mini|Luitpoldstraße in Schwabmünchen mini|Fuggerstraße in Schwabmünchen (vor Sanierung) mini|Schwabmünchen von Südwesten mini|Schwabmünchen von Süden Schwabmünchen ist eine Stadt im schwäbischen Landkreis Augsburg in Bayern.
Geografie Geografische Lage Der Ort liegt 24 Kilometer südlich von Augsburg zwischen Lech und Wertach am Westrand des Lechfeldes. Durch die Stadt fließt die Singold; der Feldgießgraben ist eine Hochwasserumleitung von der Singold in die Wertach. Im Westen erheben sich in rund fünf Kilometer Entfernung die Westlichen Wälder (die Stauden).
Nachbargemeinden Das Stadtgebiet grenzt im Uhrzeigersinn von Norden aus gesehen an folgende Gemeinden:
Großaitingen, Graben, Untermeitingen, Langerringen, Hiltenfingen und Scherstetten
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus 5 Gemarkungen und hat 10 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben; sonstige Wohnplätze sind kursiv gesetzt): Gemarkung Birkach (Dorf) Gemarkung Klimmach (Pfarrdorf) mit Froschbach (Weiler), Guggenberg (Schloss) und Leuthau (Dorf) Gemarkung Mittelstetten (Pfarrdorf) Gemarkung Schwabegg (Pfarrdorf) mit Engelhof (Einöde), Hirschwang (Einöde), Königshausen (Weiler), Pfänder-Hof (Einöde), Schafhof (Einöde) und Schwabegger Mühle (Einöde) Gemarkung Schwabmünchen (Hauptort) mit Ficklermühle (Einöde), Roßgumpen (Einöde), Taubental (Einöde) und Wertachau bzw. Wertachsiedlung (Siedlung)
Geschichte Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Bei Ausgrabungen im Norden der heutigen Stadt fanden sich Hinweise auf keltische, römische und alemannische Besiedlung. Am Osthang des Wertachtales wurde ein ausgedehntes römerzeitliches Töpferdorf freigelegt, das Hermann Kuntz mit dem Ort Rapis (oder Rapae) aus der Tabula Peutingeriana identifizierte. Die ersten Bewohner dieses Ortes siedelten sich in der Regierungszeit des römischen Kaisers Claudius (41–54 n. Chr.) an. Unter ihnen waren verschiedene Handwerker, Bronzegießer und Schmiede, die die Kunst der Eisenverhüttung aus Roherz verstanden. Das Ortsbild wurde von langgezogenen Fachwerkbauten bestimmt, die mit der Giebelseite zur Straße standen. Nur das Badehaus und ein Gebäude, das wahrscheinlich als Tempel fungierte, waren aus Stein gebaut. Rapis entwickelte sich zum größten römischen Töpferzentrum im nördlichen Raetien. Der Ort hatte zwar nur ca. 125 Einwohner, doch mehr als 80 % von ihnen bestritten ihren Lebensunterhalt mit der Keramikproduktion. In dreizehn von sechzehn Anwesen waren Töpfereien untergebracht. Wohnhaus und Werkstatt bildeten eine Einheit. In den Kleinbetrieben arbeitete die ganze Familie – auch die Kinder. In Rapis wurde über fast 200 Jahre Haushaltsgeschirr für Keller, Küche und Tisch produziert. Das umfangreiche Sortiment reichte von der kleinen Öllampe bis zum meterhohen Vorratstopf. Der wichtigste Exportartikel war die Reibschüssel (mortarium), das gängige Vielzweckgerät der römischen Küche. Aufgrund ihrer Qualität waren die Reibschüsseln aus Rapis hochgeschätzt und weit verbreitet. Sie wurden bis in den unteren Donauraum gehandelt. Um 260 n. Chr. wurde Rapis in den Germanenkriegen angegriffen; die meisten Töpferwerkstätten wurden zerstört und viele Einwohner getötet. Die Überlebenden konnten die Keramikproduktion nicht mehr aufleben lassen. Die letzten Einwohner verließen zu Beginn des 5. Jahrhunderts das Dorf. Die Funde aus alemannischer Zeit datieren aus der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts. Jüngste archäologische Ausgrabungen vervollständigen das Bild der Region zu römischer Zeit: Im Südosten des Ortes wurden Reste eines kurzfristigen Militärlagers des 1. Jhds. entdeckt, aber auch Spuren viel älterer Besiedlung aus neolithischer Zeit, Bronzezeit und Keltenzeit.
Der Ort wurde der Überlieferung nach von Karl dem Großen dem Augsburger Bischof geschenkt und gehörte bis zur Säkularisation zum Augsburger Hochstift. In Schwabegg, einem Ortsteil von Schwabmünchen, finden sich die Reste einer ehemaligen Fluchtburg aus der Zeit der Ungarneinfälle. Man datiert sie etwa auf das Jahr 950 nach Christus und sie hat den Namen Haldenburg. Schwabmünchen wurde erstmals 954 als castellum Mantahinga in einer Biografie des Bischofs von Augsburg, dem Hl. Ulrich, erwähnt. 1562 wurde der Ort von Kaiser Ferdinand I. zur Marktgemeinde erhoben und erhielt ein Marktwappen.
Der Name des Ortes leitet sich wahrscheinlich von einem bajuwarischen Fürsten mit dem Namen Mandicho ab.Wolf-Armin Freiherr von Reitzenstein: Lexikon schwäbischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. Bayerisch-Schwaben, C. H. Beck, München 2013, S. 350f.
Ab dem 19. Jahrhundert In den Jahren 1804 bis 1806 kam Schwabmünchen unter bayerische Herrschaft und wurde Sitz eines Landgerichts älterer Ordnung. Mit dem Bau der Bahnstrecke Augsburg–Buchloe (1847) und der Errichtung einer Schranne (1855) setzte ein wirtschaftlicher Aufschwung ein, der sich u. a. im Bau von Schulen und einem neuen Krankenhauses (1899/1900) dokumentierte. Im Jahr 1900 wurde die Marktgemeinde Sitz des Bezirksamts Schwabmünchen (später Landkreis Schwabmünchen), der im Zuge einer Neugliederung durch die Aufteilung des Bezirksamtes Augsburg gebildet wurde. Mit Inbetriebnahme des Gaswerks nördlich des Bahnhofs im Jahre 1907 wurde die flächendeckende Straßenbeleuchtung in Schwabmünchen eingeführt.Das Gaswerk Schwabmünchen auf der Website der Gaswerksfreunde Augsburg
Am 4. März 1945 wurde Schwabmünchen von einem schweren Bombenangriff heimgesucht, bei dem 61 Einwohner getötet wurden. Da der Zugang zu Luftschutzbunkern Kriegsgefangenen, Polen und sogenannten Ostarbeitern ab 1942 grundsätzlich untersagt wurde, befanden sich unter den Opfern vier osteuropäische bzw. russische Zwangsarbeiter: drei Männer vom Lager Kroen und eine Zwangsarbeiterin, die als Landarbeiterin verzeichnet wurde.Pfandzelter, Elmar: Schwabmünchner Geschichten - Der 4. März 1945, Augsburg, 2010, Opferliste, S. 44. Ein Viertel des Stadtgebietes wurde total zerstört, zwei Drittel wurden schwer beschädigt. Am 26.https://hdbg.eu/wiederaufbau/orte/detail/schwabmuenchen/79 bzw. 27. AprilPfandzelter, Elmar: Schwabmünchner Geschichten. 1945 erfolgte die kampflose Übergabe an die Amerikaner.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Bevölkerung durch den Zuzug von Heimatvertriebenen stark an, und so wurde Schwabmünchen 1953 vom Markt zur Stadt erhoben. Am 1. Juli 1972 wurde im Zuge der Kreisreform der ehemalige Landkreis Schwabmünchen mit Teilen des Landkreises Wertingen in den Landkreis Augsburg-West eingegliedert, der am 1. Mai 1973 in Landkreis Augsburg umbenannt wurde.
Eingemeindungen 1978 wurden im Rahmen der bayerischen Gemeindegebietsreform mehrere ehemals selbstständige Kommunen nach Schwabmünchen eingemeindet:
Birkach mit heute 176 Einwohnern wurde bereits 969 als „Pirichah“ urkundlich als Gut des Augsburger Frauenklosters St. Stephan erwähnt. Es liegt etwa 7 Kilometer westlich von Schwabmünchen im Schwarzachtal. Klimmach mit heute 248 Einwohnern existiert bereits seit dem Frühmittelalter, wurde aber erst 1482 erstmals urkundlich erwähnt. Klimmach ist ein bedeutender Wallfahrtsort in der Diözese Augsburg. Klimmach liegt etwa 6 Kilometer westlich von Schwabmünchen auf der Höhe zwischen Wertachebene und Schwarzachtal. Mittelstetten mit heute 541 Einwohnern liegt 2 Kilometer nördlich von Schwabmünchen und wurde 1316 erstmals als Besitz des Hochstifts Augsburg urkundlich erwähnt. Schwabegg (von Schwabenhügel, egg = Abhang, Hügel) mit heute 801 Einwohnern wurde erstmals 1110 urkundlich erwähnt. Es liegt etwa 5 Kilometer westlich von Schwabmünchen am Rande des Anstiegs zum Staudengebiet, zum Kalvarienberg Schwabegg und der Wertachebene.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2008 wuchs Schwabmünchen um 2.613 Einwohner bzw. ca. 25 %. Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 10.617 auf 14.075 um 3.458 Einwohner bzw. um 32,6 %. Bevölkerungsentwicklung Jahr18401900193919611970199119952000200520102015202020212022 Einwohner 3.4384.7515.4538.6889.20011.44312.24612.70413.14613.34213.83614.33514.55314.819 Quelle: BayLfStat
Politik Stadtrat Sitzverteilung im 24-köpfigen Stadtrat seit 2002: +20022008201420202026https://wahl.stadt-smue.de/kw2026/stadtrat/CSU141312109Freie Wählervereinigung Schwabmünchen e.V.47768SPD54343B’90/Die Grünen10244 Seit 2026 ist Benjamin Schorer (FW) Erster Bürgermeister; dieser hat am 22. März 2026 bei einer Stichwahl gegen Stephan Dölle (CSU) mit 59,8 % der Stimmen durchgesetzt.https://www.augsburger-allgemeine.de/schwabmuenchen/buergermeisterwahl-schwabmuenchen-benjamin-schorer-gewinnt-stichwahl-113796357
Wappen
Städtepartnerschaften : Seit 7. Juni 1975 besteht eine Städtepartnerschaft mit der Stadt Giromagny. Giromagny liegt 12 km nördlich von Belfort am Fuß der Vogesen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Hexentürmchen beim Rathaus
Eine kleine Sehenswürdigkeit und ein Wahrzeichen Schwabmünchens sind die „Hexentürmchen“ . Es handelt sich um ein Tor zur damaligen bischöflichen Straßvogtei, errichtet vermutlich im 16. Jahrhundert.
Baudenkmäler
Museum und Galerie der Stadt Schwabmünchen Das größte kommunale Kunst- und Kulturgeschichtsmuseum des Landkreises wurde im Jahr 1913 als Bezirksmuseum gegründet. Schon damals beherbergte es Bestände von hoher Qualität und überregionaler Bedeutung. Seit seiner Neueinrichtung 1984 präsentiert es auf vier Stockwerken Zeugnisse der Alltags- und Festkultur vom 17. Jh. bis zur Gegenwart. Es verfügt über eine einzigartige Sammlung von Kunstwerken der Spätnazarener und betreibt eine Galerie für Gegenwartskunst. Ständig wechselnde Sonderausstellungen und ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm runden das Angebot ab. Die Dauerausstellung zeigt zunächst archäologische Funde aus dem römischen Töpferzentrum Rapis, das einst auf dem heutigen Stadtgebiet gelegen war. Die „Schaufenster zur Geschichte Schwabmünchens“ geben anschließend Einblick in die wechselhafte Historie der Stadt: jede Menge Information für ortsgeschichtlich Interessierte. Doch mehr als drei Viertel der Ausstellungsfläche sind Bereichen gewidmet, die nicht mit der Regionalgeschichte in Zusammenhang stehen. Hier begegnet man u. a. einer umfassenden Sammlung europäischer Andachtsgrafik aus dem 17.–19. Jh., sakralen Skulpturen aus dem 16.–19. Jh., Keramik, Zinn, Kleidung oder Möbeln und Spielen aus drei Jahrhunderten.
Die Galerie präsentiert in ihrem historischen Teil die Malerei der Spätnazarener Schule – hier vor allem Werke Ferdinand Wagners, der 1819 in Schwabmünchen geboren wurde. Ein eigener Raum ist einem im Nazarener Stil gestalteten Heiligen Grab vorbehalten. In der Krippensammlung des Museums befindet sich eine bewegliche Nazarener Papierkrippe aus dem 19. Jh. Werke aus der Sammlung zeitgenössischer Kunst sind in der Galerie Gegenwart zu sehen. Sie hat sich mit ihren Sonderausstellungen bei Künstlern und Besuchern einen sehr guten Ruf erworben.
Besonderen Schwerpunkt legt auch das Museum auf ein abwechslungsreiches Sonderausstellungsprogramm, das sich auf lebendige Weise mit Vergangenheit und Gegenwart auseinandersetzt. Die Vielzahl der Themenbereiche bietet Informatives und Unterhaltsames für alle. Insbesondere für Familien werden immer wieder interessante Ausstellungen angeboten. Ein- bis zweimal im Jahr lädt das Museum zu einem Museumsfest besonderer Art ein. Daneben bietet es z. B. mit Musikveranstaltungen, Zeitzeugenabenden oder der Langen Nacht ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm.
Der Eintritt ist frei. Für Rollstuhlfahrer und -fahrerinnen ist ein Besuch problemlos möglich. Im städtischen Museum ist die Stadtgeschichte seit der Römerzeit dargestellt .
Weitere Sehenswürdigkeiten Eine weitere Sehenswürdigkeit ist der Strickerbrunnen am Schrannenplatz . Er wurde von dem Bildhauer Karl-Ulrich Nuss erschaffen. Rechts und links unterhalb des Strickers stehen ein Lamm und eine Ziege. Eine Geschichte erzählt, dass, wenn sich zwei Personen gleichzeitig auf diese Tiere setzen, diese ihr Leben lang Freunde bleiben.