mini|hochkant=1.6|IPA-Tabelle 2020 (deutsch)
Das Internationale Phonetische Alphabet (kurz IPA) ist ein phonetisches Alphabet und somit eine Sammlung von Zeichen, mit deren Hilfe die Laute aller menschlichen Sprachen nahezu genau beschrieben und notiert werden können. Es wurde von der International Phonetic Association (kurz IPA) entwickelt, kam in seinem ersten Entwurf 1888 heraus und ist die heute am weitesten verbreitete Lautschrift.
Die aktuellen IPA-Zeichen und ihre Aussprachen sind in der Liste der IPA-Zeichen aufgeführt.
EmnsxxDbtjp8yp☝️🤳🤝Geschichte Die wichtigsten Versuche vor dem 19. Jahrhundert in Europa, ein universales phonetisches Alphabet zu schaffen, waren jene von John Wilkins im Jahr 1668, von Francis Lodwick (1619–1694) im Jahr 1686, von Charles de Brosses im Jahr 1765, von William Jones im Jahr 1788 und von William Thornton im Jahr 1793. Weitere Vorschläge stammten von John Pickering im Jahr 1818 und Constantin François Volney 1795. Vorschläge von Isaac Pitman 1837 und 1842 sowie von Alexander John Ellis 1845, 1847 und seiner Essentials of Phonetics, containing the theory of a universal alphabet 1848 sollten später bei der Schaffung des Internationalen Phonetischen Alphabetes übernommen werden. Weitere Vorläufer waren Samuel Haldeman (1812–1880) mit seiner Analytic Othography 1858/1860, Karl Moritz Rapp und seine Physiologie der Sprache (1836–1841), Ernst Brücke (1819–1892) mit Grundzüge der Physiologie 1856 und 1963, Carl Merkel (1812–1876) und seine Physiologie der menschlichen Sprache (physiologische Laletik) 1866, Moritz Thausing mit Das natürliche Lautsystem der menschlichen Sprache 1863, Félix du Bois-Reymond (1782–1865) und seine Schrift Kadmus von 1862.
Als Meilenstein gilt das Werk von Karl Richard Lepsius, der 1852 im Auftrag der Church Missionary Society ein Alphabet vorschlug, das zum Ziel hatte, alle Sprachen der Welt, vor allem aber afrikanische ohne eigenes Schriftsystem, schreiben zu können. Ein Mitbewerber von Lepsius war Friedrich Max Müller. Das „Standardalphabet“ von Lepsius wurde mit Anpassungen u. a. von dem Afrikanisten Carl Meinhof und von dem Missionar Karl Endemann (1836–1919) verwendet, und auch das phonetische Alphabet des Missionars Wilhelm Schmidt (1845–1921) beruhte auf den Symbolen von Lepsius. mini|1000-Franken-Schein mit Lautschriftzeichen auf seiner Erdkugel Im Jahr 1867 erschien Visible Speech, the Science of Universal Alphabetics von Alexander Melville Bell, das eine recht abstrakte, ikonische Lautschrift vorstellte; 1877 veröffentlichte sein Schüler Henry Sweet ein Handbook of Phonetics, in dem er mit Bezug auf Bell und auf Ellis wieder ein System auf Grundlage des lateinischen Alphabetes vorschlug.
Der französische Linguist Paul Passy (Le maître phonétique) initiierte die Entwicklung des „Internationalen Phonetischen Alphabets“, dessen Entwürfe 1888 publiziert wurden.P. T. Daniels, W. Bright (Hrsg.): The World’s Writing Systems. New York / Oxford 1996, S. 821–846. Er war auch erster Präsident der International Phonetic Association (noch als Dhi Fonètik Tîtcerz' Asóciécon FTA) von 1886 bis 1888.History of the IPA, abgerufen am 19. August 2016 Eine Arbeitsgruppe von Phonetikern gründete 1886 die Association Phonétique Internationale und entwarf das für die Anwendung auf alle Sprachen angelegte internationale phonetische Alphabet IPA. Henry Sweet, der George Bernard Shaw zur Figur des „Henry Higgins“ in seinem bekannten Schauspiel Pygmalion inspirierte, war aktives Mitglied der Gruppe.George A. Miller: Wörter. Streifzüge durch die Psycholinguistik. Herausgegeben und aus dem Amerikanischen übersetzt von Joachim Grabowski und Christiane Fellbaum. Spektrum der Wissenschaft, Heidelberg 1993; Lizenzausgabe: Zweitausendeins, Frankfurt am Main 1995; 2. Auflage ebenda 1996, ISBN 3-86150-115-5, S. 76 und 303. In Kiel fand 1989 die International Phonetic Association Kiel Convention statt, die nach mehr als einem Jahrhundert eine wesentliche Überarbeitung des IPA brachte.John Esling: Computer Coding of the IPA: Supplementary Report. In: Journal of the International Phonetic Association. Band 20, 1990, Nr. 1. Kleinere Revisionen fanden auch 1993 und 1996 statt.
Praktische Bedeutung
Das IPA stellt eine wesentliche Erleichterung der Darstellung der Aussprache in Wörterbüchern und Lexika dar. Beim Lesen von IPA-Texten ist jedoch auch Vorsicht geboten:
Bei manchen Sprachen, z. B. dem Französischen, gibt es eine allgemein akzeptierte Standardaussprache (Orthophonie), bei anderen nicht. Eine amtlich festgesetzte Aussprache kann allerdings im Alltag ungebräuchlich sein. Die landesübliche Bandbreite eines Lautes kann wesentlich größer sein (z. B. die deutsche Endsilbe -er) als der Unterschied ähnlicher Lautzeichen. Was in einer Sprache als korrekt oder falsch, als normal oder fremdartig, als verständlich oder unverständlich aufgefasst wird, ist für jemanden, der die Sprache nur selten oder noch nie gehört hat, nicht zu ermessen.
In Wörterbüchern wird nicht selten ein vereinfachter Zeichensatz verwandt, um Leser ohne Vorkenntnisse nicht zu verwirren.K.-H. Ramers: Phonologie. In: J. Meibauer [u. a.] (Hrsg.): Einführung in die germanistische Linguistik. Metzler, Stuttgart 2002, S. 70–120. So unterscheidet weder die verschiedenen Aussprachen des deutschen r, noch die offenere Aussprache eines kurzen a, i, u und ü gegenüber dem jeweiligen langen Vokal. Die Aussprache des englischen no wird aus Tradition allgemein als [] wiedergegeben, obwohl im Britischen tatsächlich [] gesagt wird. Üblicherweise wird auch nicht berücksichtigt, dass in manchen Sprachen ohne sch-Laut das s zumeist eher wie (zwischen s und Ich-Laut ) ausgesprochen wird, beispielsweise im europäischen Spanisch und im Griechischen (eine phonetisch genauere Beschreibung ist wahrscheinlich allgemein „zurückgezogen“, also [s̱], wobei der spanische Laut eher apikal ist, also [s̺], der griechische hingegen eher laminal, also [s̻]).
Zeichenzuordnungen der Laute und Lautzeichenerweiterungen Die IPA-Zeichentabelle nutzt unter anderem Buchstaben des lateinischen Schriftsystems und des griechischen Alphabets, teilweise in abgewandelter Form. Jedes Zeichen bezeichnet dabei einen Laut oder beschreibt einen bereits angegebenen Laut näher, der in einer Sprache der Welt ein Wort von einem anderen unterscheidet.
Das Internationale Phonetische Alphabet ist sprachenübergreifend; dies führt dazu, dass die Zuordnung eines Zeichens zu einem Laut in einer bestimmten Sprache nicht zwangsläufig mit der Lautzuordnung desselben Zeichens im IPA identisch ist. So steht beispielsweise das Zeichen im IPA für die Aussprache der Buchstabenfolge ch im deutschen Wort „ich“, obwohl es der deutschen Orthographie fremd ist; für die Abbildung der Aussprache des Französischen, dessen Orthografie „ç“ als stimmloses „s“ kennt, wird das Zeichen dagegen nicht benötigt.
Die Sonderzeichen des IPA-Alphabets wurden in Unicode im Bereich von U+0250 bis U+02AF aufgenommen.
Vokale Das IPA lässt sich in die Segmente Konsonant und Vokal aufteilen. Bei den Vokalen wird Höhe (hoch, mittel und tief), Stellung (vorne, Mitte und hinten) und Rundung (ungerundet und gerundet) unterschieden.George A. Miller: Wörter. Streifzüge durch die Psycholinguistik. 1996, S. 77.
vorn fastvorn zentral fasthinten hinten ung. ger. ung. ger. ung. ger. ung. ger. ung. ger. geschlossen fast geschlossen halbgeschlossen mittel e̞ ø̞ o̞ halboffen fast offen offen a̱
Verweilt der Mauszeiger neben einem Zeichen in dessen Tabellenzelle, wird sein Unicode-Wert angezeigt; zeigt man auf das Zeichen, so erhält man eine kurze Beschreibung als Tooltip.
Konsonanten Das IPA lässt sich in die Segmente Konsonant und Vokal aufteilen. Die Konsonanten werden nach Stimmhaftigkeit (stimmhaft und stimmlos), Ort (bilabial, labio-dental, dental-alveolar, velar und glottal) und Art (nasal, plosiv und frikativ) unterschieden. Bei den Konsonanten sind verschiedene Luftstrommechanismen zu unterscheiden.
Die pulmonalen Konsonanten werden mit ausströmender Atemluft (d. h. Luft aus der Lunge) erzeugt (pulmonal-egressiv). Zu dieser Gruppe zählen die allermeisten Konsonanten. Bei den Ejektiven und Implosiven wird der Luftstrom dagegen durch Bewegungen des Kehlkopfs erzeugt. Bei den Ejektiven bewegt sich der Kehlkopf nach oben, sodass Luft ausströmt (glottal-egressiv); bei den Implosiven bewegt er sich nach unten, sodass Luft einströmt (glottal-ingressiv). Schnalzlaute (manchmal auch als „Avulsive“ oder im Englischen als „clicks“ bezeichnet) entstehen dadurch, dass Zunge und Gaumensegel einen abgeschlossenen Hohlraum bilden, der durch eine Zurück- und Abwärtsbewegung der Zunge vergrößert wird. Beim Öffnen des Hohlraums findet ein Druckausgleich statt (Luft strömt hinein, daher velar-ingressiv), sodass ein Laut erzeugt wird.
Pulmonale Konsonanten labial koronal dorsal radikal laryngal bilabial labiodental linguolabial dental alveolar postalveolar retroflex alveolo-palatal palatal velar uvular pharyngal epiglottal glottal stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. stl. sth. Plosive Affrikate sibilante Frikative nicht‑sibilante Frikative θ̠ ð̠ ɹ̠̊˔ ɹ̠˔ ɻ̊˔ ɻ˔ laterale Frikative Nasale Vibranten Taps/Flaps laterale Flaps Approximanten laterale Approximanten
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Gegebenenfalls steht jeweils links der stimmlose und rechts der stimmhafte Konsonant.
Dunkel hinterlegte Felder bezeichnen physiologisch unmögliche Artikulationen. Beispielsweise ist ein glottaler Nasal unmöglich, weil bei einem Verschluss der Stimmlippen keine Luft durch die Nase ausströmen kann usw.
Nicht-pulmonale Konsonanten
Andere Symbole Zeichen Unicode-Code Bedeutung U+028D stimmloser labiovelarer Frikativ U+0077 (w) stimmhafter labiovelarer Approximant U+0265 stimmhafter labiopalataler Approximant U+029C stimmloser epiglottaler Frikativ U+02A2 stimmhafter epiglottaler Frikativ U+02A1 stimmloser epiglottaler Plosiv U+027A stimmhafter lateraler alveolarer Flap U+0267 stimmloser velopalataler Frikativ ( und zugleich)
Suprasegmentalia Von den suprasegmentalen Zeichen stehen die Betonungszeichen vor der Silbe, auf die sie sich beziehen, die Längezeichen danach.
Töne und Intonation Zeichen Unicode-Code Bedeutung Beispiele (Doppelakut) oder U+030B oder U+02E5 besonders hoch [] (Akut) oder U+0301 oder U+02E6 hoch (Makron) oder U+0304 oder U+02E7 mittel (Gravis) oder U+0300 oder U+02E8 niedrig (Doppelgravis) oder U+030F oder U+02E9 besonders niedrig (Hatschek) U+030C steigend (Zirkumflex) U+0302 fallend U+A71C stufenweise abwärts / U+A71B stufenweise aufwärts / U+2197 Generalanstieg / U+2198 Generalabfall /
Bemerkung: Unicode hat keine eigenen Zeichen für die meisten Konturtöne. Stattdessen werden Folgen aus Zeichen für Registertöne verwendet und die genaue Darstellung wird der jeweiligen Schriftart überlassen, üblicherweise durch OpenType-Regeln: [] oder [] (in vielen Browsern nicht korrekt dargestellt). Weil nur sehr wenige Schriftarten die Kombinierung von Registerton-Zeichen erlauben, wird oft das alte System der Tonmarkierung durch hochgestellte Nummern von „1“ bis „5“ verwendet, beispielsweise [e53 e312]. Deren Verwendung hängt allerdings von lokalen Linguistiktraditionen ab; bei asiatischen Sprachen wird „5“ für den höchsten Ton verwendet und „1“ für den tiefsten, bei den afrikanischen Sprachen umgekehrt. Gelegentlich ist noch eine alte IPA-Tradition anzutreffen, nach der die Konturtöne durch untergesetzte Diakritika bezeichnet werden: [] für tief-fallend bzw. tief-steigend.
Diakritika Diakritika werden für phonetische Details verwendet. Sie ergänzen IPA-Zeichen und bezeichnen die Modifikation oder Spezifikation der normalen Aussprache eines Zeichens.International Phonetic Association: Handbook, Seiten 14–15.