mini|hochkant=1.4|Staatsbibliothek Unter den Linden in Mitte mini|hochkant=1.4|Staatsbibliothek Potsdamer Straße in Tiergarten
Die Staatsbibliothek zu Berlin (kurz: SBB oder Stabi) ist eine Einrichtung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Gegründet 1661 vom brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm, sammelt sie Literatur aus allen Wissenschaftsgebieten, Sprachen und Ländern. Mit einem Bestand von mehr als 32 Millionen Werken gehört sie zu den größten Bibliotheken Deutschlands und den bedeutendsten der Welt. Ihre historischen Sammlungen sind die einer Universalbibliothek. An zwei großen Standorten – im Haus Unter den Linden 8 und im Haus Potsdamer Straße 33 – findet ein reger Leih- und Benutzungsbetrieb statt. Ein Speichermagazin in Friedrichshagen ergänzt die Bibliothek, dort ohne Leih- und Benutzungsbetrieb.
Bezeichnungen Die heutige Staatsbibliothek zu Berlin trug im Laufe der Geschichte verschiedene Bezeichnungen:staatsbibliothek-berlin.de
ab 1661 im Kurfürstentum Brandenburg: Churfürstliche Bibliothek zu Cölln an der Spree ab 1701 im Königreich Preußen: Königliche Bibliothek ab 1918 im Freistaat Preußen: Preußische Staatsbibliothek ab 1946 in Berlin (Ost): Öffentliche Wissenschaftliche Bibliothek ab 1954 in Berlin (Ost): Deutsche Staatsbibliothek ab 1962 in Berlin (West): Staatsbibliothek der Stiftung Preußischer Kulturbesitz seit 1992: Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Geschichte mini|hochkant|Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, Gründer der Bibliothek mini|hochkant|Kuppellesesaal Unter den Linden, 1914
Im Jahr 1659 befahl Friedrich Wilhelm von Brandenburg, seine Sammlungen in einer Churfürstlichen Bibliothek zu Cölln an der Spree zu ordnen. Im Jahr 1661 (das deshalb als Gründungsjahr gilt) war diese erste bibliothekarische Ordnung hergestellt. 1668 fertigte der Bibliothekar Johann Raue den ersten Katalog an.Ursula Winter (Hrsg. und Bearb.): Die Handschriften der Churfürstlichen Bibliothek zu Cölln an der Spree – Johann Raues Katalog von 1668. Ms. Cat. A 465 der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, mit Signaturennachweisen und Kommentar. In: Eef Overgaauw (Hrsg.): Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz: Kataloge der Handschriftenabteilung. Erste Reihe: Handschriften, Band 10. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2018, . 1701 wurde sie infolge der Königskrönung Friedrichs III. von Brandenburg zur Königlichen Bibliothek zu Berlin. Die Königliche Bibliothek erhielt in den Jahren 1901 bis 1914 einen Neubau an der Nordseite des Boulevards Unter den Linden, nachdem die bisherige Bibliothek schräg gegenüber („Kommode“ genannt) den Platzansprüchen nicht mehr genügte. Nach der Abschaffung der Monarchie in Preußen durch die Novemberrevolution 1918 trug die Bibliothek den Namen Preußische Staatsbibliothek. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Institution zwischen den beiden politischen Lagern in Ost- und Westdeutschland aufgespalten und erst im Jahr 1992 wieder zusammengeführt.
Ende 1932 hatte die Staatsbibliothek 320 Mitarbeiter.Fridolin Dressler: Die Bayerische Staatsbibliothek im Dritten Reich. In: Rupert Hacker (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte der Bayerischen Staatsbibliothek (= Bayerische Staatsbibliothek – Schriftenreihe. Band 1). K. G. Saur Verlag, München 2000, ISBN 3-598-24060-0, S. 290 (doi:10.1515/9783110957396.285). Ab 1933 wurden nachweislich 17 Wissenschaftliche Bibliothekare entlassen.Klaus G. Saur: Diskriminierung, Verfolgung und Exil unter den Bibliothekarinnen und Bibliothekaren der Preußischen Staatsbibliothek. In: Kolloquium aus Anlass des 80. Jahrestags der nationalsozialistischen Machtübernahme am 30. Januar 1933. staatsbibliothek-berlin.de, 30. Januar 2013. Dazu gehörten unter anderen Gerhard Alexander, Ernst Daniel Goldschmidt, Walter Gottschalk, Ernst Honigmann, Max Joseph Husung, Robert Lachmann und Arthur Spanier. Ab November 1941 wurden die damals auf rund drei Millionen Bände und bedeutende Sondersammlungen angewachsenen Bestände nahezu vollständig in andere Teile des Reichsgebiets ausgelagert, um sie vor Zerstörung durch Bombenangriffe zu schützen. So befanden sich die Sammlungen schließlich in 30 Bergwerken, Kirchen, Schlössern und Schulen, lediglich die Lesesaalbestände, einige nicht transportfähige Objekte und die in der Schausammlung liegenden Stücke verblieben in Berlin. Die in die Ostgebiete des Deutschen Reiches ausgelagerten Bestände befinden sich seit 1945 unter der Bezeichnung Berlinka in polnischem Besitz, sie werden in der Universitätsbibliothek Krakau aufbewahrt. Weitere Bestände, die nach 1945 von sowjetischen Truppen abtransportiert wurden, befinden sich seither in den heutigen GUS-Staaten. Infolge des Zweiten Weltkriegs büßte die Bibliothek rund 600.000 Bücher sowie Teile der Sondersammlungen ein. Sie wurden nachweislich vernichtet oder sind verschollen bzw. kehrten nicht nach Berlin zurück. Im Bombenkrieg vernichtet wurde auch der von Georg Hermann Valentin über Jahrzehnte angelegte, einzigartige Zettelkatalog mit dem Nachweis von 150.000 vor 1900 erschienenen mathematischen Werken.
Deutschland wurde 1945 mit Ende des Kriegs in Besatzungszonen der Alliierten aufgeteilt. Die bald im Kalten Krieg aufbrechenden Gegensätze der Besatzungsmächte verhinderten eine Zusammenführung der verstreuten Bestände und Nachweisinstrumente der Staatsbibliothek an ihrem Standort in Ost-Berlin. Der Betrieb Unter den Linden wurde unter der sowjetischen Aufsicht im Februar 1946 provisorisch wiederaufgenommen. Die Institution erhielt hier den Namen Öffentliche Wissenschaftliche Bibliothek, den sie bis 1954 führte.Helke Rausch: Kulturspeicher der Bundesrepublik. Eine Geschichte der Deutschen Bibliothek 1945 bis 1990. Wallstein Verlag, Göttingen 2023, ISBN 978-3-8353-5487-6, S. 211. Die unter der Verwaltung der Westalliierten stehenden Bestände fanden zunächst eine neue „Heimat“: Die westlichen Alliierten entschlossen sich, die Bestände nicht nach Berlin zurückzubringen. Die in Westdeutschland befindlichen Bestände der Staatsbibliothek wurden 1946 als „Staatsbibliothek im Exil“ zunächst im geräumten Gebäude der Universitätsbibliothek Marburg zusammengeführt und dort als Hessische Bibliothek eröffnet, aus der 1949 die Westdeutsche Bibliothek wurde.Paul Hühnerfeld: Millionen Bücher vegetieren. In: Die Zeit, Nr. 3/1955 Andere Teile der Sondersammlungen wurden in Tübingen zusammengezogen.
Im Jahr 1957 wurde die Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) gegründet, eine durch Bundesgesetz errichtete rechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts mit der Aufgabe, die „aus kriegsbedingten Gründen aus Berlin verlagerten Kulturgüter alsbald zurückzuführen“., § 3, Absatz 2 Allerdings konnte die Stiftung wegen verfassungsrechtlicher Auseinandersetzungen zwischen Bund und Ländern erst vier Jahre später die Arbeit in Berlin aufnehmen.Geschichte der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. In: Stiftung Preußischer Kulturbesitz; abgerufen am 15. September 2015.
Im Jahr 1961 fand in beiden Teilen Berlins die 300-Jahr-Feier der Staatsbibliothek statt, bei der die beiden Bibliotheken (Westdeutsche Bibliothek in Marburg, Deutsche Staatsbibliothek in Ost-Berlin) zum Politikum im Kalten Krieg wurden.Martin Hollender: Das „Marburger Büchergrab“ – Politische Kontroversen um die beiden Berliner Staatsbibliotheken in Ost und West im Kalten Krieg. Archiv für Geschichte des Buchwesens 63, Berlin 2008, ISBN 978-3-598-24859-7, S. 158. Eine publizistische Kampagne der DDR über das „Marburger Büchergrab“ verstärkte den Handlungsdruck auf der westlichen Seite. Die Deutsche Staatsbibliothek war der Auffassung: „Die Rückführung der alten Bestände der ehemaligen Preußischen Staatsbibliothek in ihr angestammtes Haus Unter den Linden ist der einzig vernünftige Ausweg aus der Misere […]“Deutsche Staatsbibliothek: Das Marburger Büchergrab. Berlin 1961, S. 15.
Der Stiftungsrat schrieb 1963 schließlich einen Wettbewerb für den Neubau der Staatsbibliothek am Kulturforum aus, den Hans Scharoun 1964 gewann. Nach einer Bauzeit von elf Jahren eröffnete 1978 die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz. Damit gab es sowohl in Ost- als auch in West-Berlin je eine Institution, die sich auf die Preußische Staatsbibliothek bezog. Bereits 1970 war der Deutschen Staatsbibliothek in Ost-Berlin die Funktion einer zentralen Leiteinrichtung für Leihverkehr und Zentralkataloge übertragen worden.Joris Vorstius, Siegfried Joost: Grundzüge der Bibliotheksgeschichte. 8. Auflage. Wiesbaden 1980, S. 136 f. (google.books).
Ende 1990 hatte die Deutsche Staatsbibliothek 3,8 Millionen Bände Druckschriften sowie 546 Planstellen und die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz 4,4 Millionen Bände Druckschriften sowie 495 Stellen.Geschichte 1945 bis 1990 – Teilung in Ost und West. staatsbibliothek-berlin.de Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden zum 1. Januar 1992 unter dem Namen Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz beide Standorte zu einer Bibliothek in zwei Häusern zusammengeführt.Die Geschichte der Bibliothek. staatsbibliothek-berlin.de Als Nachfolgerin der Preußischen Staatsbibliothek gehört sie zu den Bibliotheken mit internationaler Bedeutung.Bibliotheken mit nationaler Bedeutung. Bibliotheksportal Sie erhält kontinuierliche Unterstützung von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit Sitz in Bonn.
Im Juli 2020 veröffentlichte der Wissenschaftsrat die Strukturempfehlungen zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die auch die Staatsbibliothek betreffen. Danach bescheinigte er ihr eine „ausgeprägte Nutzerorientierung und ein überzeugendes Verständnis der eigenen Rolle im Forschungs- und Wissenschaftssystem“. Für den digitalen Strukturwandel des Wissenschaftssystems sei die Staatsbibliothek gut aufgestellt. Eine organisatorische Verselbstständigung solle sie „in die Lage versetzen, ihre strategischen Ziele schneller und flexibler sowie mit größerer Unabhängigkeit umsetzen zu können und ihre Leistungsfähigkeit im nationalen Zusammenspiel der großen wissenschaftlichen Bibliotheken weiter zu stärken“.Strukturempfehlungen zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz (Drs. 8520-20), Juli 2020
Gebäude Apothekenflügel des Schlosses (1661–1780) mini|Apothekenflügel des Schlosses, bis 1780 Standort der Bibliothek
Von der Gründung im Jahr 1661 war die Churfürstliche Bibliothek (ab 1701: Königliche Bibliothek zu Berlin) bis zum Jahr 1780 im Apothekenflügel des Berliner Schlosses untergebracht. Der Apothekenflügel befand sich an der nordöstlichen Ecke des Schlossbaus, im Bereich der heutigen Baumgruppe am Übergang von der barocken zur modernen Fassade des Humboldt-Forums. Als die Bestände kontinuierlich wuchsen, sollte ein eigenes Bibliotheksgebäude entstehen.
„Kommode“ am Opernplatz (1780–1913) mini|Die „Kommode“, bis 1913 Standort der Bibliothek
Das 1780 fertiggestellte Gebäude befindet sich auf der Westseite des Bebelplatzes, früher Opernplatz. Aufgrund seiner geschwungenen Form gaben die Berliner ihm den Spitznamen „Kommode“. Das an der Straße Unter den Linden stehende Gebäude wurde nach den Plänen von Georg Christian Unger errichtet. Diesen Plänen lag ein Entwurf des österreichischen Architekten Joseph Emanuel Fischer von Erlach für den Michaelertrakt der Hofburg in Wien zugrunde, welcher dort erst 1889 verwirklicht wurde. Nutzer des Gebäudes ist seit 1914 die gegenüber befindliche Universität.
Als die Königliche Bibliothek ihren Bau bezog, umfasste sie mehr als 150.000 Bände. Über 100 Jahre später wurde der Platz für weitere Anschaffungen zu knapp, denn die ab Mitte des 19. Jahrhunderts geradezu explodierende Buchproduktion bescherte auch der Bibliothek enorme Bestandszuwächse. Ein geeigneter Bauplatz für ein neues Gebäude fand sich in unmittelbarer Nähe.
Haus Unter den Linden mini|Staatsbibliothek Unter den Linden um 1935