Bruneck ([]; , ladinisch Bornech oder Burnech) ist eine Stadt und eine Gemeinde in Südtirol im Norden Italiens.
Bruneck ist der Hauptort des Pustertals und mit Einwohnern (Stand ) die fünftgrößte Stadt Südtirols. Sie ist Sitz der Bezirksgemeinschaft Pustertal sowie Standort mehrerer weiterführender Schulen und eines Krankenhauses. mini|Blick auf Bruneck von Osten mini|Bruneck, Luftaufnahme (2018)
Geographie mini|Bruneck vom Kronplatz gesehen, Blick in das Tauferer Tal Das Stadtgebiet nimmt große Teile der sogenannten Brunecker Weitung ein. Hier münden das von Norden kommende Tauferer Tal und – leicht südwestlich versetzt – das von Süden kommende Gadertal in das in Ost-West-Richtung verlaufende Pustertal ein. Mitsamt seinen Fraktionen und Anteilen an den umliegenden Höhen umfasst das Gemeindegebiet eine Fläche von 45,07 km².
Ungefähr im Zentrum des Gemeindegebiets befindet sich am Fuße des Schlossbergs die Brunecker Altstadt (830–), die von der Rienz in einer Nordschleife umflossen wird. Nördlich und östlich – auf der anderen Flussseite – befinden sich jüngere Stadtviertel, direkt westlich schließt im Mündungsbereich zwischen der Rienz und der von Norden kommenden Ahr die Fraktion Stegen (810–) an. Weiter flussabwärts in südwestlicher Richtung befindet sich die Nachbargemeinde St. Lorenzen.
Nördlich des Stadtzentrums liegt der Eingangsbereich des Tauferer Tals. Hier befinden sich die beiden Fraktionen St. Georgen (820–) und Aufhofen (840–). Nordwestlich über St. Georgen erreicht das Brunecker Gemeindegebiet mit einem Keil zwischen den Nachbargemeinden Gais (im Norden) und Pfalzen (im Westen) noch Höhen von über . Hierbei handelt es sich um die südöstlichsten Ausläufer der Pfunderer Berge bzw. Zillertaler Alpen. Deutlich weniger weit hinauf reicht das Gemeindegebiet nordöstlich über Aufhofen in den bewaldeten Hängen der südwestlichsten Ausläufer der Rieserfernergruppe.
Im Nordosten der Brunecker Weitung liegt die Fraktion Dietenheim (850–), im Osten nahe der Nachbargemeinde Percha Luns (950–).
Südlich des Stadtzentrums steigt das Gelände zu einer Mittelgebirgsterrasse an, die die Fraktion Reischach (940–) trägt. Dahinter erhebt sich der Kronplatz (), der nördlichste Gipfel der Pragser Dolomiten (einer Untergruppe der Dolomiten) und der höchste Punkt der Gemeinde.
Geschichte Etymologie Der Name Bruneck ist sehr wahrscheinlich auf den Gründer der Stadt, den Brixener Fürstbischof Bruno von Kirchberg zurückzuführen. Zwar gibt es keine offizielle Gründungsurkunde, doch ebenso wenig existiert in der Umgebung ein Flurname oder ein sonstiger Hinweis, der auf Bruneck führen könnte. Die Schreibung des Namens variierte in den ersten Jahrhunderten der Stadtgeschichte erheblich; bekannte Schreibungen sind Bruneke (1256), Braunek (1295), Praunnekk (1305), Praunegk (1400) und Brauneggen (15.–18. Jahrhundert); die heutige Schreibweise Bruneck setzte sich im 19. Jahrhundert durch.Siehe Stemberger 1988, S. 26. Allen Schreibungen ist gemein, dass sie auf den Personennamen Bruno mit Suffix -eck hinweisen. Bruneck ist damit die einzige Stadt Südtirols, die nach ihrem Gründer benannt ist.
Erste Besiedelung Der älteste dauerbesiedelte Stadtteil Brunecks ist der Stadtteil Ragen. Der Name lässt eine Gründung in der jüngeren Eisenzeit vermuten. Er könnte möglicherweise auf ein rätisches *Ragi-na mit der Bedeutung „Besitz eines Mannes namens Ragi“ zurückgehen.Johannes Ortner: Pipe, Pirra, Pustertal. Erkundungen der Namenlandschaft im Brunecker Becken. Vortrag, gehalten am 7. Februar 2017 in Bruneck Erstmals urkundlich erwähnt wird die Siedlung (damals Ragowa) im 10. Jh. n. Chr., als eine Edelfrau sie dem Bischof Albuin von Brixen übergab. Ragen bestand damals aus mehreren Meierhöfen mit einer Mühle und einer kleinen Kirche. Einer dieser Höfe wurde durch den Bischof zu einem Küchenmeierhof umfunktioniert; er ist heute unter dem Namen Ragenhaus bekannt. Die Mühle ist die ebenfalls heute noch stehende Hannesmühle in der Mühlgasse 4. In Ragen entstanden im Hochmittelalter auch Brunecks adlige Ansitze (Ansitz Sternbach, Ansitz Teißegg, Ansitz Vintler, Ansitz Ansiedel). Die ersten Häuser außerhalb von Ragen wurden im 12. Jh. in der Stadtgasse (Stadtgasse Nr. 13) und am Graben (Graben Nr. 6) gebaut. Auf dem heutigen Schlossberg, der Wartberg hieß, befand sich eine Warte.
Ansonsten war das Stadtgebiet vor der Errichtung von Schloss Bruneck noch relativ unbewohnt. Die Rienz war noch nicht reguliert und im Talkessel stand ein weitläufiger Auwald. In der Umgebung waren vorher schon Siedlungen gegründet worden, wie etwa durch die Kelten (Stamm der Saevaten) auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde St. Lorenzen oder durch die Bajuwaren, welche ab dem 6./7. Jh. n. Chr. das Pustertal besiedelten (Dietenheim, Uttenheim, Issing, Fassing, Aufhofen, Percha, u. v. m.).
Der bischöfliche Verwaltungssitz war vor der Errichtung des Schlosses in Aufhofen.
Mittelalter mini|Das 1276 erstmals urkundlich erwähnte Schloss Bruneck überragt die Stadt Bruneck wurde durch den Brixner Bischof Bruno von Kirchberg (Amtszeit 1250–1288) gegründet, worauf vermutlich der Name der Siedlung zurückzuführen ist,siehe Wieser 2006 und am 23. Februar 1256 erstmals urkundlich erwähnt, als der Bischof eine Urkunde für das Kloster Wilten bei Innsbruck ausstellte. Er war es auch, der das Wahrzeichen der Stadt, Schloss Bruneck, erbauen ließ. Die Stadt selbst wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gegründet und nach Brunos Tod 1288 von seinen Nachfolgern vollendet, ohne dass sich ihre Entwicklung genau verfolgen ließe.Die Tiroler Weisthümer, IV. Theil, Erste Hälfte, Wien 1888, S. 467 (books.google.de). 1305 bot Bischof Johannes (Sax) von Brixen den Bürgern von Bruneck Steuererleichterung für den Fall an, dass sie sich bereit erklärten, den von Bischof Bruno begonnenen Bau der Ringmauer um die Stadt fertigzustellen.Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte deutscher Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 426 (books.google.de). Bruneck hat demnach seit mindestens 1288 als Stadt bestanden.
Damals bestand die Stadt aus zwei Häuserreihen, die eine schmale Gasse als Straßenmarktanlage bildeten und östlich vom präurbanen Altsiedelort Ragen abgeschlossen wurden – ebendort ist 1293 auch eine Niederlassung der Dominikaner bezeugt (apud Brunekum in loco de Ragen in domo fratrum predicatorum). Erst 1336 wurden unter Bischof Albert I. von Enn die Stadtmauern und der Stadtgraben vollendet. Bald danach wurden außerhalb des östlichen Tores weitere Häuserreihen gebaut, die zur kleinen Frauenkirche (der heutigen „Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt“) führten. Die erste Kirche innerhalb der Stadtmauern (zunächst nur eine kleine Kapelle) wurde vom Brunecker Bürger Niklas Stuck unterhalb des Schlosses „am Rain“ errichtet, die heutige Rainkirche. Heinrich von Stuck, der Bruder von Niklas, stiftete 1358 das Heilig-Geist-Spital, das in den folgenden Jahren erbaut wurde. 1430 ist in Bruneck eine Gemeinschaft von Beginen bezeugt.Julia Hörmann, Ursula Stanek: Damenstifte in Tirol – ein Überblick. In: Hannes Obermair et al. (Hrsg.): Dom- und Kollegiatstifte in der Region Tirol – Südtirol – Trentino in Mittelalter und Neuzeit. Innsbruck, Wagner 2006, S. 67–80, Bezug: S. 71–72. Der bischöfliche Verwaltungssitz wurde von Aufhofen nach Bruneck verlegt. Als Vertreter des Bischofs amtete ein so genannter Schlosshauptmann auf der Burg. Schon bald erhielt die Stadt die Freiheit des Wochenmarktes (1370) und die Hohe Gerichtsbarkeit von Kaiser Karl IV. (1371).
Neuzeit mini|Darstellung Brunecks um 1700 mini|Brunecker Stadtgasse im Jahr 2021 mini|Bruneck wird von der Rienz durchflossen. Im 14. und 15. Jahrhundert gab es regen Handel von Augsburg nach Venedig. Ein Teil der gehandelten Waren wurde durch das Pustertal geführt und in Bruneck auf dem Ballplatz oft für längere Zeit gelagert. Dadurch erlangte die Stadt bald Wohlstand und Bekanntheit. In dieser Zeit entstand auch die Pustertaler Malschule, zu deren Gründern der Maler Hans von Bruneck gehörte. In dieser Schule lernten Michael Pacher und Friedrich Pacher. Die Werkstätte Michael Pachers in Bruneck wurde zu einer der berühmtesten Einrichtungen des gesamten Alpenraums. Daher ist Bruneck auch als Michael-Pacher-Stadt bekannt. Im Jahre 1500 wurde das Pustertal aufgrund eines Erbvertrages zwischen dem Hause Habsburg und den Grafen von Görz-Tirol wieder mit dem Land Tirol vereint; die Stadt Bruneck blieb weiterhin bischöflicher Besitz.
1610 wurde die Stadt Bruneck, die bisher der Pfarre St. Lorenzen unterstand, eine eigene Pfarrei. Als erster Pfarrer scheint 1613 Johann Herlin auf. Im Jahre 1626 kam der Orden der Kapuziner nach Bruneck. Die Patres erbauten am „Spitalangerle“ ein Kloster mit Kirche, welche heute noch existieren.
Am 11. April des Jahres 1723 kam es zum schwersten Brand der Stadtgeschichte. Im Oberragen, unweit der Pfarrkirche, brach ein Feuer aus, das sich durch den starken Ostwind bald über einen Großteil der Stadt verbreitete und diese weitgehend vernichtete. 1741 wurde ein weiteres Kloster errichtet – diesmal vom Orden der Ursulinen.
Das von Napoleon und seinen Verbündeten schwer geschlagene Österreich musste 1805 im Frieden von Pressburg seine Gefürstete Grafschaft Tirol an das mit Napoleon verbündete Bayern abtreten. In der Folge wurde im Verlauf der Verwaltungsneugliederung Bayerns das Landgericht Bruneck errichtet. Dieses wurde nach der Gründung des Königreichs Bayern dem Eisackkreis zugeschlagen, dessen Hauptstadt Brixen war. 1810 wurde das Landgericht dem Innkreis mit der Hauptstadt Innsbruck zugeschlagen. 1814 wurde der Innkreis von Bayern an Österreich abgegeben. Während der lange andauernden Napoleonischen Kriege erlitt die Stadt zwar keinen materiellen Schaden, kam aber als Marschstation und wegen der jahrelangen Einquartierung und Versorgung von Soldaten und Schützen in schwere Schulden, an denen sie jahrzehntelang zu tragen hatte.
Die Pfarrkirche Bruneck in Oberragen wurde 1850 nach den Plänen der k.k. Baudirektion in Wien unter der Leitung von Hermann von Bergmann (1816–1886) in historistisch-neuromanischen Stilformen an Stelle eines ins Spätmittelalter zurückreichenden, beim Stadtbrand stark beschädigten Vorgängerbaus errichtet.
1870 wurde ein Stadtverschönerungsverein begründet, um die touristische Erschließung Brunecks mittels Anlage von Spazierwegen und Promenaden zu fördern.
20. Jahrhundert mini|Ernst Loesch, Bruneck mit der Rienzbrücke, 1923 mini|Stadtteil Oberragen mit Rainkirche im Hintergrund, 2000 Im Ersten Weltkrieg (in Bruneck waren am 1. August 1914 der Stab/1. u. 3. Bataillon des Böhmischen Infanterie Regiments Nr. 36 untergebracht) wurde die Stadt trotz ihrer Nähe zur Front von Kriegszerstörungen verschont. 1928 erhielt die Gemeindeausdehnung ihren heutigen Umfang: Damals wurden die bis dato eigenständigen Reischach, St. Georgen, Dietenheim und Aufhofen eingemeindet sowie das bis dahin zu St. Lorenzen gehörende Stegen eingegliedert.
1938 stellte die faschistische italienische Regierung am Kapuzinerplatz ein Monument zu Ehren der im Abessinienkrieg eingesetzten 5. Alpinidivision „Pusteria“ auf. Dieses bis heute – auch wegen italienischer Kriegsverbrechen in Äthiopien – umstrittene Denkmal war mehrfach das Ziel von Sprengstoffanschlägen und Farbattacken. Von der im Südtiroler Volksmund Kapuziner-Wastl genannten Statue ist nach dem wiederholten Wiederaufbau nur noch ein Torso auf einem großen Steinsockel erhalten. Der Zweite Weltkrieg brachte durch Bomben einigen Schaden an Mensch und Haus.
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