Sichuan, nach Lessing Othmer Sitschuan () ist eine Provinz der Volksrepublik China im Südwesten des Landes mit Chengdu (oder Tschengdu), als Hauptstadt. Sichuan ist in China poetisch auch als „Land des Überflusses“ () bekannt.

Schreibvarianten Es gab und gibt verschiedene Varianten der Transkription des Provinznamens. So wird er beispielsweise in Brechts Theaterstück Sezuan geschrieben, Post Szechwan, Stange Ssetschuan oder Yale Szchwan. Der Duden verzeichnet als ältere Varianten Szetschuan und Szechuan.

Geographie Sichuan liegt östlich des tibetischen Hochplateaus am Oberlauf des Jangtsekiang.

Den Kern der Provinz bildet das Rote Becken, eine fruchtbare, von Gebirgen umgebene Ebene. Die Ebene hat ein Nord-Süd-Gefälle von 700 m über dem Meeresspiegel auf 300 m über dem Meeresspiegel. Der Westen wird von Hochgebirgsketten wie dem Daxue Shan beherrscht, das mit dem Gongga Shan (7556 m) – tibetisch Minya Konka, – die höchste Erhebung der Provinz hat. Nach Norden wird das Becken vom Qinling-Gebirge abgeschlossen, das bis in die 4000er geht. Richtung Süden und Südosten liegt das Dalou-Gebirge mit Gipfeln um die 2000 m.

mini|links|Gongga Shan, 2006

Weitere bedeutende Berge sind Erlang Shan (3437 m) – , Emei Shan (3099 m) – und Siguniang Shan (6254 m) – .

Der Jangtsekiang ist der größte und wasserreichste Fluss, der Sichuan durchquert. Sein Verlauf bildet den Großteil der West- und Südgrenze der Provinz, wobei er noch bis Yibin den Namen Jinsha Jiang trägt. In Sichuan nimmt er vier Zuflüsse auf, die der Provinz ihren Namen gaben. Diese vier Flüsse sind der Min Jiang, Tuo Jiang, Jialing Jiang und Wu Jiang. Vorher hat er bereits bei Panzhihua den Yalong Jiang – – aufgenommen.

Die Provinz liegt am Rand der Überschiebungszone der indischen Platte gegen die eurasische Platte. Durch diese Plattenverschiebung ist die Provinz Sichuan erdbebengefährdet (siehe Erdbeben in Sichuan 2008, Erdbeben-Stelenwald von Xichang).

Benachbarte Verwaltungseinheiten auf Provinzebene sind Tibet, Qinghai, Gansu, Shaanxi, Chongqing, Guizhou und Yunnan.

Klima Das Sichuan-Becken, auch als „Rotes Becken“ bekannt, hat trotz der kontinentalen Lage ein subtropisches Klima. Die geschützte Lage im Tal beschert der Ebene 350 frostfreie Tage im Jahr und damit die Möglichkeit, ganzjährig Landwirtschaft zu betreiben. Eine wichtige Grenze wird dabei durch das Qinling-Gebirge nach Norden hin markiert. Im Januar beträgt nördlich davon die Durchschnittstemperatur 0 °C, im südlich davon gelegenen Sichuan 8 °C. Die sommerlichen Durchschnittstemperaturen liegen bei 30 °C. Die Niederschlagsmenge liegt bei 1000 mm und wegen starker Wolken- und Nebelbildung kommt Sichuan nur auf 25–30 Sonnentage pro Jahr.

Das Klima in den gebirgigen Regionen, die das Rote Becken umschließen und nach Westen zum tibetischen Hochplateau ansteigen, ist dagegen deutlich kälter und trockener.

Flora und Fauna mini|Pandas in Wolong, 2003 Die vielfältige Geomorphologie und das unterschiedliche Klima haben für eine reichhaltige Pflanzenwelt günstige Bedingungen geschaffen. Die Provinz verfügt über 7,46 Millionen ha Wald.

Ein Fünftel der sogenannten „lebenden Fossilien“ Chinas wie der Urweltmammutbaum und der Taubenbaum sind in Sichuan endemisch. Der Panda, eines der nationalen Symbole Chinas, ist in vier Gebirgen Sichuans heimisch und wird in Schutzzonen besonders gehegt. Das bedeutendste Naturschutzgebiet ist das Wolong-Reservat.

Administrative Gliederung Geschichte der Verwaltungsgliederung Der westliche Teil Sichuans mit über einem Drittel der Fläche der Provinz gehörte bis 1955 zur Provinz Xikang, die theoretisch weitgehend der tibetischen Kulturregion Kham entsprach. West-Kham bzw. Qamdo war aber bereits während des Kaiserreichs unter chinesische Verwaltung gekommen. Die Provinz Xikang wurde 1955 aufgelöst, West-Kham ging an Tibet, Ost-Kham an Sichuan, womit die historischen Verhältnisse wiederhergestellt waren.

Die Stadt Chongqing mit dem dazugehörigen Verwaltungsbezirk wurde am 14. März 1997 als regierungsunmittelbare Stadt aus der Provinz Sichuan ausgegliedert.

Heutige Verwaltungsgliederung Sichuan setzt sich auf Bezirksebene aus einer provinzunmittelbaren Stadt, 17 bezirksfreien Städten und drei autonomen Bezirken zusammen (Stand: Volkszählung 2020). Auf Kreisebene war Sichuan im Jahr 2021 in 183 Einheiten gegliedert, nämlich 105 Kreise, 55 Stadtbezirke, 19 Städte auf Kreisebene und 4 autonome Kreise. Auf Gemeindeebene existierten im Jahr 2020 3.230 Verwaltungseinheiten, darunter 1978 Großgemeinden (镇), 710 Gemeinden (乡), 459 Straßenviertel (街道) und 83 Nationalitätengemeinden (民族乡). +Verwaltungsgliederung der Provinz SichuanRegionChin.Hanyu PinyinVerwaltungs-sitzFläche(km²)Einwohner(2020)SichuanSìchuān ShěngChengdu486.07883.674.866— Provinzunmittelbare Städte — ChengduChéngdū ShìWuhou14.33220.937.757— Bezirksfreie Städte —ZigongZìgòng ShìZiliujing 4.3812.489.256PanzhihuaPānzhīhuā ShìDong7.4011.212.203LuzhouLúzhōu ShìJiangyang12.2364.254.149DeyangDéyáng ShìJingyang5.9103.456.161MianyangMiányáng ShìFucheng20.2484.868.243GuangyuanGuǎngyuán ShìLizhou16.3112.305.657SuiningSuìníng ShìChuanshan5.3232.814.196NeijiangNèijiāng ShìShizhong5.3853.140.678LeshanLèshān ShìShizhong12.7233.160.168NanchongNánchōng ShìShunqing12.4775.607.565MeishanMéishān ShìDongpo7.1392.955.219YibinYíbīn ShìXuzhou13.2744.588.804Guang’anGuǎng'ān ShìGuang’an6.3413.254.883DazhouDázhōu ShìTongchuan16.5825.385.422Ya’anYǎ'ān ShìYucheng15.0461.434.603BazhongBāzhōng ShìBazhou12.3102.712.894ZiyangZīyáng ShìYanjiang 5.7472.308.631— Autonome Bezirke —NgawaĀbà Zàngzú Qiāngzú ZìzhìzhōuBarkam83.016822.587GarzêGānzī Zàngzú ZìzhìzhōuKangding149.5991.107.431LiangshanLiángshān Yízú ZìzhìzhōuXichang60.2944.858.359

Größte Städte Die Einwohnerzahlen sind auf dem Stand der Volkszählung 2020 und beziehen sich auf die eigentliche städtische Siedlung.

RangStadtEinwohnerRangStadtEinwohner1Chengdu13.568.3576Yibin1.100.7372Mianyang1.549.4997Zigong868.5653Nanchong1.254.4558Suining829.3564Dazhou1.135.8179Leshan802.8175Luzhou1.128.47910Meishan732.757

Geschichte Seit der Shang-Dynastie existierten in Sichuan Siedlungen, aus denen sich im 9. Jahrhundert v. Chr. die Königreiche Shu und Ba entwickelten, bis sie 316 v. Chr. vom aufstrebenden Reich der Qin annektiert wurden. Ein archäologischer Fundort für das Reich Shu liegt im Dorf Sanxingdui.

Im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde mit der Errichtung des Bewässerungssystems von Dujiangyan eine wichtige Grundlage für den agrarischen Reichtum der Provinz gelegt.

Brach die Herrschaft einer chinesischen Dynastie zusammen, gehörten die Bewohner Sichuans stets zu den ersten, die die Wirren nutzten, um ein eigenes Königreich zu gründen. Dies war im Jahr 24 der Fall, als sich Gongsun Shu während des Aufstandes der Roten Augenbrauen zum König von Shu ausrufen ließ. Seine Herrschaft bestand bis 36, als sie von Han Guangwu di zerschlagen wurde.

Als der Aufstand der Gelben Turbane das Ende der Han-Dynastie einläutete, errichtete Zhang Lu von 186 bis 216 in Sichuan und Süd-Shaanxi eine daoistische Theokratie, die auf den Lehren seines Großvaters Zhang Daoling beruhte.

Im Zerfall des Reichs der Han gründete Liu Bei 221 Shu-Han, eines der Drei Reiche, die für die folgende Periode namensgebend waren.

In den frühen 1930er Jahren waren bereits die nördlichen Teile Sichuans kommunistisch kontrolliert. 1935 führte die Route des Langen Marsches durch Sichuan; dabei war die Erstürmung der Brücke von Luding eine der gewagtesten Aktionen.

1936 erlebte Sichuan eine extreme Dürre mit folgender Hungersnot.

Nach der Eroberung von Wuhan durch die Japaner verlegten die Nationalisten unter Chiang Kai-shek 1938 ihr Hauptquartier nach Chongqing.

1949 wurde nach Ausrufung der VR China das Südwest-Büro unter der Führung des gebürtigen Sichuanesen Deng Xiaoping eingerichtet, um die Herrschaft der KPCh in dieser Region zu festigen. Im Dezember 1949 eroberten die Kommunisten mit Chongqing den letzten Festlandsstützpunkt der KMT.

1955 wurde die Provinz Xikang aufgelöst und deren östliche Hälfte Sichuan zugeschlagen.

1975 wurde Zhao Ziyang Parteisekretär in Sichuan und leitete erste marktwirtschaftliche Reformen in der Landwirtschaft ein.

1997 wurde das im Osten gelegene Gebiet um die Stadt Chongqing von Sichuan abgetrennt und als regierungsunmittelbare Stadt direkt der chinesischen Zentralregierung unterstellt.

Bevölkerung Neben einer Mehrheit von Han (95 %) leben in Sichuan Angehörige der Minderheiten der Yi (2,6 %), Tibeter (1,5 %), Qiang (0,4 %) und Miao. Der größte Teil der Bevölkerung lebt in der Ebene und ist von den Han dominiert, während die gebirgigen Gebiete dünn besiedelt sind und stark von den Minderheiten geprägt werden.

2013 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 74,8 Jahren.

Sichuan ist eine bedeutende Ausgangsregion für innere Migration, d. h. viele Wanderarbeiter stammen aus dieser Provinz.

Bevölkerungsentwicklung

Bevölkerungsentwicklung der Provinz seit dem Jahre 1954. 1997 wurde Chongqing von der Provinz abgespalten. JahrEinwohnerzahlZensus 195462.303.999Zensus 196467.956.490Zensus 198299.713.310Zensus 1990107.218.173Zensus 200082.348.296Zensus 201080.417.528Zensus 202083.674.866

Sprachen Die Mehrzahl der in Sichuan gesprochenen Dialekte der chinesischen Sprache, einschließlich des Dialekts der Hauptstadt Chengdu, gehören zur südwestlichen, auch als Huguang () oder Xinan () bezeichneten Gruppe der chinesischen Sprachen und weisen eine starke Ähnlichkeit zu den Dialekten der benachbarten Provinzen Yunnan und Guizhou sowie der Stadt Chongqing auf.

Die Verschmelzung der Retroflexen und der Alveolaren , die Verschmelzung von und sowie von bzw. und bzw. sind Besonderheiten, die verschiedenen Dialekten der südwestlichen Sprachgruppe gemeinsam sind.

Die Autonomen Bezirke Garzê und Ngawa im Westen und Norden Sichuans werden überwiegend von Tibetern bewohnt, welche die tibetischen Dialekte Kham und Amdo sprechen. Die Qiang und mit ihnen verwandte ethnische Gruppen sprechen mehrere eigene tibeto-birmanische Sprachen. Die im Autonomen Bezirk Liangshan im Süden Sichuans ansässigen Yi verwenden ebenfalls eine eigene tibeto-birmanische Sprache, welche offiziell mit einer Silbenschrift aus 1164 Zeichen geschrieben wird.

Wirtschaft

Die Provinz Sichuan ist insgesamt noch vorwiegend agrarisch geprägt. Die Regierung bemüht sich allerdings um eine aktive Wirtschaftspolitik und hat in Chengdu und Mianyang Sonderwirtschaftszonen eingerichtet.

Unter den Inlandsprovinzen zählt Sichuan zu den wohlhabenden, kann sich jedoch nicht mit Küstenregionen wie Guangdong oder Shanghai messen.

1999 lag die offizielle Arbeitslosenquote bei 3,7 %.

Im Jahr 2015 war die Wirtschaft Sichuans mit einem BIP in Höhe von 3,01 Billionen Yuan (483 Milliarden US-Dollar) die sechstgrößte Chinas. Das BIP pro Kopf betrug 39.695 Yuan (5.967 US-Dollar/KKP: 11.430 US-Dollar) pro Jahr (Rang 24 unter den chinesischen Provinzen). Das Wohlstandsniveau in der Provinz betrug 74 % des chinesischen Durchschnitts.

Landwirtschaft Sichuan gilt vorwiegend als Reisanbaugebiet, ist aber auch bedeutender Produzent von Mais, Süßkartoffeln, Weizen, Raps und Soja. Der Anbau von Obst und Zitrusfrüchten ist ebenfalls verbreitet. An tierischen Produkten sind vor allem Schweinefleisch und Seidenkokons bedeutend. Des Weiteren wird in Sichuan Tee von internationalem Rang produziert. Dieser Tee ist ausschließlich für den Export bestimmt. In den Gebirgslagen der Provinz wird außerdem der großrahmige Jiulong-Yak gezüchtet. Eine Zuchtstation, die das Leistungsniveau dieser Yak-Rasse weiter verbessern soll, besteht seit 1980 in Jiulong.

Der Wert der landwirtschaftlichen Produktion stieg von 1994 bis 1999 jährlich um durchschnittlich 5,6 % auf 144,5 Milliarden RMB.

Bergbau In Sichuan werden Eisen (bei Panzhihua), Titan, Vanadium und Cobalt abgebaut.

Industrie