hummel, Konditormeister Hermann Knollmayr, führte die Tradition weiter. Die Hummel’s Backmanufaktur erzeugt heute noch die berühmten Gramastettner Krapferl und Zwieback.

Kultureinrichtungen ArGe Kultur Gramastetten Gramaphon. Am 19. Oktober 2008 wurde das Gramaphon als Veranstaltungszentrum eröffnet. Es wurde dort errichtet, wo sich einst die Kaiser Franz Joseph-Jubiläumsschule befand. Das Gramaphon bietet Platz für einen großen Veranstaltungssaal, einen Proberaum für die Musikkapelle, ein Lokal sowie die Musikschule.Schwierz: Heimatbuch Band 3, 2009, S. 449. KuKuRoots – verwurzelt Kunst und Kultur OÖ. Volksbildungswerk im Landeskulturzentrum Ursulinenhof ThekaGram

Wirtschaft und Infrastruktur Öffentliche Einrichtungen Von der Wassergenossenschaft, die privat geführt wird, wurde im Jahre 1947 eine neue Wasserleitung gebaut. Die Leitungen wurden ständig ausgebaut und erneuert, sind auf dem neuesten Stand der Technik und versorgen die meisten Haushalte. In den 1990er Jahren wurden die Anlagen um eine Entsäuerungsanlage erweitert. Durch die wachsende Zahl der Bevölkerung und nach großen sommerlichen Trockenheitsphasen wurde ein Anschluss an die Fernwasserversorgung Mühlviertel vorgenommen. Das vollständig ausgebaute Leitungsnetz hat eine Länge von 45 km und versorgt den Markt und die Randgebiete mit bekömmlichem Trinkwasser. auf ooewasser.atHomepage der Wassergenossenschaft Gramastetten auf wassergenossenschaft.or.at

Der Bau der Ortskanalisation erfolgte in den Jahren 1958 und 1961.

Im Jahr 1993 wurde außerhalb des Marktes auf einem Teil der Ortnergründe, die von der Gemeinde erworben wurden, ein Gewerbepark an der Hansberg Landesstraße in Türkstetten errichtet. Ortsansässige sowie neue Betriebe hatten somit die Gelegenheit sich zu entfalten.Schwierz: Heimatbuch Band 3, 2009, S. 447.

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