mini|hochkant=1.6|Gebäude der Lichtburg Die Lichtburg ist ein historisches Kino im Stadtkern von Essen. Mit heute 1250 Plätzen besitzt sie den größten Kinosaal Deutschlands. Das im Ursprung aus dem Jahre 1928 stammende Gebäude steht seit 1998 unter Denkmalschutz. Im Untergeschoss befindet sich seit dem letzten Umbau 2003 ein zweiter, kleiner Kinosaal mit 150 Plätzen, der nach dem indischen Filmschauspieler Sabu benannt ist.
Geschichte Vorgeschichte mini|hochkant|Zeitungsanzeige der Schauburg 1913 Bereits 1896 wurden erste bewegte Bilder in Wanderkinos mit teils zweifelhaftem Ruf in Essener Zeitungen angekündigt. 1909 eröffnete der Inhaber im Alfredushaus an der Frohnhauser Straße das Germania-Theater mit 488 Sitzplätzen.Stadt Essen: 15869, Hausakten Frohnhauser Straße 19–21, Band 1 (1867–1928), Antrag auf Genehmigung zum Einbau eines Kinematographen, S. 216 Es schloss im Frühjahr 1932 und wurde am 27. August des Jahres als City von der City-Theater GmbH wiedereröffnet.Essener Volkszeitung vom 27. August 1932 Am 5. September 1913 eröffnete die Projektions-AG Union (PAGU) mit 2000 Klappstuhl-Plätzen die Schauburg am Viehofer Tor, den damals größten Kinobau Deutschlands. Die Schauburg bezeichnete sich selbst als Koloss der Lichtspiele. Bis 1914 gab es in Essen zwanzig Kinos. 1924 beschloss die Stadt Essen einen Generalsiedlungsplan, mit dessen Hilfe auch der zentrale Burgplatz umgestaltet werden sollte. Dazu wurde ein neues, den Platz dominierendes Lichtspielhaus im Stil der Neuen Sachlichkeit geplant. Es sollte anstelle des alten Kreishauses entstehen.
Errichtung und Eröffnung Die Burgplatz-Bau AG – sie bestand aus Stadtverwaltung und privaten Investoren – steckte sich Großstadt-Architektur aus einem Guss als Ziel. Zu diesem Vorhaben entwarf der Essener Stadtbaurat Ernst Bode das Lichtspielhaus als Gebäude und das Essener Architekturbüro Heydkamp und Bucerius (Richard Heydkamp und Curt Bucerius) nach ursprünglichen Entwürfen des Architekten Lothar Kaminski den InnenausbauDie Lichtburg eröffnet. In: Essener Volkszeitung vom 19. Oktober 1928; Visionen in SteinZur Neugestaltung des Burgplatzes. In: Essener Volkszeitung vom 12. Juli 1924 mit einer Kuppel von 20 Metern Durchmesser, der damals größten in einem deutschen Theaterraum.
Das neue Kino wurde als Lichtburg am 18. Oktober 1928 eröffnet und besaß rund 2000 Polsterklappsitze mit elektrischer Platzmeldeanlage. Setzte sich ein Kinobesucher, so meldete ein geschlossener elektrischer Kontakt der Kassiererin im Eingangsbereich, dass der Platz besetzt ist. Zur Eröffnung wurde erstmals die 150.000 Reichsmark teure Wurlitzer-Kinoorgel, die größte, die bis dahin in einem europäischen Kino installiert war, gespielt. Sie konnte schon Verkehrslärm und Donner imitieren. Die Orgel kam mit der Albert Ballin in Cuxhaven an und wurde dort auf die Eisenbahn verladen, so dass sie am 6. Oktober 1928 in Essen eintraf. Zudem verpflichtete damit erstmals ein deutsches Theater zwei amerikanische Organisten, die dieses Instrument spielten.Die große Wurlitzer Orgel in Essen eingetroffen; In: Essener Volkszeitung vom 7. Oktober 1928 Zur Eröffnung spielte auch der deutsche Organist und Komponist Paul Mania die Orgel.Anzeige zur Eröffnung der Lichtburg in der Essener Volkszeitung vom 18. Oktober 1928 Das 30-köpfige Lichtburg-Orchester unter der Leitung des italienischen Dirigenten Franco Fedeli, dessen Musiker teils der Kölner Philharmonie entliehen waren, spielte unter dem Dirigat des Hauskapellmeisters und -organisten Josef Schafgans Orpheus in der Unterwelt. Später begleitete es Stummfilme. Nun öffnete sich der Vorhang für den Trickfilm Dorf und Stadt des russischen Puppentrickfilmers Władysław Starewicz.Anzeige in der Essener Volkszeitung vom 18. Oktober 1928 Nach dem Auftritt der Ballettgruppe aus dem Pariser Varieté Folies Bergère kam der Hauptfilm Marquis d’Eon, der Spion der Pompadour auf die Leinwand.Spiegel online: Historische Filmtheater, Die Kinosaurier - 14. Oktober 2008, zuletzt gesichtet am 26. Januar 2015 Die Eintrittspreise der Eröffnungsvorstellung entsprachen denen der normalen Filmvorstellungen, sie lagen zwischen einer Reichsmark im Vorparkett und 2,50 Mark in der Loge. Es wurde um Abendgarderobe gebeten.
Etwa ein Jahr nach Eröffnung kam der Tonfilm in die Lichtburg. Dazu äußerte sich die Leitung der Lichtburg zunächst in einer Anzeige in der Essener Volkszeitung vom 15. August 1929. Die Vorführung von Filmen, deren Begleitmusik und Geräuscheffekte unter Wegfall der Orchesterbegleitung auf Grammophonplatten erzeugt werden, werde ausgeschlossen, sondern weiterhin die musikalische Begleitung mit Orchester und Wurlitzer-Orgel bevorzugt. Für Sprech- und Gesangsfilme, soweit sie auf dem internationalen Markt bereits vorhanden waren, wurde darauf vorbereitend eine Tonfilm-Apparatur installiert. Persönliche Gastspiele verschiedener Künstler solle es weiter geben.
Zu dieser Zeit kündigte sich die erste Krise für die Lichtburg an, da die Bürger in den Zeiten der Wirtschaftskrise 1929 kaum mehr Geld für das Kino ausgaben.
Enteignung mini|Die Lichtburg an der heutigen Kettwiger Straße, zur Zeit des Nationalsozialismus Adolf-Hitler-Straße genannt; davor das 1924 hierhin versetzte Essener Kaiser-Wilhelm-Denkmal (Aufnahme: 1934) mini|Gedenktafel an der Lichtburg In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Lichtburg zu Propagandazwecken genutzt. So führte man auch hier Die Deutsche Wochenschau vor. Sie zeigte oft Filmmaterial aus Essen – beispielsweise immer, wenn Adolf Hitler die Krupp-Werke besuchte. Denn Essen war für die Nationalsozialisten ein wichtiger Industrie- und Rüstungsstandort.
1933/1934 wurde der jüdische Betreiber, der Berliner Verleger, Unternehmer und Mitbegründer der deutschen Filmpublizistik Karl Wolffsohn durch massiven Druck seitens des Essener NSDAP-Gauleiters Josef Terboven zum Verkauf des Kinos weit unter Wert an die Universum Film AG gezwungen. So stellt die Lichtburg ein frühes Beispiel für die Arisierung jüdischen Besitzes in Deutschland dar. Wolffsohn erhielt nur ein Zehntel des tatsächlichen Wertes. Er flüchtete 1939 mit seiner Familie nach Palästina. 1940 zeigte man den antisemitischen Propagandafilm Jud Süß auch in der Lichtburg. Wolffsohn kehrte 1949 zurück und kämpfte um eine Entschädigung, doch das Ende des Gerichtsprozesses erlebte er nicht mehr. Seit 2006 erinnert eine Gedenktafel an der Lichtburg an Karl Wolffsohn. Sie wurde im Beisein des Enkels, des Historikers Michael Wolffsohn, enthüllt. Er steht der Berliner Lichtburg-Stiftung vor, die sich dort unter anderem mit einem deutsch-türkisch-jüdischen Kulturzentrum engagiert.
Zerstörung und Wiederaufbau Im Zweiten Weltkrieg wurde die Lichtburg während der alliierten Bombenangriffe auf Essen am 5. März 1943 fast zerstört. Essen war wegen seiner Rüstungsindustrie ein Hauptangriffsziel der Alliierten. Der Vorführungssaal brannte völlig aus, jedoch blieb die Fassade erhalten.Norbert Post, Hartmut Welters: Lichtburg – Burgplatz. Das Projekt 2000–2004. Grundstücksverwaltung Stadt Essen GmbH. Dortmund 2004, S. 34.
Knapp zwei Jahre nach Kriegsende suchte die Stadt per Zeitungsannonce neue Betreiber. Heinrich Jaeck und Erich Menz, die bereits vor dem Krieg mehrere Essener Filmtheater unterhalten hatten, erhielten den Auftrag, die Lichtburg erstklassig als Spitzentheater zu führen. Der Kinosaal wurde in den Jahren 1948 bis 1950 in der Formensprache der frühen 1950er Jahre wiedererrichtet. Beim Wiederaufbau war der Architekt Carlos Dudek insbesondere an der Filmbar beteiligt.LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, 2014; abgerufen am 17. August 2018 Am 23. März 1950 fand die Wiedereröffnung mit einer Rede des damaligen Oberbürgermeisters Hans Toussaint statt. Dabei erschien Willi Forst persönlich zu seinem Film Wiener Mädeln im nun rund 1700 Plätze bietenden Filmtheater.
Premierenkino in den 1950er und 1960er Jahren Während der 1950er und 1960er Jahre galt die Lichtburg als das wichtigste Premierenkino Deutschlands. Es profitierte von guten Kontakten des Betreibers Erich Menz zu Filmproduzenten und -verleihern. Romy Schneider kam 1955 zur Filmpremiere zu Die Deutschmeister. Da Deutschland nach der gewonnenen Fußball-Weltmeisterschaft 1954 wieder aufatmete, waren auch viele der erfolgreichen Fußballer dabei zu Gast, darunter auch der Essener Helmut Rahn. 1957 kam Romy Schneider zur Uraufführung der Liebeskomödie Monpti erneut in die Lichtburg. Von 1960 bis 1993 führten die Betreiber vier Gästebücher, in die sich zu Premieren beispielsweise Zarah Leander, Jean Marais, Heinz Rühmann, Sonja Ziemann, Curd Jürgens, Hans Albers, Heinz Erhardt, Maria Schell, Hans Moser, Dieter Borsche, Ruth Leuwerik, Pierre Brice, Lex Barker, Buster Keaton und Gary Cooper eintrugen. Wurde die Lichtburg als Veranstaltungssaal genutzt, traten Künstler wie Louis Armstrong mit Velma Middleton (1952), Count Basie oder Juliette Gréco auf.
1963 übernahm Ilse Menz die Leitung der Lichtburg und prägte dann rund fünfzig Jahre lang die Essener Film- und Kinogeschichte. So wurde in der Nähe der Lichtburg der Ilse-Menz-Weg im Jahr 2004 nach ihr benannt.
Das Aufkommen des Fernsehens in den 1960er Jahren war auch für die deutsche Kinolandschaft mit wirtschaftlichen Einbußen verbunden und löste ein Kinosterben aus.
Auch wieder in den 1970er Jahren wurden die Premieren seltener und es änderten sich die Gäste. Statt der Hollywood-Größen kamen mehr europäische Schauspieler, beispielsweise Bud Spencer und Terence Hill. Der Grund lag an der schlechten wirtschaftlichen Lage des Ruhrgebiets, in dem die Arbeitslosigkeit insbesondere wegen Zechenschließungen stark anstieg.
So schlossen in Essen innerhalb von 15 Jahren zwei Drittel aller Kinos. Die Lichtburg konnte sich jedoch aufgrund ihrer Größe, ihrer Bühne für Show und Theater und ihrer zentralen Lage bis in die 1980er Jahre halten.
Multiplex-Konkurrenz und Erneuerung mini|hochkant|Eingangsbereich 1991 wurde, ebenfalls in der Stadtmitte, das Multiplex-Kino Cinemaxx Essen eröffnet. Unmittelbar nach seinem Start brachen die Besucherzahlen aller herkömmlichen, als technisch veraltet geltenden Essener Kinos massiv ein. Bis auf die Lichtburg mussten alle Lichtspielhäuser nach kurzer Zeit schließen, darunter auch das Europa-Kino an der Viehofer Straße und der Grand-Palast an der Rottstraße mit jeweils mehreren Vorführungssälen. Allein die Essener Programmkinos blieben durch ihr anderes Zielpublikum weitgehend unbeeinflusst.
Ab Mitte der 1990er Jahre war auch die Lichtburg wiederholt von Schließung bedroht. Der Gebäudekomplex, in dem sich die Lichtburg befindet, war zudem renovierungsbedürftig. 1994 planten Teile der Essener Politik und Verwaltung einen Umbau des mitten im Zentrum, an der Fußgängerzone liegenden Gebäudes zu einer Einkaufspassage sowie den Verkauf der städtischen Immobilie zur Haushaltssanierung. Später wurde auch eine Showbühne geplant.