Malsburg-Marzell ist eine im Zuge der Gemeindereform in Baden-Württemberg 1974 aus den Altgemeinden Malsburg und Marzell neu gebildete Gemeinde im Landkreis Lörrach in Baden-Württemberg.
Geografie Geografische Lage Die Doppelgemeinde Malsburg-Marzell liegt im Oberen Kandertal im südwestlichen Schwarzwald. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine Höhenlage von 429 Meter über NN bis zum 1165 Meter hohen Blauen (auch Hochblauen) und ist zu mehr als 70 % von Wald bedeckt. Im Nordosten ist die Gemeinde über den Passübergang Lipple mit dem Kleinen Wiesental verbunden.
Im Gemeindegebiet südöstlich des Hochblauen liegt die vermutlich höchstgelegene Burgstelle Baden-Württembergs, Burg Stockburg.
Nachbargemeinden alternativtext=Vogelbach, gesehen von der Ruine Sausenburg|mini|Vogelbach, gesehen von der Ruine Sausenburg
Gemeindegliederung mini|Karte von Malsburg-Marzell Die Hauptsatzung der Gemeinde enthält keine Gemeindegliederung. Auf der Homepage der Gemeinde sind sieben Ortsteile genannt: Malsburg, Marzell, Reha-Fachkliniken, Vogelbach, Kaltenbach, Lütschenbach und Käsacker.Homepage der Gemeinde Malsburg-Marzell.
Im Detail besteht die Gemeinde Malsburg-Marzell aus den beiden ehemaligen Gemeinden Malsburg und Marzell.
Zur ehemaligen Gemeinde Malsburg gehörten die Dörfer Malsburg und Kaltenbach, Lütschenbach Vogelbach mit Käsacker Höfe mit den darin aufgegangenen Ortschaften Edenbach Lausbühl Tantenmühle Wüstung BurgbergLandesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.): Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band 6: Regierungsbezirk Freiburg. Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2, S. 848–850.
Zur ehemaligen Gemeinde Marzell gehörten das Dorf Marzell und die Siedlungen Friedrichsheim und Luisenheim. (Heute Reha-Fachkliniken)
Geschichte Die älteste bekannte Nennung von Marzell datiert von Jahre 1152,Rustenus (Christian) Heer: Anonymus Murensis denatus. Appendix II: Conradi de S. Blasio Chronicon Bürglense, Freiburg 1755, S. 383; Marticelinsperc Google Digitalisat Malsburg im Jahre 1301. Ältester Ortsteil ist jedoch Kaltenbach, das bereits 1095 erwähnt wurde und der Stammsitz der Herren von Kaltenbach war. Es wird angenommen, dass das ganze obere Kandertal unter Kontrolle der Herren von Kaltenbach war und von diesen durch Schenkung an das Kloster St. Blasien kam. Durch einen Tausch erlangten die Markgrafen von Hachberg-Sausenberg 1232 die Niedergerichtsbarkeit. Vermutlich aus der Zähringer-Erbschaft verfügten sie bereits über die Landeshoheit und Hochgerichtsrechte.Anneliese Müller: Malsburg-Marzell. Geschichte der Gemeindeteile. In: Das Kloster St. Blasien blieb jedoch bis 1803 der bedeutendste Grundbesitzer.Anneliese Müller: Malsburg-Marzell. Geschichte der Gemeindeteile. In: Die Orte gehörten politisch zur Landgrafschaft Sausenberg, die 1503 von den Markgrafen von Hachberg-Sausenberg an die Markgrafen von Baden kam und im weiteren Verlauf der Geschichte das Schicksal der Markgrafschaft Baden-Durlach und dessen Oberamt Rötteln teilte.
Nach der Auflösung des Oberamts Rötteln 1809 kamen Malsburg und Marzell zum neuen Bezirksamt Kandern und nach dessen Auflösung 1819 zum Bezirksamt Müllheim, dem späteren Landkreis Müllheim bis zu dessen Auflösung am 1. Januar 1973.
Mit der Eröffnung der Talstraße von Kandern nach Marzell am 9. September 1875 verbesserten sich die wirtschaftlichen Chancen des oberen Kandertals. Ohne diese Straßenverbindung wäre die Entwicklung der Granitsteinbrüche und der Kliniken nicht möglich gewesen.Siehe Fred Wehrle: Bau der Talstraße von Kandern nach Marzell. In: Das Markgräflerland, Jg. 2011, Bd. 1, S. 69 Digitalisat der UB Freiburg
Aufgrund der Gemeindereform entstand am 1. Januar 1974 die Gemeinde Malsburg-Marzell aus den vorher selbständigen Gemeinden Malsburg und Marzell.
Burgstellen Burg Stockburg auf dem hohen Bergkegel des Stockberges ist die höchste Burgstelle in Baden-Württemberg und wird bezüglich der Höhenlage in Deutschland nur noch von der Burg Falkenstein (Pfronten) übertroffen. „Die Burgstelle datiert im Wesentlichen ins 12. Jahrhundert“.Heiko Wagner, U. Seidel: Fundschau. Mittelalter – Neuzeit. Badenweiler. Stockberg. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg, Bd. 35 (2015), S. 847 pdf Urkundliche Nachweise über die Entstehungszeit und die Bauherren fehlen. Aufgrund der archäologischen Datierung ins 12. Jahrhundert wird die Burg den Herren von Kaltenbach zugeschrieben. In der älteren Literatur teilweise geäußerte Vermutungen über eine frühere römische oder der Latènezeit zuzuordnende Nutzung der Burgstelle konnten durch archäologische Untersuchungen nicht bestätigt werden.Heiko Wagner, U. Seidel: Fundschau. Mittelalter – Neuzeit. Badenweiler. Stockberg. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg, Bd. 35 (2015), S. 847 pdf
Das Gewann Burgberg in der Gemarkung des Weilers Vogelbach wird als Hinweis auf einen Adelssitz gedeutet um den sich der Weiler entwickelt hat.Anneliese Müller: Malsburg-Marzell. Geschichte der Gemeindeteile. In:
Nördlich des Weilers Kaltenbach soll sich die Stammburg der Herren von Kaltenbach auf dem Waldebnetköpfle befunden haben.Siehe Hans Trenkle: Heimatgeschichte der Gemeinden Obereggenen und Sitzenkirch sowie der Probstei Bürgeln, Selbstverlag des Verfassers 1930, S. 35 und Karl Seith: Kaltenbach. In:
Das Markgräfler Bermudadreieck Im Bergland um Malsburg-Marzell stürzten seit 1944 vier Luftfahrzeuge ab, wobei es sechs Todesopfer gab.Die Überschrift bezieht sich auf die Häufung von Schiffs- und Flugzeugunfällen im Bermudadreieck.
1944 mini|Restaurierte B-17G Der Bomber Flying Fortress II, Boeing B-17G, Nr. 337 599 der 8. United States Army Air Forces (USAAF) startete am 5. September 1944 vom Heimatflughafen bei Thetford (RAF Knettishall) in England, um mit 217 anderen Bombern nach Stuttgart zu fliegen, wo insbesondere die Produktionsanlagen von Daimler Benz in Untertürkheim angegriffen wurden, da man dort die Herstellung von Düsenantrieben vermutete. Der Bomber erhielt von der deutschen Flak einen kopfgroßen Treffer in der linken Leitwerktragfläche und verließ den Bomberverband um in dem bereits von den Alliierten besetzten Teil Frankreichs einen Notflughafen anzusteuern. Die Maschine wurde zuletzt über den Vogesen westlich Straßburg in einer Flughöhe von über 3000 Metern gesehen. Die neun Besatzungsmitglieder sprangen ab und landeten unverletzt zwischen dem Col du Bonhomme und Gérardmer. Die Maschine flog mit Autopilot weiter nach Südosten und zerschellte auf Gemarkung Malsburg am 5. September 1944 um 11.51 Uhr unterhalb und westlich des Gipfels der Hohen Stückbäume.Rolf H. Schatz: Absturz einer „Fliegenden Festung“, Flying Fortress II, Boeing 17G, auf Gemarkung Malsburg am 5. September 1944. In: Das Markgräflerland, Jg. 2004, Bd. 2, S. 63–73 Digitalisat UB FreiburgBenjamin Stebner: ABGESTÜRZTES FLUGZEUG AUS DEM 2.WELTKRIEG (B-17G) GEFUNDEN. Video über die 2016 erfolgte Ausgrabung von ca. 22'000 Trümmerteilen.B-17 43-37599 / Moonlight Serenade auf b17flyingfortress.de.
1964 Am 4. Mai 1964 stürzte am Hochblauen bei Regen und starker Bewölkung ein Hubschrauber der französischen Luftwaffe, der in Bremgarten stationiert war am Hochblauen hart an der Gemarkungsgrenze von Marzell und nahe am Gipfel ab, wobei zwei Unteroffiziere ums Leben kamen.Volker G. Scheer: Kandern 1810 — 2010 : Zweihundert Jahre Stadtrecht, Freiburg im Breisgau, Berlin, Wien : Rombach, 3. Auflage 2010, ISBN 978-3-7930-5064-3, S. 362. An der Straße ist kurz vor dem Gipfel ein Gedenkstein aufgestellt worden.Gedenkstein Hubschrauberabsturz 1964 auf www.komoot.com.
1971 Am 21. Februar 1971 starteten Günter Grünzner und Eberhard Fäßler aus Schwäbisch Gmünd mit einer Cessna 172 (Skyhawk) vom Flugplatz Heubach der Firma Triumph, die ihren deutschen Firmensitz in Heubach hat. Es wird angenommen, dass ihr Ziel Basel war. Gegen 12 Uhr mittags beobachteten Bewohner von Malsburg die Sportmaschine, die aus Südwesten kommend Richtung der nebelverhangenen Berghänge flog und bemerkten, dass der Motor stotterte. Es wird angenommen, dass die Maschine in Basel keine Landegenehmigung erhielt und Warteschleifen drehen musste. Am 1018 Meter hohen Wildsberg (am Westhang des Lütschenbacher Gleichen) () oberhalb Lütschenbach stürzte die Maschine ab. Nahe der Unfallstelle wurde eine Gedenktafel aufgestellt.Birgit-Cathrin Duval: Das Wrack liegt noch heute im Wald. In: Gmünder Tagespost vom 15. April 2021.Volker G. Scheer: Kandern 1810 — 2010 : Zweihundert Jahre Stadtrecht, Freiburg im Breisgau, Berlin, Wien : Rombach, 3. Auflage 2010, ISBN 978-3-7930-5064-3, S. 376.
1978 Der Bürgermeister von Montbéliard, Abgeordneter der französischen Nationalversammlung sowie ehemaliger Bildungsminister, André Boulloche, befand sich am 16. März 1978 auf der Rückkehr von einer Wahlkampfreise auf dem Anflug auf den Flughafen Basel-Mülhausen als der Funkkontakt plötzlich abriss.Bürgermeister der Partnerstadt Montbeliard bei Absturz getötet. In: Ludwigsburger Kreiszeitung, Nr. 65, vom 18. März 1978, S. 3.Flugzeug zerschellte im Waldgebiet. In: Ludwigsburger Kreiszeitung, Nr. 66, vom 20. März 1978, S. 3. Erst am folgenden Tag konnten Hilfstrupps die Leichen von André Boulloche und seinem Piloten Renaud Mary im Nikolauswald nahe beim Hexenplatz (zwischen Vogelbach und Hochblauen)Volker G. Scheer: Kandern 1810 — 2010 : Zweihundert Jahre Stadtrecht, Freiburg im Breisgau, Berlin, Wien : Rombach, 3. Auflage 2010, ISBN 978-3-7930-5064-3, S. 390. finden. Beim Hexenplatz erinnert ein Gedenkstein an die Unfallopfer.
Geschichte der Kliniken mini|Friedrichsheim – Lithografie von 1910 „In Baden, wo die Lungentuberkulose verhältnismäßig stark vertreten war, übernahm die Landesversicherungsanstalt Baden bereits in den 1890er Jahren eine Vorreiterrolle in der Bekämpfung dieser Krankheit.“Gert Kollmer-von Oheimb-Loup: Dienstleistungen. Versicherungen In: Wirtschafts- und Sozialgeschichte 1918–1992, Handbuch der baden-württembergischen Geschichte, Band 5, Stuttgart 2007, S. 236. 1896 suchte der Lungenfacharzt Karl Turban im Auftrag der Landesversicherungsanstalt Baden einen Standort für ein Sanatorium für männliche Tuberkulosekranke. Er empfahl den Birkenbuck oberhalb von Marzell und die Einweihung des Baues konnte bereits am 13. November 1899 erfolgen, wobei dieser nach dem damaligen badischen Großherzog Friedrichsheim benannt wurde. Es war die erste Lungenheilanstalt der Großherzoglich badischen Versicherungsanstalt und Großherzog Friedrich I. nahm an der Einweihung teil.Einweihung der ersten Lungenheilanstalt im Großherzogthum Baden. In: Freiburger Zeitung vom 15. November 1899. Bei der Eröffnung hatte das Friedrichsheim 45 Krankenzimmer mit 111 Betten, wobei Erweiterungsbauten mit 50 Betten bereits vorgesehen waren.J. Marcuse: Neue Heilstätten. Friedrichsheim. In: Zeitschrift für Tuberkulose und Heilstättenwesen, Band 1 (1900), S. 87–90 Internet Archive Bereits am 30. Oktober 1905 wurde nahebei auch eine Lungenheilanstalt für Frauen eingeweiht, die nach der Großherzogin Luise Luisenheim benannt wurde. Der Vorsitzende der Landesversicherungsanstalt, Anton Rasina, hielt die Einweihungsrede und die Großherzogin war als Gast zugegen.Eine Heilstätte für weibliche Lungenkranke im Großherzogtum Baden. In: Freiburger Zeitung vom 1. November 1905.