Die Chronologie der Luftfahrt ist eine Liste von historischen Ereignissen der Luftfahrt.
Chronologie Bis 1782: Anfänge der Luftfahrt mini|Der „Ritt auf einem Vogel“, ein Handlungselement des Etana-Mythos aus dem 24. Jahrhundert v. Chr. (Abbildung der Tonabrollung eines Rollsiegels) mini|Der Vogel von Sakkara aus dem 2. Jahrhundert vor Chr. mini|Die präkolumbianischen Vögel des Otún aus dem 4. bis 7. Jahrhundert nach Chr. 24. Jahrhundert v. Chr. Im Etana-Mythos will der Hirte Etana für seine kinderlose Gattin „das Kraut des Gebärens“ vom Himmel herunterholen, stürzte aber, als er fast das Ziel erreicht hatte, mitsamt seinem Adler in die Tiefe.
5. Jahrhundert v. Chr. Drachen sind die ersten historisch nachweisbaren, vom Menschen geschaffenen Fluggeräte (China 5. Jahrhundert v. Chr.).
2. Jahrhundert v. Chr. Beim Vogel von Sakkara, einem hölzernen Artefakt aus einer Grabstätte im ägyptischen Sakkara, könnte es sich um das Modell eines Fluggerätes handeln.
1 bis 8 n. Chr. Der römische Dichter Ovid dokumentiert in seinen Metamorphosen die griechische Sage über Dädalus und Ikarus, die mit selbst gefertigten Flügeln aus Vogelfedern und Kerzenwachs fliegend aus der Gefangenschaft des Minotauros fliehen.
2. Jahrhundert Der römische Schriftsteller Aulus Gellius beschreibt in seinen Noctes Atticae die „Taube des Archytas“, eine flugfähige hölzerne Nachbildung einer Taube aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.
4. bis 7. Jahrhundert Aus dieser Zeit datieren die präkolumbianischen Pájaros del Otún (dt. „Vögel des Otún“) aus der Quimbaya-Kultur im heutigen Kolumbien. Die nur wenige Zentimeter großen goldenen Objekte mit Rumpf, deltaförmigen Flügeln und senkrechter Heckflosse sind u. a. im Museo del Oro in Bogotá, im Übersee-Museum Bremen und im Ethnologisches Museum in Berlin zu sehen und werden von Befürwortern der Prä-Astronautik als Flugzeuge interpretiert.
9. Jahrhundert Dem muslimischen Dichter, Gelehrten und Wissenschaftler Abbas ibn Firnas wird der Bau eines Fluggeräts, welches ihm das Fliegen ermöglicht, zugeschrieben.Lynn White: „Eilmer of Malmesbury, an Eleventh Century Aviator: A Case Study of Technological Innovation, Its Context and Tradition“. In: Technology and Culture, Bd. 2, Nr. 2 (1961), S. 97–111 (hier: S. 100–101), doi:10.2307/3101411.
10. Jahrhundert Der Fesseldrachen ist vermutlich über den pazifischen Raum verbreitet und wurde zu bemannten, militärischen, religiösen und zeremoniellen Zwecken eingesetzt.
1000–1010 mini|Video: Eilmer von Malmesbury (1:45 min)|thumbtime=67 Dem englischen Mönch Eilmer von Malmesbury wird ein Gleitflug über zweihundert Meter zugeschrieben.
circa 1260 Roger Bacon beschreibt in seiner Schrift De secretis operibus artis et naturae einen Ornithopter.
1282 Marco Polo berichtet über bemannte und rituelle Drachenaufstiege.
1326 Darstellung eines geflügelten Luftsackdrachens in Walter de Milemetes Schrift „De nobilitatibus“.
1486–1513 mini|Flugspirale von Leonardo da Vinci (Manuskript B, Folio 83v), datiert um 1487–1490 Flugtechnische und mathematische Studien von Leonardo da Vinci (1452–1519). In seinen Aufzeichnungen, wie dem „Kodex über den Vogelflug“ und den sogenannten „Pariser Manuskripten“, finden sich unter anderem: ein Fallschirmentwurf, ein HubschrauberJ. Gordon Leishman: Principles of Helicopter Aerodynamics. Cambridge University Press, Cambridge NY 2006, S. 9, ISBN 0-521-85860-7., Entwürfe für Schwingenflugzeuge, Strömungsuntersuchungen und Stromlinienkörper.Charles Nicholl: Leonardo da Vinci – Die Biographie. S. Fischer, Frankfurt am Main 2006, S. 271–272, ISBN 978-3-10-052405-8.
circa 1500 Auf seinem Triptychon „Die Versuchungen des heiligen Antonius“ stellt Hieronymus Bosch zwei kämpfende Luftschiffe über einer brennenden Stadt dar.
1589 Giambattista della Porta veröffentlicht in Band 20 seiner Magiae naturalis die Baubeschreibung eines Fesseldrachens.
1616 Fausto Veranzio veröffentlicht eine Zeichnung eines Fallschirmspringers, der als Homo volans („fliegender Mensch“) bezeichnet ist.
1644 Dem italienischen Physiker Evangelista Torricelli gelingt der Nachweis des Luftdruckes und die Erzeugung eines luftleeren Raumes, der „Torricellische Leere“.
circa 1650 Der Augsburger Schuhmacher Salomon Idler unternahm einen Flugversuch. Der osmanische Schriftsteller Evliya Çelebi beschreibt einen erfolgreichen bemannten Raketenflug von Lâgari Hasan Çelebi.
1654 Der Physiker und Bürgermeister von Magdeburg Otto von Guericke misst das Gewicht der Luft.
1670 mini|hochkant|Francesco Lanas Entwurf eines durch Vakuumauftrieb fahrenden Luftschiffes (s. 1670) Der Jesuit Francesco Lana Terzi beschreibt in seiner Schrift „Prodromo“ („Vorbote“) ein Vakuum-Luftschiffprojekt, das als erster realistischer technischer Entwurf für ein Luftschiff gilt. Lana schreibt jedoch: „Gott wird es niemals zulassen, dass eine solche Maschine zustande kommt…denn wer sieht nicht, dass keine Stadt vor Überfällen sicher wäre…“.
1676 Der Physiker und Mathematiker Philipp Lohmeier, Professor der Universität Rinteln, veröffentlicht seine Dissertation De artificio navigandi per aërem (Von der Kunst durch die Luft zu schifffahren). Der vermutliche Ideengeber Francesco Lana Terzi (s. 1670) wurde in der Publikation nicht genannt.
1709 mini|Zeitgenössische Darstellung von Gusmãos Flugapparat (s. 1709) August: Der brasilianische Augustinerpater Bartolomeu Lourenço de Gusmão absolviert in Lissabon mehrere Heißluftballon-Versuche.
1765 mini|hochkant|Deckblatt von Bauers Flugzeughandschrift (s. 1765) Melchior Bauer beschreibt in seiner Flugzeughandschrift, veranschaulicht durch Konstruktionszeichnungen, ein Gleitflugzeug mit starren V-förmigen Flügeln.
1782 mini|Flugapparat von Carl Friedrich Meerwein (s. 1782) Carl Friedrich Meerwein, ein badischer Baumeister, veröffentlicht eine Studie mit dem Titel „Der Mensch! sollte der nicht auch mit Fähigkeiten zum Fliegen gebohren seyn?“. Darin berechnet er aufgrund detaillierter Messungen an verschiedenen Vogelarten Größe und Gewicht eines Flugapparats, mit dem ein Mensch nach seiner Überzeugung fliegen kann. Dieser Arbeit fügt er auch Detailzeichnungen seiner Maschine bei und gibt die Materialien für den Bau vor.
1783–1890: Ballone und Fluggeräte mini|Darstellung des ersten bemannten gefesselten Ballonaufstiegs am 19. Oktober 1783 in Paris. mini|Der 1783 bei Gonesse geplatzt niedergehende Wasserstoffballon des Parisers Jacques Charles
1783 4. Juni: Die französischen Brüder Joseph Michel und Jacques Etienne Montgolfier präsentieren erstmals ihren Heißluftballon (Montgolfière) in Annonay, später auch mit Tieren und Menschen an Bord. 21. November: François d’Arlandes und Jean-François Pilâtre de Rozier gelingt die erste freie bemannte Fahrt in einer Montgolfière vom Schloss La Muette bis zur Butte aux Cailles, die 25 Minuten dauert. 1. Dezember: Jacques Charles entwickelt – angeregt durch die Brüder Montgolfier – Gasballone und führt die erste bemannte Gasballonfahrt durch. Die Luftreise dauert etwa zwei Stunden und führt bis in 3467 m Höhe. Louis-Sébastien Lenormand vollführt Fallschirmabsprünge vom Turm des Observatoriums in Montpellier.
1784 28. Januar: Der Ballon Ad Astra steigt in Braunschweig zum ersten Flug in Deutschland auf. Am 8. Februar folgt sein zweiter und letzter Flug.Arbeitskreis Braunschweiger Luftfahrtgeschichte e. V. (Hrsg.): Braunschweigische Luftfahrtgeschichte. Appelhans Verlag Braunschweig 2010, ISBN 978-3-941737-18-1, S. 48.
1785 7. Januar: Der Ärmelkanal wurde erstmals mit einem Ballon, gefahren von Blanchard und Jeffries, überquert. 15. Juni: Jean-François Pilâtre de Rozier und Pierre Romain wurden die ersten Todesopfer der Luftfahrt, als ihre Ballonhülle durch einen Brand zerstört wurde und sie mit ihrer Gondel in die Tiefe stürzen.
1794 In Frankreich wurde unter Jean Marie Joseph Coutelle die erste militärische Balloneinheit, die Compagnie d’aérostiers aufgestellt. Einige Wochen später folgt eine zweite Kompanie. Die Einheiten dienten mit Fesselballons der Aufklärung und nahmen unter anderem an der Schlacht bei Fleurus und Belagerung von Mainz teil. Ein geplanter Einsatz bei der Ägyptischen Expedition kam nicht mehr zustande. Bis 1802 wurden die Einheiten wieder aufgelöst.
1797 22. Oktober: André-Jacques Garnerin sprang mit einem Fallschirm von einem Ballon ab und wurde „offizieller französischer Staatsluftfahrer“.
1799 Der Engländer Sir George Cayley (1773–1857) skizziert ein Gleitflugzeug mit einem Seiten- und Höhenleitwerk. Sein Manuskript gilt als Ausgangspunkt für die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Fluggerät „schwerer als Luft“. Orville Wright: „Cayley war es, der die damals herrschende Verwirrung beseitigen half. […] Er wusste mehr als irgendeiner seiner Vorgänger […] und Nachfolger bis zum Ende des 19. Jahrhunderts.“
1804 Sir George Cayley, der „Vater der Aeronautik“, baut aufbauend auf seinem Flugzeugkonzept von 1799 ein erfolgreiches unbemanntes Gleitflugmodell.
1807–1816 Jakob Degen konstruiert 1807 ein Schlagflügelflugzeug, 1808 ein Fluggerät mit einem Wasserstoffballon, 1816 eine Luftschraube mit Uhrwerkantrieb (Hubschraubermodell).
1811 31. Mai: der Schneider von Ulm Albrecht Ludwig Berblinger versucht, unter Termindruck durch Anwesenheit der königlich-württembergischen Familie, mit einem Flugapparat von der Adlerbastei aus über die Donau zu fliegen. Der Flugversuch, durch an kalten Flüssen vorherrschende Fallwinde erschwert, misslingt.
1821 19. Juli: Charles Green verwendete Leuchtgas zur Füllung von Gasballons.
1836 7. und 8. November: Ballonfahrt über 722 km von London nach Weilburg durch Charles Green, Robert Hollond und Thomas Monk-Mason.
1839 Charles Green und der Astronom Spencer Rush stiegen im Freiballon auf 7900 m Höhe.
1842 November: Erster vollständiger Entwurf eines Motorflugzeuges mit Dampfmaschinenantrieb durch den englischen Ingenieur William Samuel Henson. Die Patentschrift knüpfte an die Arbeiten Cayleys an. Der Gründungsantrag für eine „Aerial Transport Company“ als Aktiengesellschaft wurde im englischen Unterhaus unter lautem Gelächter abgelehnt.
1844 Die Einführung der noch heute gebräuchlichen Reißbahn durch den US-Amerikaner John Wise ermöglicht sichere Ballonlandungen.
1848 John Stringfellow gelang mit einem dampfgetriebenen Eindecker-Modell (Spannweite 3 m) ein erfolgreicher Flug über 40 yd (36,58 m) in einem großen Raum einer Fabrik.
1849 29. Juni: Im ersten italienischen Unabhängigkeitskrieg setzt die Armee des Kaisertums Österreich bei der Belagerung Venedigs erstmals Ballonbomben ein. Es gilt als erster Luftangriff der Kriegsgeschichte. 7. Oktober: Der Franzose Francisque Arban überquerte im Freiballon die Alpen (von Marseille nach Stupinigi bei Turin). Sir George Cayley baute einen manntragenden Dreidecker, der durch Seilstart am Hang erprobt wurde.
1852 mini|hochkant|George Cayleys Gleitflugzeug 1852 im Mechanics’ Magazine 24. September: Die erste motorgetriebene Luftschifffahrt: Henri Giffards dampfgetriebene Konstruktion erreichte eine Geschwindigkeit von etwa 10 km/h. September: Sir George Cayley veröffentlichte einen Bericht über ein Gleitflugzeug, seinen „Governable Parachute“, das ausgiebig ohne Pilot mit Ballast erfolgreich getestet worden sei. Gründung der ersten Gesellschaft zur Förderung der Luftfahrt (Societe Aerostatique de France).
1857 Nach erfolgreichen Modellversuchen erhalten die französischen Brüder du Temple de la Croix ein Patent über ein Motorflugzeug. Der französische Kapitän Jean Marie Le Bris unternahm nach Vogelstudien (Albatros) Flugversuche mit Schleppstart, die erfolgreich gewesen sein sollen.
1859 Der französische Luftfahrer und Fotograf Nadar machte bei der Schlacht von Solferino die ersten Luftaufnahmen aus einem Ballon heraus.
1859 1. und 2. Juli: Ballonfahrt über 1292 km durch John Wise mit drei Begleitern (St. Louis-Henderson, NY).
1861–65