Der Ennepe-Ruhr-Kreis ist ein Kreis im nordrhein-westfälischen Landesteil Westfalen mit Sitz in Schwelm. Er gehört zum Regierungsbezirk Arnsberg und umfasst neun Städte mit insgesamt rund 314.000 Einwohnern. Der Kreis ist Mitglied im Regionalverband Ruhr (RVR) und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Die südöstlichen Gebiete werden teilweise bereits dem Sauerland zugerechnet.

Als Teil des Ruhrgebiets und der Metropolregion Rhein-Ruhr gehört der Ennepe-Ruhr-Kreis zudem zu einem Verdichtungsraum mit über zehn Millionen Einwohnern. Der Kreis existiert in seiner heutigen Form seit 1929, im Zuge der kommunalen Gebietsreform von 1975 kam es zu kleineren Änderungen am Kreisgebiet. Einwohnerstärkster Ort ist mit rund 95.000 Einwohnern die Stadt Witten, die wenigsten Einwohner hat mit rund 8.900 die Stadt Breckerfeld.

Geografie Räumliche Lage Naturräumlich zählt fast das gesamte Kreisgebiet zum hügeligen bis mittelgebirgigen Süderbergland, einem Teil des Rheinischen Schiefergebirges. Lediglich im Norden gehören einige Gebiete von Witten zur Westfälischen Bucht, einem Teil der norddeutschen Tiefebene. Die höchste Erhebung des Ennepe-Ruhr-Kreises ist der hohe Wengeberg in Breckerfeld.Ennepe-Ruhr-Kreis: Die tiefste Stelle liegt mit etwa an der Ruhr in Hattingen. Somit gibt es im Kreisgebiet einen Höhenunterschied von 381 Metern. Die Landschaft und die Siedlungsstrukturen sind entsprechend vielfältig.

Kultur- und wirtschaftsgeografisch liegt der Kreis an der Nahtstelle der Regionen Ruhrgebiet (im Norden), Sauerland (im Südosten) und Bergisches Land (im Südwesten). Vor allem wegen seiner Mitgliedschaft im Regionalverband Ruhr (früher Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk bzw. Kommunalverband Ruhrgebiet) und verstärkt seit Eingliederung der Ruhrstadt Witten 1975 wird er heute – als Gesamtheit betrachtet – meist zum Ruhrgebiet gerechnet. Darüber hinaus wird der Kreis, in manchen Zusammenhängen auch nur Teile des Kreises, zur Region Südwestfalen gezählt, was auf die historische Zugehörigkeit zum Land Westfalen verweist.

Kreisangehörige Städte

Der Ennepe-Ruhr-Kreis setzt sich aus neun Gemeinden zusammen, die alle den Titel Stadt führen. Die Stadt Witten gilt dabei als Große kreisangehörige Stadt, da ihre Einwohnerzahl über 60.000 liegt. Von den anderen acht sind sieben mittlere kreisangehörige Städte, da ihre Einwohnerzahlen zwischen 20.000 und 50.000 liegen. Die alte Hansestadt Breckerfeld, mit einer geringeren Einwohnerzahl, hat Stadtrechte seit 1396.

Name Einwohner Fläche Einw./km² Status AGS Breckerfeld  km² kreisangehörige Stadt 05 954 004 Ennepetal  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 954 008 Gevelsberg  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 954 012 Hattingen  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 954 016 Herdecke  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 954 020 Schwelm  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 954 024 Sprockhövel  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 954 028 Wetter (Ruhr)  km² mittlere kreisangehörige Stadt 05 954 032 Witten  km² große kreisangehörige Stadt 05 954 036    km² Ennepe-Ruhr-Kreis 05 954 (Einwohnerzahlen vom )

Nachbarkreise und -städte Der Ennepe-Ruhr-Kreis grenzt, im Norden beginnend im Uhrzeigersinn, an die kreisfreien Städte Bochum, Dortmund und Hagen, an den Märkischen (mit den Städten Schalksmühle und Halver) und den Oberbergischen Kreis (mit der Stadt Radevormwald), an die kreisfreie Stadt Wuppertal, an den Kreis Mettmann (mit der Stadt Velbert) sowie an die kreisfreie Stadt Essen.

Geschichte Geschichte vor der Kreisgründung mini|Ruine der Burg Volmarstein, ehemals Stammsitz der Herren von Volmestein Derjenige Gebietsteil des heutigen Ennepe-Ruhr-Kreises, der bis 1225 dem Grafen von Isenberg unterstand, ging am 1. Mai 1243 mit dem Vertrag von Essen an die Grafschaft Mark über. Der größere Teil des Kreises kam erst 1324 mit der Vertreibung der Herren von Volmarstein an die Grafschaft Mark.

1609 erbte der Kurfürst von Brandenburg die Grafschaft Mark, die er bis 1614 gemeinsam mit einem Miterben und nach 1614 mit Abschluss des Jülich-Klevischen Erbfolgekriegs im Vertrag von Xanten allein regierte.

Während der französischen Besatzung von 1807 bis 1813 lag das heutige Kreisgebiet fast vollständig im Arrondissement Hagen. Seit 1816 gehörte es wieder zu Preußen und zur Provinz Westfalen.Ennepe-Ruhr-Kreis:

Kreisgründung Der Ennepe-Ruhr-Kreis entstand am 1. August 1929 – zur Zeit der Weimarer Republik wenige Wochen vor Beginn der Weltwirtschaftskrise – auf Grund des Gesetzes über die kommunale Neugliederung des rheinisch-westfälischen Industriegebiets. Durch dieses Gesetz wurde der Kreis Schwelm mit den Gemeinden des Kreises Hattingen und des Landkreises Hagen, die nicht in die Städte Bochum, Hagen und Witten eingemeindet wurden, vereinigt. Der Kreis bestand anfänglich aus fünf amtsfreien Städten sowie zehn Ämtern mit 31 Gemeinden: Verwaltungsgliederung 1929 Amt Gemeinden Blankenstein Blankenstein, Buchholz, Holthausen und Welper Breckerfeld Breckerfeld, Dahl und Waldbauer Haßlinghausen Gennebreck, Haßlinghausen, Hiddinghausen I und Linderhausen Hattingen Altendorf, Bredenscheid-Stüter, Niederelfringhausen, Oberelfringhausen, Oberstüter und Winz Herbede Herbede Milspe Milspe Sprockhövel Hiddinghausen II, Niedersprockhövel und Obersprockhövel Voerde VoerdeVolmarstein Asbeck, Berge, Esborn, Grundschöttel, Silschede, Volmarstein und Wengern Ende Endeamtsfrei Gevelsberg, Hattingen, Herdecke, Schwelm und Wetter

In der Folgezeit kam es zu folgenden Änderungen in der Verwaltungsstruktur des Kreises: Das Amt Herbede wurde 1934 aufgehoben. Die beiden Ämter Milspe und Voerde wurden 1937 zum Amt Milspe-Voerde zusammengeschlossen.ennepetal.de: Stadtgründung Im selben Jahr wurden Hiddinghausen I und Hiddinghausen II zur Gemeinde Hiddinghausen zusammengeschlossen. Hiddinghausen wurde dem Amt Haßlinghausen zugeordnet. Gleichzeitig wurde das Amt Sprockhövel aufgelöst. Niedersprockhövel und Obersprockhövel kamen zum Amt Blankenstein. 1939 wurde die Gemeinde Ende in die Stadt Herdecke eingemeindet. Im selben Jahr wurde Grundschöttel nach Volmarstein eingemeindet. Am 1. April 1949 schlossen sich Milspe und Voerde zur amtsfreien Stadt Ennepetal zusammen. 1951 erhielt die Gemeinde Herbede das Stadtrecht und wurde amtsfrei. Niedersprockhövel und Obersprockhövel schlossen sich 1960 zur Gemeinde Sprockhövel zusammen. 1966 wurden Buchholz, Holthausen und Welper nach Blankenstein eingemeindet. Damit bestand der Kreis im Jahre 1969 aus sieben amtsfreien Städten sowie fünf Ämtern mit 21 Gemeinden.

Kommunale Neugliederung 1970 und 1975 Am 1. Januar 1970 kam es durch das Gesetz zur Neugliederung des Ennepe-Ruhr-Kreises im Rahmen der kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen zu zahlreichen Eingemeindungen: Blankenstein, Bredenscheid-Stüter, Niederelfringhausen, Oberelfringhausen, Oberstüter und Winz wurden in die Stadt Hattingen eingemeindet. Esborn, Volmarstein und Wengern wurden in die Stadt Wetter eingemeindet. Haßlinghausen, Hiddinghausen und Gennebreck wurden nach Sprockhövel eingemeindet. Sprockhövel erhielt das Stadtrecht. Linderhausen wurde in die Stadt Schwelm eingemeindet. Asbeck, Berge und Silschede wurden größtenteils in die Stadt Gevelsberg eingemeindet. Dahl wurde nach Breckerfeld eingemeindet. Altendorf wurde in die kreisfreie Stadt Essen eingemeindet und heißt seitdem Burgaltendorf. Waldbauer wurde in die kreisfreie Stadt Hagen eingemeindet. Gleichzeitig wurden alle Ämter aufgelöst. Durch ein Urteil des Verfassungsgerichtshofes in Münster wurde die Eingemeindung von Waldbauer in die Stadt Hagen am 18. Dezember 1970 rückgängig gemacht.

Am 1. Januar 1975 kam es im Rahmen des Ruhrgebiet-Gesetzes und des Sauerland/Paderborn-Gesetzes zu den bislang letzten Gebietsänderungen: Herbede wurde in die bis dahin kreisfreie Stadt Witten eingegliedert. Witten wurde in den Ennepe-Ruhr-Kreis eingegliedert. Waldbauer wurde nach Breckerfeld eingemeindet. Das 1970 nach Breckerfeld eingemeindete Dahl wurde in die kreisfreie Stadt Hagen umgemeindet.

Einwohnerstatistik mini|380px|Bevölkerungspyramide für den Ennepe-Ruhr-Kreis (Datenquelle: Zensus 2011Datenbank Zensus 2011, Ennepe-Ruhr-Kreis, Alter + Geschlecht.)

Daten zur kreisweiten Bevölkerungsentwicklung sind nur für die Zeit von der letzten Gebietsreform 1975 bis heute direkt vergleichbar. Frühere Zahlen aus den Jahren 1929 bis 1974 beziehen sich auf alte Gebietsstände, d. h. auf eine geringere Fläche mit zum Teil auch anderem Zuschnitt der Gemeinden. Insbesondere gehörte vor 1975 die Stadt Witten noch nicht zum Kreis; sie hat heute mit Abstand die meisten Einwohner der kreisangehörigen Städte.

mini|links|Bevölkerungsentwicklung 1975 bis 2012 (ohne Korrektur durch den Zensus 2011) Im Ennepe-Ruhr-Kreis leben etwa 324.000 Menschen. Im Jahre 1993 war mit rund 353.000 Personen die höchste Bevölkerungszahl zu verzeichnen. Seit 2000 nimmt die Einwohnerzahl vor allem auf Grund des demografischen Wandels kontinuierlich ab. Durch den Zensus 2011 wurde die Bevölkerungszahl im Ennepe-Ruhr-Kreis außerdem um 1,4 Prozent nach unten korrigiert. Jahr 1933 1939 1950 1960 1970 1975 1980 1985 1990 EinwohnerLandesdatenbank Nordrhein-Westfalen 167.230 172.328 216.903 255.400 263.600 351.627 346.955 336.247 349.412 Jahr 1995 2000 2005 2010 2015 2020 2022 Einwohner 352.069 350.781 342.642 331.575 325.954 323.130 325.193

Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 waren (2022) 33,9 % der Einwohner evangelisch, 21,0 % katholisch und 45,1 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 27. Juli 2024

Verwaltung und Politik Kreistag Geschichte Den formal ersten Kreistag des im August 1929 entstandenen Ennepe-Ruhr-Kreises ernannte die Aufsichtsbehörde kommissarisch, er wurde jedoch nicht aktiv.Kreistag des Ennepe-Ruhr-Kreises (Hrsg.): Der Ennepe-Ruhr-Kreis. Festschrift zum 25-jährigen Bestehen des Kreises. Schwelm 1954, S. 245–248 Die erste Wahl zum Kreistag fand am 17. November 1929 statt. Von den insgesamt 36 Kreistagsmitgliedern gehörten 12 der SPD an, jeweils 4 Abgeordnete stellten das Zentrum und die KPD, jeweils 3 Abgeordnete waren von der DVP, der DNVP und der WP, jeweils 2 Abgeordnete gehörten der DDP, dem EVD und der NSDAP an, einen Abgeordneten stellte schließlich die Landwirtschaftliche Vereinigung (vgl. VdB und RLB). Einzige Frau im damaligen Kreistag war Emma Horbach von der KPD. Infolge der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ wurde dieser erste gewählte Kreistag am 4. Februar 1933 vorzeitig aufgelöst. Nach der am 12. März 1933 durchgeführten Neuwahl war dann die NSDAP mit 15 Abgeordneten stärkste Fraktion. Im Rahmen der „Gleichschaltung“ wurden kurz darauf zuerst den 5 KPD-Abgeordneten und später den 9 SPD-Abgeordneten ihre Mandate entzogen; die 4 Zentrumsvertreter legten selbst ihre Mandate nieder. Der verbleibende Kreistag zählte außer den NSDAP-Vertretern noch zwei Abgeordnete der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot und einen EVD-Abgeordneten. Im Juli 1933 wurden die Zuständigkeiten des Kreistags schließlich per Gesetz auf den Kreisausschuss übertragen, wodurch der Kreistag funktionslos wurde.