mini|Logo der Stadt Lausanne
Lausanne [] ( veraltet auch Lausannen und Losannen, ,Nicolas Pépin: Lausanne VD (Lausanne) in: Dictionnaire toponymique des communes suisses – Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen – Dizionario toponomastico dei comuni svizzeri (DTS|LSG). Centre de dialectologie, Université de Neuchâtel. Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2005, ISBN 3-7193-1308-5, und Éditions Payot, Lausanne 2005, ISBN 2-601-03336-3, S. 512. und ) ist eine Schweizer Grossstadt. Sie ist eine politische Gemeinde und der Hauptort des Kantons Waadt und auch die Hauptstadt des Bezirks Lausanne. Die Stadt liegt in der französischsprachigen Schweiz (Romandie) am Genfersee und ist mit Einwohnern () nach Zürich, Genf und Basel die viertgrösste Stadt der Schweiz.
Die Agglomeration Lausanne zählt rund 430'000 Einwohner. Die Stadt Lausanne ist zudem ein Teil der noch weiter gefassten Metropolregion Genf-Lausanne und umfasst etwas mehr als ein Zehntel der Einwohnerschaft dieser Region. In der Kantonshauptstadt lebt mehr als ein Sechstel der Bevölkerung des Kantons Waadt. Mit 43,0 Prozent Ausländern (Einwohner ohne Bürgerrecht) zählt Lausanne, unter anderem neben Genf und Basel, zu den Schweizer Städten mit hohem Ausländeranteil.
Lausanne ist ein bedeutendes Wirtschafts-, Kultur- und Bildungszentrum sowie eine wichtige Verkehrsdrehscheibe in der Westschweiz. Das Schweizer Bundesgericht hat in Lausanne seinen Sitz, ebenso der Internationale Sportgerichtshof und das Schweizer Filmarchiv. Im Bürokomplex der Maison du Sport International nahe am Genfersee befinden sich die Verwaltungszentralen vieler Sportweltverbände wie des Internationalen Olympischen Komitees. Seit 1994 trägt die Stadt den offiziellen Titel «Olympische Hauptstadt».Lausanne, la sportive. Lausanne, Capitale Olympique. In: lausanne.ch, abgerufen am 4. März 2020.
Geographie Lage
mini|Blick vom Genfersee auf Lausanne
Lausanne liegt im Waadtländer Mittelland am nördlichen Ufer des Genfersees. Die Fläche des 41,4 km² grossen Gemeindegebiets umfasst in seinem südlichen Teil den vom See stark ansteigenden Berghang mit der dicht gebauten Stadtsiedlung von Lausanne. Es wird begrenzt durch die beiden Genferseezuflüsse Chamberonne im Westen und Vuachère im Osten. Im Stadtzentrum treffen die heute grösstenteils überdeckten Bäche Louve und Flon zusammen. Die Flusstäler trennen die drei Hügel Cité, Le Bourg und Saint-Laurent voneinander. Vom Seeufer auf erstreckt sich das Stadtgebiet über den flachen, je nach Lage bis 500 m breiten Uferrandstreifen und anschliessend gegen Norden bis auf die Hochfläche von La Blécherette (), in das Waldgebiet Bois de Sauvabelin () und auf die Terrasse von Vennes (bis ). Das Stadtzentrum liegt auf der Höhe von
An das Siedlungsareal schliesst im Nordosten ein schmaler Streifen des Gemeindegebietes an, der sich über den Hang von Montblesson zwischen den Tälern von Flon Morand und Chandelar, beide im Einzugsgebiet der Paudèze, und bis auf die Hochflächen des Jorat erstreckt. Hier befindet sich der Passübergang Col du Chalet-à-Gobet () an der Schweizer Hauptstrasse 1, die von Lausanne über Moudon nach Bern führt. Nördlich davon liegt das ausgedehnte Waldgebiet des Bois du Jorat, in dem sich nur wenige kleine Rodungsinseln befinden (Chalet des Enfants, Chalet Boverat, Les Saugealles und Moille Saugeon). Der höchste Punkt im Gebiet der Stadt Lausanne auf dem Berg Montagne du Château ist zugleich auch die höchste Erhebung des Jorat (). Über diese Hügelzone verläuft die kontinentale Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten von Rhone im Süden und Rhein im Norden. Der nördlichste Teil des Stadtgebietes umfasst das Quellgebiet und den Oberlauf des Flusses Talent, der zum Einzugsgebiet des Rheins gehört.
Im Nordwesten gehört das Gebiet von Vernand als Exklave zu Lausanne. Dieses Areal wird im Westen und Norden durch das in die Hochfläche eingetiefte Tal der Mèbre begrenzt, die ein Zufluss der Chamberonne ist. Das Gebiet umfasst die Wälder Bois de Vernand-Dessous und Bois de VeErnand-Dessus, Landwirtschafts- und Siedlungsflächen sowie das Industrie- und Gewerbegebiet Vernand.
mini|Grenzstein zu Froideville und Montpreveyres Borne des trois Jorats von 1928 (Seite Lausanne) Die Nachbargemeinden von Lausanne sind Saint-Sulpice, Chavannes-près-Renens, Renens, Prilly, Romanel-sur-Lausanne, Le Mont-sur-Lausanne, Epalinges, Jouxtens-Mézery, Crissier, Cheseaux-sur-Lausanne, Morrens, Cugy, Bretigny-sur-Morrens, Bottens, Froideville, Montpreveyres, Savigny und Pully. Das Bundesamt für Statistik zählte in einer Zusammenstellung von 2000 ein Gebiet mit 65 Gemeinden zur Agglomération lausannoise.
Gemäss der Arealstatistik von 1997 entfielen 42,9 % der Gemeindefläche von Lausanne auf Siedlungen, 39,6 % auf Wald und Gehölze, 17,3 % auf Landwirtschaftsgebiet und 0,2 % auf unproduktives Land.
Geologie Die Landschaft von Lausanne ist vom Untergrund aus Molasse geprägt, die an einigen Stellen in Lausanne an der Erdoberfläche zu sehen ist. Das Molassemassiv zwischen den Alpen und dem Jura hat der eiszeitliche Rhonegletscher über Jahrmillionen in mehreren Vorstössen stark überformt. Die letzte Vereisung des Waadtlands dauerte bis etwa 12'000 Jahre vor unserer Zeit. Ein Zeuge dieser Vergletscherung ist die Pierre à Cambot, ein grosser Findling im Wald von Vernand-Dessous, der mit dem Gletscher aus dem Gebiet des Unterwallis in das Mittelland transportiert wurde. Bei seinen Vorstössen hob der Alpengletscher mit der Gletscherzunge, die über Genf bis in das Gebiet nördlich von Lyon floss, das Becken des Genfersees aus und überformte mit der Gletscherzunge, die nach Nordosten über das Mittelland strömte, die anschliessenden Anhöhen des Jorat und des Gros de Vaud. Bei späten Rückzugsstadien schüttete er in verschiedenen Gebieten Seitenmoränen auf, welche heute die Landschaft im Stadtzentrum von Lausanne prägen. Nacheiszeitlich bildeten die vom Berg zum Genfersee strömenden Flüsse am Ufer breite Deltaflächen. mini|Wasserfall des Flon auf Molassefelsen
Naturlandschaft In den weiten Waldgebieten im Norden und entlang der Gewässer von Lausanne sind einige Flächen im natürlichen Zustand erhalten geblieben. Sie dienen als Erholungsgebiete in der Nähe der Agglomeration von Lausanne und bieten Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Der Jorat ist mit einer Fläche von 40 Quadratkilometern das grösste zusammenhängende Waldgebiet im Westschweizer Mittelland. Die Naturlandschaft soll als Parc naturel du Jorat besser geschützt werden. Die Stadt Lausanne und vier andere Gemeinden, die am Waldgebiet Anteil haben, gründeten dazu die Vereinigung Jorat parc naturel.Le projet du Parc naturel du Jorat. In: jorat.org, abgerufen am 18. September 2021.
Ganz im Westen des Stadtgebiets liegt am Genfersee der Parc Louis Bourget, ein historischer Park, neben welchem der Sitz des IOC liegt. Im Parkgelände befinden sich der Auenwald an der Mündung der Chamberonne in den Genfersee und ein Feuchtbiotop; diese Zone ist ein für Lausanne einzigartiges Naturschutzgebiet.Parc Louis Bourget: une réserve aux drôles de volatiles. In: lausanne.ch, abgerufen am 18. September 2021. Auch an der Mündung der Vuachére befindet sich ein Schutzgebiet.Embouchure de la Vuachére. In: lausanne-tourisme.ch, abgerufen am 18. September 2021.
Stadtgliederung
mini|Quartiere von Lausanne mini|300px|Im Quartier Flon
Das Stadtzentrum von Lausanne umfasst die Quartiere La Cité, Le Bourg, La Palud, Saint-Laurent und Le Pont. Bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts bildeten diese Gebiete die eigentliche Stadt Lausanne. Danach dehnte sich die Stadt immer weiter aus, und die umliegenden ehemaligen Dörfer und Weiler wurden in das Stadtgebiet inkorporiert, beziehungsweise sind zu Wohnquartieren geworden. Dazu zählen: Ouchy, Vidy und Cour nahe dem Seeufer, Malley auf der untersten Terrasse westlich der Stadt, La Blécherette und Bellevaux auf der Hochfläche nördlich der Stadt, Chailly () in einer Talmulde der Vuachère, La Sallaz (), Vennes und Rovéréaz an den Hängen östlich des Tals des Flon.
Fast der gesamte Hang von Lausanne ist heute überbaut, weist aber einige grössere Freiflächen (Parkanlagen, kleine Waldgebiete) auf. Das Siedlungsgebiet von Lausanne ist lückenlos mit denjenigen von Chavannes-près-Renens, Renens, Prilly, Le Mont-sur-Lausanne, Epalinges und Pully zusammengewachsen.
Ferner gehören im ländlichen nördlichen Stadtgebiet die unterdessen teilweise ebenfalls durch Neubausiedlungen ergänzten Weiler Montblesson () am Hang östlich des Flon Morand, Vers-chez-les-Blancs (), La Vulliette () und Le Chalet-à-Gobet () auf der Hochfläche des Jorat sowie ganz im Norden Montheron () und La Râpe () am Talent, La Bérallaz () südlich und Chalet Marin () nördlich des Taleinschnitts des Talent zu Lausanne. Die Exklave Vernand umfasst die Weiler Vernand-Dessus (), Vernand-Dessous () und Le Boulard () sowie die Industrie- und Gewerbezonen Vernand und Bel-Air.
Klima Für die Normalperiode 1991–2020 beträgt die Jahresmitteltemperatur 11,3 °C, wobei im Januar mit 2,7 °C die kältesten und im Juli mit 20,5 °C die wärmsten Monatsmitteltemperaturen gemessen werden. Im Mittel sind hier rund 38 Frosttage und 7 bis 8 Eistage zu erwarten. Sommertage gibt es im Jahresmittel rund 47, während normalerweise 7 Hitzetage zu verzeichnen sind.
Die Messstation von MeteoSchweiz befindet sich im Vorort Pully, auf , ca. 3 km östlich des Stadtzentrums (Luftlinie).
Geschichte Urgeschichte und Antike mini|Plan der römischen Ruinen von Lousonna im Stadtpark am Genfersee Das Stadtgebiet von Lausanne war bereits im 4. Jahrtausend vor Christus besiedelt. Nach der Eingliederung Helvetiens ins Römische Reich entwickelte sich im Bereich des heutigen Vidy, am Umschlagplatz von den Handelsschiffen auf dem Genfersee auf Pferdefuhrwerke, der gallorömische Vicus Lousonna, dessen Bewohner (vikanor[um] Lousonnensium) im 2. Jahrhundert n. Chr. erstmals inschriftlich erwähnt werden. Der Ortsname kann auf eine keltische Bildung aus *lausā «Steinplatte» und dem in Gewässernamen häufigen Suffix -ŏnna zurückgeführt werden, die ursprünglich vielleicht den Flon bezeichnete. Die Siedlung erreichte vermutlich eine Grösse von 1,2 km Länge und 250 m Breite und war damit der grösste Vicus auf dem Gebiet der heutigen Schweiz. Sie hatte schätzungsweise 1500 bis 2000 Einwohner.Lucienne Hubler: Histoire du Pays de Vaud. Loisirs et Pédagogie, Lausanne 1991, ISBN 2-606-00526-0, S. 23. Auf weiteren im Gebiet von Vidy gefundenen Inschriften sind die als Berufsgruppe organisierten Schiffleute auf dem Genfersee (nautae lacu Lemanno), einige in Lousonna für den Götterkult (Ceres, Merkur, Apollo, Solus, Luna, Neptun) errichtete römische Monumente und mehrere Bewohner dieses Vicus erwähnt.Paul Collart, Denis van Berchem: Inscriptions de Vidy. In: Revue historique vaudoise, S. 127–145. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts kamen bei Ausgrabungen Ruinen des vorher nicht mehr bekannten römischen Amphitheaters von Lousonna zum Vorschein.François Eschbach: Le théâtre antique de Lousonna-Vidy. In: Etudes de Lettres, 106, 2011, S. 97–118.
Im Lauf des 3. Jahrhunderts wurde wohl auch diese Römersiedlung bei Angriffen westgermanischer Alamannen bedrängt und vielleicht schon um 260 erstmals zerstört. Wohl nach der Mitte des 4. Jahrhunderts und vielleicht auch erst nachdem die römische Armee die Rheingrenze um 400 aufgegeben hatte, wurde die Ortschaft endgültig verlassen.Walter Drack, Rudolf Fellmann: Die Römer in der Schweiz. Theiss, Stuttgart; Raggi-Verlag, Jona, SG (Schweiz) 1988, ISBN 3-8062-0420-9, S. 423 ff. Im 3. Jahrhundert entwickelte sich auf dem Hügel, wo sich heute die Kathedrale befindet, eine kleine Handwerkersiedlung oder ein Refugium. Der Name der Römersiedlung wurde nun auf diesen Ort übertragen.