mini|Yerba-Buena-Tunnel: Tunneleinfahrt in Richtung San Francisco mini|Schloßbergtunnel als Fuß- und Radverkehrstunnel in Tübingen mini|Im Inneren eines Straßentunnels mini|U-Bahn-Tunnel in Taipeh. Ein Tunnel oder Tunnelbauwerk ist ein zumeist unterirdisches Bauwerk ähnlich einer Röhre, die der Unterquerung von Hindernissen wie Bergen, Gewässern oder anderen Verkehrswegen dient. Seltener dienen Tunnel anderen Zwecken wie zum Beispiel dem Schutz der Anwohner vor Straßen- oder Schienenverkehrslärm. In diesem Fall werden sie auch als Unterflurtrasse bezeichnet. Tunnel zählen zu den Ingenieurbauwerken.
Bereits in der Antike wurden Tunnel für die Wasserver- und -entsorgung, selten auch für Straßen, die insbesondere militärischen Zwecken dienten, gebaut. Nach dem Ende des Römisches Reiches stagnierte der europäische Tunnelbau, die wenigen Tunnelbauten des Mittelalters orientierten sich in Bauweise und Funktion an antiken Vorbildern.
Der Begriff Tunnel, der aus dem Englischen stammt (tunnel), setzte sich seit dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts im Deutschen durch.
Sprachliche Herkunft und Definition Der Begriff tunnel tauchte erstmals im frühen 15. Jahrhundert im Englischen auf und bezeichnete ein trichterförmiges Vogelnetz. Es ist nicht klar, ob der Begriff von oder stammt. In den 1540er-Jahren wurde tunnel erstmals für Röhre verwendet und in den 1660er Jahren erstmals für unterirdischer Durchgang. Aus dem Englischen kam der Begriff zurück ins Französische und verdrängte dort das zuvor für unterirdische Bauwerke verwendete Wort mine.
Im Duden wird neben dem Stichwort der Tunnel auch das Tunell aufgeführt als Begriff, der in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz verwendet wird. Im Sprachgebrauch ist die Verwendung als Neutrum nur noch selten.Ergebnisse der vierten Befragungsrunde: Tunnel (Genus). In: Atlas der deutschen Alltagssprache. Philologisch-Historische Fakultät der Universität Augsburg, 5. November 2009. Die bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts noch typische Endbetonung wie im Französischen ist weitgehend der Betonung auf der ersten Silbe gewichen, mit Ausnahme einiger Sprecher im Süden des deutschen Sprachraums und besonders Südtirols.Ergebnisse der vierten Befragungsrunde: Tunnel (Betonung) In: Atlas der deutschen Alltagssprache. Philologisch-Historische Fakultät der Universität Augsburg, 5. November 2009.
In Deutschland werden Tunnel nach der geltenden DIN-Norm 1076 – Ingenieurbauwerke im Zuge von Straßen und Wegen; Überwachung und Prüfung als unterhalb der Erd- oder Wasseroberfläche liegende Bauwerke definiert. Oberirdische Einhausungen von Verkehrswegen mit mindestens 80 m Länge und Galeriebauwerke gelten ebenfalls als Tunnel. Unterführungen zählen nach der Norm nicht zu den Tunnelbauwerken, wenn diese in offener Bauweise hergestellt wurden und kürzer als 80 Meter sind.DIN 1076:1999-11: Ingenieurbauwerke im Zuge von Straßen und Wegen. Abs. 3, Begriffe.
Maßgrößen Neben der Länge werden bei Tunneln u. a. die folgenden charakteristischen Maße angegeben: Querschnittsfläche: Durch die Tunnelwände begrenzter Flächeninhalt einer rechtwinklig zum Tunnelverlauf gespannten Fläche. Ausbruchsfläche: Durch das Gebirgsprofil begrenzter Flächeninhalt einer rechtwinklig zum Tunnelverlauf gespannten Fläche. Überdeckung: Abstand zwischen der Oberkante des Tunnels und der Oberkante des darüber befindlichen Geländes. Lichte Höhe: Abstand zwischen der Oberkante und dem Boden des Tunnels. Tunnel werden aus statischen Gründen meist gewölbt ausgeführt, so dass die maximale lichte Höhe wesentlich größer ist als die von den Fahrzeugen nutzbare lichte Durchfahrtshöhe – die minimal zulässige lichte Höhe im Bereich des Durchfahrtsprofils.
Geschichte Antike und Frühmittelalter Vorläufer der dem Verkehr dienenden großen Tunnel waren unterirdische Wasserleitungen in Stollen- oder Kanatbauweise, die bereits seit der Antike errichtet wurden. Seit dem Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. wurde in den verschiedenen Staaten des Orients Grundwasser durch Kanate erschlossen, bei denen auf der Trasse der zukünftigen Wasserleitung senkrechte Schächte in die Tiefe getrieben und dann horizontal miteinander verbunden wurden. Ein Qanat hatte immer ein leichtes Gefälle zu einer Siedlung hin. Dadurch konnte unterirdisch das Grundwasser erschlossen und durch das Qanat zur Siedlung geführt werden. Andernfalls hätte dasselbe Grundwasser aus großer Tiefe unterhalb der Siedlung heraufgeholt werden müssen. Die Kanaaniter schlugen in Megiddo bereits einen 70 Meter langen Stollen in den Fels, der ihnen einen gedeckten Zugang zu einer unterirdischen Zisterne außerhalb der Stadtmauern gewährte.
Wie beim Kanat kam auch im Tunnelbau das sogenannte Gegenortverfahren zur Anwendung. Dabei wurden vom Ausgangs- und vom Endpunkt des Tunnels zunächst Suchstollen geschlagen, die erst nach dem Aufeinandertreffen auf den erforderlichen Querschnitt erweitert wurden. In der frühbronzezeitlichen Siedlung Khirbet ez-Zaraqon in Jordanien existiert ein 200 Meter langer Tunnel, an dessen Firste sich die Suchstollen noch gut nachvollziehen lassen. Seine Datierung in die Zeit vor der Verwendung von Eisenwerkzeugen scheint problematisch. Die Griechen bauten beispielsweise auf Samos zur verdeckten Wasserversorgung um 530 v. Chr. den 1063 Meter langen sogenannten Tunnel des Eupalinos. Unter dem judäischen König Hiskija wurde ebenfalls zur Wasserversorgung bei Belagerungen von der Gihon-Quelle zum Teich von Siloah in Jerusalem der 533 Meter lange Hiskija-Tunnel gegraben. Ein etwa 150 v. Chr. geschlagener 700 Meter langer Tunnel nach Qumran am Toten Meer diente ebenfalls der Wasserversorgung. Die Etrusker schufen die weniger spektakulären zahlreichen Cuniculi, schmale Tunnel, die der Wasserleitung, der Drainage oder der Wassersammlung dienten. Im 6. Jahrhundert v. Chr. errichteten sie in den Albaner Bergen erste Straßentunnel. Besonders die Römer führten viele Bauten aus, darunter die Ableitung des Fucino-Sees, ein 5623 Meter langer Tunnel von der Mitte des 1. Jahrhunderts. Vespasian ließ im Jahr 77 auf der Via Flaminia einen neuen Tunnel durch den Intercisa-Pass (Furlo) errichten. Besonders bekannt ist ein Aquädukttunnel im algerischen Bejaia aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. durch den römischen Baumeister Nonius Datus, der in einer Inschrift die Schwierigkeiten des Gegenortverfahrens beschrieb. Straßentunnel errichteten die Römer nur in Italien: Der Architekt Lucius Cocceius Auctus errichtete im Bürgerkrieg mit Sextus Pompeius 38/37 v. Chr. drei Tunnel um Cumae und am Averner See sowie zwei weitere zwischen Neapel und Puteoli, die eine Länge von bis zu 1000 Metern hatten. Auf der Insel Ponza ist ein Straßentunnel nachweisbar.
Als ältester Verkehrstunnel der Alpen gilt der Buco di Viso (französisch Le Pertuis du Viso) in den Cottischen Alpen. Er wurde 1480 fertiggestellt und diente dem Warentransport mit Saumtieren.
Der mitteleuropaweit älteste frühmittelalterliche Wasserstollen ist der Stiftsarm des Almkanals in Salzburg, der der Nutzwasserversorgung der Stadt diente und 1143 durch den Mönchsberg geschlagen worden war. Ein weiterer Tunnel, der vermutlich aus dieser Zeit stammt, ist der Fulbert-Stollen am Laacher See, der nach 1164 gebaut wurde und der Konstanthaltung des Wasserspiegels diente.
Neuzeit mini|Traditionell gebauter Tunnel ohne Innenschale auf Madeira mini|Alter Elbtunnel (erbaut 1911) Die Einführung des Schwarzpulvers zur Gesteinssprengung machte seit dem 17. Jahrhundert Tunnel beim Bau von Kanälen realisierbar, beispielsweise der 157 Meter lange Malpas-Tunnel für den Canal du Midi (um 1680) und der Schifffahrtstunnel von Weilburg an der Lahn. 1708 wurde mit dem Urnerloch bei Andermatt der erste Tunnel an einer Alpenstraße (Länge 64 m) für den Güter- und Personenverkehr gebaut. Das 1765 fertiggestellte Sigmundstor in Salzburg mit einer Länge von 131 Metern ist der älteste Straßentunnel Österreichs. Der 1789 eröffnete Sapperton-Kanaltunnel im Thames & Severn Canal in England war 3,5 Kilometer lang und erlaubte den Transport von Kohlefrachtern. Der 2869 Meter lange Norwood-Tunnel in England, eröffnet 1775, ist ein weiteres Beispiel. Durch den von 1842 bis 1847 erbauten 4880 Meter langen Mauvages-Tunnel im Canal de la Marne au Rhin im Elsass wurden Boote und Schiffe mit einem im Jahr 1912 in Betrieb genommenen elektrischen Kettenschlepper getreidelt. Die Treideleinrichtung ist jedoch nicht mehr in Betrieb, da der Kanal überwiegend von Freizeitschiffern genutzt wird.
Der erste Verkehrstunnel unter einem Fluss wurde unter der Themse in London zwischen Rotherhithe und Wapping von 1825 bis 1841 mit einer Unterbrechung von sieben Jahren erstellt. Nach der Ausrüstung mit Licht, Fahrbahnen, Treppen und einer Maschinenanlage zur Drainage wurde er am 25. März 1843 für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Für Fußgänger wurde er nur bis 1865 genutzt, danach wurde dieser Thames Tunnel von der East London Railway als Teil der London Underground (zuletzt East London Line) benutzt.
Der erste amerikanische Verkehrstunnel unter einem Fluss wurde am 1. Januar 1869 in Chicago eröffnet. 1899 wurde der Spreetunnel Stralau in Berlin in Betrieb genommen. Am 7. September 1911 wurde der Elbtunnel in Hamburg eröffnet.
Die ersten Eisenbahntunnel schuf George Stephenson auf der Strecke Liverpool–Manchester 1826 bis 1830. 1837 bis 1839 wurde auf der Strecke Leipzig–Dresden bei Oberau der erste Tunnel einer Vollbahn auf dem europäischen Festland gebaut. Die Erfindung des Dynamits und der mit Druckluft betriebenen Gesteinsbohrmaschinen ermöglichte den Bau der großen Gebirgstunnel.
Bemerkenswert ist der 1882 unter dem Col de Tende hindurchgetriebene 3182 Meter lange Col-de-Tende-Straßentunnel. Er war der erste Straßentunnel unter einem Alpenpass und dürfte seinerzeit einer der längsten für den öffentlichen Verkehr freigegebenen Tunnels der Welt gewesen sein.
Jüngere Geschichte Tunnel schrieben auch politische und militärische Geschichte: Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs lagerte die deutsche Rüstungsindustrie zahlreiche Fertigungsstätten in bombensicher vermauerte Verkehrstunnel im Rahmen des so genannten U-Verlagerungsprogramms aus. In den 1960er Jahren wurden geheime Fluchttunnel aus Ostberlin und der DDR nach Westberlin und Spionagetunnel vice versa während der Zeit der Berliner Mauer gebaut. Während des Vietnamkrieges besaß der Vietcong in den 1970er Jahren eine Vielzahl von Tunneln bis in die Nähe der südvietnamesischen Hauptstadt Saigon, in welche die Soldaten der Vietnamesischen Volksbefreiungsarmee sich bei amerikanischen Luftangriffen und Patrouillen versteckten, Nachschublager unterhielten und Verwundete operierten und pflegten. Während des Bosnienkrieges in den 1990er Jahren bauten die bosnischen Truppen einen geheimen Tunnel von Sarajevo unter dem serbischen Belagerungsring hindurch, durch den sie bescheidenen Nachschub erhielten.
Arten mini|Amphibientunnel bei Furtwangen Tunnel können nach deren Benutzung eingeteilt werden. Sie können von Schienenfahrzeugen, Straßenfahrzeugen, Wasserfahrzeugen, Fußgängern, Rohrleitungen, Elektrische Leitungen benutzt werden.
Tunnel für Verkehrswege können ein-, zweispurig oder mehrspurig sein. Tunnel können im wechselweisen Richtungsverkehr betrieben werden. Bei Autobahnen ist das die Regel, zwei parallele Röhren können dann als ein Tunnel angesehen werden.
mini|Zeichen 327:Tunnel Eisenbahntunnel
mini|U-Bahn-Tunnel Eisenbahntunnel dienen in erster Linie der Umgehung topografischer Hindernisse. Im Gegensatz zu Straßenfahrzeugen können Adhäsionsbahnen nur geringe Steigungen überwinden und große Bögen befahren, weshalb die Trasse oft nicht über oder um Hindernisse herumgeführt werden kann.
Bei Gebirgsbahnen werden Kehrtunnel eingesetzt, die dem Höhengewinn der Strecke dienen, indem die Strecke durch einen Tunnel im Gebirge künstlich verlängert wird. Kehrtunnel kommen bei extremen topografischen Verhältnissen wie bei Zahnradbahnen vor.