mini|hochkant=1.3|Dorfmitte Neuhausens mit Rathaus, Pfarrkirche St. Urban und Vitus und Pfarrhaus mini|hochkant=1.3|Blick auf Neuhausen, rechts die Kapelle St. Wendelin, in der Ferne der Ortsteil Hamberg Neuhausen ist eine Gemeinde im Enzkreis in Baden-Württemberg, etwa zwölf Kilometer südöstlich der externen Kreisstadt Pforzheim gelegen.

Geographie

Lage

mini|Ortsansicht Neuhausens mini|Hamberg (links) und Steinegg (rechts) mini|Ortsteil Schellbronn mini|Durchgangsstraße in Neuhausen mit Blick auf den Galgenberg mini|Aue des Seewiesenbachs oberhalb der Burg Steinegg mini|Naturbelassenes Monbachtal mini|Typischer Kiefernbewuchs auf dem Büchelberg Neuhausen liegt auf der Hochfläche im Nordschwarzwald zwischen den Flüssen Nagold und Würm, dem so genannten Biet, zwischen 293 und 541 Meter N.N. Zum Biet, dem historischen Lehen der Freiherren von Gemmingen, gehören neben Neuhausen, Hamberg, Steinegg und Schellbronn auch der Pforzheimer Stadtteil Hohenwart sowie mit Lehningen, Mühlhausen und Tiefenbronn alle Orte der Gemeinde Tiefenbronn.Zier, Hans Georg: Geschichte im Überblick, in: Pforzheim und der Enzkreis, Stuttgart/Aalen 1976, S. 41–74, hier 64.

Das Gemeindegebiet erstreckt sich auf eine Fläche von 2976 ha. Davon sind 1647 ha, also 55 %, Waldflächen.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Neuhausen besteht aus den vier Teilorten Neuhausen, Schellbronn, Hamberg und Steinegg, die bis zur Gebietsreform in Baden-Württemberg als Gemeinden eigenständig waren.

Ferner gehört zur Gemeinde der Bahnhof Monbach-Neuhausen, der rund 4 km vom Ortsrand Neuhausens entfernt liegt und Anschluss an die Nagoldtalbahn bietet.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe, Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 582–584.

Zwischen Neuhausen und Unterhaugstett liegt die Wüstung Weiler am Monbach. Auf Schellbronner Markung stand einst das Jagdschloss Dollbronn, welches im Besitz der Herren von Gemmingen war. Bei Steinegg besaß das Kloster Maulbronn im Hochmittelalter einen Klosterhof namens Bonlanden.Ehmann, Karl: Abgegangene Siedlungen um Pforzheim, in: Pforzheimer Geschichtsblätter 5 (1980), S. 153–183, hier 179f.

Nachbargemeinden

Geologie

Die Gemeindefläche ist in Triasschichten gelegen. Aufgrund der Höhenlage zwischen Nagold- und Würmtal auf den nordöstlichen Schwarzwald-Randplatten dominiert der Obere Buntsandstein, der vereinzelt von Unterem Muschelkalk überlagert wird. Südlich grenzt an Neuhausen das Gäuland mit Unterem und Mittlerem Muschelkalk sowie Oberem Muschelkalk am Büchelberg.

Schellbronn und Teile Steineggs klagten in der Vergangenheit häufig über versauerte Böden. Andererseits ermöglichten Rückstände von Oberem Muschelkalk historisch sogar Hopfenanbau in Neuhausen und Steinegg.Schmidl, Erich: Lage, Bodenbeschaffenheit, Klima, in: Bogner, Eugen/Schmidl, Erich (Hrsg.): Gemeinde Neuhausen: Auf Spurensuche, Band 1, Horb am Neckar 2001, S. 16–25, hier 22f.

Klima

Historisch wird das Klima im Gemeindegebiet zumeist als rau beschrieben.Schmidl, Lage, S. 23f.

Zwischen 1981 und 2010 wurde eine durchschnittliche Jahresmitteltemperatur von 8,9 °C erreicht. Der mittlere Jahresniederschlag im selben Zeitraum betrug 931 mm. Überlieferte Messungen aus den 1930er Jahren geben noch Jahresmitteltemperaturen von 7,6 °C bzw. 7,7 °C an.

Naturschutz

Die Gemeinde Neuhausen ist Teil des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord. Auf ihrem Gebiet befinden sich insgesamt vier Naturschutzgebiete: Büchelberg und Klebwald sowie in Teilen Monbach, Maisgraben und St. Leonhardquelle und Unteres Würmtal.Gemeinde Neuhausen – Infobroschüre (2015), via https://www.yumpu.com/de/document/read/62117074/neuhausen-2015 (Zugriff am 16. Juli 2022), S. 16f.

Das Landschaftsschutzgebiet Neuhausen-Biet deckt nahezu das gesamte Gemeindegebiet ab.

Geschichte

Vorgeschichte und Mittelalter

Verschiedene Indizien deuten auf eine Besiedlung Neuhausens bereits zur Jungsteinzeit und in römischer Zeit hin.Die Vergangenheit im Gemäuer, in: Pforzheimer Zeitung vom 15. September 2008, S. 16. Die späteren Dorfstrukturen dürften erst nach dem Jahr 900 entstanden sein. Auf Rodungen durch die Grafen von Calw gehen wohl die bis heute erkennbaren Waldhufendörfer Hohenwart, Schellbronn und Hamberg zurück. Bei allen Orten im „Biet“ waren möglicherweise einzelne Höfe die Ausgangspunkte.Schmalacker, Esther: Wissenswertes von Pforzheim und aus den Städten und Gemeinden des Enzkreises, in: Pforzheim und der Enzkreis, Stuttgart/Aalen 1976, S. 241–276, hier 262; Schmidl, Erich: Erste Besiedlungen, in: Bogner, Eugen/Schmidl, Erich (Hrsg.): Gemeinde Neuhausen: Auf Spurensuche, Band 1, Horb am Neckar 2001, S. 35–50, hier 35f. und 41f.

mini|Torbogen des 1603 erbauten Klosterhofgebäudes (abgerissen 1996), aufgestellt neben dem modernen Brunnen in der DorfmitteRasokat, Marita: Die Schellbronner Bürger erfreuen sich am „Klosterhof-Torbogen“, der beim „Dorfbrunnenplatz“ vor der St. Nikolauskirche aufgestellt wurde, in: Mitteilungsblatt der Gemeinde Neuhausen, Nr. 49/2019, S. 8. 1073 wird Schellbronn erstmals namentlich erwähnt. Die älteste Namensform Scaltebrunn lässt auf einen Brunnen bzw. eine Quelle schließen, die mit dem (mutmaßlichen) Personennamen Scalto assoziiert wurde.Hackl, Stefan: Ortsnamenbuch des Enzkreises und des Stadtkreises Pforzheim. Überlieferung, Herkunft und Bedeutung der bis 1400 erstbelegten Siedlungsnamen, Stuttgart 2013, S. 202–204. Ab 1120 bis ins 15. Jh. gehörte das Dorf im Wesentlichen zum Besitz des Klosters Hirsau. Ein Hof im Besitz dieses Klosters, der „Klosterhof“, ist spätestens 1433 nachweisbar.Schmidl, Erste Besiedlungen, S. 38; Schmalacker, Wissenswertes, S. 263.

1150 lässt sich Neuhausen erstmals urkundlich nachweisen.Schmidl, Erste Besiedlungen, S. 37. Das Bauerndorf galt stets als wohlhabend. Seit 1521 war es Pfarrort für Hamberg, Schellbronn und Steinegg sowie Hohenwart und Lehningen.Schmalacker, Wissenswertes, S. 262. Es ist ein Haufendorf.Diruf, Hermann/Timm, Christoph: Kunst- und Kulturdenkmale in Pforzheim und im Enzkreis, Stuttgart 1991, S. 255.

1157 wird Steinegg im Zusammenhang mit seiner Burg erstmals erwähnt. Die damalige Höhenburg in der Nähe des späteren Standorts ist gänzlich abgegangen. Namensgebende Burgherren waren zunächst die Herren Stein von Steinegg, ab dem 15. Jh. dann das Geschlecht Gemmingen-Hagenschieß. Unter Diether von Gemmingen entstand die heute noch in Teilen erhaltene Form der Burg.Diruf/Timm, S. 260; Schmidl, Erste Besiedlungen, S. 45f.; Schmalacker, Wissenswertes, S. 263. Der Name der Burg, der aus dem Geschlecht Stein und dem gängigen Namensbestandteil für Burgen -ecke zusammengesetzt ist, übertrug sich auf die Siedlung.Hackl, S. 215–217. Steinegg entstand als Gassendorf mit dem Ernhaus als prägender Bauform.Schmidl, Erste Besiedlungen, S. 42 und 47

mini|Ernhaus in Hamberg von 1708Fux, Silke: Bürger für das Biet machen sich für alte Häuser stark, in: Pforzheimer Zeitung vom 3. Februar 2016, S. 23; Künzig, R.: Hamberg, in: Unsere Heimat. Heimatblatt für Pforzheim und Umgebung (1957), Nr. 3/4, S. 3–8, hier 5f.; Schmidl, Erste Besiedlungen, S. 41. Hamberg wird erst 1408 das erste Mal urkundlich erwähnt, entstand aber vermutlich im 11. Jh. auf Veranlassung eines Stain von Rechtenstein. 1584 vollzog der Freiherr von Gemmingen eine Schenkung an die Hamberger: Ihnen wurde ein Waldgebiet zur Deckung ihres Eigenbedarfs zuerkannt.Schmidl, Erste Besiedlungen, S. 42–44 Noch heute wird der sogenannte „52-Bürger-Wald“ in einer Genossenschaft verwaltet.Gemeinde Neuhausen online: Ortsteil Hamberg (Zugriff am 7. Juli 2022). Wie bei Steinegg handelt es sich um ein Gassendorf mit dem Ernhaus als prägender Bauart.Schmidl, Erste Besiedlungen, S. 40f. Hamberg gilt in seiner Ausdehnung als ungewöhnlich lang.Schmalacker, Wissenswertes, S. 262.

Frühe Neuzeit

Ab 1407 unterstanden die Orte des „Biets“ Diether V. von Gemmingen, der mit dem dort erworbenen Besitz die Linie Hagenschieß (auch Gemmingen-Steinegg genannt) der Freiherren von Gemmingen begründete.

Anfang des 16. Jh. wurde die Gegend, soweit die Quellen dies vermuten lassen, schwer von der Pest getroffen.Schmidl, Erich: Bäuerliches Leben im Mittelalter, in: Bogner, Eugen/Schmidl, Erich (Hrsg.): Gemeinde Neuhausen: Auf Spurensuche, Band 1, Horb am Neckar 2001, S. 30–35, hier 33, und Schmidl, Erste Besiedlungen, S. 49.

mini|Landgraben und Grenzstein am Büchelberg Ab dem Jahr 1622 entstand ein Abschnitt des Württembergischen Landgrabens, der seinen Anfang südlich von Neuhausen am Monbach nimmt und bis Knittlingen führt. Er umspannt südlich den Büchelberg und zeichnet die Grenze Neuhausens mit Möttlingen, Münklingen und Hausen nach, die seinerzeit auch die Grenze Badens und Württembergs bildete. Zweck war vermutlich die Sicherung von Forst- und Jagdrechten sowie militärischer Nutzen.Goessler, Peter: Von den württembergischen Landgräben, in: Schumacher-Festschrift. Zum 70. Geburtstag Karl Schumachers (14. Oktober 1930), Mainz 1930, S. 355–365, hier 360; Völkel, Nico Vincent: Der Württembergische Landgraben im östlichen Enzkreis. Entstehung und Verlauf einer frühneuzeitlichen Grenzlinie, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg 1/2022, S. 42–47.

Der Dreißigjährige Krieg hatte im „Biet“ einen enormen Bevölkerungsrückgang zur Folge. Zerstörungen, Plünderungen sowie Hunger, Seuchen und Flucht waren die Ursachen. Dieser Rückgang wurde später durch gezielte Anwerbung von Zuwanderern ausgeglichen.Leicht, Heinrich: Kriegszeiten, in: Bogner, Eugen/Schmidl, Erich (Hrsg.): Gemeinde Neuhausen: Auf Spurensuche, Band 1, Horb am Neckar 2001, S. 55–62, hier 55.

Am Galgenberg wurde laut Ortschronik Neuhausen das letzte Todesurteil 1793 an einer Frau vollzogen, die ihren Mann vergiftet hatte.Bogner, Eugen/Schmidl, Erich: Rund um St. Wendel – Bilder von früher und heute. Neuhausen – Ein Streifzug durch das 20. Jahrhundert, Horb am Neckar 1997, S. 4.

Katholische Enklave

Da die Linie Hagenschieß der Freiherren von Gemmingen – im Unterschied zu den anderen Familienlinien – nach der Reformation katholisch blieb, bildete das Biet, zu dem Neuhausen gehört, eine katholische Enklave in evangelischer Umgebung. Insbesondere auf diesen Umstand lassen sich die ungebrochenen Fastnachtstraditionen in Neuhausen und Tiefenbronn zurückführen.Schmalacker, Wissenswertes, S. 262.

Badische Zeit

Durch die Mediatisierung fielen die Ortschaften auf der heutigen Gemarkung Neuhausens 1806 an das Großherzogtum Baden und waren seit 1819 Bestandteil des Oberamts Pforzheim, ab 1864 dann des Bezirksamts Pforzheim.

Wegen seiner Lage am äußersten Rand Badens war Neuhausen bis zur Reichsgründung 1871 der letzte Ort vor der Staatsgrenze zu Württemberg.Schmidl, Erich: Schwere Nachkriegsjahre, in: Bogner, Eugen/Schmidl, Erich (Hrsg.): Gemeinde Neuhausen: Auf Spurensuche, Band 2, Horb am Neckar 2003, S. 11–28, hier 16.