Der Rundblättrige Enzian (Gentiana orbicularis) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Enziane (Gentiana) innerhalb der Familie der Enziangewächse (Gentianaceae).
Beschreibung mini|Habitus und Laubblätter mini|Habitus und Blüten im Habitat
Vegetative Merkmale Der Rundblättrige Enzian ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die nur Wuchshöhen von 30 bis 80 Millimetern erreicht. Sie besitzt nur kurze bzw. ist fast ohne Stängel.
Die Grundblätter sind meist bei einer Länge von 4 bis 10 Millimetern rundlich bis verkehrt-eiförmig und im mittleren Drittel am breitesten. Die dunkel-grünen, einfachen Laubblätter sind ledrig starr.
Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Juli bis August. Die Blüten stehen einzeln dicht über dem obersten Blattpaar.
Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch mit doppelter Blütenhülle. Die fünf grünen Kelchblätter sind verwachsen und der Blütenkelch ist deutlich geflügelt. Die fünf tief-blauen Kronblätter sind auf 2/3 ihrer Länge stieltellerförmig verwachsen und die Kronzipfel sind breit fast rund und meist nur wenig länger als breit. Die fünfteilige Nebenkrone besitzt zweispitzige Anhängsel.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28 oder 32.
Verwechslung mit anderen Arten Der Rundblättrige Enzian ist leicht mit dem Frühlings-Enzian (Gentiana verna) zu verwechseln. Der Frühlings-Enzian hat jedoch breit-lanzettliche, spitze Grundblätter, die meist 10 bis 30 Millimeter lang sind. Ein weiterer Unterschied ist, dass beim Rundblättrigen Enzian oft die abgestorbenen Blätter noch vorhanden sind, sowie die wesentlich spätere Blütezeit von Juli bis September.
Vorkommen Der Rundblättrige Enzian ist in Europa in den Alpen und anderen Gebirgen vom südlichen Spanien bis zum nördlichen Balkan verbreitet. Er kommt meist in Höhenlagen von 1600 bis 2800 Metern vor. In Deutschland ist er gesetzlich geschützt und kommt in den Allgäuer Alpen, in den Berchtesgadener Alpen und im Wettersteingebirge vor. In den Allgäuer Alpen kommt er in Höhenlagen von 2200 bis zu 2430 Metern vor.
Er gedeiht in sonnigen alpinen Steinrasen auf frischen, kalkreichen, mild humosen, lockeren tonigen Stein- und Schuttböden. Er kommt in Pflanzengesellschaften des Drabion hoppeanae-Verbands vor, aber auch im Verband Seslerion albicantis und im Elynion-Verband. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3 (mäßig feucht), Lichtzahl L = 5 (sehr hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 1 (alpin und nival), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).
Taxonomie Die Erstbeschreibung von Gentiana orbicularis erfolgte 1852 durch Philipp Johann Ferdinand Schur in Verhandlungen und Mittheilungen (Mitteilungen) des Siebenbürgischen Vereins für Naturwissenschaften zu Hermannstadt, Band 3, Seite 88. Diese Art wird von manchen Autoren als Unterart Gentiana brachyphylla subsp. favratii zu Gentiana brachyphylla gestellt.
Literatur
Einzelnachweise Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 342. Jens G. Rohwer: Gentianaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024, ISBN 978-3-494-01943-7. S. 637.
Weblinks
Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)
Kategorie:Enziane Kategorie:Alpenflora