Der Mexikanisch-Amerikanische Krieg (; , deutsch: Intervention der Vereinigten Staaten in Mexiko; oder , deutsch: Krieg/Kampf der Vereinigten Staaten mit/gegen Mexiko) zwischen Mexiko und den USA fand von 1846 bis 1848 statt. Er wurde maßgeblich vom amerikanischen Präsidenten James K. Polk vorangetrieben, der bestrebt war, das Staatsgebiet der USA nach Südwesten auszudehnen.
Den angreifenden US-Truppen gelang es, eine Reihe von Schlachten im Norden Mexikos für sich zu entscheiden. Die Entscheidung fiel 1847 mit der Landung von US-Truppen bei Veracruz im März und der Besetzung von Mexiko-Stadt im September. Der Vertrag von Guadalupe Hidalgo vom 2. Februar 1848 brachte den Vereinigten Staaten große Gebietsgewinne und die Ausdehnung ihres Territoriums bis zum Pazifischen Ozean.
Vorgeschichte Situation in den USA Die US-Regierung hatte bereits seit der Regierungszeit Agustín de Iturbides versucht, Oberkalifornien käuflich zu erwerben – ein Ansinnen, das mehrmals von Mexiko abgelehnt wurde und die Beziehungen der beiden Staaten schwer belastete.César Sepúlveda: La frontera de México. Historia, conflictos. 1762–1982. Mexiko-Stadt 1983, S. 49–50. Unter den Präsidenten John Quincy Adams und Andrew Jackson unterbreiteten die USA den Mexikanern zweimal vergeblich Kaufangebote für Texas. Als im Jahre 1836 die mehr als 35.000 in Texas lebenden US-Amerikaner ihre Unabhängigkeit von Mexiko erklärten und die Republik Texas ausriefen, unterdrückte die mexikanische Regierung den von den USA unterstützten Aufstand in ihrem Land. Der Einsatz der Armee schlug fehl und Texas gewann seine Unabhängigkeit. Die südliche und westliche texanische Grenze zu Mexiko war in der Folgezeit allerdings umstritten.César Sepúlveda: La frontera de México. Historia, conflictos. 1762–1982. Mexiko-Stadt 1983, S. 55–57.
mini|hochkant|links|Präsident James K. Polk, Fotografie von Mathew Brady, 1849
Am 19. Oktober 1842 besetzte Kommodore Thomas ap Catesby Jones – im Glauben, ein Krieg mit Mexiko sei ausgebrochen – das kalifornische Monterey, zog sich aber am 20. Oktober nach anders lautenden Nachrichten zurück.Robert W. Love Jr.: History of the U.S. Navy. 1775–1941. Harrisburg 1992, S. 188f. Dieser und ein ähnlicher Vorfall kurze Zeit später in San Diego führten zu einer scharfen Protestnote seitens des mexikanischen Außenministers José María Bocanegra, der von einem Bruch des internationalen Rechts und einem feindlichen Akt seitens der Vereinigten Staaten ausging.Secretaría de Relaciones Exteriores (Hrsg.): Política Exterior de México. 175 Años de Historia. Mexiko-Stadt 1985, S. 167–169.
Im Präsidentschaftswahlkampf von 1844 trat James K. Polk als Kandidat der Demokratischen Partei an und wurde mit dem Programm einer unter dem Aspekt des Manifest Destiny groß angelegten Expansionspolitik zum Präsidenten gewählt. Sofort nach der Wahl betrieb er den Anschluss von Texas an die USA.Timothy J. Henderson: A Glorious Defeat. Mexico and its War with the United States. New York 2007, S. 139–140.
Mit dem Beitritt der Republik Texas am 19. Februar 1845 zu den USA ging der Anspruch, der Rio Grande stelle sowohl die südliche als auch die westliche Grenze dar, über den nunmehrigen Bundesstaat Texas auf die Vereinigten Staaten über. Dieser Anspruch war jedoch keinesfalls gesichert. Unter mexikanischer Verwaltung war die Grenze zwischen den Provinzen Texas und Coahuila der Nueces River gewesen. Nach mexikanischer Auffassung bildete der Nueces River trotz der Unabhängigkeit Texas’ weiterhin die Grenze.Robert Leckie: The Wars of America. Evanston / London / New York 1968, S. 325. Auch in den Vereinigten Staaten war die Forderung nach dem Rio Grande als Grenze umstritten. Selbst Außenminister James Buchanan fand den Anspruch zweifelhaft.William Dusinberre: Slavemaster President. The Double Career of James Polk. New York 2003, S. 133.
Situation in Mexiko Auf mexikanischer Seite war General Antonio López de Santa Anna 1844 als Präsident abgesetzt und ins Exil geschickt worden. Als sein Nachfolger übernahm General José Joaquín de Herrera die Regierungsgeschäfte. Nach der Annexion Texas’ im Februar 1845 war die öffentliche Meinung auf beiden Seiten des politischen Spektrums Mexikos aufgebracht. Herrera befand, dass die militärische sowie finanzielle Ausgangslage hoffnungslos und Beistand aus Europa nicht zu erwarten war. Diese Gründe bewogen ihn, eine Einigung mit den Vereinigten Staaten anzustreben. In der patriotisch aufgeheizten Stimmung wurde dies aber als Verrat und Feigheit gewertet.Leslie Bethell (Hrsg.): The Cambridge History of Latin America. Band 3, Cambridge 1985, S. 442Timothy J. Henderson: A Glorious Defeat. Mexico and its War with the United States. New York 2007, S. 150–153.
General Mariano Paredes stürzte Herrera und übernahm im Januar 1846 die Präsidentschaft. Paredes hegte Pläne, die Verfassung von 1843 zu ändern und die Monarchie einzuführen. Ein König an der Spitze hätte unter Umständen Schutz durch die europäischen Monarchien gegen die Expansionswünsche der Vereinigten Staaten geboten. Der Plan wurde jedoch durch den baldigen Ausbruch des Krieges zunichtegemacht.Leslie Bethell (Hrsg.): The Cambridge History of Latin America. Band 3, Cambridge 1985, S. 442.
Für Mexiko waren die Gebietsansprüche der Vereinigten Staaten nicht annehmbar. Mit dem Rio Grande als neuer Grenze wären lange bestehende mexikanische Siedlungen in und um Santa Fe unter die Kontrolle der Vereinigten Staaten geraten. Darüber hinaus wäre die größte Stadt der Gegend, Matamoros, zur Grenzstadt geworden.
Kriegsbeginn mini|hochkant|links|General Zachary Taylor (Fotografie vor 1850) mini|Karte des umstrittenen Gebietes. Die heutigen Grenzen der US-Staaten sind in Weiß angedeutet.
Trotz des heimischen und mexikanischen Widerstandes bestand Präsident Polk auf diesen Forderungen und befahl General Zachary Taylor, seine Armee in die Nähe des Rio Grande zu verlegen. Taylor bezog knapp südlich des Nueces River, weit nördlich des Rio Grande, ein Lager. Die Verlegung US-amerikanischer Truppen auf von Mexiko beanspruchtes Gebiet südlich des Nueces River stellte eine Provokation dar; die mexikanische Regierung unternahm jedoch keine Gegenmaßnahmen außer der Entsendung von Soldaten zum Rio Grande, unter der Auflage, südlich des Flusses zu bleiben.Timothy J. Henderson: A Glourious Defeat. Mexico and its War with the United States. New York 2007, S. 148Robert Leckie: The Wars of America. Evanston / London / New York 1968, S. 325. Polk forderte Taylor wiederholt auf, näher an den Rio Grande heranzurücken, zuletzt am 13. Januar 1846.William Dusinberre: Slavemaster President. The Double Career of James Polk. New York 2003, S. 135. Taylor verzögerte allerdings den Abmarsch und erreichte den Rio Grande erst am 28. März. General Pedro de Ampudia verlangte, dass Taylor sich auf den Nueces River zurückziehen sollte. Taylor lehnte ab und begann, gegenüber von Matamoros ein Fort zu errichten und den Rio Grande abzuriegeln.
Als Mexiko nicht sofort reagierte, entschloss sich Polk, den Kongress um eine Kriegserklärung gegen Mexiko zu bitten.Timothy J. Henderson: A Glorious Defeat. Mexico and its War with the United States. New York 2007, S. 148Hans-Ulrich Wehler: Grundzüge der amerikanischen Außenpolitik I: 1750–1900. Von den englischen Küstenkolonien zur amerikanischen Weltmacht. Frankfurt am Main 1984, S. 127. Bevor dies geschah, erreichte Polk die Nachricht, mexikanische Truppen hätten am 25. April 1846 den Rio Grande überquert und zwei Dragonerkompanien mit 500 Kavalleristen unter Captain Seth B. Thornton überfallen und geschlagen. Bei diesem Gefecht verloren die US-Amerikaner 63 Soldaten. Polk trat nun vor den Kongress und argumentierte, eine Kriegserklärung sei nicht nötig – es reiche festzustellen, dass durch Mexikos Handlung der Kriegszustand bestehe. Es steht allerdings außer Frage, dass Präsident Polk durch den Marschbefehl an General Taylor die Phase des militärischen Konflikts eröffnet hatte und ohnehin zu einer Kriegserklärung entschlossen gewesen war. Die Darstellung Mexikos als Aggressor diente in diesem Fall nur zur öffentlichen Rechtfertigung weiterer Kriegshandlungen.
Um Widerstand seitens des Kongresses gegen seine Politik zu verhindern, verband Polk den Entscheid über die Konstatierung des Kriegszustandes mit einem Gesetz zur Bewilligung von Geldern für Taylors Armee. Wer gegen den Krieg war, musste so auch gegen die Unterstützung der eigenen Truppen stimmen.Karl Jack Bauer: The Mexican War 1846–1848. New York / London 1974, S. 68f. Polk sorgte auch dafür, dass die Beratungen über das Gesetz in zwei Stunden abgeschlossen sein mussten. Ein Großteil dieser Zeit wurde mit dem Verlesen einer Nachricht des Präsidenten verbracht, erst ganz am Ende wurde die Erklärung des Kriegszustandes eingebracht. Eine Debatte war so verhindert worden. Die Politiker der United States Whig Party sprachen sich gegen den Krieg aus (wobei sie eine friedliche Expansionspolitik befürworteten), wollten jedoch nicht gegen die Unterstützung der Truppen stimmen.Howard Zinn: A People’s History of the United States. Harper Perennial, 2005, ISBN 0-06-083865-5, S. 153. Nur 14 von 190 Kongressabgeordneten versagten ihre Zustimmung. Gegen die gemeinsame Abstimmung über die Finanzierung von Taylors Armee und Erklärung des Kriegszustandes hatten noch 67 Abgeordnete gestimmt. Der Senat, in dem für die Debatte ebenfalls nur ein kurzer Zeitrahmen festgelegt wurde, stimmte mit 40 zu 2 Stimmen für die Annahme und so unterzeichnete Präsident Polk am 13. Mai 1846 das Gesetz. Die meisten einflussreichen Kirchenvertreter sprachen sich ebenfalls für den Krieg aus oder wandten sich zumindest nicht gegen ihn. Eine bekannte Ausnahme bildete der baptistische Reverend und Präsident der Brown University, Francis Wayland.Howard Zinn: A People’s History of the United States. Harper Perennial, 2005, ISBN 0-06-083865-5, S. 156.
Mexiko konnte sich, wegen der angespannten Lage zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien auf Grund der Oregonfrage, Hoffnungen auf einen Krieg zwischen den beiden Mächten machen.Irving W. Levinson: Wars within War. Mexican Guerrillas, Domestic Elites, and the United States of America. Fort Worth 2005, S. 163. Auch die kalifornische Junta von Monterey, die Alta California durch Abspaltung von Mexiko aus dem Krieg heraushalten wollte, hoffte auf britischen Schutz. Nach der Aushandlung des Oregon-Kompromisses, der im Juni 1846 ratifiziert wurde, konnten die Grenzstreitigkeiten jedoch friedlich beigelegt werden.Peter Maslowski, Allan R. Millet: For the Common Defense. A Military History of the United States of America. Revised and Expanded. New York / Toronto 1994, S. 144.Johannes Eue: Die Oregon-Frage. Amerikanische Expansionspolitik und der Pazifische Nordwesten 1814–1848. (= Nordamerika-Studien. Band 3). Münster/Hamburg 1993, S. 259f, 263. Der Frieden mit den Briten im Norden ließ Präsident Polk im Süden und Westen freie Hand für einen Eroberungskrieg gegen die mexikanischen Provinzen Alta California und Nuevo Mexico.
Kriegsverlauf mini|hochkant=2|Karte des Kriegsgebiets
Nach der Eröffnung von Feindseligkeiten mit der Belagerung von Fort Texas traf General Taylor am 8. Mai 1846 bei der Schlacht von Palo Alto mit seinen 2300 Mann auf 4000 Mexikaner unter General Mariano Arista. Die Mexikaner unterlagen und zogen sich, von Taylor verfolgt, zurück. Bereits am folgenden Tag kam es zur Schlacht von Resaca de la Palma. Die Mexikaner wurden wiederum geschlagen und zogen sich ungeordnet über den Rio Grande zurück. Hätte Taylor nachgesetzt, wäre es ihm vielleicht gelungen, Aristas demoralisierte Armee gefangen zu nehmen. Taylor hatte aber keine Vorbereitungen für eine Flussüberquerung getroffen und so entkamen die mexikanischen Einheiten.Lida Mayo: The Mexican War and After. In: Maurice Matloff (Hrsg.): American Military History (Army Historical Series). Washington D.C. 1973, S. 165f.