Indium ist ein chemisches Element mit dem Symbol In und der Ordnungszahl 49. Im Periodensystem der Elemente steht es in der 5. Periode und ist das vierte Element der 3. Hauptgruppe, der 13. IUPAC-Gruppe, oder Borgruppe. Indium ist ein seltenes, silberweißes und weiches Schwermetall. Seine Häufigkeit in der Erdkruste ist vergleichbar mit der von Silber. Indium ist für den menschlichen Körper nicht essenziell, genauso wenig sind toxische Effekte bekannt. Das Metall wird heute zum größten Teil zu Indiumzinnoxid verarbeitet, das als transparenter Leiter für Flachbildschirme und Touchscreens eingesetzt wird.

Geschichte Indium wurde 1863 von den deutschen Chemikern Ferdinand Reich und Theodor Richter an der Bergakademie Freiberg entdeckt. Sie untersuchten eine in der Umgebung gefundene Sphalerit-Probe nach Thallium. Dabei fanden sie im Absorptionsspektrum anstatt der erwarteten Thallium-Linien eine bisher unbekannte indigoblaue Spektrallinie und damit ein bisher unbekanntes Element. Nach dieser nannten sie das neue Element Indium.F. Reich, Theodor Richter: Vorläufige Notiz über ein neues Metall. In: Journal für praktische Chemie. 1863, Band 89, Nummer 1, S. 441–442 . Kurze Zeit später konnten sie zunächst Indiumchlorid und -oxid, durch Reduktion von Indiumoxid mit Wasserstoff auch das Metall darstellen.Ferdinand Reich, Th. Richter: Ueber das Indium. In: Journal für praktische Chemie. 1863, Band 90, Nummer 1, S. 172–176, . Weitere Eigenschaften wie Atomgewicht, Dichte oder Schmelzpunkt, sowie weitere Verbindungen wurden von Clemens Winkler erforscht. Eine größere Menge Indium wurde erstmals auf der Weltausstellung 1867 in Paris gezeigt. Hierzu wurden 2,15 Tonnen indiumhaltiges Zink aus den Muldenhütten in Schwefelsäure gelöst und aus dem Rückstand ein etwa 0,5 kg schwerer Indiumbarren erhalten.Klaus Volke: Die Entdeckung des chemischen Elementes Indium in Freiberg - Zur 200. Wiederkehr des Geburtstages des Physikers Ferdinand Reich. In: Mitteilungen der Fachgruppe Geschichte der Chemie. 2000, Band 15, S. 81–97 (Volltext bei der GDCh)Ulrich Schwarz-Schampera, Peter M. Herzig: Indium: Geology, mineralogy, and economics. Springer, Berlin / New York 2002, ISBN 3-540-43135-7.

Nach einer ersten Anwendung ab 1933 als Legierungsbestandteil in Zahngold begann der umfangreiche Einsatz von Indium mit dem Zweiten Weltkrieg. Die Vereinigten Staaten setzten es als Beschichtung in hoch beanspruchten Lagern von Flugzeugen ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Indium vor allem in der Elektronikindustrie, als Lötmaterial und in niedrig schmelzenden Legierungen eingesetzt. Auch die Verwendung in Kontrollstäben von Kernreaktoren wurde mit der zunehmenden Verwendung der Kernenergie wichtig. Dies führte bis 1980 zu einem ersten starken Ansteigen des Indiumpreises. Nach dem Reaktorunfall von Three Mile Island gingen jedoch sowohl Nachfrage als auch Preis deutlich zurück.Mineral Commodity Profile: Indium der usgs mineral resources (engl.; PDF-Datei; 1,1 MB).

Ab 1987 wurden zwei neue Indiumverbindungen, der Halbleiter Indiumphosphid (InP) und das elektrisch leitende und in dünnen Schichten durchsichtige Indiumzinnoxid (ITO) entwickelt. Besonders Indiumzinnoxid wurde mit der Entwicklung von Flüssigkristallbildschirmen technisch interessant. Durch den hohen Bedarf wird seit 1992 der größte Teil des Indiums zu Indiumzinnoxid weiterverarbeitet.

Vorkommen mini|links|Roquesit als Einschluss in Bornit Indium ist ein seltenes Element, sein Anteil an der kontinentalen Erdkruste beträgt nur 0,05 ppm.K. H. Wedepohl: The composition of the continental crust. In: Geochimica et Cosmochimica Acta. 1995, 59, 7, 1217–1232. Es ist damit von ähnlicher Häufigkeit wie Silber und Quecksilber. Indium ist ein moderat inkompatibles Element, das in Lavaschmelzen lange in der Lava verbleibt und erst spät in Gesteine eingebaut wird. In bestimmten mafischen magmatischen Gesteinen wie Granophyr oder Pyroxen ist die Indiumkonzentration erhöht. Indium ist stark volatil und chalkophil und als solches in sulfidischen Mineralen wie Chalkopyrit, Sphalerit, Stannit und Kassiterit angereichert, wo es andere Metalle mit ähnlichem Ionenradius ersetzen kann. Hohe Indiumgehalte im Sphalerit sind dabei häufig mit hohen Kupfergehalten verbunden, da sich so eine Stannit-ähnliche Struktur ausbilden kann.

Indium bildet eine Reihe seltener Minerale, die sich als Sekundärminerale in indiumreichen Lagerstätten bilden können. Das am häufigsten gefundene ist Roquesit CuInS2. Daneben sind noch eine Reihe weiterer sulfidischer Minerale wie Indit FeIn2S4, Laforêtit AgInS2 und Sakuraiit (Cu,Zn,In,Fe,Sn)4S4, aber auch die natürlichen Legierungen Damiaoit PtIn2 und Yixunit Pt3In, das Hydroxid Dzhalindit In(OH)3 und das Indiumarsenat Yanomamit InAsO4 · 2 H2O bekannt. Zudem wurde Indium gediegen gefunden. Insgesamt sind 2025 15 Indiumminerale bekannt.The mineralogy of Indium. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 26. Dezember 2025.

Für die Gewinnung von Indium spielen die Minerale auf Grund ihrer Seltenheit keine Rolle. Stattdessen wird das Element überwiegend bei der Zinkgewinnung, insbesondere aus Sphalerit gewonnen, in dem Indiumgehalte von 1–100 ppm enthalten sind. Eine Gewinnung aus anderen Erzen wie Chalkopyrit oder Stannit ist dagegen meist ökonomisch nicht sinnvoll.Laura Dair: Indium. In: U.S. Geological Survey: Mineral Commodity Summaries 2025, Januar 2025, abgerufen am 26. Dezember 2025.

Indium als Mineral Entdeckung und Vorkommen Natürliches elementares Indium wurde erstmals 1964 von W.W. Iwanow beschrieben und ist von der International Mineralogical Association als eigenständiges Mineral anerkannt. Seine Typlokalität liegt in der Olowjannaja-Mine, einer Tantal-Mine in der Region Transbaikalien im Fernen Osten Russlands.V.V. Ivanov: Native indium. In: Geochemistry, mineralogy and genetic types of deposits of rare elements. Band 2, 1964, S. 568–569 (russisch). Neben der Typlokalität wurde das Mineral noch in Keno Hill bei Keno City in Kanada, Baingoin in Tibet (Volksrepublik China), Dörfel im Erzgebirge in Deutschland, Pákozd in Ungarn, Ridder in Kasachstan, Mitrovica im Kosovo, Bodaibo in Russland, Camborne im Vereinigten Königreich, Perzhanskoe in der Ukraine und im Tschatkalgebirge in der usbekischen Provinz Taschkent gefunden. Zudem brachten Luna 16 und Luna 24 gediegenes Indium mit Mondgestein auf die Erde zurück.Native Indium. In: mindat.org, Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 26. Dezember 2025.

Indium kommt in der Natur in Form massiver, grauer, metallisch glänzender Körner von bis zu einem Millimeter Größe vor. In der Typlokalität ist es mit elementarem Silber vergesellschaftet.John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols: Indium. In: Handbook of Mineralogy. Mineralogical Society of America, 2005 (PDF).

Klassifikation Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte Indium zur Mineralklasse der „Elemente“ und dort zur Abteilung der „Metalle und intermetallischen Legierungen (ohne Halbmetalle)“, wo es zusammen mit Blei und Zinn die „Zinn-Blei-Gruppe“ mit der System-Nr. I/A.03 bildete, wobei Indium im Anhang stand.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer I/A.05-010. Dies entspricht der Klasse der „Elemente“ und dort der Abteilung „Metalle und intermetallische Verbindungen“, wo Indium zusammen mit Blei und Zinn eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer I/A.05 bildet.

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet Indium ebenfalls in die Element-Abteilung „Metalle und intermetallische Verbindungen“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, die entsprechend ihrer verwandten Eigenschaften in Metallfamilien eingeteilt wurden. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Indium-Zinn-Familie“ zu finden, wo es zusammen mit dem nicht anerkannten Molybdän die Gruppe mit der Systemnummer 1.AC.05 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Indium die System- und Mineralnummer 01.01.14.01. Auch dies entspricht der Klasse und gleichnamigen Abteilung „Elemente“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Elemente: Metallische Elemente außer der Platingruppe“ in einer eigenen Gruppe.

Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Indium entspricht dem Elementsymbol.

Gewinnung und Darstellung mini|Indium Primär wird Indium fast vollständig bei der Raffination von Zinkerzen als Nebenprodukt gewonnen, aber auch bei der Verhüttung von Blei, Kupfer, Zinn und Roheisen können indiumreiche Rückstände anfallen. Daneben spielt das Recycling eine immer wichtigere Rolle für die Produktion des Metalls.Ling Xiao, Liyuan Wang, Taiping Zhao, Jing Xu, Wenyuan Liu: Indium resource industry chain status and supply and demand trend analysis. In: Minerals Engineering. Band 235, Nr. 1, 2026, Artikel 109780, .

Je nach Produktionsprozess entstehen Indium-reiche Niederschäge, Schlacken, Stäube oder Anodenschlämme, die als Ausgangstoffe für die Indiumgewinnung dienen. Eine wichtige Verbindung ist dabei indiumhaltiges Zinkferrit (indium-bearing zinc ferrite, IBZF, ZnFe(2-x)InxO4), die beim Rösten von eisen- und indiumhaltigem Sphalerit entsteht und wasserunlöslich ist, so dass sie beim Auslaugen der Röstprodukte zurückbleibt.Yangyang Fan, Yan Liu, Liping Niu, Weiguang Zhang, Zimu Zhang: Reductive leaching of indium from zinc-leached residue using galena as reductant. In: Minerals Engineering. Band 163, 2021, Artikel 106777, . Die Ausgangsstoffe werden vorwiegend mit hydrometallurgischen Verfahren verarbeitet. Als Laugungsmittel dient vor allem Schwefelsäure, durch die auch das sonst schwer lösliche IBZF ausgelaugt werden kann. Weiterhin ist auch ein Rösten mit Schwefelsäure und anschließendes Auslaugen mit heißem Wasser möglich.Debabrata Pradhan, Sandeep Panda, Lala Behari Sukla: Recent advances in indium metallurgy: A review. In: Mineral Processing and Extractive Metallurgy Review. Band 39, Nr. 3, 2018, S. 167–180, . 2ZnFe_{(2-x)}In_{x}O4 + 8 H2SO4 -> 2 ZnSO4 + (2-x) Fe2(SO4)3 + x In2(SO4)3 + 8 H2O Die indiumhaltige Lösung wird durch Neutralisation mit Calciumcarbonat und Lösungsmittelextraktion angereichert. Werden dann Aluminiumplatten in die Lösung getaucht, bildet sich darauf metallisches Indium in Form eines Metallschwammes, der entfernt und durch elektrolytische Raffination zu 99,99 % reinem Indium verarbeitet werden kann.A.M. Alfantazi, R.R. Moskalyk: Processing of indium: a review. In: Minerals Engineering. Band 16, Nr. 8, 2003, S. 687–694, . Hochreines Indium wird durch eine Kombination von Vakuumdestillation, Zonenschmelzverfahren und elektrolytische Raffination hergestellt.Qinghua Tian, Chaosong Meng, Zhipeng Xu, Jinxi Qiao, Xueyi Guo: Towards high-purity indium: A review of technological challenges and advances in purification processes. In: Minerals Engineering. Band 242, 2026, Artikel 110217, .