Neunkirchen-Seelscheid ist eine kreisangehörige Gemeinde im Rhein-Sieg-Kreis im Regierungsbezirk Köln in Nordrhein-Westfalen. Neben den beiden Hauptorten Neunkirchen und Seelscheid zählen zahlreiche kleinere Ortschaften zur Gemeinde.
Geographie und Bevölkerung Neunkirchen-Seelscheid liegt 20 km nordöstlich von Bonn und 35 km südöstlich von Köln im südlichsten Teil des Bergischen Landes. Die nordwestliche Gemeindegrenze wird durch den Flusslauf des Naafbachs geprägt, während die südöstliche Grenze durch die Bröl begrenzt ist. Etwa mittig durch das Gemeindegebiet fließt der Wahnbach, der in die Wahnbachtalsperre einmündet. Weitere landschaftsprägende Gewässer sind die Bachläufe von Dreisbach, Horbacher Bach, Köbach und Wendbach, der den Höhenrücken des Wennerscheid, welcher im Norden am Wahnbach beginnt, nach Süden begrenzt.
mini|hochkant=1.3|Panorama von Neunkirchen mini|Seelscheid im Jahre 1898
Nachbargemeinden Benachbarte Städte sind Siegburg, Hennef (Sieg), Overath und Lohmar. Benachbarte Gemeinden sind Much und Ruppichteroth.
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht neben den beiden Hauptorten Neunkirchen (5318) und Seelscheid (5780) aus folgenden weiteren Ortsteilen: (in Klammern: Einwohnerzahl, Stand: 31. Dezember 2020)
Balensiefen (15), Birken (68), Birkenfeld (173), Birkenmühle (6), Brackemich (117), Breiderheide (3), Bruchhausen (57), Busch (13), Effert (0), Eich (105), Eischeid (487), Gutmühle (37), Hardt (52), Hasenbach (308), Hausermühle (56), Heister (143), Herkenrath (135), Hermerath (353), Hochhausen (461), Hohn (96), Hülscheid (405), Ingersau (53), Ingersaueler Mühle (6), Kaule (35), Köbach (98), Krahwinkel (98), Krawinkel (184), Mohlscheid (352), Nackhausen (307), Neunkirchen (5.151) Niederhorbach (168), Niederwennerscheid (440), Oberdorst (315), Oberheister (380), Oberhorbach (70), Oberwennerscheid (374), Ohlig (8), Ohmerath (31), Pinn (30), Pohlhausen (431), Pütz (16), Rehwiese (10), Remschoß (267), Rengert (233), Renzert (54), Rippert (149), Scherpekotten (2), Schöneshof (444), Seelscheid (5.711), Siefen (38), Söntgerath (110), Stein (145), Steinermühle (17), Straßen (88), Wahlen (21), Wahn (183), Weiert (20), Wende (2), Wolperath (1.400)
Einwohnerstatistik (jeweils zum 31. Dezember)Einwohnerstruktur in Neunkirchen-Seelscheid Jahr Einwohner 1960 6.278 1980 15.040 1981 15.452 1982 15.654 1983 15.973 1984 15.313 1985 15.385 1986 15.550 1987 15.701 1988 15.861 1989 16.284 Jahr Einwohner 1990 16.860 1991 17.041 1992 17.360 1993 17.690 1994 18.148 1995 18.508 1996 18.847 1997 19.156 1998 19.515 1999 19.874 Jahr Einwohner 2000 20.079 2001 20.328 2002 20.674 2003 20.898 2004 21.020 2005 21.000 2006 20.946 2007 20.902 2008 20.868 2009 20.855 Jahr Einwohner 2010 20.822 2011 20.756 2012 20.613 2013 20.497 2014 20.593 2015 20.958 2020 20.512
Konfessionsstatistik Mit Stand 30. Dezember 2020 waren von den Einwohnern 37,9 % katholisch, 24,6 % evangelisch und 37,5 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindeporträt Einwohnerstruktur in Neunkirchen-Seelscheid, abgerufen am 25. Dezember 2021
Klima Die Gemeinde liegt auf einer Höhe von durchschnittlich ca. 220 m ü. NN; die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei ca. 8 Grad Celsius und die jährliche Regenmenge liegt bei ca. 1000 mm, was hauptsächlich am Steigungsregen liegt, der im Bergischen Land auftritt. Die Sommertemperaturen liegen meist ca. 2 Grad unter denen in den nahen Tälern der Sieg oder Agger, was hauptsächlich an der Höhenlage liegt. In Krawinkel gibt es eine Wetterstation, die in das Meteomedia-Messnetz aufgenommen wurde, jedoch nicht von Meteomedia betrieben wird.
Geschichte mini|Herzogtum Berg 1585 – Neunkirchen (Nunkirch) und Seelscheid (zur Zeit) Ca. 5000 v. Chr. erste Zeugnisse menschlicher Besiedlung Anfang des 10. Jhd. Erwähnung der Zehntpflicht eines Kirchspiels Neunkirchen unter dem Kölner Erzbischof Brun (Bruno I.) Mitte des 10. Jhd. Zugehörigkeit zur Grafschaft Auelgau 1178 erste gesicherte urkundliche Erwähnung Neunkirchens Im 12. Jhd. geht das Gebiet an die Grafschaft Sayn mit Sitz auf der Burg Blankenberg über 1365 bis 1814 waren Neunkirchen und Seelscheid Teil des Herzogtums Berg 1815 Eingliederung in das Königreich Preußen später Freistaat Preußen 1899 Gründung des Antoniuskollegs in Neunkirchen als „Höhere Schule für Knaben vom Lande“ durch Pfarrer Heinrich Schaaf 1955–1958 wurde die Wahnbachtalsperre gebaut.
Am 1. August 1969 entstand Neunkirchen-Seelscheid aus dem Zusammenschluss der bisherigen Gemeinden Neunkirchen und Seelscheid, dem alten Amt Neunkirchen.
1999 zählte die Gemeinde erstmals über 20.000 Einwohner. 2010 lehnten die Bürger in einem Ratsbürgerentscheid die Beantragung der Stadtrechte ab.Ratsbürgerentscheid 2010 2013 zählt die Gemeinde erstmals wieder unter 20.000 Einwohner seit 1999
Der Heimat- und Geschichtsverein Neunkirchen-Seelscheid hat sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte der Gemeinde und der mit ihr geschichtlich verbundenen Nachbargebiete zu erforschen.Homepage des Heimat und Geschichtsvereins Neunkirchen-Seelscheid
Politik
Gemeinderat Der Gemeinderat ist die kommunale Volksvertretung der Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid. Über die Vergabe der 40 Sitze entscheiden die Bürger alle fünf Jahre in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl. Die letzte Wahl fand am 14. September 2025 statt.
Bürgermeister 1969–1975: Josef Knecht (CDU) 1975–1984: Alois Schmitz (CDU) 1984–1994: Peter Pfundner (SPD) 1994–1999: Susanne Heimerzheim (CDU) 1999–2014: Helmut Meng (CDU) 2014–2025: Nicole Berka; geb. Sander (SPD) seit 2025: Guido Vierkötter (CDU)
Nicole Berka (SPD) wurde bei den Kommunalwahlen am 25. Mai 2014, damals noch mit ihrem Geburtsnamen Sander, mit 57,2 % der gültigen Stimmen zur Bürgermeisterin gewählt. Sie war als gemeinsame Kandidaten der SPD, der Grünen und der Freien Unabhängigen Wählergemeinschaft zur Wahl angetreten. Bei den Kommunalwahlen 2020 am 13. September wurde Sander mit 50,29 % der gültigen Stimmen erneut gewählt.
Bei der Bürgermeisterstichwahl am 28. September 2025 wurde Guido Vierkötter (CDU) mit 50,6 % der gültigen Stimmen zum Bürgermeister gewählt.
Wappen
Gemeindepartnerschaften Neunkirchen-Seelscheid unterhält partnerschaftliche Beziehungen mit Bicester (Vereinigtes Königreich), Les Essarts in Frankreich sowie mit Czernichów in Polen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|St. Margareta in Neunkirchen mini|hochkant|Romanische Decken-Fresken St. Margareta
Die katholische Pfarrkirche St. Margareta in Neunkirchen, in ihrer jetzigen Gestalt aus dem 12. Jahrhundert im Stile der Frühromanik und einem neugotischen Erweiterungsbau, mit nördlich der Alpen einzigartigen, freigelegten romanischen Decken-Fresken im Binnenchor. Es scheint, dass die Kirche, vor ihrem Umbau zur dreischiffigen Pfeilerbasilika in Longitudinalbauweise im 12. Jahrhundert, in Form einer Saalkirche weitaus älteren Ursprungs ist.
Evangelische Kirchengemeinde Seelscheid Auch andere historische Kirchenbauten und eine Vielzahl von alten Wegekreuzen befinden sich im Gemeindegebiet von Neunkirchen-Seelscheid. Ebenso sind in der Gemeinde noch zahlreiche historische Fachwerkhäuser im bergischen Fachwerkstil in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben.
Kirchen und Kapellen Katholische Pfarrkirche St. Margareta in Neunkirchen Katholische Pfarrkirche St. Georg in Seelscheid Katholische Pfarrkirche St. Anna in Hermerath Katholische Kapelle im Antoniuskolleg Neunkirchen Evangelische Kirche Neunkirchen Evangelische Kirche Seelscheid Evangelische Kapelle im Altenheim Seelscheid
Parks Die Wahnbachtalsperre mit einer Wasserfläche von 225 Hektar dominiert im südwestlichen Gemeindegebiet das Landschaftsbild. Der Bicesterpark ist ein kleiner Park an der Breite Straße in Seelscheid, an dem alte Landmaschinen ausgestellt werden. Der Name ist der Partnerstadt Bicester gewidmet.
Naturdenkmäler Winterlinde im Ortsteil Hochhausen (Hochkreuz / Wahner Weg). Der Baum ist über 300 Jahre alt. Winterlinde im Ortsteil Straßen (Bundesstraße 56 / Dreikronenstraße). Der Baum ist ebenfalls über 300 Jahre alt und gab als Dreikronenlinde der Straße ihren Namen. Eibe im Ortsteil Seelscheid/Hohn (Ingersauler Str. 10)
Sport und Vereine In Neunkirchen gibt es ein Hallenbad mit Fitness-, Sauna-, Wellnessbereich und Bistro. Zahlreiche Sportvereine bieten Fußball, Tennis, Basketball, Baseball, Turnen, Tanzen und Reiten an. Besonders erwähnenswert ist hierbei der Turnverein 1908 Neunkirchen mit der Baseball- und Softball-Abteilung Neunkirchen Nightmares. Ebenso gibt es eine Vielzahl von Chören und Musikvereinen, mit teils langer Tradition wie den MGV Seelscheid sowie die Pfadfinderstämme Roter Milan, mit Stammesheim in Birkenfeld und Hüttengelände in einem Waldstück von Neunkirchen, und Edelweiss, mit Stammesheim in Seelscheid.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Wahnbachtalsperre mini|Naafbachtal mini|Das Bröltal in Ingersau im Jahr 1905 mit Bröltalbahn mini|Grabmal von Pfarrer Heinrich Schaaf, Gründer des Antoniuskollegs
Wirtschaftlich ist das Gemeindegebiet geprägt durch land- und forstwirtschaftliche Betriebe, einige wenige mittelständische Unternehmen (Keramikvertrieb, Elektro- und Maschinenbau etc.), Betriebe des Reit- und Angelsport sowie eine Vielzahl von Pendlern, die täglich ihre Arbeitsplätze in den Großstädten Bonn und Köln aufsuchen. Der Wasch- und Reinigungsmittelhersteller Thurn-Produkte betreibt seine Leitzentrale in Neunkirchen, die im Bereich Abwassertechnik tätige HOMA Pumpenfabrik GmbH hat ihren Hauptsitz im Stadtteil Oberheister und das Versicherungsunternehmen „Dr-Walter GmbH“ hat seinen Standort im Gewerbegebiet Ohlenhohn.
Es bestehen zaghafte Versuche, das Gemeindegebiet touristisch zu erschließen. Für den Kölner Raum gilt die Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid bereits seit längerer Zeit als Naherholungsgebiet. Viele Kölner besitzen hier eine Ferien- oder Zweitwohnung, meist in unmittelbarer Nähe zu den ausgedehnten Waldgebieten des Wahnbachtals oder des Bröltals.
Die Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid hat enorme infrastrukturelle Probleme hinzunehmen. Allein die Tatsache, dass die Gemeinde aus zwei Hauptorten besteht, die zudem geographisch mehrere Kilometer, durch ein Tal getrennt, auseinanderliegen, bedeutet eine sich teilweise überschneidende Bereitstellung von Infrastruktur. Hinzu kommen zahlreiche geografische und wirtschaftliche Einschränkungen, die sich sowohl aus der Lage der Wahnbachtalsperre auf dem Gemeindegebiet als auch aus den ihr zugeordneten Trinkwasserschutzgebieten ergeben. Somit ist die Gemeinde in ihrer freien räumlichen Ausdehnung limitiert, ebenso wie Betriebe in einer freien Ansiedlung oder Erweiterung. Auch trägt zu dieser Situation der Wunsch bei, die Gemeinde als Naherholungsgebiet weiter auszubauen. Dieser war ausschlaggebend für die Entscheidung, eine Ansiedlung im gewerblichen Bereich vornehmlich auf umweltfreundliche Betriebe zu konzentrieren.
Verkehr Wichtige Buslinien der Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft, auf denen der Tarif des Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) gilt, sind: Linie 576 Neunkirchen-Antoniusplatz – Seelscheid Post – Much Rathaus – Marienfeld Kirche Linie 577 Neunkirchen-Antoniusplatz – Pohlhausen – Birk/Inger – Heide – Stallberg – Siegburg Bahnhof Linie 578 Hennef (Sieg) Bahnhof – Happerschoß – Neunkirchen Antoniusplatz – Brackemich – Much Schulzentrum Verschiedene Bedarfslinien Anrufsammeltaxi (AST) (Rhesi)
Bis zu deren Stilllegung war Ingersau an die Bröltalbahn angebunden.
Mehrere Bundesstraßen führen durch das Gemeindegebiet: Bundesstraße 56 (Bonn–Gummersbach) Bundesstraße 507 (Lohmar–Neunkirchen) Bundesstraße 478 (Hennef (Sieg)–Waldbröl)
In der Gemeinde waren am 1. Januar 2018 16.153 Kraftfahrzeuge zugelassen, darunter 13.332 Pkw.