Das Colt M4 Carbine (Karabiner) ist ein kurzes und leichtes Sturmgewehr mit hoher Anpassbarkeit für unterschiedliche Gefechtssituationen. Entwickelt wurde es ab Ende der 1990er-Jahre vom US-amerikanischen Waffenhersteller Colt. Es gehört, wie die längeren M16-Gewehre, zur Gruppe der Waffen mit AR-15-System. Ursprünglich war das Modell für den Einsatz bei polizeilichen Spezialeinheiten und rückwärtigen Truppen der US-Armee gedacht, bei denen es die M9-Pistolen der Unteroffiziere und veraltete Maschinenpistolen ersetzen sollte. Jedoch wurde es ab den frühen 2000er-Jahren auch bei Soldaten im Fronteinsatz und militärischen Spezialeinheiten immer beliebter. Inzwischen hat es die meisten M16A2- und M16A4-Modelle aus dem Fronteinsatz bei der US-Armee und den US-Marines verdrängt. Das Modell steht wiederholt wegen vermeintlich mangelnder Funktionssicherheit in der Kritik. Die US-Armee wird das M16 und M4 durch das XM7 ablösen.

Geschichte Nachdem Colt 1964 die Rechte am AR-15 von der Firma ArmaLite übertragen bekommen hatte, versuchte die Firma mit einer auf dem System des AR-15 basierenden Modellreihe eigene Akzente zu setzen und die Angebotspalette um das M16-Gewehr zu erweitern. Colts eigene Serie bekam den Namen Colt Automatic Rifle 15 kurz CAR-15. Oft wird CAR-15 als Sammelbezeichnung für alle kurzen AR-15-artigen Waffen benutzt, da diese im Gegensatz zu den lMG von Colt erfolgreich waren. Das erste kurze CAR-15 war im Kern ein M16 mit von 20 auf 15 Zoll gekürztem Lauf, dessen Mündung direkt hinter dem Gasentnahmeblock lag. Da hier Mündung und Gasentnahme zu nah aneinander lagen, arbeitete das System der Waffe nicht zuverlässig. Diese Waffe hieß firmenintern Model 605 und erhielt als Model 605B als eines der ersten AR-15-Modelle einen 3-Schuss-Feuerstoß-Modus, der neben Sicher, Einzel- und Dauerfeuer ausgewählt werden konnte.

Bei folgenden Modellen wurde die Gasentnahmebohrung weiter nach hinten versetzt. Auf diese Weise konnten die Läufe noch stärker gekürzt werden. Das reguläre Modell 607 mit 10-Zoll-Lauf, das von Colt als Maschinenpistole unter dem Namen CAR-15 SMG vermarktet wurde, fand nur wenig Anklang. Im Gegensatz zu einer echten Maschinenpistole feuerte das Modell 607 immer noch die Mittelpatrone 5,56 × 45 mm, die in Kombination mit dem kurzen Lauf einen enormen Mündungsknall verursachte. Das Modell 607 hatte einen ausziehbaren Kolben, dessen Form dem M16A1 ähnelte. Erst das als Überlebensgewehr angebotene Modell 608 wurde in geringen Stückzahlen vom US-Militär gekauft und an Piloten ausgegeben, die sich damit im Falle eines Absturzes verteidigen sollten.

mini|links|Navy SEAL mit XM177E1-SMG (1995) Den Durchbruch schaffte 1966 das Modell 609, das von der US-Armee als XM177E1 an Fahrzeugbesatzungen und Spezialeinheiten ausgegeben wurde. Dieses Modell besaß einen stabileren runden gerippten Handschutz und einen ausziehbaren Kolben. Das wichtigste Merkmal ist jedoch der Moderator am Ende des ebenfalls zehn Zoll langen Laufes, der half, den Mündungsknall und das enorme Mündungsfeuer unter Kontrolle zu halten. Auch verzerrte er das Schussgeräusch, so dass das XM177E1 eher nach einer AK-47 als nach einem M16 klang. Diese immer noch als Maschinenpistole vermarktete Waffe erfreute sich besonders großer Beliebtheit beim MACV-SoG und anderen Spezialeinheiten der US-Streitkräfte im Vietnamkrieg. Jedoch galt sie als unzuverlässig und es wurde bemängelt, dass sich weder Granatgeräte noch Seitengewehre anbringen ließen. Die US-Luftwaffe orderte mit dem Modell 610 ein beinahe identisches Modell und führte dieses als GAU-5/A ein. Einziger Unterschied war, dass diese Version nicht über die mit dem M16A1 eingeführte Schließhilfe verfügte. XM177E1 und GAU5-A verfügten beide über eine ausziehbaren, aber nicht verstellbaren Kolben aus Aluminium mit oben angebrachter Gurtaufnahme.

Um das geforderte Granatgerät aufnehmen zu können, verlängerte Colt den Lauf des XM177E1 und schuf mit dem Modell 629 eine Waffe mit 11,5 Zoll langem Lauf, an dem ein Granatgerät Typ XM148 angebracht werden konnte. Die US-Armee führte dieses Modell als XM177E2 ein und die US-Luftwaffe das beinahe identische Modell 630 als GAU-5A/A, erneut ohne Schließhilfe. Ab diesem Schritt verwendete Colt den Begriff „Commando“ anstelle von „SMG“ für das Marketing der Waffen. Das XM177E2 erfreute sich besonders großer Beliebtheit bei den Soldaten des MAC-V-SoG und anderer Spezialeinheiten, welche die Kompaktheit in Kombination mit der großen Feuerkraft sehr zu schätzen wussten. Als Nachteil erwies sich jedoch, dass die Moderatoren sich nach einiger Zeit mit Pulverrückständen zusetzten, ihre Funktion verloren und nur schwer zu reinigen waren. Auch konnte am XM177E2 immer noch kein Seitengewehr aufgepflanzt werden.

mini|GAU-5A/A „Commando“ mit A2-Mündungsdämpfer Nach Ende des Vietnamkrieges gingen die meisten XM177E1 und E2 an die US-Luftwaffe, welche diese neben ihren GAU-5A und GAU-5A/A einsetzte. Die verschlissenen Moderatoren wurden gegen die Mündungsfeuerdämpfer des M16A1 ausgetauscht, wodurch erneut Waffen mit einem enormen Mündungsfeuer entstanden. Die Lösung der US-Luftwaffe bestand darin, die ursprünglichen Läufe mit 10 und 11,5 Zoll Länge gegen neue Läufe mit 14,5 Zoll zu tauschen. Dabei bekamen diese gleichzeitig die 1:7-Drallsteigung für die neuen M855/SS-109-Nato-Geschosse. Die so entstandenen Waffen erhielten die Bezeichnung GUU-5/P. Es ist umstritten, warum 14,5 Zoll als neue Länge gewählt wurde. Wahrscheinlich ist unter anderem, dass sich so das M-9-Seitengewehr des M16A1 an den Waffen mit gekürztem Gassystem verwenden ließ. Als umrüstbare „SMG“- und „Commando“-Modelle ausgingen, lieferte Colt auch fertige Waffen in dieser Lauflänge, die Modelle 650, 651, 652, 653, und nannte diese „Carbine“. Durch die neuen längeren Läufe mit geradem Profil ließen sich jedoch keine Granatgeräte mehr anbringen. Später wurden jedoch viele GUU-5/P mit M4-Profil-Läufen mit „Step Cut“ nachgerüstet.

Da Colt die Entwicklung des M16A2 1984 von den US-Marines quasi aus der Hand genommen worden war, suchte die Firma nach neuen Produkten und Absatzmärkten. Sie konzentrierte sich dabei in erster Linie auf die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den Fokus gerückten polizeilichen Antiterror-Einheiten. Diese benötigten möglichst kurze Waffen, die für den Gebrauch in engen Räumen geeignet waren. Da durch die Verlängerung des Laufes auf 14,5 Zoll auch der enorme Mündungsknall wegfiel, wurde das Model 653 als Basis genommen und auf den Stand des M16A2 gebracht. So erhielt die Waffe das neue Visier mit horizontalem Entfernungsrad, den unten geschlossenen Mündungsfeuerdämpfer A2 und je nach Version auch einen Drei-Schuss-Feuerstoß. Die neuen Waffen wurden von Colt zwar als „M16A2 Carbine“ vermarktet, jedoch nie als solche bei der US-Armee eingeführt. Intern heißen diese Waffen Modell 723, 725, 726, 727 und 728. Sie erfreuten sich bei Spezialeinheiten großer Beliebtheit, und auch Spezialeinheiten der US-Armee verwendeten einige dieser Waffen während der Operation Gothic Serpent in Somalia, weswegen diese Modelle inoffiziell auch „Mogadishu Carbines“ genannt werden. Diese Waffen besaßen Kolben nach Form des XM177E1, aber anstelle von Aluminium wurde Kunststoff verwendet.

Als die US-Armee nach den Erfahrungen während der Invasion Panamas 1990 und der Schlacht von Mogadischu 1993 nach einer neuen Waffe für rückwärtige Truppen suchte, bot Colt eine verbesserte Version des Model 727 an, den Colt M4 Carbine. Dabei sollte mit der Zählung M4 an die Tradition des M1 Carbine aus dem Zweiten Weltkrieg angeknüpft werden. Da der M4 Carbine ebenfalls auf dem AR-15-System basierte, konnten die gleichen Magazine wie beim M16A2 verwendet werden, und einige Teile waren austauschbar. Jedoch bestand die US-Armee darauf, die Kompatibilität zwischen M16A2 und M4 weiter zu erhöhen. Da die Entwicklung der Colt-Waffen seit der Einführung des M16A2 in unterschiedliche Richtungen verlaufen war, konnte dem Wunsch aber nur bedingt nachgekommen werden. Vom M16A2 unterscheidet sich der M4 Carbine unter anderem durch eine andere Schließeinrichtung, spezielle Patronenzuführrampen und einen doppelten Hitzeschild im Handschutz.

mini|M4 Carbine (Model 777) mit 40-mm-Granatwerfer|alternativtext= Die US-Armee führte 1994 das Colt Modell 720 testweise als XM4 Carbine ein. Dieser hatte noch den festen Tragegriff des M16A2 und einen Drei-Schuss-Feuerstoß-Modus, wie von der US-Armee gefordert. Später wurde das fast identische Model 777 als US M4 Carbine 5.56mm offiziell eingeführt. Colt lieferte den US M4 Carbine an die US-Armee, produzierte und vertrieb jedoch parallel den Colt M4 Carbine für den polizeilichen und ausländischen Sektor, wo das Modell in weiteren Versionen unter anderem mit Dauerfeuer anstelle des Drei-Schuss-Feuerstoßes angeboten wurde. Dieser Fakt sorgt bis heute für viel Verwirrung und Unstimmigkeit.

Um ihre M4-Karabiner weiter vom M16A2-Gewehr abzugrenzen, arbeitete Colt mit Adapterschienen und entwickelte mit dem Model 920 eine Waffe, die anstelle des Tragegriffes eine MIL-STD 1930-Schiene auf dem Gehäuserücken trug. Damit schuf Colt eine der ersten massentauglichen modularen Handfeuerwaffen. Möglich wurde dies, da im Vergleich zu Waffen anderer Bauart beim AR-15-System der Lauf am oberen Verschlussgehäuse () befestigt ist. Damit können an dieser Baugruppe Optiken abgebracht werden, ohne dass es zu Zielpunktverlagerungen beim Schießen oder Zerlegen der Waffe kommt. Bei Nichtverwendung einer Optik konnte eine mitgelieferte abnehmbare Variante des M16A2-Tragegriffes auf dem Gehäuserücken montiert werden. Da dieser durch die neue Schienenverbindung höher lag als der Tragegriff des M16A2, musste der Kornträger erhöht werden, der höhere Kornträger des M4 Carbine wurde mit einem F markiert. Das Modell 920 wurde wie das Model 777 unter der Bezeichnung US M4 Carbine 5.56mm bei der US-Armee eingeführt. Zudem führte das US SOCOM das Model 921 als US M4A1 5.56mm ein, dieses verfügte anstelle des Drei-Schuss-Feuerstoß-Modus über Dauerfeuer. Beide neuen Modelle bekamen zudem eine verbesserte verstellbare Schulterstütze mit unten angebrachter Gurtaufnahme, trotzdem werden bis heute noch viele M4 Carbine mit der alten Version geliefert.

mini|M4A1 mit ACOG TA01, KAC-Handschutz und Sturmgriff