mini|Olga Tschechowa (1930er Jahre) Olga Konstantinowna Tschechowa (, wiss. Transliteration ; geborene Olga Knipper; * in Alexandropol; † 9. März 1980 in München) war eine deutsche Schauspielerin russisch-deutscher Herkunft.

Leben Olga Tschechowa wurde in Russland in eine deutschsprachige Familie hineingeboren, die ursprünglich aus Saarbrücken stammte. Ihr Vater war Ingenieur und brachte es bis zum kaiserlichen Eisenbahnminister. Ihr jüngerer Bruder war der Komponist Lew Konstantinowitsch Knipper. Ihre Tante, die Schauspielerin Olga Knipper-Tschechowa, war mit dem russischen Schriftsteller und Dramatiker Anton Tschechow verheiratet.

Tschechowa wuchs in Kaukasien auf und schloss 1913 ein Studium an der Stroganow-Kunstschule in St. Petersburg ab. Später studierte sie Bildhauerei an der Moskauer Kunstakademie. 1914 heiratete sie den Schauspieler Michael Tschechow, der ihr Grundlagen der Schauspielkunst vermittelte. Aus der Ehe stammte ihre Tochter Ada Tschechowa. Nach drei Jahren wurde die Ehe geschieden. miniatur|Olga Tschechowa mit Walter Janssen. Aufnahmen von den Dreharbeiten des Films Alles für Papa (Regie Karl Hartl), der in den Göttinger Filmateliers von Oktober bis Dezember 1953 entstand. Tschechowa, die schon 1917/18 in Russland erste Filmerfahrungen gemacht hatte, emigrierte 1921 nach Deutschland. In Berlin arbeitete sie als Plakatmalerin und wurde im gleichen Jahr von Friedrich Wilhelm Murnau für den Film Schloß Vogelöd entdeckt. Zwei Jahre später folgte ihre erste Hauptrolle in Ibsens Nora. Ihr Bühnendebüt gab sie 1925 am Berliner Renaissance-Theater. Unter der Regie von René Clair spielte sie 1927 in der französischen Komödienverfilmung Der Florentiner Hut. In England trat sie in Ewald André Duponts Moulin Rouge (1928) auf. 1928/29 war sie Co-Produzentin von fünf Filmen, beim letzten – Der Narr seiner Liebe mit Michael Tschechow in der Hauptrolle – führte sie auch Regie. Neben Lilian Harvey wirkte Tschechowa 1930 in einem der ersten deutschen Tonfilme, dem Lustspiel Die Drei von der Tankstelle, in einer Nebenrolle mit. Zu ihren Filmpartnern gehörten Ewald Balser und Willy Birgel.

Im Jahr 1930 erhielt Tschechowa die deutsche Staatsbürgerschaft. Im März 1931 hob die ungarische Regierung das für ein Gastspiel von Tschechowas Berliner Truppe in Budapest ergangene Verbot auf. Tschechowa wurde die Grande Dame des deutschen Films – dies besonders auch in der Zeit des Nationalsozialismus.Claudia Romani: Die Diven des Dritten Reiches – Stars zwischen Kult und Terror. Gremese, Rom 2001, ISBN 3-89472-374-2, S. 53. Sie spielte in etwa 140 deutschen Filmen mit, darunter besonders häufig in Melodramen. Ihre Regisseure waren bis 1933 u. a. Max Ophüls, dann Willi Forst, Carl Froelich, Harry Piel, Erich Waschneck und Wolfgang Liebeneiner. In ihren Memoiren verhehlte sie nicht ihre guten Beziehungen zu Hitler und anderen Nazi-Größen, oft war sie Hitlers Tischdame.Hans Sarkowicz: Hitlers Künstler: Die Kultur im Dienst des Nationalsozialismus. Insel Verlag, 2004. ISBN 3-458-17203-3. S. 358. 1944 stand sie auf der Gottbegnadeten-Liste des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda.Tschechowa, Olga. In: Theodor Kellenter: Die Gottbegnadeten : Hitlers Liste unersetzbarer Künstler. Kiel: Arndt, 2020, ISBN 978-3-88741-290-6, S. 414

Eine 1936 geschlossene Ehe mit dem belgischen Industriellen Marcel Robyns wurde nach drei Jahren geschieden.

Bei Kriegsende 1945 wurde sie noch im April nach Moskau geflogen und in einer konspirativen Wohnung untergebracht, wo sie ungefähr zwei Monate blieb. Offiziere waren die ganze Zeit um sie herum und fuhren sie auch zu Gesprächen mit Geheimdienstchef Beria in den Kreml. Dann durfte sie wieder nach Deutschland zurück. Aus dieser Behandlung erwuchsen Vermutungen, sie habe einem Spionagenetz angehört.

miniatur|Olga Tschechowa (rechts) mit Johanna Matz und Karl Hartl 1953 bei den Dreharbeiten zu Alles für Papa Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete sie ohne großen Erfolg ein eigenes Theater in Berlin und eine eigene Filmgesellschaft. Ihr Rollentyp wandelte sich von der mondänen Dame, die sie noch in Burgtheater (1936) und Andreas Schlüter (1942) verkörperte, zur willensstarken Frau und Mutter. Tschechowa, seit 1937 Diplom-Kosmetikerin, führte auch einen Kosmetiksalon und gründete 1958 ihre erfolgreiche Kosmetikfirma Olga-Tschechowa-Kosmetik mit Niederlassungen in München, Berlin und Mailand.

Ihre Tochter Ada Tschechowa und ihre Enkelin Vera Tschechowa wurden gleichfalls bekannte Schauspielerinnen. Ada kam 1966 bei einem Flugzeugunglück in Bremen ums Leben. 1971 spielte Tschechowa mit ihrer Enkelin in Duell zu dritt. Die Schauspielerin Marina Ried war ihre Nichte. Olga Tschechowas Ruhestätte liegt bei ihrer Tochter Ada auf dem Friedhof der oberbayerischen Gemeinde Gräfelfing, Landkreis München.knerger.de: Das Grab von Olga Tschechowa

Ihrer Autobiografie Ich verschweige nichts (1952) folgten 1973 die Erinnerungen Meine Uhren gehen anders. Vadim Glowna, der damalige Ehemann ihrer Enkelin Vera, drehte 1984 das Porträt Tschechow in meinem Leben über die Familie.

Auszeichnungen mini|Olga Tschechowa, Cocker, 1978 mini|Grabstätte von Olga Tschechowa 1962: Filmband in Gold für langjähriges und erfolgreiches Wirken im deutschen Film 1972: Großes Bundesverdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1977: Ehrenmedaille der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (2025 posthum aberkannt) 1978: Nach Olga Tschechowa wurde eine Rosensorte benannt.

Filmografie (Auswahl) 1921: Schloß Vogelöd 1921: Hochstapler 1923: Nora 1923: Der verlorene Schuh 1924: Soll und Haben 1924: Die Bacchantin 1925: Die Gesunkenen 1926: Die Mühle von Sanssouci 1926: Familie Schimek 1926: Der Mann im Feuer 1926: Trude, die Sechzehnjährige 1927: Brennende Grenze 1927: Das Meer 1927: Der Meister der Welt 1928: Der Florentiner Hut 1928: Moulin Rouge 1928: Die Siegerin (After the Verdict) 1928: Marter der Liebe 1928: Weib in Flammen 1929: Diane 1929: Die Liebe der Brüder Rott 1929: Der Narr seiner Liebe (auch Regie) 1930: Liebe im Ring 1930: Troika 1930: Der Detektiv des Kaisers 1930: Liebling der Götter 1930: Die Drei von der Tankstelle 1931: Mary 1931: Panik in Chicago 1931: Das Konzert 1932: Trenck 1932: Spione im Savoy-Hotel 1933: Der Choral von Leuthen 1933: Liebelei 1933: Ein gewisser Herr Gran 1934: Zwischen zwei Herzen 1934: Die Welt ohne Maske 1934: Peer Gynt 1934: Maskerade 1935: Regine 1935: Lockspitzel Asew 1935: Künstlerliebe 1935: Die ewige Maske 1935: Ein Walzer um den Stephansturm (Sylvia und ihr Chauffeur) 1936: Der Favorit der Kaiserin 1936: Seine Tochter ist der Peter 1936: Petersburger Romanze 1936: Burgtheater 1936: Hannerl und ihre Liebhaber 1937: Unter Ausschluß der Öffentlichkeit 1937: Liebe geht seltsame Wege 1937: Gewitterflug zu Claudia 1937: Die gelbe Flagge 1938: Es leuchten die Sterne 1938: Rote Orchideen 1939: Die unheimlichen Wünsche 1939: Ich verweigere die Aussage 1939: Parkstraße 13 1939: Bel Ami 1939: Befreite Hände 1940: Angelika 1940: Leidenschaft 1940: Der Fuchs von Glenarvon 1941: Menschen im Sturm 1942: Mit den Augen einer Frau 1942: Andreas Schlüter 1943: Reise in die Vergangenheit 1943: Gefährlicher Frühling 1943: Der ewige Klang 1948: Im Tempel der Venus 1950: Eine Nacht im Séparée 1950: Kein Engel ist so rein 1950: Der Mann, der zweimal leben wollte 1950: Maharadscha wider Willen 1950: Eine Frau mit Herz 1950: Zwei in einem Anzug 1950: Aufruhr im Paradies 1951: Das Geheimnis einer Ehe 1951: Mein Freund, der Dieb 1951: Begierde 1952: Hinter Klostermauern 1953: Alles für Papa 1954: Rosen-Resli 1954: Rittmeister Wronski 1955: Die Barrings 1958: U 47 – Kapitänleutnant Prien 1963: Jack und Jenny 1971: Duell zu dritt (Fernsehserie) 1973: Die Zwillinge vom Immenhof 1974: Frühling auf Immenhof 2014: Melusine (Produktion 1943)

Literatur

Antony Beevor: Die Akte Olga Tschechowa. Das Geheimnis von Hitlers Lieblingsschauspielerin. 1. Auflage. Bertelsmann, München 2004. ISBN 3-570-00826-6 Viktor Fishman, Der Filmstar Olga Tschechowa. In: Das russische München. Hrsg. Mir e. V., Zentrum russischer Kultur in München. München 2010, S. 195–205, ISBN 978-3-98-05300-9-5. Renata Helker: Die Tschechows. Wege in die Moderne. Hrsg. v. Deutsches Theatermuseum München. Henschel, Berlin 2005. ISBN 3-89487-502-X Renata Helker: „Schön. Und von besonderer Kultur.“ Olga Tschechowa in Schloss Vogelöd. In: Michael Omasta, Brigitte Mayr, Christian Cargnelli (Hrsg.): Carl Mayer, Scenar[t]ist. Ein Script von ihm war schon ein Film – „A script by Carl Mayer was already a film“. Synema, Wien 2003. ISBN 3-901644-10-5 Claudia Romani, Die Diven des Dritten Reiches – Stars zwischen Kult und Terror. Gremese, Rom 2001, ISBN 3-89472-374-2. Ingrun Spazier: Olga Tschechowa – Schauspielerin. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 26, 1995. Olga Tschechowa, C. C. Bergius: Ich verschweige nichts! Autobiografie. Zimmer & Herzog, Berchtesgaden 1952.Permalink Deutsche Nationalbibliothek. Olga Tschechowa: Meine Uhren gehen anders. Herbig, München/Berlin 1973, ISBN 3-7766-0632-0. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 8: T – Z. David Tomlinson – Theo Zwierski. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 71 f.

Weblinks

Olga Tschechowa: Schauspielerin, Sexsymbol und auch Spionin? bei Russland HEUTE

Einzelnachweise

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