Flagge 200px|zentriert Interlingua ist eine 1951 veröffentlichte internationale Plansprache, die auf dem gemeinsamen Wortschatz der europäischen Sprachen basiert und eine stark vereinfachte Grammatik aufweist. Sie wurde von der International Auxiliary Language Association (IALA) entwickelt. Ihr überwiegend romanisch geprägter Wortschatz wurde aus Wörtern gewonnen, die in mehreren großen europäischen Sprachen, insbesondere den romanischen Sprachen und dem Englischen, in ähnlicher Form vorkommen. Interlingua wird bis heute von einer kleinen Gemeinschaft verwendet und durch Organisationen wie die Union Mundial pro Interlingua gefördert.

Interlingua gehört neben Esperanto und Ido zu den bedeutenderen internationalen Plansprachen, erreichte jedoch nicht die Verbreitung von Esperanto. Von ihren Befürwortern wird sie aufgrund ihres gräkolateinisch geprägten Wortschatzes als „modernes Latein“ bezeichnet.

Wortschatz Wörter, die international verbreitet sind, werden Internationalismen genannt. Das sind Wörter, die in gleicher Bedeutung und gleicher oder ähnlicher Form in mehreren Sprachen vorkommen, wie z. B. Medizin, Musik, Nation, Radio, System, Telefon, Theater. Das Fremdwort – Lesenswertes und Interessantes (PDF-Datei) – Seite 15 (abgerufen am 26. Oktober 2017). Diese Internationalismen sind hauptsächlich griechisch-lateinischen (gräkolatinen) Ursprungs.

Theoretisch können so mindestens 850 Millionen Sprecher romanischer Sprachen inklusive Zweitsprecher Interlingua grundlegend verstehen. Zudem Sprecher, die Latein oder eine romanische Sprache als Fremdsprache erlernt haben. Sprecher nicht-romanischer, europäischer Sprachen verstehen auf Anhieb viele Interlingua-Vokabeln durch die eigenen Fremd- und Lehnwörter. Hier ist insbesondere die englische Sprache zu nennen, deren Wortschatz zu mehr als 50 % lateinischen Ursprungs ist. (abgerufen am 26. Oktober 2017)

Interlingua ist das Ergebnis wissenschaftlicher Forschung, die von 1924 bis 1951 von europäischen und amerikanischen Sprachwissenschaftlern der International Auxiliary Language Association (IALA) erzielt wurde. 1951 wurde Interlingua mit der Herausgabe des Interlingua-English Dictionary sowie der Grammatica complete de interlingua veröffentlicht. An der Herausgabe beider Werke war der deutsch-amerikanische Philologe und Übersetzer Alexander Gode maßgeblich beteiligt.

Name Der Name „Interlingua“ leitet sich von inter (inter für ‚zwischen, mitten, unter‘) und lingua (lingua für ‚Sprache‘) ab und steht damit für die Idee einer neutralen Zwischensprache und nicht für eine alle Sprachen der Welt umfassenden Universalsprache.

Der Name Interlingua kann horizontal verstanden werden, als Brückensprache zwischen den verschiedenen Muttersprachen, aber auch vertikal als Zwischensprache zwischen den unregelmäßigen bzw. sehr komplexen natürlichen Sprachen und einer logischen und systematischen Idealsprache.

Ursprünglich bezeichnete Interlingua alle internationalen Plansprachen der naturalistischen Schule. Später wurde der Begriff zum Synonym für Latino sine flexione. Verwechslungsgefahr besteht zudem mit Interlingue, die zur Präzisierung Interlingue-Occidental genannt wird. Diese Plansprachenprojekte gehen ineinander über. Mit Zustimmung der Academia pro Interlingua, einer Akademie für naturalistische Plansprachen, durfte die International Auxiliary Language Association den Namen Interlingua für ihr Plansprachenprojekt verwenden.

Historischer Kontext

Als Folge der Zunahme internationaler Beziehungen wurde ab der Mitte des 19. Jahrhunderts das Problem internationaler Verständigung immer brennender. Die Schöpfer der Welthilfssprachen wollten einen Ausweg zeigen und legten daher Wert auf leichte Erlernbarkeit, hohes aktives und passives Sprachvermögen, Internationalität sowie Neutralität im Sinne von keines Volkes Sprache.

Die neutrale International Auxiliary Language Association (IALA; deutsch: Internationale Hilfssprachengesellschaft) wurde 1924 in New York u. a. von der Mäzenin und Esperantosprecherin Alice Vanderbilt Morris mit dem Ziel mitgegründet, die wissenschaftliche Basis für die Auswahl einer bestehenden Plansprache bzw. die Fusion bereits bestehender Plansprachen wie Esperanto (1887), Latino sine flexione (1903), Ido (1907), Esperanto II (1910), Occidental (1922) und Novial (1928) zu schaffen. Die Entwicklung einer eigenen Plansprache war anfänglich nicht das Ziel. Nachdem die IALA keine der untersuchten Plansprachen für geeignet hielt bzw. die Vertreter der verschiedenen Plansprachen sich nicht auf eine gemeinsame Plansprache einigen konnten, beschloss die IALA 1934 selbst, eine eigene Plansprache zu entwickeln, die 1951 unter dem Namen Interlingua veröffentlicht wurde. 1953 löste sich die IALA daraufhin auf.Historia de Interlingua: Le historia antenatal de Interlingua (interlingua).

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Englisch als Weltverkehrssprache die international bedeutendste Weltsprache.

Theorie Für die Sprachwissenschaftler der International Auxiliary Language Association (IALA) lag die Lösung der Sprachenfrage nicht in der Konstruktion einer Universalsprache. Sie lehnten daher jede Form einer Plansprache ab, deren Vokabular künstlich konstruiert wurde, weil solche Sprachen zu abstrakt und damit schwer zu erlernen und zu beherrschen sind. Auch kam für die IALA eine Mischung von Sprachmaterial verschiedener Sprachen innerhalb des eigenen Kulturraumes bzw. mit Sprachen anderer Kulturräume zu einer neuen Plansprache wegen der Willkürlichkeit der Auswahl sowie mangelnder Kohärenz einer solchen Sprache nicht in Frage. (englisch).

Vielmehr sind die Sprachwissenschaftler der IALA durch Beobachtung zu der Erkenntnis gelangt, dass genügend Sprachmaterial bereits in den europäischen Sprachen latent existiert, das, mit Abweichungen in der Aussprache oder Orthographie, z. B. aus international verwendeten Begriffen wie „Information“, „Politik“, „Bibliothek“, „Philosophie“, „Restaurant“, „Automobil“ aber auch aus Wörtern wie „Kaffee“, „Kakao“ oder „Joghurt“ usw. besteht. In der Sprachwissenschaft wird dieses Phänomen Internationalismen genannt. Erste Schätzungen gingen von bis zu 6000 international verwendeten Vokabeln aus, die größtenteils griechisch-lateinischen Ursprungs sind. (englisch).

Die Gruppe der anglo-romanischen Sprachen ist die durch Wissenschaft, Technik, Handel, Diplomatie, Kolonisation, Migration, Bildung, Kultur, christlicher Mission, Sport etc. die global weitestverbreitete europäische Sprachengruppe und damit Quellsprachen für viele Fremd- und Lehnwörter zahlreicher weiterer Sprachen („Sprachenexporte“).Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG): Europäische Geschichte Online (EGO): Abschnitt Europasprachen und europäische Weltsprachen – abgerufen am 6. März 2016. Daher wird aus den anglo-romanischen Sprachen das internationale Sprachmaterial extrahiert, welches folglich nicht willkürlich, sondern objektiv, kohärent, leicht zu erlernen und leicht zu beherrschen sei. (englisch).

Eine schematisierte Grammatik, die die Objektivität des Vokabulars entstellt, sei kontraproduktiv, so dass nur eine minimale und rationale Grammatik, so die Logik, die Ursprünglichkeit und Natürlichkeit des internationalen Vokabulars unterstütze.Historia de Interlingua: Le natura, si – un schema, no (interlingua).

Für die IALA sollte die internationale Sprache ein Mittel der Kommunikation zum Ideenaustausch und zur Völkerverständigung sein, nicht aber ein zwingendes Mittel zur Erreichung des Weltfriedens.

Wortschatz Europas Sprachgeschichte ist durch drei Verkehrssprachen oder Linguae francae gekennzeichnet: Latein (abnehmend seit dem späten Mittelalter bis 1867, als Ungarn als letztes Land Latein als Amtssprache aufgibt), Französisch (vom Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 bis zum Versailler Vertrag 1918)Französisch in der deutschen Sprache – Von Kusine bis Muckefuck (abgerufen am 25. Februar 2017). und Englisch (seit 1918). Diese drei Verkehrssprachen (Gebersprachen) haben im Wortschatz der europäischen Sprachen (Nehmersprachen) deutliche Spuren hinterlassen.Latein-Französisch-Englisch (Drei Epochen europäischer Sprach- und Wortschatzgeschichte) (abgerufen am 11. November 2016)Deutschlandfunk: Fremdgehen – Grammatische Reflexionen (abgerufen am 4. Februar 2017). Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich in der Historie der Wissenschaftssprache.Der Standard: Esperanto ist soviel leichter als Latein (abgerufen am 8. Februar 2025).

Auswahl

Der Wortschatz wird in drei Schritten gewonnen: Auswahl, Standardisierung und Registrierung. Interlingua soll auf dem größtmöglichen internationalen Wortschatz aufbauen (vgl. Internationalismus (Sprache)). Daher werden Wörter in folgenden Sprachen auf Internationalität geprüft: Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch. Deutsch und Russisch dienen als Kontrollsprachen. Die Theorie geht davon aus, dass außerhalb dieser großen europäischen Sprachen kein Wort international sein kann.

Die „Regel der Drei“ bzw. die „Regel der Zwei+“ beschreibt die genaue Methode:

Korrespondiert ein Wort in mindestens drei der vier Spracheinheiten (italienisch [ita], spanisch [spa] / portugiesisch [por], französisch [fra], englisch [eng]) in Form und Inhalt oder aber in mindestens zwei Spracheinheiten plus Deutsch [deu] und/oder Russisch [rus], ist es zu akzeptieren. Beispiele: [deu] Patrimonium, [eng] patrimony, [fra] patrimoine, [ita] patrimonio, [spa] patrimonio, [por] património, [rus] наследие [deu] Pate, [eng] godfather, [fra] parrain, [ita] padrino, [spa] padrino, [por] padrinho, [rus] крестный отец [deu] Patron, [eng] patron, [fra] patron, [ita] patrono, patrocinatore, [spa] patrono, patrocinador, [por] patrono, patrocinador, [rus] патрон, покровитель [deu] Patriarch, [eng] patriarch, [fra] patriarche, [ita] patriarca, [spa] patriarca, [por] patriarca, [rus] патриарх

Standardisierung

In der Regel wird etymologisch vorgegangen. Dabei wird die gesamte Wortfamilie untersucht, nicht lediglich ein isoliertes Wort. Damit erhält man den genauen Prototyp, der für die Ableitung der Wortfamilie grundlegend ist (hier patr-). Damit ergeben sich für Interlingua in o. a. Fällen: patrimonio, patrino, patrono und patriarcha.

Das bedeutet auch, dass die Zahl der Varianten, also Beispiele in weiteren Sprachen als den vier genannten Spracheinheiten, unerheblich ist, weil in der Regel auf das Etymon zurückgegriffen wird, z. B.: dt. Form; frz. forme, it. span. kat. tschech. slowak. slowen. ungar. poln. kroat. lett. litau. forma, dän. schwed. eng. ndl. form, bündnerroman. furma, ir. foirm usw. In Interlingua heißt das entsprechende Wort forma.

Registrierung mini|Interlingua-English-Dictionary, 2. Auflage, New York 1971 In wenigen Fällen, bei denen keine der beiden Regeln greift, bezieht sich Interlingua auf das Lateinische, oder aber das Wort der Referenzsprachen, welches die größtmögliche Internationalität oder die größtmögliche Übereinstimmung mit der Systematik aufweist, wird registriert. Das Interlingua-English Dictionary wurde 1951 mit fast 27.000 Vokabeln veröffentlicht.Historia de Interlingua: Reclamo pro le “Interlingua-English Dictionary” (interlingua) Das aktuelle Vokabular wird auf über 60.000 Wörter geschätzt.Omniglot: Interlingua (englisch) – abgerufen am 16. November 2016.

Grammatik

Die Interlingua-Grammatik ist eine rationale Minimal-Grammatik, die die Objektivität des internationalen Vokabulars nicht verändern will und die Spracherlernung sowie die Sprachbeherrschung erleichtern soll: regelmäßige Konjugation der Verben Endung der Verben auf -ar, -er und -ir Kürzung der Verben haber (haben) und esser (sein) im Präsens zu ha und es kein Konjunktiv (Möglichkeitsform) keine Verlaufsform wie im Englischen (I am calling …) kein grammatisches (Genus), sondern nur ein biologisches Geschlecht (Sexus), daher nur ein bestimmter (le) und ein unbestimmter Artikel (un) Pluralbildung mit -s bzw. -es