mini|Wolfgang Völz, 2011 Wolfgang Otto Isaak VölzGlenzdorfs Internationales Film-Lexikon, Dritter Band: Peit–Zz, Bad Münder (Deister) 1961, S. 1797; CineGraph, Lg. 60.In diversen Medien kursiert der Geburtsname Aaron Treppengeländer, der auf eigene Aussagen Wolfgang Völz’ zurückgeht (z. B. Die falschen Namen der Stars. In: tz vom 7. März 2009). Laut Darstellung seines Enkels Daniel Völz sei dies allerdings nur ein Witz gewesen, den nicht jeder verstanden hätte (Skurriler Nachname Heißt „Bachelor“ Daniel Völz in Wirklichkeit „Treppengeländer“? In: Express vom 15. Januar 2018). (* 16. August 1930 in Danzig-Langfuhr, Freie Stadt Danzig; † 2. Mai 2018 in Berlin) war ein deutscher Bühnen-, Fernseh- und Filmschauspieler, der durch seine markante und vielseitige Stimme auch großen Erfolg als Synchron- und Hörspielsprecher hatte.
Leben mini|Wolfgang Völz während der Synchronisation des Films Der Gründer 2010 in Berlin (im Hintergrund Helmut Krauss) 180px|mini|Völz’ Grabstätte auf dem Friedhof Wilmersdorf Wolfgang Völz stammte aus Danzig. Sein Vater kam kurz vor seiner Geburt bei einem Verkehrsunfall ums Leben; seine Mutter Hildegard Völz, geb. Post, betrieb in Danzig ein Käse- und Milchwarengeschäft. Kunden der Mutter verschafften dem jungen Wolfgang Völz erste Kinderrollen im Theater. 1947 siedelte Völz mit seiner Mutter, seiner Großmutter und drei Tanten nach Hasperde bei Hameln über. In Hameln absolvierte er zunächst eine Bäckerlehre, nahm in Hannover Schauspielunterricht und lernte danach bei Theodor Becker und Max Gaede. 1949 debütierte Völz als „Page“ in Friedrich Schillers Don Karlos am Landestheater Hannover. Es folgten Engagements in Goslar und Osnabrück, bevor Völz 1952 nach Hannover zurückkehrte. Seit 1955 war Völz an den Berliner Bühnen und Mitglied beim Berliner Kabarett Die Stachelschweine. „Der Sozialdemokrat Völz spielte politisches Kabarett bei den Stachelschweinen und erklärte das augenzwinkernd mit den Worten: ‚Ich bin eine absolut linke Socke.‘“
Bereits in den 1950er-Jahren drehte Völz neben Stars wie Hans Albers oder Gert Fröbe Kinofilme. Seit den 1950er Jahren war er mit Dietmar Schönherr eng befreundet, mit dem er einige gemeinsame Film- und Fernsehauftritte, unter anderem als Leutnant Mario de Monti in der Fernsehserie Raumpatrouille Orion, hatte. Diese Serie war für beide der größte Erfolg in ihrer Filmlaufbahn. Neben Auftritten in den Kriminalserien Stahlnetz und Das Kriminalmuseum wie auch in Edgar-Wallace-Filmen folgten ab 1967 insgesamt 76Episodenführer von wunschliste.deDie Episodenzahl schwankt, je nach Ausstrahlungsform, zwischen 62 und 76 Folgen. Folgen der Fernsehserie Graf Yoster gibt sich die Ehre, einer seiner größten Erfolge in einer langen Reihe von Serienauftritten. Dort verkörperte er die Rolle des vorbestraften Chauffeurs Johann, der einem aristokratischen Amateurdetektiv und Krimiautor, gespielt von Lukas Ammann, dabei hilft, Fälle in den „besseren Kreisen“ zu lösen. Er erinnerte sich gern an diese Rolle, in der er unter anderem zwei Rolls-Royce „kaputtfahren durfte“.
Neben etlichen Film- und Theaterrollen wirkte Wolfgang Völz in einem der ersten AIDS-Aufklärungsspots mit und war Synchronsprecher, unter anderem in der Werbung („Toyota: Nichts ist unmöglich“, Käpt’n Iglo). Er lieh seine Stimme Peter Ustinov, Mel Brooks, Walter Matthau (den er als seinen Lieblingsschauspieler beim Synchronsprechen bezeichnete) und Michel Piccoli. Außerdem sprach er die Figuren Majestix, Käpt’n Blaubär, den Wirt Butterblume in Der Herr der Ringe: Die Gefährten, König Georg II. in Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten sowie Jeff Smart in Clever & Smart. In der Zeichentrickserie Captain Future sprach er den Androiden Otto. Völz war außerdem in der US-Serie Airwolf die deutsche Stimme von Ernest Borgnine, der das Crewmitglied Dominic Santini spielte. Er war außerdem die deutsche Stimme von Dana Elcar alias Pete Thornton in der Serie MacGyver.
Völz war bis in die 2000er Jahre hinein ein vielbeschäftigter Darsteller, zumeist in Nebenrollen. Bei seinem einzigen Auftritt in einer englischsprachigen Produktion (Finale in Berlin, 1966) wurde er in der deutschen Fassung von seinem Kollegen Rolf Schult synchronisiert. 1994 spielte er bei Pumuckl und der blaue Klabauter den Steuermann des Schiffes und sprach die Stimme des blauen Klabauters. 1999 sprach er in der kurzlebigen, an den Film anschließenden Serie Pumuckls Abenteuer erneut den blauen Klabauter. Außerdem synchronisierte er Roy Dotrice in Angel – Jäger der Finsternis (in der Folge Mein Vater und ich).
In den Wixxer-Filmen nahm er 2004 und 2007 in der Rolle eines senilen Scotland-Yard-Chefs seine früheren Rollen selbstironisch aufs Korn. Völz blieb bis in die 2010er-Jahre als Schauspieler aktiv. Von seinen vielen Serien sagte Völz einmal: „Ich habe an die 600 Fernsehrollen gespielt. Es war immer die gleiche Grütze.“ Neben seinen Engagements in konventionellen Fernsehserien arbeitete er mit experimentellen Regisseuren wie Rosa von Praunheim (Der Einstein des Sex). Völz sah sich als „allerersten Mann der zweiten Klasse“; Schönherr verglich ihn dagegen mit Walter Matthau.
Privatleben Wolfgang Völz wurde im selben Haus geboren wie der Schauspieler Eddi Arent (im Beamtenviertel von Danzig-Langfuhr). Später traten sie auch öfter gemeinsam in Film und Fernsehen auf. Er selbst setzte als Scherz während einer Talkshow die Mär in die Welt, er sei mit dem Namen Wolfgang Otto Isaak Treppengeländer auf die Welt gekommen, die sogar Einzug in mindestens zwei Bücher fand. Diesen Scherz klärte im Januar 2018 sein Enkelsohn Daniel Völz in einem Interview für den Kölner Express auf.
Wolfgang Völz war Mitglied der SPD und 1994 Mitglied der Bundesversammlung.
Wolfgang Völz war seit 1955 in der Berliner Morgenpost mit der bei Tatjana Gsovsky ausgebildeten Tänzerin Roswitha Völz (* 1934), geborene Karwath aus Berlin-Wilmersdorf, verheiratet, die auch bei den Dreharbeiten zu Raumpatrouille mitwirkte. Ihre beiden Kinder, Benjamin Völz und Rebecca Völz, sind ebenfalls in der Synchronisation aktiv. Über ihn und seinen Sohn Benjamin Völz ist eine Biographie mit dem Titel Benjamin und Wolfgang Völz – eine Biografie erschienen. Sein Enkel Daniel Völz war der Bachelor in der 8. Staffel der gleichnamigen Show auf RTL.
2014 erlitt Wolfgang Völz einen Schlaganfall. Er starb am 2. Mai 2018 im Alter von 87 Jahren in seinem Wohnhaus in Berlin-Wilmersdorf. Am 6. Juni 2018 wurde seine Asche im Kolumbarium des Friedhofs Wilmersdorf beigesetzt.
Filmografie Schauspieler (Auswahl)
Gastauftritte
Filmographie Synchronsprecher (Auswahl) Mel Brooks 1987: als Yogurth/Präsident Skroob in Mel Brooks’ Spaceballs 1991: als Goddard „Pepto“ Bolt in Das Leben stinkt 1993: als Rabbi Tuckmann in Robin Hood – Helden in Strumpfhosen 1995: als Prof. Abraham Van Helsing in Dracula – Tot aber glücklich
Victor French 1988–1991: als Marc Gordon in Ein Engel auf Erden 1989–1995: als Isaiah Edwards in Unsere kleine Farm
Michael Gough 1999: als James Hardenbrook in Sleepy Hollow 2005: als Elder Gutknecht in Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche
Filme 1952: John McIntire als Ira Hammond in Fluch der Verlorenen (Synchronisation 1986) 1988: Jack Cohen als Herr Braun in Eis am Stiel 8 – Summertime Blues 1994: Walter Matthau als Albert Einstein in I.Q. – Liebe ist relativ 1999: Bernard Fox als Käpt’n Winston Havelock in Die Mumie 2001: David Weatherley als Gastwirt Butterblume in Der Herr der Ringe: Die Gefährten 2011: Richard Griffiths als König George in Pirates of the Caribbean – Fremde Gezeiten
Serien 1986–1990: Ernest Borgnine als Dominic Santini in Airwolf 1987–1995: Dana Elcar als Pete Thornton in MacGyver 1990–1991: Ned Beatty als Ed Conner in Roseanne
Trick- und Animationsfilme oder -serien 1970: Die verrückten Abenteuer von Clever & Smart … als Jeff Smart 1971: Lucky Luke … als Bürgermeister 1976: Asterix erobert Rom … als Majestix 1978: Lucky Luke – Sein größter Trick … als Joe Dalton 1978: Watership Down … als Kehaar 1980–1982: Captain Future … als Otto 1983: Lucky Luke – Das große Abenteuer … als Joe Dalton 1985: Asterix – Sieg über Cäsar … als Miraculix (2. Synchro (DVD 2002): Berlinerisch) 1989: Asterix – Operation Hinkelstein … als Majestix 1990: DuckTales – Neues aus Entenhausen … als Admiral Grimitz 1994: Clever & Smart in geheimer Mission … als Jeff Smart 1998: Rudolph mit der roten Nase … als Santa Claus 1999: Käpt’n Blaubär – Der Film … als Käpt’n Blaubär 2001: Jimmy Neutron – Der mutige Erfinder … als König Goobot 2004–2009: Jimmy Neutron … als König Goobot 2004: Nussknacker und Mäusekönig … als Mäusekönig 2005: Robots … als Bigweld 2006: Urmel aus dem Eis … als Seelefant 2006: Asterix und die Wikinger … als Majestix 2008: Urmel voll in Fahrt … als Seelefant
Hörspiele Asterix (1980er-Jahre-Hörspielserie; als Stimme von Majestix und Julius Caesar) Benjamin Blümchen (Folgen 100 und 101, Stimme von Kinderarzt Dr. Wunderlich, 2005) Die drei ??? – Der unsichtbare Gegner (Folge 38, Stimme von Ben Peck, Peters Großvater, 1986) Die drei ??? – Der giftige Gockel (Folge 47, Stimme von Big Barny Crown, 1990) Die drei ??? – Die Musikpiraten (Folge 52, Stimme von Toningenieur Hank Rivers, 1991) Die drei ??? – Die Rache des Tigers (Folge 61, Stimme von Portland, 1995) Die drei ??? – Der Biss der Bestie (Folge 146, Stimme von Fitzwilliam Waterfield, 2011) Die drei ??? – Insel des Vergessens (Folge 186, Stimme von Ben Peck, 2017) Die Abenteuer des Odysseus (alle Folgen 1–6, Stimme von „Göttervater“ Zeus) DiE DR3i – Die Pforte zum Jenseits (Folge 2, Stimme von Sylvester Meyzel, 2006) Die Klexe (Alle Folgen 1–9, als Stimme von Direktor Historiux / Erzähler, 1986–1987) Hexe Lilli bei den Piraten, Stimme von Kapitän Bartbacke (2007) Hui Buh neue Welt (Gastauftritt als Servatius Sebaldus, Folge: 8: Im Bann des Schwarzspukers) Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, WDR-Hörspiel, Stimme des Kapitäns (2009) Käpt’n Blaubärs Geschichten und Käpt’n Blaubärs Seemannsgarn (alle 12 bzw. 9 Folgen, Stimme von Käpt’n Blaubär, ab 1991) Kleiner König Kalle Wirsch von Tilde Michels („Eltern“-Edition „Abenteuer Hören“, 2006) LEGO Piraten (Alle Folgen 1–6, Stimme von Käpt’n Roger, 1990) TKKG – Abenteuer im Ferienlager (Folge 9, Stimme von Günther, genannt „Rasputin“, dem Betreuer der TKKG-Bande im Camp an der Nordsee, 1982) TKKG – Im Schattenreich des Dr. Mubase (Folge 74, Stimme des Hausmeisters [im Inlay als „Opa“ bezeichnet], 1990) TKKG – Freiheit für gequälte Tiere (Folge 85, Stimme von Bernhard Möngheym, 1991) The Return of Captain Future – Die Rückkehr von Captain Future (Folge 1, Stimme von Otto dem Androiden, 2012) The Return of Captain Future – Kinder der Sonne (Folge 2, Stimme von Otto dem Androiden, 2012) 2003: Manfred Zauleck: Die Reise nach Baratonga – Regie: Wolfgang Rindfleisch (Kinderhörspiel – DLR Berlin)
Auszeichnungen 1991: Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland 1998: Münchhausen-Preis für seine Käpt’n-Blaubär-Mitwirkung 2002: Verdienstorden des Landes Berlin 2011: Ohrkanus-Hörbuch- und Hörspielpreis für sein Lebenswerk
Literatur Hermann J. Huber: Langen Müller’s Schauspielerlexikon der Gegenwart. Deutschland. Österreich. Schweiz. Albert Langen • Georg Müller Verlag GmbH, München/Wien 1986, ISBN 3-7844-2058-3, S. 1058. Ralph Keim: Benjamin und Wolfgang Völz – Eine Biografie. SWB Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 3-938719-42-7. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 8: T – Z. David Tomlinson – Theo Zwierski. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 208 f.
Weblinks
Einzelnachweise
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