mini|Isaac Newton porträtiert von Godfrey Kneller, London 1702, Bestand der National Portrait Gallery rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=0.8|Unterschrift von Isaac Newton Sir Isaac Newton [] (* in Woolsthorpe-by-Colsterworth in Lincolnshire; † Vor 1752 wurde in England der Julianische Kalender genutzt und das neue Jahr am 25. Märzjul. begonnen, nicht am 1. Januar. Newtons Sterbedatum ist auf seinem Denkmal in Westminster Abbey durch die Inschrift angegeben. Seine Beerdigung fand am 28. März 1727 statt, Account of Newton’s funeral. In: The London Gazette. 1.–4. April 1727 (newtonproject.ox.ac.uk) – beide Daten entsprechend dem damaligen englischen Kalender. Zwischen dem Tod am 20. März 1726jul. und der Beerdigung am 28. März 1727jul. lagen also nur acht Tage, dazwischen lag der Jahreswechsel. in Kensington) war ein englischer Universalgelehrter. Er wirkte an der Universität Cambridge, war verantwortlich für die Royal Mint und Präsident der Royal Society. Aufgrund seiner Leistungen auf den Gebieten der Physik und Mathematik gilt Newton als einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler.
Newton ist der Verfasser des bekanntesten Physikbuches der Neuzeit, der Philosophiae Naturalis Principia Mathematica. Hierin beschreibt er das nach ihm benannte Gravitationsgesetz und ergründet die Gravitation als wesentliche Eigenschaft aller Körper. Auf der Grundlage des physikalischen Kraftbegriffes werden erstmals die Bewegungsgesetze der irdischen und der himmlischen Körper mathematisch vereinheitlicht, womit er eine erste Fassung der heutigen klassischen Mechanik errichtete. In Anerkennung seiner Leistungen wurden später zahlreiche wissenschaftliche Bezeichnungen nach Newton benannt, darunter die „Newtonsche Kraft“, die physikalische Einheit Newton, die „Newtonschen Gesetze“ sowie die – nicht unumstrittene – Bezeichnung „Newtonsche Mechanik“.So die Umschreibungen im Vorwort zu Niccolò Guicciardini (2001), hier in der Literatur.Siehe exemplarisch das Lehrbuch Mark D. Ardema, Newton-Euler Dynamics. (Springer) New York 2005; im Vorwort auch eine Bemerkung zur Namensgebung.Die Diskussion über den Begriff der Newtonschen Mechanik wurde seit Beginn des 20. Jahrhunderts geführt und hat noch heute ihre Spuren in freien Enzyklopädien hinterlassen (siehe dazu etwa den Eintrag Klassische Mechanik). An dem Fachjargon Newtonsche Mechanik für das gesamte Gebiet der Klassischen Mechanik war das damals einflussreiche populärwissenschaftliche Mechanikbuch von Ernst Mach maßgeblich beteiligt: Die Mechanik in ihrer Entwickelung - historisch-kritisch dargestellt. Erste Auflage Leipzig 1883 (Brockhaus), online verfügbar: archive.org. Die physikalischen Gründe für die Kontroverse um diese Namensgebung sind unterhaltsam dokumentiert in István Szabó, Geschichte der mechanischen Prinzipien. (Birkhäuser) Basel 1977: S. 19–30 (Die ersten Fundierung der klassischen Starrkörpermechanik, B. Der Impuls- und Momentensatz von Leonhard Euler). Für sein Talent, in den Principia sämtliche Bewegungserscheinungen aus einem jeweiligen Zweikörperproblem herzuleiten, wurde er von Clifford Truesdell als der „vollendete Meister der Mathematik und der genialen Schätzung“ genannt.Clifford Truesdell: History of Classical Mechanics. Teil I. In: Naturwissenschaften. Band 62, Nr. 2, 1963, S. 59 (“[…] he showed himself a consummate master of mathematics and of ingenious guessing”).
Fast gleichzeitig mit Gottfried Wilhelm Leibniz entwickelte Newton die Infinitesimalrechnung. Bekannt ist er auch für seine Leistungen auf dem Gebiet der Optik: die von ihm verfochtene Teilchentheorie des Lichtes und die Erklärung des Lichtspektrums.
Er beschäftigte sich ebenfalls mit theologischen, historischen und alchemistischen Untersuchungen.
Leben und Wirken Kindheit und Jugend Newtons gleichnamiger Vater Isaac Newton, ein erfolgreicher Schafzüchter und Inhaber des Titels Lord of the Manor, starb drei Monate vor der Geburt seines Sohnes. 1646 heiratete seine Mutter Hannah Ayscough zum zweiten Mal. Sie zog zu ihrem Ehemann Barnabas Smith, der Pfarrer in der nahen Gemeinde North Witham war, und Isaac blieb bei seiner Großmutter Margery Ayscough in Woolsthorpe. Newton empfand über diese Vernachlässigung zeitlebens Bitterkeit, und er kam auch nicht mit seinem Großvater James Ayscough klar. Dieser hinterließ ihm nichts, als er 1653 starb, und Newton erwähnte ihn später nie mehr. Als er mit 19 Jahren seine Sünden auflistete, war darunter auch der Wunsch, das Haus seiner Mutter und seines Stiefvaters Smith anzuzünden. Nach dem Tod seines Stiefvaters 1653 kehrte seine Mutter nach Woolsthorpe zurück und Newton lebte kurz mit ihr, seiner Großmutter und den drei Kindern aus der Ehe seiner Mutter mit Smith. Als er bald darauf die Kings School in Grantham besuchte, eine öffentliche Schule (Free Grammar School) 5 Meilen von Woolsthorpe, wohnte er in Grantham bei einer Familie Clark. Am Schulunterricht war er nach den Schulberichten wenig interessiert, soll aber zu Hause Vergnügen an mechanischen Basteleien gefunden haben. Seine nunmehr wohlhabende Mutter, eine Gutsbesitzerin, holte ihn versuchsweise von der Schule, damit er die Verwaltung ihres Vermögens übernahm, es zeigte sich aber, dass er dafür kein Talent und Interesse hatte. Newtons Onkel William Ayscough überzeugte die Mutter, dass Newton studieren sollte, und Newton besuchte ab 1660 wieder die Schule in Grantham, wobei er diesmal beim Schulleiter Stokes wohnte und mehr Lerneifer zeigte.
Studium in Cambridge Am 5. Juni 1661 begann er am Trinity College in Cambridge zu studieren, einem College, das schon sein Onkel besucht hatte. Er war – trotz des Vermögens seiner Mutter – ein Sizar, das heißt, sein finanzieller Unterhalt wurde teilweise vom College übernommen. Dafür musste er als Diener für andere Studenten arbeiten. Möglicherweise war ein entfernter Verwandter und Fellow des Trinity College, Humphrey Babington (1615–1691), sein Patron.
Er studierte zunächst mit der Absicht, Jurist zu werden. Ab dem dritten Studienjahr hatte er aber mehr Freiheiten in den Studienfächern. Damals war in Cambridge die Lehre von Aristoteles und die spätscholastische Schule der Cambridger Platoniker tonangebend, das bedeutete qualitative Naturphilosophie anstelle quantitativer Untersuchungen im Sinne von Galilei. Newtons Notizen aus der Studienzeit, die er Quaestiones quaedam philosophicae (Einige philosophische Fragen) betitelte, zeigen den Einfluss von Descartes’ mechanistisch-dualistischem Denken, Gassendis atomistischen Vorstellungen und Henry Mores platonisch-hermetischen Ansichten. Weiter studierte er Thomas Hobbes und Robert Boyle. Obwohl sie radikal unterschiedlich sind, beeinflussten die Anschauungen der Mechanisten bzw. Hermetiker fortan Newtons Denken und bildeten – in ihrer Spannung – das Grundthema seiner Laufbahn als Naturphilosoph. Den Quaestiones stellte er allerdings den Spruch voran, dass Aristoteles und Platon seine Freunde seien, sein bester Freund sei aber die Wahrheit. Er studierte auch Galileo Galilei und Johannes Kepler (Optik).
Ab Ende 1663 begann er sich auch für Mathematik zu interessieren, las die Elemente von Euklid in der Ausgabe von Isaac Barrow, William Oughtred (Clavis mathematicae), die Geometrie von Descartes und das Buch von Frans van Schooten darüber, die Ausgabe der Gesammelten Werke von François Viète von Frans van Schooten (mit Anhängen seiner Schüler Johan de Witt, Johan Hudde, Hendrick van Heuraet) und die Treatise of Algebra von John Wallis, die auch schon erste Ansätze zur Analysis enthielt und Newton unmittelbar zu eigenen Arbeiten anregte. Barrow war 1663 Fellow des Trinity College geworden, Newton kam aber wohl erst ein paar Jahre später in näheren Kontakt zu ihm auf mathematischem Gebiet.
Am 28. April 1664 wurde er Scholar, und im April 1665 erhielt er den Bachelor-Abschluss. Sein eigentlicher Durchbruch als Mathematiker und Naturwissenschaftler erfolgte, als die Universität im Sommer 1665 wegen der Großen Pest geschlossen wurde und er an seinen Wohnort Woolsthorpe zurückkehrte, wo er die nächsten zwei Jahre bis zur Wiedereröffnung der Universität in relativer wissenschaftlicher Isolation verbrachte.
Nach seinem eigenen Bezeugen in den Quaestiones hatte er in den Jahren 1665/1666 seine ersten weitreichenden Ideen, die ihn auf die Spur seiner drei großen Theorien führten: der Infinitesimalrechnung (in Newtons Terminologie Theorie der Fluxionen), der Theorie des Lichts und der Gravitationstheorie. Wie weit er mit seinen theoretischen Ansätzen in dieser frühen Zeit schon war, ist unklar.David Speiser: Newtons „Principia“ – Werk und Wirkung. In: Verhandlungen der Naturforschenden Gesellschaft Basel. Band 89, 1980, S. 107. Die Veröffentlichung seiner Lehren auf diesen Gebieten bzw. Verbreitung seiner diesbezüglichen Manuskripte erfolgte erst viel später.
Weiteres Wirken in Cambridge Nach Aufhebung der Pest-Quarantäne im Jahr 1667 wurde Newton „Fellow“ des Trinity College. Dies bedeutete nicht nur Zustimmung zu den 39 Artikeln der Church of England, sondern auch das Zölibatsgelübde. Außerdem musste er innerhalb von sieben Jahren die geistlichen Weihen empfangen. 1669 wurde er dort Inhaber des Lucasischen Lehrstuhls für Mathematik. Sein Vorgänger Isaac Barrow, der sich zurückzog, hatte ihn selbst empfohlen. Im selben Jahr erschien De Analysi per Aequationes Numeri Terminorum Infinitas, Vorläufer der Infinitesimalrechnung, als Manuskript. Von 1670 bis 1672 lehrte er Optik, wobei er besonders die Lichtbrechung untersuchte.
1672 baute Newton ein Spiegelteleskop, das er der Royal Society in London vorführte. Im selben Jahr veröffentlichte er seinen Aufsatz New theory about light and colors in den Philosophical Transactions der Royal Society. Dieses Papier rief große Diskussionen hervor. Besonders zwischen ihm und Robert Hooke, dem Kurator und späteren Sekretär der Royal Society, herrschte ein angespanntes Verhältnis, da beide angesehene Wissenschaftler waren, doch grundverschiedene Meinungen hatten und jeder auf sein „Recht“ pochte.
Kritik an seinen Veröffentlichungen konnte Newton schwer ertragen, daher zog er sich mehr und mehr aus der wissenschaftlichen Gemeinde zurück und konzentrierte sich auf seine alchemistischen Versuche. Um 1673 begann er, die Texte der Heiligen Schrift und der Kirchenväter intensiv zu studieren – eine Tätigkeit, die ihn bis zu seinem Tod in Anspruch nahm. Seine Studien führten ihn zu der Überzeugung, dass die Dreifaltigkeitslehre eine Häresie sei, die den Christen im 4. Jahrhundert eingeredet worden sei. 1675 erwirkte er einen Dispens von der Verpflichtung, die Weihen zu empfangen – wohl weil dies seinen unorthodoxen Ansichten widersprochen hätte.
mini|Isaac Newton 1689; Gemälde von Godfrey Kneller 1678 erlitt Newton einen Nervenzusammenbruch; im folgenden Jahr starb seine Mutter. Sechs Jahre lang, bis 1684, befand sich Newton in einer Phase der Isolation und der Selbstzweifel. 1679 kehrte er zu seinen früheren Überlegungen zur Mechanik zurück; sein neunseitiger Brief De motu corporum in gyrum von 1684 enthielt die Grundzüge dessen, was er drei Jahre später in den Principia darlegte. In diesem Werk vereinte er die Forschungen Galileo Galileis zur Beschleunigung, Johannes Keplers zu den Planetenbewegungen und Descartes’ zum Trägheitsproblem zu einer dynamischen Theorie der Gravitation und legte die Grundsteine der klassischen Mechanik, indem er die drei Grundgesetze der Bewegung formulierte. Newton wurde nun international anerkannt; junge Wissenschaftler, die seine unorthodoxen naturwissenschaftlichen (und auch theologischen) Ansichten teilten, scharten sich um ihn. Wieder folgte ein Streit mit Hooke – dieses Mal über das Gravitationsgesetz. (Hooke behauptete, Newton habe ihm die Idee, dass die Schwerkraft mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt, gestohlen – s. u. „Mechanik“.)