mini|Frühling: Umstellung von Normalzeit auf Sommerzeit – die Uhr wird um eine Stunde vorgestellt. mini|Herbst: Umstellung von Sommerzeit auf Normalzeit – die Uhr wird um eine Stunde zurückgestellt.

Als Sommerzeit wird eine gegenüber der Zonenzeit meist um eine Stunde vorgestellte Uhrzeit bezeichnet, die während eines bestimmten Zeitraums im Sommerhalbjahr (oft auch etwas darüber hinaus) als gesetzliche Zeit dient. Eine solche Regelung wird fast nur in Ländern der gemäßigten Zonen angewandt.

Die mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) beginnt jeweils am letzten Sonntag im März um 2:00 Uhr MEZ, indem die Stundenzählung um eine Stunde von 2:00 Uhr auf 3:00 Uhr vorgestellt wird, und endet jeweils am letzten Sonntag im Oktober um 3:00 Uhr MESZ, indem die Stundenzählung um eine Stunde von 3:00 Uhr auf 2:00 Uhr zurückgestellt wird.

Grundlagen Als Zeitsystem für den alltäglichen Gebrauch diente von alters her die örtliche Sonnenzeit, die durch den Stundenwinkel der Sonne definiert ist. Damit ist es am Mittag (Zeitpunkt des höchsten Sonnenstandes) 12:00 Uhr und um Mitternacht 24:00 Uhr. Um die Ortsabhängigkeit der Zeit – einem geographischen Längenunterschied von einem Grad entspricht ein Zeitunterschied von 4 Minuten – innerhalb eines Landes zu beseitigen, wurde auf der internationalen Meridiankonferenz von 1884, ausgehend vom Greenwicher Nullmeridian, ein globales System von 24 Zeitzonen mit einer Ost-West-Ausdehnung von jeweils etwa 15° geographischer Längendifferenz geschaffen. Jeder Zeitzone wurde eine Zonenzeit zugeordnet, die (nach damaliger Definition) gleich der mittleren Sonnenzeit des Mittelmeridians der Zone mit den geographischen Längen 0°, 15°, 30°, … östlich und westlich von Greenwich war. Die Zonenzeiten zweier benachbarter Zonen unterscheiden sich um genau eine Stunde. Eine Zonenzeit läuft gleichförmig ab und ist innerhalb der Länder derselben Zeitzone einheitlich. Unter Einhaltung dieser Bedingungen weicht sie möglichst wenig von der örtlichen Sonnenzeit ab. Die Differenz zwischen der örtlichen Sonnenzeit und der Zonenzeit eines Ortes ist östlich des Mittelmeridians negativ und westlich davon positiv, und sofern die Grenzen der Zeitzonen in etwa mit ihrer natürlichen Lage übereinstimmen – was heute oft nicht mehr zutrifft –, ist der Betrag dieser Differenz im Jahresmittel nirgends wesentlich größer als eine halbe Stunde.

Die gesetzlichen Zeiten der einzelnen Länder sind als die Zonenzeit der Zeitzone definiert, der das Land entsprechend seiner geographischen Länge angehört. So ist die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) die Zonenzeit in der Mitteleuropäischen Zeitzone mit dem Bezugsmeridian der geographischen Länge 15° Ost. Sie unterscheidet sich also von der auf den Greenwicher Nullmeridian bezogenen Koordinierten Weltzeit UTC um 1 Stunde: MEZ = UTC + 1 Stunde.§ 4 Einheiten- und Zeitgesetz der Bundesrepublik Deutschland.

Aufgrund von wirtschaftlich-politischen Erwägungen wurde wiederholt in vielen Ländern jeweils für begrenzte Zeiträume im Sommerhalbjahr eine dieser normalen gesetzlichen Zeit um eine Stunde vorausgehende Sommerzeit als gesetzliche Zeit eingeführt. Die Sommerzeit ist damit gleich der Zonenzeit der östlich benachbarten Zeitzone, also etwa die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) = UTC + 2 Stunden (= Osteuropäische Zeit (OEZ)). Die – westlich des Mittelmeridians ohnehin schon positive – Differenz zwischen der örtlichen Sonnenzeit und der gesetzlichen Zeit vergrößert sich mit Einführung der Sommerzeit um eine Stunde. Anlässe für die Einführung einer Sommerzeit waren etwa der Erste und der Zweite Weltkrieg sowie die Ölpreiskrise in den 1970er Jahren. In analoger Weise gab es in der Tschechoslowakei im Winter 1946/47 zur Energieeinsparung am Morgen eine Winterzeit, also in Umkehrung zur Sommerzeit eine Zurückstellung der gesetzlichen Zeit gegenüber der normalen gesetzlichen Zeit (MEZ) um eine Stunde.Sbírka zákonů a nařízení republiky Československé, částka 92/1946 (PDF). Gesetz- und Verordnungsblatt der Tschechoslowakischen Republik, Nr. 92/1946, S. 140/1239, vom 27. November 1946: Nr. 212: Zákon ze dne 21. listopadu 1946 o zimním čase (Gesetz vom 21. November 1946 über eine Winterzeit) Nr. 213: Vládní nařízení ze dne 27. listopadu 1946 o zavedení zimního času v období 1946/1947 (Verordnung vom 27. November 1946 zur Einführung einer Winterzeit im Zeitraum 1946/1947).Ústavodárné Národní shromáždění republiky Československé 1946. Regierungsvorschlag zu einem Winterzeitgesetz mit Begründung, 15. November 1946.

Zur Unterscheidung von der Sommerzeit wird die normalerweise als gesetzliche Zeit dienende Zonenzeit offiziell Normalzeit oder Standardzeit genannt, alternativ auch Winterzeit.Beispiele: Stiftung Warentest (Weshalb die Winterzeit gesünder ist, 29. Oktober 2021), Der Spiegel (Die Winterzeit hat begonnen, 30. Oktober 2022, „die Normalzeit, auch Winterzeit genannt“), Frankfurter Allgemeine (Zeitumstellung – in Deutschland gilt wieder die Winterzeit, 30. Oktober 2022, „Normalzeit, auch Winterzeit genannt“), SWR Aktuell (Uhren zurückgedreht – Winterzeit hat begonnen, 30. Oktober 2022), ARD alpha (Ende März wird wieder an der Uhr gedreht, 10. Januar 2023), Hamburg Journal (Zeitumstellung: Jetzt gilt wieder die Winterzeit, 30. Oktober 2022) und gelegentlich sogar in Verlautbarungen von Regierungsstellen, wie etwa in einer Pressemitteilung des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (Die Sommerzeit endet am 25. Oktober 2020, 22. Oktober 2020), Freie und Hansestadt Hamburg (Sommerzeit und Winterzeit – Zeitumstellung 2023).

Geschichte mini|Abdruck von Franklins Schreiben im Journal de Paris Benjamin Franklin erklärte 1784 im Journal de Paris, dass das ausgedehnte Nachtleben Energie durch künstliches Licht vergeude. Dagegen helfe früheres Aufstehen und Zubettgehen.Benjamin Franklin: Aux Auteurs du Journal. In: Journal de Paris. Nr. 117, 26. April 1784.Zeitumstellung: Die Sommerzeit – ein übler Scherz. Spiegel Online, 26. März 2016.

Die entsprechende Passage seines Leserbriefs, in der er sich auf seine Berechnung der Kosten für den Verbrauch von Kerzen bezieht, lautet im englischen Original:

Die Idee einer staatlich verordneten Sommerzeit kam Ende des 19. Jahrhunderts auf. Unabhängig voneinander schlugen George Vernon Hudson 1895G. V. Hudson: Art. LVIII. On Seasonal Time. Transactions and Proceedings of the Royal Society of New Zealand, Band 28, 1895, S. 734 (online). und William Willett 1907 eine saisonale Zeitverschiebung vor.W. Willett: The Waste Of Daylight. Sloane Square, London 1907 (online). Der Insektenforscher George Vernon Hudson stellte seine Idee erstmals in einem Vortrag 1895 vor der Royal Society of New Zealand vor. Weder sein Vortrag noch die Veröffentlichung seiner Ideen drei Jahre späterG. V. Hudson: Art. LVIII. On Seasonal Time. Transactions and Proceedings of the Royal Society of New Zealand, Band 31, 1898, S. 577 (online). fanden damals Anklang, sodass er bald in Vergessenheit geriet.

Die ersten Sommerzeitregelungen wurden auf lokaler Ebene getroffen, und zwar ab dem 1. Juli 1908 in der kanadischen Stadt Port Arthur (heute ein Stadtteil von Thunder Bay) in der Provinz Ontario. Einige Jahre später folgten weitere kanadische Städte: Regina (Saskatchewan) ab dem 23. April 1914 sowie Winnipeg und Brandon (Manitoba) ab dem 24. April 1916.Anne Buckle: History of Daylight Saving Time (DST). Time and date, abgerufen am 1. Juni 2024.

mini|Postkarte zur Einführung der Sommerzeit in Deutschland am 30. April 1916 (Deutsches Uhrenmuseum, Archiv, Inv. 100318)

Aufgrund der praktischen Schwierigkeiten z. B. beim länderübergreifenden Eisenbahnverkehr ist es kein Zufall, dass die erstmalige landesweite Einführung der Sommerzeit in den Ersten Weltkrieg fällt:

Eine nationale Umstellung auf Sommerzeit wurde erstmals am 30. April 1916 im Deutschen Reich sowie in Österreich-UngarnRGBl. Nr. 111/1916: Verordnung des Gesamtministeriums vom 21. April 1916, betreffend die Einführung der Sommerzeit für das Jahr 1916. In: RGBl. für die im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder. LVI. Stück, ausgegeben am 22. April 1916, S. 247 (online bei alex.onb.ac.at). angeordnet. Die Sommerzeit sollte die energieintensiven „Materialschlachten“ des Ersten Weltkriegs unterstützen: Dadurch versprach man sich Energieeinsparungen bei der künstlichen Beleuchtung an langen Sommerabenden. Als Reaktion darauf führten zahlreiche andere europäische Länder einschließlich der Kriegsgegner Großbritannien und Frankreich noch im selben Jahr die Sommerzeit ein.In Großbritannien wurde die Sommerzeit am 17. Mai 1916, in Frankreich in der Nacht vom 14. auf den 15. Juni 1916 eingeführt. Vgl.: Johannes Graf, Claire Hölig: Wer hat an der Uhr gedreht? Die Geschichte der Sommerzeit. Furtwangen 2016, S. 42–44. 1919 schaffte Deutschland in der Weimarer Republik die ungeliebte Kriegsmaßnahme wieder ab.

Großbritannien war das einzige Land, das zwischen den Weltkriegen kontinuierlich an der Verschiebung der Stunden im Sommer festhielt. Auch Frankreich führte die Sommerzeit weiter, beendete diese jedoch aufgrund von Protesten der Landwirte im Jahr 1922. 1923 wurde sie abermals eingeführt. Andere Länder experimentierten mit der Sommerzeit nur in einem kurzen Zeitraum, Griechenland lediglich für zwei Monate 1932. In Kanada und den Vereinigten Staaten war die Sommerzeit nicht national, sondern regional oder lokal geregelt, was dazu führte, dass innerhalb einer Stadt unterschiedliche Zeiten verwendet wurden. Die Sowjetunion stellte die Uhren 1930 um eine Stunde vor, aber nicht wieder zurück.

Im Zweiten Weltkrieg führte Deutschland 1940 die Sommerzeit erneut in Erwartung einer Energieeinsparung ein.Verordnung über die Einführung der Sommerzeit vom 23. Januar 1940, . Auch die „eingegliederten Ostgebiete“ wurden einbezogen.RGBl. I, 9. Februar 1940, S. 298, „Druckfehlerberichtigung“ Bei Kriegsende verständigte sich der Alliierte Kontrollrat in Deutschland auf eine einheitliche Uhrenumstellung während der warmen Jahreszeit.Das Zeitwirrwarr nach Kriegsende und die Einführung einer einheitlichen Sommerzeit bzw. einer doppelten Sommerzeit 1947 beschreibt: Johannes Graf, Claire Hölig: Wer hat an der Uhr gedreht? Die Geschichte der Sommerzeit. Furtwangen 2016, S. 62–68. 1947 wurde ab 11. Mai eine doppelte Sommerzeit, d. h. eine Abweichung von zwei Stunden, verordnet, um das Tageslicht maximal auszunutzen. Sieben Wochen später (am 29. Juni) kehrte man zur einfachen Sommerzeit zurück. Bereits im Gründungsjahr beider deutscher Staaten 1949 einigte man sich zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR darauf, die alljährliche Uhrumstellung zu beenden. In den anderen Ländern war die Sommerzeit nach dem Zweiten Weltkrieg ebenfalls auf dem Rückzug.