Itzehoe (gesprochen [] () mit Dehnungs-e, plattdeutsch: Itzhoe) ist eine Mittelstadt im Südwesten Schleswig-Holsteins beiderseits der Stör. Sie ist die Kreisstadt des Kreises Steinburg und zählt zu den ältesten Städten Holsteins. mini|„Itzehoa“ 1645 im Atlas Maior von Blaeu

Geografie Geographische Lage Das Stadtgebiet der Stadt Itzehoe erstreckt sich am Flusslauf Stör im Bereich des Landschaftsüberganges der Naturräume Heide-Itzehoer Geest, dem südwestlichen Ende der Holsteinischen Vorgeest und der Schleswig-Holsteinischen Elbmarschen. Die Stadt ist Teil der weiträumigen Metropolregion Hamburg.

Landschaftsbeschreibung Der an dem (orographisch) rechten (nördlichen) Ufer der Stör gelegene Hauptteil des Stadtgebietes lagert auf einem Bereich von gestauchten Endmoränen und somit einer weitgehend hügelig und überdurchschnittlich bewaldeten Landschaft. Der auf der gegenüberliegenden südlichen Uferseite gelegene Teil liegt teils auf der Münsterdorfer Geestinsel. Flussabwärts von der Stadt beim Schwenk des Flusslaufs nach Süden weitet sich die oberhalb der Stadt beginnende Störmarsch rechtsseitig zur Wilstermarsch und linksseitig zur Krempermarsch.

Nachbargemeinden Die Stadt grenzt an die Gemeinden Heiligenstedten, Oldendorf, Ottenbüttel, Schlotfeld, Oelixdorf, Münsterdorf, Breitenburg, Kremperheide und Heiligenstedtenerkamp.

Klima Der Ort Itzehoe wird dem atlantischen Klimatyp Cfb (Ozeanklima nach Köppen-Geiger) zugeordnet und ist damit feuchtgemäßigt und maritim geprägt. Aufgrund der nahen Lage zur Nordsee sowie der relativen Nähe zur Ostsee sind hohe Windgeschwindigkeiten im Durchschnitt, eine hohe Sturmintensität sowie viele Sturmtage pro Jahr prägend für das Klima. Die höchsten Temperaturen werden Juli, die niedrigsten im Januar gemessen. Der Temperaturrekord für Itzehoe wurde am 20. Juli 2022 eingestellt mit 36,9 °C. Die größten Niederschlagsmengen sind in den Monaten Juli (90 mm) und August (88 mm) zu erwarten, während der geringste Monat der April ist (58 mm). Der durchschnittliche Jahresniederschlag ist mit circa 856 mm im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt (790 mm) relativ hoch.Siehe Zeitreihe der Niederschlagssummen in Deutschland seit 1881 Die meisten Sonnenstunden sind zwischen Mai und August zu erwarten mit über 9 Stunden pro Tag, während insbesondere die Monate Oktober bis März sonnenarm ausfallen mit unter 5 Stunden pro Tag.

Geschichte Herkunft des Stadtnamens mini|hochkant=1.1|Historische Karte von Itzehoe

Itzehoe wurde im 12. Jahrhundert erstmals als „Ekeho“ von Saxo Grammaticus erwähnt.Der Ortsname findet sich im 14. Buch der Gesta Danorum. Dort steht: cui cum occursum suum ob vetera odia onustum magis quam gratum sentiret, ut iram obsequiis flecteret, apud Ekeho oppidum suis eum impensis excipere statuit (Dan 14.28.6) 1196 schrieb eine weitere Nennung „de Ezeho“. Die Bedeutung des Namens ist bis heute umstritten: Eine Möglichkeit wäre „Weideland an der Flussbiegung“ (mittelniederdeutsch „hô“ für einen flach erhobenen Landvorsprung in einer Ebene oder einen Flussmäander, mittelniederdeutsch „ete“ für Weideland). Bei dem heutigen Bach Itze handelt es sich um den Namen eines Bachs, der erst im 20. Jahrhundert nach der Stadt benannt wurde und nicht etwa umgekehrt.Gewässer Itzehoes und Umgebung (PDF-Datei; 2,9 MB), Abschnitt 3.1.1.

Entwicklung einer Provinzstadt zum Sitz der herzoglichen Ständeversammlung Zum Schutz gegen die von Norden marodierenden dänischen Wikinger entstand schon 810 n. Chr. unter Karl dem Großen in der Oldenburgskuhle die Esesfeldburg, die aber in keinem direkten Zusammenhang mit der Entwicklung Itzehoes steht. In deren Schutz errichtete Erzbischof Ebo von Reims im Sommer 823 im heutigen Münsterdorf ein kleines Kloster bzw. Bethaus, die „Cella Welana“, als Stützpunkt für die von ihm in die Wege geleitete christliche Mission in Dänemark. Die um 1000 in der nahegelegenen Störschleife errichtete größere Burg Echeho wurde zur Keimzelle einer Siedlung, die sich, begünstigt durch die Verleihung des lübischen Stadtrechts (1238), verbunden mit der Zollfreiheit, die damals im Lande nur Hamburg zugestanden war, und später des Stapelrechts (1260), zu einer Handelsstadt entwickelte. Itzehoe engagierte sich während dieser Zeit im Salz-, Tuch- und Getreidehandel und war zeitweise ein wichtiger Knotenpunkt im europäischen Ost-West-Handel. Auf der anderen Flussseite entstanden weitere Ansiedlungen um den Klosterhof (ca. 1260) und um die Laurentii-Kirche (erste Erwähnung 1196).

Unter Gerhard von Holstein-Itzehoe war Itzehoe im 13. Jahrhundert zudem kurzzeitig Residenzstadt der Grafschaft Holstein-Itzehoe.

mini|Karte der Gerichtsbarkeiten in Itzehoe (1848) Verursacht durch diese Mischung aus weltlicher und geistlicher Herrschaft in Itzehoe gab es im Stadtgebiet von 1617 bis zum 31. März 1861 vier eigene Gerichtsbezirke (Jurisdiktionen) mit jeweils eigenem Galgenberg. Auf einem alten Burgwall innerhalb der Störschleife wurde von den Schauenburger Grafen um 1180 eine steinerne Burg errichtet. Es galt das mittelalterliche Recht der Burg. Der zugehörige Galgenberg ist ein bronzezeitlicher Grabhügel zwischen der Struvestraße und der Ringstraße Galgenberg im Stadtteil Wellenkamp. Dort fand am 18. Dezember 1856 die letzte öffentliche Hinrichtung, jene des Raubmörders Johann Lau aus Brokdorf statt. In der 1238 durch Adolf IV. von Schauenburg und Holstein gegründeten Kaufmannssiedlung (Neustadt) galt das Lübische Recht. Der Galgenberg der lübschen Stadt war ein bronzezeitlicher Grabhügel am Buchenweg östlich des Lübschen Brunnens. Weiters galt im 1256 gegründeten Zisterzienserinnenkloster ein eigenes Recht. In der Reformationszeit wurde das Kloster 1541 in ein adliges evangelisches Damenstift umgewandelt, das noch heute existiert. Der noch bestehende Klosterhof neben der St. Laurentii-Kirche ist zudem einer der ältesten erhaltenen Bereiche in Itzehoe. Der Galgenberg des Klosters war das Germanengrab. Ferner gab es im heutigen Stadtgebiet noch die Herrschaft Breitenburg mit eigenem Recht. Der Galgenberg der Herrschaft Breitenburg lag auf einer Anhöhe nordöstlich vom Kratt.

Die mittelalterliche Itzehoe war in Wohnquartiere geteilt. In der Altstadt durften lange Zeit nur Handwerker (Gärtner, Fassmacher) wohnen, Kaufleute und andere Handwerker mussten in der Neustadt siedeln, die in vier Quartiere aufgeteilt war, wobei sich die städtische Oberschicht in den beiden ältesten Quartieren um den Markt herum konzentrierte.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt zwar mehrfach mit Einquartierungen belegt und geplündert, größere Zerstörungen gab es jedoch nicht, da der Rat der Stadt 1627 dem Feldherrn Albrecht von Wallenstein die Stadt kampflos übergab. Hierdurch konnte Itzehoe seinen Status als fünfte unter den achtzehn Städten von Schleswig-Holstein behaupten.

Nachdem Itzehoe über lange Zeit weitgehend von Kriegen verschont geblieben war, wurde die Stadt 1657 im Dänisch-Schwedischen Krieg (1657–1658) von schwedischen Soldaten fast völlig zerstört. Dadurch ist der Kreuzgang der Laurentii-Kirche heute das einzige erhaltene mittelalterliche Gebäude Itzehoes.

Im 17. Jahrhundert war Itzehoe Sitz des herzoglichen Regiments zu Fuß Prinz Georg (rund 1500 Mann) und im 18. Jahrhundert von drei Kompanien der Kürassiere bzw. der Dragoner des Leibregiments.

Im Jahr 1712 brach in Itzehoe die aus Ostpreußen und Polen eingeschleppte asiatische Beulenpest aus. An den Folgen der Krankheit starben 250 Einwohner (etwa 7 % der damaligen Einwohnerzahl von 3500).

Von den Napoleonischen Kriegen war Itzehoe nur indirekt durch Transit und Einquartierungen sowie finanzielle Belastungen betroffen. Ab 1807 wurde Itzehoe kurzzeitig die Residenz des vor Napoleon ins Exil geflohenen Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen-Kassel.

Vor der Schleswig-Holsteinischen Erhebung, an der ein großer Teil der Bürgerschaft von Itzehoe für die deutsch-gesinnte Schleswig-Holsteinische-Bewegung Partei nahm, tagte von 1835 bis 1848 und später erneut von 1852 bis 1863 in Itzehoe die Holsteinische Ständeversammlung und begründete hierdurch die Geschichte des Parlamentarismus in Schleswig-Holstein.

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 wurde das Herzogtum Holstein zunächst gemeinsam von Preußen und Österreich verwaltet, dessen Statthalter Ludwig Karl Wilhelm von Gablenz am 11. Juni 1866 die Holsteinische Ständeversammlung schließlich ein letztes Mal zusammenrief. Eine Tagung wurde jedoch durch die Begleiterscheinungen des Deutsch-Deutschen Krieges 1866 verhindert. Nach Ende dieses Krieges fiel das Herzogtum Holstein einschließlich Itzehoe an Preußen: Es entstand 1867 – gemeinsam mit dem Herzogtum Schleswig – die Provinz Schleswig-Holstein.

Durch den Eisenbahnanschluss (1847) und die Anbindung an die neue Chaussee von Hamburg nach Rendsburg (1846) setzte in Itzehoe das industrielle Zeitalter ein, sodass sich im 19. und später im 20. Jahrhundert viele Gewerbe- und Industriebetriebe (unter anderem Zuckerherstellung, WebereiMechanische Netzfabrik und Weberei (1873, „größte Netzfabrik Kontinentaleuropas“), in Itzehoer Schiffahrtschronik, S. 155–157. bei Google Books, Chemieindustrie und Werft) in und um Itzehoe ansiedelten, die der Stadt wieder zu größerer wirtschaftlicher Bedeutung verhalfen.

Preußische Garnisonstadt / Erster Weltkrieg mini|hochkant|Gedenkstein zur Eingemeindung von Sude (1911) Waren die Einwohner Holsteins und damit auch Itzehoes zunächst eher der Augustenburger Partei zuzurechnen, wandelte sich dies nach der Reichsgründung zusehends. Die Begeisterung und Verehrung Preußens nahm in allen Bevölkerungsteilen zu und man widmete Preußen und seinen Persönlichkeiten mehrere Denkmäler in der Stadt. So wurde unter anderem 1890 eine bronzene Statue Kaiser Wilhelms I. im Stadtpark aufgestellt (im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen) und im Oktober 1905 wurde durch die Einweihung der Bismarcksäule im Stadtforst der Reichsgründer Otto von Bismarck besonders geehrt. Dieser Bismarckturm zählt auch heute noch zu den Kulturdenkmälern der Stadt.

Nach seiner Stiftung am 29. Juli 1866 wurde Itzehoe Garnison für das (Schleswigsche) Feldartillerie-Regiment Nr. 9 „General-Feldmarschall Graf Waldersee“. Ferner kam es nach dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg im Gründerboom auch in Itzehoe zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Die Bevölkerungszahl stieg schlagartig an, der Hafen florierte und es entstanden mehrere größere Fabriken in der Nahrungsgüter- und Textilindustrie, der Seifenherstellung und Papierverarbeitung sowie einige kleinere Maschinenbaufabriken und weitere Werften.

Im Jahre 1911 wurde das südlich der Stör gelegene Wellenkamp sowie Sude ein-, Kratt umgemeindet. Pünstorf, ein ehemals eigenständiges Dorf und späterer Gutshof wurde erst im 20. Jahrhundert aufgesiedelt, ebenso Tegelhörn.

Während des Ersten Weltkriegs war Itzehoe nicht direkt von den militärischen Auseinandersetzungen betroffen, litt jedoch wie viele deutsche Städte unter der Hungersnot durch die britische Seeblockade in der Nordsee; viele Bürger der Stadt kehrten von den Schlachtfeldern Europas nicht mehr zurück, die Einwohnerzahl sank stark.

Weimarer Republik / „Drittes Reich“ Wie im gesamten Deutschen Reich versuchten 1918/1919 während der Novemberrevolution die Teilnehmer des Kieler Matrosenaufstandes die Macht an sich zu reißen. Das Offizierskorps versuchte den Einmarsch der Aufständischen in die Stadt durch die Sperrung der Ausfallstraßen Itzehoes zu verhindern, vernachlässigte jedoch die Bewachung des Bahnhofs. 50 Matrosen gelangten auf diesem Wege in die Stadt, hissten die rote Fahne und bildeten einen Arbeiter- und Soldatenrat.Reimer Möller: Eine Küstenregion im politisch-sozialen Umbruch (1860–1933). S. 195 ff.