mini|hochkant=1.5|Zentralasien im 2. Jahrhundert v. Chr. mit dem Siedlungsgebiet der Alanen nordöstlich des Kaspischen Meeres mini|hochkant=1.5|Alanische Migrationen in der spätantiken Völkerwanderungszeit (gelb) und im Mittelalter (lila).

Die Alanen (, ; von iranisch Aryanam, vgl. „legendäres Volk der Frühzeit“Ronald Kim: On the historical phonology of Ossetic: the origin of the oblique case suffix.) waren ein iranisches Reitervolk, ein östlicher Teilstamm der Sarmaten. Sie existierten als Stammesverband wesentlich länger als die übrigen Sarmatenstämme und nahmen in der späteren Zeit auch andere Kulturelemente auf.

Die Alanen nomadisierten ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. im nördlichen Kasachstan und nordöstlich des Kaspischen Meeres, zogen aber seit der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. unter dem Druck östlicherer Nomadenverbände wie der Xiongnu in die südrussischen Steppen zwischen der Wolga, dem Don und dem Kaukasus. Nach der Eroberung ihres Steppenreiches durch die Hunnen im 4. Jahrhundert schloss sich ein Teil den Hunnen auf ihren Zügen nach Westen an und beteiligte sich später an der sogenannten Völkerwanderung, während die übrigen im Nordkaukasus und Kaukasusvorland blieben.

An der Völkerwanderung beteiligten sich alanische Kriegerverbände und ihre Familien in zwei, später drei Gruppen. Eine schloss sich den Zügen der Westgoten an und siedelte sich mit ihnen schließlich in Südgallien an. Die bekanntere Gruppe schloss sich den Vandalen an und gründete in Nordgallien ein kurzzeitiges Stammesreich römischer Foederaten, die am Sieg über die Hunnen in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern beteiligt waren. Schon vor dieser Schlacht hatte sich ein Teil von ihnen abgespalten und war mit den Vandalen und Sueben auf die Iberische Halbinsel gezogen, wo im Süden ebenfalls ein kurzzeitiges Alanenreich entstand. Nach dessen Zerstörung durch die Westgoten zog diese dritte Gruppe mit den Vandalen nach Nordafrika. Alle in Gallien, Iberien und Afrika sesshaft gewordenen Alanen gingen bald in der einheimischen Bevölkerung auf, und nur Ortsnamen (Alenquer (Portugal)) und Legenden erinnern an sie.

Jene Alanen, die dagegen im Nordkaukasus-Vorland zurückblieben, bildeten im Frühmittelalter bis zum 9. Jahrhundert ein organisiertes Königreich mit mehrheitlich sesshafter, wahrscheinlich nicht allein iranischsprachiger Bevölkerung. Daneben belegen mittelalterliche Quellen kleinere alanische Gruppen auf der Krim und anfangs auch in der Zentral-Ukraine. Die Oberschicht des kaukasischen Königreichs Alanien wurde teilweise christianisiert und das Land ging erst im Mongolensturm im 13. Jahrhundert unter. Diese Alanen sind sprachliche Vorläufer der heute im Kaukasus lebenden Osseten.Burchard Brentjes, Christo Danoff: Alani. In: Der Neue Pauly. Band 1, Metzler, Stuttgart 1996, Sp. 431, doi:10.1163/1574-9347 dnp e112730. Daneben gehen die im 13. Jahrhundert nach Ungarn und in Nachbarländer geflüchteten Jassen wahrscheinlich auf kaukasische Alanen zurück.

Geschichte Antiker Teilstamm der Sarmaten mini|hochkant=1.5|Das Römische Reich und seine Nachbarvölker 125 n. Chr., darunter in Osteuropa (rote Schrift für iranischsprachige Gruppen) die Skythen auf der Krim und die Sarmaten mit mehreren Teilstämmen: Jazygen in Pannonien, Roxolanen im Karpatenvorland, Alanen und Aorsen am Schwarzen Meer. Die „Antes?“ als ursprünglich nichtslawischer Verband beruhen auf einer umstrittenen Hypothese. Auch die Zuordnung der Maioten zu den Sarmaten ist heute umstritten. mini|hochkant=0.5|Notitia Dignitatum occ.: Truppenliste des Intra Italiam cum viri illustris magistri peditum: Schildzeichen der Comites Alani, einer Vexillatio palatina der weströmischen Armee

Um 44–35 v. Chr. ließ sich der vor der chinesischen Armee fliehende Xiongnu-Fürst Chih-chih am Tschüi nieder und erhob Tribut von den benachbarten Steppenstämmen bis hin zu den über 1000 km nordwestlich lebenden Jan-tsai (= Alanen)Zur Identität der Jan-tsai und Alanen vgl. zum Beispiel diese (englisch übersetzte) Quellenangabe des chinesischen Weilüe (3. Jahrhundert n. Chr.) und zugehörige Fußnotendiskussionen unter 25.3 und 25.4 mit weiteren Zitaten aus der Chronik Hou Hanshu (geschrieben für die Jahre 25–220 n. Chr.), aus dem Shiji (vor 90 v. Chr.) und wissenschaftlichen Auswertungen der Angaben. Der Name „Jan-tsai“ bedeutet chinesisch „die Große Steppe“, offenbar weil diese westliche Region im Gegensatz zu östlicheren Steppengebieten nicht von Gebirgen, Hügelländern, Wüsten oder Waldsteppen unterbrochen ist, sondern eine gleichförmige monotone flache Steppe bildet. Siehe auch englische Übersetzung der Angaben des Hou Hanshu. und anderen benachbarten Gruppen (Hu-chich, Imil, Ch’ien-k’u und sogar in Sogdien), bis er 35 v. Chr. von den Chinesen getötet wurde. Der stetige, westwärts gerichtete Druck aus dem Osten führte im 1. Jahrhundert n. Chr. zur Abwanderung eines Teils der Alanen aus der Region nordöstlich des Kaspischen Meeres ins heutige Südrussland, ein anderer Teil unterwarf sich den in Sogdien benachbarten Kang-kü.

Seit dem späten 1. Jahrhundert n. Chr. auch nördlich des Kaukasus nomadisierend, unternahmen die Alanen von dort und von ihren alten Sitzen an der Ostseite des Kaspischen Meeres Raubzüge durch das Partherreich und nach Medien, Armenien und Kleinasien. Im Jahre 137 n. Chr. drangen sie in die römische Provinz Kappadokien ein, wurden jedoch vom Statthalter Arrian besiegt.

In römischen Diensten kamen viele sarmatische Söldner nach Gallien und Britannien, wo sie auch Siedlungen gründeten. Noch im Frühmittelalter waren viele französische und bretonische Adlige stolz auf eine legendäre alanisch-römische Herkunft. Auch in Kleinasien, Konstantinopel und sogar im Hunsrück lebten angesiedelte Sarmaten. Diese Söldner dürften oft keine Alanen aus dem Gebiet Nordkaukasiens und des Kaspischen Meeres gewesen sein, sondern andere Sarmaten, insbesondere Jazygen und Roxolanen aus Grenzregionen des Römischen Reiches, die später wohl missverständlich mit den zur Völkerwanderungszeit bekannt gewordenen Alanen aus dem Osten gleichgesetzt wurden.

Alanen in der Völkerwanderung

Gegen 374 wurden die Alanen von einfallenden Hunnen besiegt und unterworfen. Ein großer Teil schloss sich den Hunnen zeitweilig bei deren Wanderungen nach Westen an. Diese Alanen beteiligten sich an der Völkerwanderung. Ein anderer Teil blieb nördlich des Kaukasus zurück.

Die nach Westen gezogenen Alanen siedelten sich anfangs gemeinsam mit den Hunnen entweder in Pannonien (heute Ungarn) oder an der unteren Donau und teilweise auch auf der Krim an.

Die Alanen aus Pannonien fielen zur Mehrheit von den Hunnen ab, schlossen sich 406 den Vandalen, Sueben und Burgunden auf dem Zug über den Rhein 406 an und wurden als Foederaten in Diensten des Weströmischen Reichs im nördlichen Gallien angesiedelt. Ihre Stammeskönige auf dieser Wanderung hießen Respendial und Goar. In der Umgebung von Orléans bestand für kurze Zeit ein alanisches Stammesreich. Ein großer Teil dieser Alanen schloss sich 409 dem Zug der Vandalen und Sueben auf die Iberische Halbinsel an, wo sie sich im mittleren Süden in der römischen Provinz Lusitanien und östlich davon ansiedelten. Die zurückgebliebenen Alanen in Gallien mussten sich noch 451 unter ihrem Stammeskönig Sangiban, dem Nachfolger von Goar, aufgrund ihrer Bündnisverpflichtungen mit Rom neben den Westgoten u. a. an der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern beteiligen, in der der legendäre König der Hunnen Attila durch seinen Gegenspieler Aëtius unter großen Verlusten geschlagen wurde. Dieses Alanenreich wurde kurz darauf (nach 451) durch die Westgoten erobert, die ehemaligen Bündnispartner gegen Attila.

mini|Das kurzlebige alanische Reich 409–417/29 auf der iberischen Halbinsel als foederati Roms Im Süden der Iberischen Halbinsel bildeten die Alanen, die mit den Vandalen und Sueben eingewandert waren, für wenige Jahre ein weiteres Alanenreich unter Respendials Nachfolger, König Attaces. Dieses Alanenreich wurde bereits 417 von dem Westgotenkönig Wallia erobert. Daraufhin schloss sich im Jahr 429 die Mehrheit der iberischen Alanen den Hasding-Vandalen auf dem Zug nach Nordafrika an. Seit dem Vandalenkönig Hunerich waren sie direkt den Vandalenkönigen zugehörig, die von nun an den Titel Rex Vandalorum et Alanorum (König der Vandalen und Alanen) führten. Dieses nordafrikanische Reich bestand gut 100 Jahre lang. 533/534 wurde es im Vandalenkrieg von dem oströmischen Feldherrn Belisar erobert.

Die zweite Gruppe an der unteren Donau unter König Candac ging Bündnisse mit den Westgoten ein, in der Schlacht von Adrianopel 378 waren gepanzerte alanische Kataphrakten am Sieg der Goten über die Römer beteiligt. Die Mehrheit dieser Alanen schloss sich den Zügen der Westgoten über die Balkanhalbinsel und Italien bis ins südliche Gallien an und wurden schließlich in Norditalien und im südlichen Gallien sesshaft, besonders im Gebiet der oberen Rhone und benachbarten Alpenregionen und auf beiden Seiten der östlichen Pyrenäen.

Neben den Krimgoten und anderen Gruppen siedelten sich zu dieser Zeit auch einige Alanen auf der Krim an, die dort noch bis ins Mittelalter existierten und neben anderen Volksgruppen einige befestigte Städte gründeten, zum Beispiel Sudak oder Çufut Qale.

Fast alle sesshaft gewordenen alanischen Gruppen, außer jenen auf der Krim und in Kaukasien, wurden bereits im Mittelalter nicht mehr in Quellen beschrieben. Offenbar gingen sie innerhalb weniger Jahrhunderte in den größeren Nachbarbevölkerungen auf. Es blieb aber eine legendenhafte Erinnerung an die Alanen und Sarmaten zurück.

Mittelalter Nach der Zeit der Völkerwanderung stand alanische Kavallerie aus dem Gebiet nördlich des Kaukasus als Söldner häufig in byzantinischen Diensten, muslimische Alanen (Arsiyah) in chasarischen Diensten. Bei der Entstehung der Kiewer Rus spielten die Alanen als Kriegerelite im Süden des Reiches um Kiew wahrscheinlich eine wichtige Rolle.

Vom 13. Jahrhundert bis 1475 existierte auf der Krim das Fürstentum Theodoro, das dem Umfeld des byzantinischen Reiches zuzurechnen war und sich neben anderen auch auf alanische Bevölkerungsanteile stützte. Diese Alanen auf der Krim wurden noch bis ins 16. Jahrhundert in Quellen erwähnt. Danach gingen sie, wie vorher schon andere angesiedelte regionale Gruppen der Alanen, in der umgebenden Bevölkerung auf.

mini|hochkant=1.2|Das kaukasische Königreich Alanien, 1060 n. Chr. mini|links|Ruine einer der alanischen Kirchen am Fundplatz Nischni Archys 1882. Sie wurde später rekonstruiert und ausgebaut.

Spätestens im 9. Jahrhundert entstand im Nordkaukasus der Staat Alanien, der wenige Jahrzehnte später von byzantinischen Missionaren teilweise christianisiert wurde. Auch hier gingen die anfangs nomadischen Alanen zur Sesshaftigkeit über. Seit wann genau Alanien von einer Stammesunion mit Stammeskönigen zu einem organisierten Königreich überging, ist schwer zu klären, spätestens im 9./10. Jahrhundert. Nach dem georgischen Historiker Wachuschti Bagrationi oder Batonischwili im 18. Jahrhundert, der ältere Quellen verwendete, soll seit dem 11. Jahrhundert in Alanien eine Nebenlinie der Georgischen Bagratiden regiert haben. Nach Angaben der muslimischen Geographen al-Masʿūdī und Ahmad ibn Rustah existierten in Alanien über einhundert Dörfer und einige Städte, Burgen und Festungen, die teilweise später archäologisch untersucht wurden.