mini|hochkant=1.4|Hauptgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin im Palais des Prinzen Heinrich

Die Humboldt-Universität zu Berlin, kurz HU Berlin, wurde 1809 vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. als Universität zu Berlin gegründet und nahm im Jahr 1810 den Lehrbetrieb auf. Von 1828 bis 1945 trug sie zu Ehren ihres Gründers den Namen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. 1949 wurde die größte und älteste Hochschule in Berlin nach den Universalgelehrten Wilhelm und Alexander von Humboldt benannt. Sie hat ihren Hauptsitz im Palais des Prinzen Heinrich an der Straße Unter den Linden Nr. 6 im Ortsteil Berlin-Mitte.

Die HU Berlin gehört zu den 20 größten Hochschulen in Deutschland und den renommiertesten Universitäten weltweit.Humboldt University of Berlin, Times Higher Education, abgerufen am 14. Oktober 2021. 2019 wurde sie im Rahmen der Exzellenzstrategie als Einrichtung der Berlin University Alliance (mit der Freien Universität Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Charité) von Bund und Ländern in die zweite Förderlinie aufgenommen, nachdem sie bereits 2012 zur Exzellenzuniversität ernannt worden war.

Bis zum Jahr 2020 wurden insgesamt 56 Nobelpreisträger mit der Humboldt-Universität zu Berlin assoziiert. Darunter sind Absolventen der Universität sowie langjährige akademische Mitglieder der Fakultäten oder von mit der HU Berlin verbundenen Forschungsorganisationen.Nobelpreis für Humboldtianerin. Alexander von Humboldt-Stiftung, 7. Oktober 2020, abgerufen am 5. März 2026.

Geschichte Gründung als Universität zu Berlin 1809 Die Universität wurde am 16. August 1809 auf Initiative des liberalen preußischen Bildungspolitikers Wilhelm von Humboldt durch König Friedrich Wilhelm III. im Zuge der preußischen Reformen gegründet und nahm am 15. Oktober 1810 als Universität zu Berlin (lateinisch: Alma Mater Berolinensis) ihren Betrieb auf. Eine offizielle Einweihung – damals in relativ schlichtem Rahmen – erfolgte erst am 26. April 1817. Von 1828 bis 1945 trug sie zu Ehren ihres Gründers den Namen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Die Gründung der Berliner Universität sollte die Friedrichs-Universität Halle ersetzen, deren Aufhebung Napoleon nach dem Sieg über Preußen im Jahr 1806 verfügt hatte. Wesentliche Impulse zur Universitätsgründung gingen von bedeutenden Wissenschaftlern dieser Zeit aus, vor allem von dem Philosophen Johann Gottlieb Fichte, der 1811/12 auch erster Rektor der Universität zu Berlin wurde, und dem Theologen Friedrich Schleiermacher.

mini|hochkant|Friedrich Wilhelm III., Gründer der Berliner Universität 1809 Unter dem Eindruck der Reformideen Schleiermachers entwickelte der Diplomat und Sprachwissenschaftler Wilhelm von Humboldt seine Universitätskonzeption (Humboldtsches Bildungsideal). Humboldt war seit Februar 1809 für ein Jahr Sektionschef für Kultus und Unterricht im Ministerium des Innern. Sein oberstes Ziel war es, ein neues Bildungssystem in Preußen einzuführen. Die Hauptsäulen seines Konzepts waren die enge Verbindung von Forschung und Lehre, freie Wissenschaft um ihrer selbst willen und Persönlichkeitsformung. Bereits am 16. August 1809 wurde die Stiftungsurkunde in Königsberg feierlich aufgesetzt.

Zu den ersten Professoren, deren Berufung auf Wilhelm von Humboldt zurückging, gehörten August Boeckh (Philologie), Albrecht Thaer (Landwirtschaft), Friedrich Carl von Savigny (Jura), Christoph Wilhelm Hufeland (Medizin) und Carl Ritter (Geographie). Sie trugen Humboldts Konzept mit. Der Betrieb der Wissenschaften verlange, so der Gelehrte und Staatsmann, dass Akademien, Universitäten und relativ selbstständige Forschungseinrichtungen zusammengeführt werden. Humboldts Konzepte, wie die erst später berühmt gewordene Denkschrift „Über die innere und äußere Organisation der höheren wissenschaftlichen Anstalten in Berlin“, beeinflussten die Idee der modernen Universität.Gabriele Metzler: Was vom Humboldt-Jahr übrig blieb. In: Der Tagesspiegel. 14. Oktober 2017, S. B 5 (online; zuletzt abgerufen am 5. März 2026).

mini|hochkant|Wilhelm von Humboldt, Begründer des Humboldtschen Bildungsideals Die Universität verfügte damals über kein eigenes Gebäude, viele Wissenschaftler kamen von der aufgelösten Universität Halle oder standen erst am Anfang ihrer Karriere. Das moderne Bildungsideal habe seine Wirkkraft anfangs noch nicht voll entfalten können. „Sie war vor allem kein Bruch mit Traditionen anderer Universitäten“.Wilhelm von Humboldt: Schriften zur Bildung. Herausgegeben von Gerhard Lauer. Reclam, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-15-019456-0, S. 264–265 (online; zuletzt abgerufen am 5. März 2026).

Alles, was für die Ausbildung der Studenten geeignet war, wurde der Universität angegliedert oder konnte von den Studenten genutzt werden. So bekam sie das von 1748 bis 1766 in der Dorotheenstadt erbaute und seit dem Tod der Prinzessin Heinrich im Vorjahr (1808) ungenutzte Palais des Prinzen Heinrich übereignet. Mehrfach umgebaut und in den Jahren 1913 bis 1920 durch Anbauten erweitert, ist es das Hauptgebäude der Universität, seit 1937 amtlich zur Straße Unter den Linden gehörig. Der König bewilligte der neuen Hochschule außerdem einen jährlichen Zuschuss von 57 000 Talern. mini|hochkant|Johann Gottlieb Fichte, 1811/1812 Rektor der Universität Nachdem am 28. September 1810 Theodor Schmalz zum ersten Rektor berufen worden war und sich am 6. Oktober die ersten Studenten immatrikuliert hatten, (hu-berlin.de). konnte am 10. Oktober 1810 der offizielle Lehrbetrieb aufgenommen werden.Vgl. von Christoph Markschies, dem damaligen Präsidenten der Humboldt-Universität, zur Auftaktveranstaltung des Humboldt-Jubiläumsjahres am 12. Oktober 2009, abgerufen am 6. März 2012. In das Wintersemester 1810/11 trat die Alma Mater Berolinensis mit einem Lehrkörper von 54 Dozenten, fünf Sprachlehrern und 458 Immatrikulierten. Die Fächer wurden in die Fakultäten Jura, Medizin, Philosophie und Theologie gegliedert. Die Naturwissenschaften waren damals Teil der Philosophischen Fakultät, so dass die Doktoranden zum Dr. phil. (nicht zum Dr. rer. nat.) promoviert wurden. Dass die Universität ihre Wirksamkeit so schnell entfalten konnte, lag auch daran, dass das wissenschaftliche Leben in Berlin nicht erst aus dem Boden gestampft werden musste. So bestand bereits die 1661 vom Großen Kurfürsten gestiftete und zu großer Bedeutung gelangte Königliche Bibliothek und die 1710 von Friedrich I. begründete und 1785 erweiterte Charité. Die Königliche Akademie der Wissenschaften zu Berlin hatte, obwohl keine Universität, bereits die unbestrittene Führerschaft des geistigen Lebens im preußischen Staate inne.

Die Befreiungskriege von 1813 bis 1815 wirkten sich auch auf die Universität aus. Humboldt hatte sie bei ihrer Gründung bereits zu einer „Burg und Bollwerk und einem Waffenplatz zum Widerstand gegen Napoleon“ bestimmt. Noch unter französischer Besatzung Berlins lagen 1813 bereits Freiwilligenlisten im Senatszimmer aus und Lehrer wie Studenten strömten zu den Waffen, insbesondere zum Lützower Freikorps. Die zurückgebliebenen Professoren ließen sich daheim im Landsturm ausbilden. So wurden im Jahr 1813 nur 15 Vorlesungen vor 28 Studenten gehalten. Ähnliches wiederholte sich 1815 während der Siebten Koalition. 1818 entstand der Burschenverein, später Berliner Burschenschaft genannt. Seit 1821 waren an der Berliner Hochschule sämtliche studentischen Korporationen verboten.

Erweiterungen in den 1820er Jahren Neben der starken Verankerung traditioneller Fächer wie Altertumswissenschaft, Rechtswissenschaft, Philologie und Geschichte, Medizin und Theologie, entwickelte sich die Berliner Universität zum Wegbereiter für zahlreiche neue naturwissenschaftliche Disziplinen. Das verdankte sie besonders der Förderung des Naturwissenschaftlers Alexander von Humboldt, Bruder des Gründers Wilhelm. So richtete Georg Ludwig Hartig 1821 an der Universität einen Lehrstuhl für Forstwirtschaft ein, aus dem später die Forstliche Hochschule Eberswalde wurde. Mit dem Bau modernster Forschungs- und Lehreinrichtungen für die Naturwissenschaften wurde um 1850 begonnen. Berühmte Forscher, wie der Chemiker August Wilhelm von Hofmann, der Physiker Hermann von Helmholtz, die Mathematiker Ernst Eduard Kummer, Leopold Kronecker, Karl Weierstraß, die Mediziner Johannes Peter Müller, Albrecht von Graefe, Rudolf Virchow und Robert Koch, trugen den wissenschaftlichen Ruhm der Berliner Universität über die nationalen Grenzen.

Im Zuge der Erweiterung der Universität wurden andere in der Stadt bereits vorhandene Einrichtungen schrittweise eingegliedert. Beispiele hierfür sind die Charité, die Pépinière und das Collegium medico-chirurgicum. Das Collegium medico-chirurgicum wurde 1809 aufgelöst, die Bücherei von der Pépinière übernommen, und das medizinische und chirurgische Universitätsklinikum entstand 1810 zuerst in zwei Wohnungen der Friedrichstraße 101, bis nach mehreren Umzügen 1818 ein als Bleizucker- und Stärkefabrik gebauter Gebäudekomplex in der Ziegelstraße 5/6 erworben wurde. Die Entbindungsanstalt entstand 1816 in der Oranienburger Straße und war der Vorläufer der 1882 eröffneten I. Universitäts-Frauenklinik in der Artilleriestraße (seit 1951 Tucholskystraße). 1829 bezog die Medizinische Fakultät der Universität diesen Standort, und erst 1927 wurde die chirurgische Universitätsklinik als letzte Klinik in die Charité verlagert.

Weitere Entwicklung im 19. Jahrhundert mini|hochkant|Wilhelm Grimm und Jacob Grimm, 1847 Gleichwohl prosperierte die Berliner Universität, war 1830 mit einem Lehrkörper von 121 Dozenten und 1100 Hörern zur meistbesuchten Universität Deutschlands geworden und hatte die viel älteren großen Universitäten München, Leipzig und Wien überflügelt. Die Regierung Friedrich Wilhelms IV. brachte eine weitere Förderung der Lehrmittel und ‑anstalten. Nachdem Friedrich Eichhorn 1840 das Unterrichtsministerium übernommen hatte, nahm der Druck der Verfolgung nationalliberaler Wissenschaftler in den folgenden Jahren ab und es erfolgte die Berufung der Brüder Grimm, der Juristen Puchta, Gneist und Beseler, der Mediziner Langenbeck, Virchow, Graefe, du Boys-Reymond, sowie der Historiker Ranke, Treitschke und Mommsen.Siehe Einzelnachweis 11.

1838 war das Corps Marchia Berlin rekonstituiert worden, im selben Jahr erfolgte die Gründung der Neoborussia, 1842 die der Normannia und 1845 die der Guestphalia. Gleichwohl kam in Berlin stärker als anderen deutschen Hochschulen die Freistudentenschaft, die sich eine „zeitgemäße“ Reform des studentischen Lebens und eine Abschaffung der korporativen Formen wünschte, zu besonderer Blüte.

Das Revolutionsjahr 1848 rief eine gewaltige Erregung in der Studentenschaft hervor. Ein 400 bis 700 Mann starkes Studentencorps bildete sich unter der Führung Professor Heckers und war Teil der bewaffneten Berliner Bürgerwehr. Schon im Wintersemester 1848/49 verschwanden die bewaffneten Studenten und die früheren Zustände kehrten zurück.

Vom 13. bis 17. Oktober 1860 beging die Universität feierlich den 50. Jahrestag ihres Bestehens. Zahlreiche Ansprachen wurden gehalten und Festgedichte verlesen. Außerdem erhielt die Universität Grußadressen und Glückwünsche aller deutschsprachigen Universitäten, zahlreicher Gymnasien, Bildungseinrichtungen und Städte.

Die Zahl der Studenten war im Wintersemester 1870/71 auf 2155, die der Dozenten auf 168 gestiegen. Zur Zeit der Jahrhundertwende war eine Dozentenzahl von 350 und eine Studentenzahl von knapp 4500 erreicht, wozu sich noch etwa 300 Angehörige der Kaiser Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen gesellten.

mini|Blick über den Opernplatz auf das Universitätsgebäude, um 1900

Karl Eduard Erdmann berichtet über die Privatdozenten und Professoren an der Friedrich-Wilhelms-Universität vor 1870:

Lehrer Theologie Recht Philosophie Medizin Gesamt Ordentliche Professoren 9 11 14 51 85 Honorarprofessoren 1 3 4 4 12 Außerordentliche Professoren 7 3 30 40 80 Privatdozenten 1 10 70 86 167 Gesamt 18 27 118 181 344