mini|hochkant=1.3|Rolf Eden (2010) Rolf Shimon Eden (* 6. Februar 1930 in Berlin als Rolf Sigmund Sostheim;Rolf Eden ist der Größte. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. September 2012. † 11. August 2022Rolf Eden ist tot. In: Spiegel Online, 12. August 2022, abgerufen am 12. August 2022. ebenda) war ein deutscher Geschäftsmann, Nachtclubbesitzer und gelegentlicher Schauspieler. Er wurde jahrelang oft als „letzter deutscher“ oder „Berliner Playboy“ und „Lebemann“ bezeichnet und trat in Talkshows und zu anderen Gelegenheiten öffentlich auf – meistens in einem weißen Anzug. In Nachrufen wurde er als Berliner Original bezeichnet.

Leben mini|Rolf Eden fotografiert von Oliver Mark, Berlin 2007 mini|hochkant|Rolf Eden im Hotel Bogota Berlin, 2013 Frühe Jahre in Israel Eden wurde als älterer von zwei Söhnen einer jüdischen Familie in Berlin-Tempelhof geboren.Bernd Matthies: Reich, oberflächlich, glücklich. In: Der Tagesspiegel, 6. Februar 2020. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten floh die Familie 1933 nach Palästina. Edens Vater Hans war als Unternehmer tätig und ging 1936 in Konkurs; danach arbeitete er als Taxifahrer. Später führten Edens Eltern ein Café in Haifa, die Großeltern ein Hotel. Mit 14 verließ Rolf Eden die Schule und verdiente sein Geld als Musiker. Im ersten arabisch-israelischen Krieg von 1948 kämpfte er in der Einheit Palmach zusammen mit Yoram Kaniuk unter Jitzchak Rabin. Aus dieser Zeit stammt Edens erstes von sieben Kindern von sieben Frauen, Irit (* 1949). Mit der Mutter seiner ersten Tochter war er auch vorübergehend verheiratet, was Eden nach eigenen Angaben später der Presse verschwiegen hat.

Paris Anfang der 1950er Jahre lebte Eden in Paris und arbeitete dort unter anderem als Musiker, Kellner, Chauffeur, Autohändler und übernahm erste Statistenrollen bei Filmproduktionen, später auch Nebenrollen. Gleichzeitig wartete er vergeblich auf ein Visum für die USA.

In Neapel suchte Eden das deutsche Konsulat auf, um seinen deutschen Namen zu ändern. Den Künstlernamen „Eden“ wählte er nach eigenen Angaben nach dem Hotel seiner Großeltern in Haifa sowie nach dem englischen Außenminister Sir Anthony Eden. Ursprünglich wollte er den Namen „Shimon Eden“ eintragen lassen, doch der Konsulatsbeamte trug den Namen „Rolf Eden“ ein.

Als er 1956 in der Zeitung las, dass jeder im Ausland lebende Berliner, der nach West-Berlin zurückkehrt, 6000 Mark (nach heutiger Kaufkraft ca. Euro) erhalte, reiste er nach Berlin.

Berlin mini|hochkant=0.6|links|Grabstätte auf dem Friedhof Heerstraße mini|hochkant|Eingang der ehemaligen Diskothek Big Eden, 2008 mini|Rolf Eden, 2011

Zu Beginn seiner Zeit in Berlin wartete Eden auf das versprochene Geld und arbeitete zunächst kurze Zeit als Staubsaugervertreter sowie als Nachtportier und Barkeeper in einer US-Kaserne. Mit dem schließlich ausgezahlten Begrüßungsgeld eröffnete Eden zunächst 1957 in der Nestorstraße Ecke Kurfürstendamm den Eden-Saloon, der wenige Jahre später in die nahegelegene Damaschkestraße umzog und (nach Eröffnung des New Eden) auch Old Eden genannt wurde. Es folgten das New Eden, der Eden-Playboy-Club, das Kabarett Schlüsselloch und 1967 das Big Eden. Danach eröffnete er das Blue Tattoo. Eden prägte in den 1950er und 1960er Jahren die Nachtclub-Szene in Berlin und blieb auch in den 1970er und 1980er Jahren erfolgreich. Nach der politischen Wende verkaufte Eden nach und nach alle seine Etablissements, seine letzte Diskothek, das Big Eden, veräußerte er im Jahr 2002. Nach seinen Angaben gingen alle späteren Eigentümer mit den übernommenen Läden pleite.

Eden machte die nackte Haut von Frauen zum wichtigen Teil seines Geschäftes, die weiblichen Angestellten arbeiteten mit freiem Oberkörper in seinen Etablissements.

Ab 1977 investierte Eden sein Geld in Immobilien. Er besaß 2012 nach eigenen Angaben 26 Mietshäuser mit mehreren hundert Wohnungen in Berlin.

Immer wieder arbeitete Eden auch als Schauspieler und wirkte in rund 30 Filmen mit.

2012 erschien seine Autobiografie Immer nur Glück gehabt: Wie ich Deutschlands bekanntester Playboy wurde. Coautor war der Regisseur Peter Dörfler, der 2011 mit The Big Eden einen Dokumentarfilm über Edens Leben veröffentlichte.

Privates Eden lebte über Jahrzehnte offen promisk und hatte zahlreiche Bekanntschaften, die oft von Presseberichten begleitet wurden. Zu den bekannten Persönlichkeiten an seiner Seite zählten beispielsweise Kai Fischer, Evelyn Künneke, Maria Karrer (Model von Emilio Schuberth), Barbara Valentin, Barbara Capell und Sieglinde Walter (Fotomodell Anfang der 1960er Jahre), mit der er auch einen weiteren Sohn hatte. Mit Ursula Buchfellner war er ab Anfang der 1980er sieben Jahre liiert. Eden und Buchfellner blieben nach der Trennung bis zu seinem Tod befreundet.

Rolf Eden starb am 11. August 2022 im Alter von 92 Jahren und wurde auf dem Waldfriedhof Heerstraße (Grab 14-44/45) im Berliner Ortsteil Westend beigesetzt. In: FAZ, 12. August 2022

Filmografie (Auswahl)

Musikvideos 2003: Görli, Görli – P.R. Kantate 2008: Dancing – Lexy & K-Paul 2012: Money And Women – Wyn Davies

Werke Immer nur Glück gehabt: Wie ich Deutschlands bekanntester Playboy wurde. Zusammen mit Peter Dörfler. Lübbe-Verlag, Köln-Mülheim 2012, ISBN 978-3-7857-2457-6.

Literatur

Dokumentarfilm Peter Dörfler: The Big Eden, Dokumentarfilm, Deutschland 2011, 90 min.

Weblinks

Christian Neeb: Playboy Rolf Eden wird 85, „Meine Freundin ist eigentlich zu alt. Die ist 30“. In: einestages, 5. Februar 2015; kommentierte Fotostrecke

Rolf Eden im Interview: „Sicherlich habe ich Menschen getötet“. In: Süddeutsche.de, 9. Oktober 2012

Einzelnachweise

Kategorie:Unternehmer (Berlin) Kategorie:Unternehmer (20. Jahrhundert) Kategorie:Gastronom Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Person (Hagana) Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Deutscher Emigrant in Palästina zur Mandatszeit Kategorie:Person im Palästinakrieg Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1930 Kategorie:Gestorben 2022 Kategorie:Mann Kategorie:Stadtoriginal (Deutschland) Kategorie:Kultur (West-Berlin)