mini|Logo der Salesianer Don Boscos mini|Wappen der Priesterbruderschaft
Die Salesianer Don Boscos (Ordenskürzel SDB; offiziell Societas Sancti Francisci Salesii, „Gesellschaft des Heiligen Franz von Sales“) sind eine 1859 gegründete Ordensgemeinschaft der römisch-katholischen Kirche und gehen zurück auf den italienischen Priester Giovanni Bosco (1815–1888), kurz „Don Bosco“ genannt. Die Salesianer Don Boscos zählen mit ihrem von Don Bosco begründeten pädagogischen Präventivsystem zu den Pionieren der Jugendarbeit im 19. Jahrhundert in Italien. Neben den Jesuiten, den Benediktinern und den Franziskanern bilden sie eine der größten Männerordensgemeinschaften der römisch-katholischen Kirche und sind weltweit aktiv.
Geschichte Vorgeschichte und Gründung mini|Der Ordensgründer Giovanni Bosco
Am 26. Januar 1854 gab Don Bosco einer kleinen Gruppe von Mitarbeitern, darunter Michael Rua und Giovanni Cagliero, den Namen „Salesianer“. Am 25. März 1855 legte Michael Rua als erster Salesianer private Gelübde in die Hände Don Boscos ab, bald nach ihm auch Vittorio Alasonatti.
Am 29. Mai 1855 erhielt der Plan, eine Ordensgemeinschaft zu gründen, durch die „Rattazzi-Gesetze“ einen Rückschlag, mittels derer zahlreiche Ordensgemeinschaften von Seiten des Staates aufgelöst wurden.
1858 schrieb Don Bosco einen schriftlichen Entwurf der ersten Salesianischen Konstitutionen.
Das Immaculata-Fest am 8. Dezember 1859 wurde mit rund 1000 Jugendlichen, darunter 184 Internen, gefeiert. Am Tag darauf verkündete Don Bosco bei einer Zusammenkunft mit 19 Mitarbeitern, dass die Stunde gekommen sei, der schon seit langer Zeit geplanten „Frommen Gesellschaft des hl. Franz von Sales“ eine Form zu geben.
Am Sonntag, den 18. Dezember 1859, traf sich Don Bosco nach dem Abendgebet mit 17 Mitarbeitern und kam mit ihnen überein, „sich als eine Gesellschaft oder Kongregation zu errichten, die die gegenseitige Hilfe zur eigenen Heiligung zum Ziel hat und sich vornimmt, die Ehre Gottes und das Heil der Seelen, besonders derer, die am meisten der Belehrung und Erziehung bedürfen, zu fördern“.Protokoll der Versammlung von Don Alasonatti Dies gilt als Gründungsdatum der Kongregation. Zu den Gründungsvätern der Kongregation und ersten Generalräten gehörten Vittorio Alasonatti (Präfekt), Michael Rua (Geistlicher Direktor), Angelo Savio (Ökonom), Giovanni Cagliero, Giovanni Bonetti und Carlo Ghivarello (Sekretär).
Im Jahre 1860 wurde die Zahl der Internen auf 355 Jugendliche gesteigert.
Entwicklung Als Don Bosco am 31. Januar 1888 starb, umfasste die Kongregation 773 Salesianer und 276 Novizen in 57 Häusern in sechs Provinzen. 1910, beim Tod Don Ruas, hatte sich die Zahl bereits auf 4.001 Salesianer und 371 Novizen erhöht. Bis in die Mitte der sechziger Jahre stieg die Zahl der Salesianer Don Boscos kontinuierlich auf über 22.000 Menschen an; seither ging sie kontinuierlich, aber langsamer auf zuletzt unter 16.000 zurück. Während die Zahl der Nationen in den letzten Jahren leicht stieg, gingen die Zahlen der Provinzen und der kanonisch errichteten Häuser, aufgrund von Zusammenlegungen, leicht zurück.Siehe für alle Zahlen dieses Abschnitts Morand Wirth: Da Don Bosco ai nostri giorni. Rom 2000, S. 529–532.
Jahr Salesianer Don Boscos Novizen Häuser(kanonisch errichtet) Salesianer pro Haus Provinzen Nationen1888773+276=10495818,161019104001+371=437238711,3?3019214638+437=507541312,319318059+895=895469212,9195115182+1182=16364107615,2196420857+1185=22042134816,4197716599+420=17019158410,7199217017+558=17575167610,58495199516899+657=1755617709,9118200516008+560=1656831.12.200715750+484=1623418478,89612931.12.200815577+515=1609218598,79312931.12.200915465+487=159529213031.12.201015282+481=157638913031.12.201115145+415=155608913131.12.201215014+480=1549418238,59013231.12.2013Statistik auf statisticsal14893+480=1537318168,59013231.12.2014Statistik auf statisticsal14611+426=1503718118,386131
Bedeutung und Verbreitung Weltweit 2012 gehörten die 15.494 Salesianer Don Boscos (inklusive der Bischöfe und der Novizen) mit den Jesuiten und den Franziskanern (OFM) zu den größten männlichen Ordensgemeinschaften der römisch-katholischen Kirche. Sie sind in 132 Staaten aktiv. 2009 unterhielten sie dabei ca. 7610 Einrichtungen (Werke). Im Regelfall hat ein kanonisch errichtetes Haus also mehrere Einrichtungen.Stand: 31. Dezember 2009
Die Reihenfolge der Länder mit den meisten Salesianern war 2014: Indien (2552), Italien (2103), Spanien (1045), Polen (911) und Brasilien (638), Argentinien (417), Mexiko (321), Kolumbien (305), Philippinen (281).Stand: 31. Dezember 2014
mini|hochkant=2|Provinzen der Salesianer Don Boscos weltweit (Stand bis 2014)
Bis 2014 waren die bestehenden 90 Provinzen und Visitatorien in 9 Regionen aufgeteilt: Afrika und Madagaskar Amerika – Südkegel Interamerika Italien – Naher Osten Nordeuropa Ostasien – Ozeanien Südasien (Indien) Westeuropa Rom
Seit dem 27. Generalkapitel 2014 gibt es nur noch 8 Regionen, da die drei europäischen Regionen zu zwei zusammengefasst wurden. Die Region Westeuropa mit Spanien und Frankreich wurde aufgelöst. Spanien gehört nun mit der ehemaligen Region „Italien – Naher Osten“ zur neuen Region „Mittelmeer“. Frankreich kam zur neuen Region „Mittel- und Nordeuropa“.
Eine Sonderstellung haben in Rom das Generalat und die Päpstliche Universität der Salesianer.
Schätzungen zufolge werden die Salesianer Don Boscos bei ihrer Arbeit mit rund 16 Millionen Jungen und Mädchen von rund 150.000 haupt-, neben- und ehrenamtlichen Mitarbeitern (z. B. Lehrern und Sozialarbeitern) unterstützt.
Deutschland, Österreich und die Schweiz Die für den deutschsprachigen Raum ersten Salesianer Don Boscos wurden 1903 nach Wien berufen; 1905 wurde die österreichische Provinz errichtet, die alle Niederlassungen im gesamten Kaiserreich umfasste.Salesianum Wien: Hausgeschichte, abgerufen am 16. November 2020Ordensgemeinschaften in Österreich: Salesianer Don Boscos - Österreichische Provinz | Geschichte, abgerufen am 16. November 2020
Im heutigen Deutschland konnten die Salesianer Don Boscos aufgrund der gesetzlichen Situation als Ordensgemeinschaft mit Sitz im Ausland erst 1916 in Würzburg ein Haus kanonisch errichten. Dort leiteten die Patres aus der Kongregation der Salesianer Don Boscos zunächst ein in diesem Jahr in der Dominikanergasse vom seit 1890 bestehenden Verein Lehrlingsschutz eröffnetes katholisches Lehrlingsheim. (Die Gebäude des Lehrlings- und Jugendheimes wurden 1939 von den nationalsozialistischen Behörden vereinnahmt.)Klaus Wittstadt: Kirche und Staat im 20. Jahrhundert. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 453–478 und 1304 f., hier: S. 455–458: Die kirchliche Entwicklung unter Bischof Ferdinand Schlör (1898–1924). S. 457.Klaus Wittstadt: Kirche und Staat im 20. Jahrhundert. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 2007, S. 453–478 und 1304 f., hier: S. 458–463: Die Ära des Volks- und Widerstandsbischofs Matthias Ehrenfried (1924–1948). S. 462. Der seit 1905 in Österreich-Ungarn tätige oberschlesische Pater August Hlond war für den Orden bedeutend und wurde 1919 Provinzial der deutschsprachigen Provinz, ehe er 1925 zum Bischof in Kattowitz geweiht wurde.
In Deutschland und der deutschsprachigen Schweiz arbeiteten 2005 346 Salesianer Don Boscos zusammen mit über 1600 Mitarbeitern in 33 Einrichtungen.Alle Zahlen bezogen auf den 31. Dezember 2005 In Österreich arbeiteten 2021 46 Salesianer Don Boscos in 7 Niederlassungen.
Der deutsche Provinzial ist seit 2017 P. Reinhard Gesing als Nachfolger von P. Josef Grünner, der österreichische Provinzial ist seit 2020 P. Siegfried M. Kettner.
Die größte Ordensniederlassung im deutschen Sprachraum befindet sich in Benediktbeuern mit etwa 50 Mitbrüdern. Dort befand sich auch die von der deutschen und österreichischen Provinz gemeinsam getragene Philosophisch-Theologische Hochschule Benediktbeuern, die 2013 den Lehrbetrieb einstellte. Die für die Entwicklung der österreichischen Provinz bedeutsamste Niederlassung ist das Studienheim Maria Hilf in Unterwaltersdorf, heute bekannt als Don Bosco Gymnasium Unterwaltersdorf.
Tätigkeitsfelder Haupttätigkeitsfelder der Kongregation sind die Jugendseelsorge/Jugendpastoral und die Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit, aber auch die Heimerziehung, die Berufsbildung, die Jugendbildung, die schulische Bildung, die Berufungspastoral, die Soziale Kommunikation und die Mission.
Leitungsstruktur und Nomenklatur Titel Weltebene (generalata) Provinzebene (ispettoria) Hausebene (casa) Oberer Generaloberer (rettor maggiore) Provinzial (ispettore) Direktor (direttore) Sitz Generalat (casa generalizia) Provinzialat (casa ispettoriale) Haus (casa) Rat Generalrat (consiglio generale) Provinzialrat (consiglio ispettoriale) Hausobernrat (consiglio di casa) Versammlung Generalkapitel (capitolo generale) Provinzkapitel (capitolo ispettoriale) Mitbrüderversammlung
Die Nomenklatur der Ämter und Titel im Italienischen lehnt sich im Kontext der Gründungsgeschichte im 19. Jahrhundert an das Schulsystem an. Im Grunde entsprechen daher weder die Titel Provinzial, Pater oder Bruder der salesianischen Diktion. Da im deutschsprachigen Raum der Titel Inspektor zwar für einen Schulinspektor, nicht aber für einen Ordensoberen zu vermitteln war und es für das im Italienischen als Priesteranrede übliche Don keine adäquate Übersetzung gibt, wurden die Benennungen in diesen Fällen nicht übernommen.
Wappen und Logo der Ordensgemeinschaft Das Wappen wurde noch zu Lebzeiten Don Boscos angenommen und besteht aus einem Anker, einem Stern und einem entflammten Herzen für die drei christlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe, ferner der figürlichen Darstellung des Ordenspatrons Franz von Sales und der symbolischen Darstellung des Ordensgründers Don Bosco mittels einer Landschaft aus Wald (bosco) vor Bergen, die Vervollkommnung und Streben bedeuten; der Wappenspruch ist ein Bibelzitat, ein Ausspruch des Königs von Sodom: Da mihi animas, caetera tolle (lat. „Gib mir die Seelen, das Übrige nimm“, – ).Beschreibung auf iss.donbosco.de (PDF) und Beschreibung auf sdb.org (italienisch)
Das aktuelle Logo der Kongregation stellt eine Kombination zweier bereits länger etablierter Logos innerhalb der Kongregation dar, derjenigen der deutschen und brasilianischen Provinzen, die unabhängig voneinander von anderen Provinzen in der jeweiligen Region und darüber hinaus übernommen worden waren. Die „deutsche“ Komponente zeigt drei stilisierte, in rot gehaltene Personen, Don Bosco in der Mitte, verbunden mit zwei Kindern. Symbolisieren die Arme ein Dach, so die drei Personen dessen Säulen, die Prävention mittels Religion, Vernunft und liebevolle Güte versinnbildlichend, wobei Rot für die Liebe steht. „Brasilianisch“ ist der für den Ordensnamen und -patron stehende dynamische Weg in S-Form, der von einem stilisierten Herzen eingefasst wird, das an einen Globus gemahnt.Beschreibung auf sdb.org (italienisch)
Don-Bosco-Familie Der zur Don-Bosco-Familie gehörende und ebenfalls von Don Bosco gegründete Frauenorden heißt Don-Bosco-Schwestern. Auch die Salesianischen Mitarbeiter Don Boscos wurden bereits von Don Bosco selbst gegründet. Gemeinsam mit den Gliedern der gesamten Salesianischen Familie zeichnen sich die Salesianer Don Boscos durch eine salesianische Spiritualität aus, die in ihren Wurzeln auf Franz von Sales zurückgeht. Im Blick auf die Heiligen und Seligen der Don-Bosco-Familie gibt es einen Kalender für die Eigenfeiern der Don-Bosco-Familie.
Medientätigkeit ANS und Don Bosco Verlag