mini|Neuwied 2019, Luftaufnahme mini|Blick auf Neuwied: rechts der Andernacher Hafen, im Hintergrund der Pylon der Raiffeisenbrücke und der Kühlturm des ehemaligen AKW Mülheim-Kärlich mini|Blick auf Neuwied, von der Raiffeisenbrücke gesehen Neuwied ist eine große kreisangehörige Stadt und Sitz der Kreisverwaltung des Landkreises Neuwied im Norden des Landes Rheinland-Pfalz. Sie liegt am Südrand des Landkreises am rechten Rheinufer, etwa zehn Kilometer nordwestlich von Koblenz, an der Mündung des im Westerwald entspringenden Flusses Wied. Mit rund 67.000 Einwohnern ist Neuwied die siebtgrößte Stadt in Rheinland-Pfalz und zugleich die größte kreisangehörige Stadt des Landes. Gemäß Landesplanung ist Neuwied als Mittelzentrum ausgewiesen.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Infothek
Im Jahr 1653 als Planstadt gegründet, wurde Neuwied nach 1662 zu einer der ersten Freistätten für Religionsflüchtlinge in Deutschland. Auch dank der Toleranzpolitik der Grafen zu Wied entwickelte sich deren Residenz seit Mitte des 18. Jahrhunderts zu einem der frühesten Industriestandorte des Landes. Neuwied ist mit fast 50 Schulen als „Stadt der Schulen“ bekannt. Die Vielfalt der ansässigen Konfessionen sowie der zahlreichen Schulen und Industriebetriebe prägen die Stadt bis heute.
Geographie und Klima Geographische Lage Neuwied liegt am rechten Ufer des Rheins am Fuße des Westerwalds in Höhe der Mündung des Flusses Wied. Im Gegensatz zu den sonst schmalen Tälern des Mittelrheins weichen die Berghänge im Neuwieder Becken einige Kilometer zurück. Die Bundesstadt Bonn liegt rund 50 Kilometer nordwestlich von Neuwied, die Großstadt Koblenz liegt 10 km südöstlich.
Ausdehnung des Stadtgebiets Das Stadtgebiet hat eine Fläche von 86,5 Quadratkilometern. Es umfasst etwa die rechtsrheinische Hälfte des Beckens ab etwa Rheinkilometer 600,3 (etwa 400 m rheinabwärts der Mündung des Saynbaches und knapp 200 m vor Beginn der Ortslage Engers) stromabwärts bis etwa 15 m vor Rheinkilometer 612,6 (etwa 150–200 m unterhalb der Ortslage Fahr) sowie die ersten Höhenbereiche des Niederwesterwaldes.
Der südlichste Punkt des Landkreises Neuwied, und damit zugleich der Stadt Neuwied, befindet sich im Rhein auf , nahe Rheinkilometer 605,1, zwischen dem Urmitzer Werth und dem Weißenthurmer Werth. Der nördlichste Punkt der Stadt Neuwied befindet sich auf im Nonnenbachtal, nördlich der Wüstung Rockenfeld. Der westlichste Punkt der Stadt Neuwied befindet sich auf im Tal des Rockenfelder Baches, westlich der Wüstung Rockenfeld. Der östlichste Punkt der Stadt Neuwied befindet sich auf im Saynbachtal, nordwestlich des Ortsteiles Stromberg der Stadt Bendorf.
Topographie Gelände Das Gebiet der Innenstadt ist Teil eines alten Nebenarms des Rheins und in höchstem Maße hochwassergefährdet. Im schwersten Hochwasser (Hochwasser 1784) stand die Rheinflut in den Straßen über vier Meter hoch. Nach drei schweren Hochwassern 1920, 1924 und 1925/1926 begannen Planungen für einen Deichbau, der den gesamten alten Rheinarm absperren sollte. Bereits 1931 wurde dieser Deich fertiggestellt.
An der Stelle, an der der Rhein das Gebiet der Stadt Neuwied verlässt, fließt er – je nach Wasserstand – auf einer Höhe von etwa und ist damit die tiefste Stelle des Gebietes. Die Höhendifferenz des Rheins vom Eintritt in das Gebiet der Stadt Neuwied bis zum Austritt beträgt etwa 4 m.
Erhebungen Die mit höchste Erhebung im Gebiet der Stadt Neuwied befindet sich auf dem Rhein-Wied-Rücken des Niederwesterwaldes, in der Gemarkung Rockenfeld, in der Flur Kreutzheck, südlich der Wüstung Rockenfeld, nahe der Stadtgrenze und nahe dem dort unmittelbar jenseits dieser verlaufenden Obergermanisch-Raetischen Limes, mit dem auf dieser Erhebung befindlichen Kleinkastell „Am Forsthofweg“.
Einige weitere Erhebungen im Gebiet der Stadt Neuwied sind: namenloser Gipfel (363,3 m) auf dem Rhein-Wied-Rücken des Niederwesterwaldes, in der Gemarkung Rockenfeld, im Rockenfelder Wald, namenloser Gipfel (356,2 m) auf der Sayn-Wied-Hochfläche des Niederwesterwaldes, in der Gemarkung Heimbach, nahe der Grenze zur Gemarkung Gladbach, im Heimbacher Wald, nahe der Grenze zum Gladbacher Wald, am Wachposten 1/41 des Obergermanisch-Raetischen Limes nahe dem Kleinkastell Anhausen, Lückenberg (314,1 m) auf dem Rhein-Wied-Rücken des Niederwesterwaldes, in der Gemarkung Hüllenberg, nordwestlich von Feldkirchen, Harmorgenberg (297,0 m) auf der Sayn-Wied-Hochfläche des Niederwesterwaldes, in der Gemarkung Weis, im Weiser Wald, nordöstlich des Ortsteils Weis der zum Stadtteil Heimbach-Weis gehört, über dem Saynbachtal, Oben auf dem Köppel (234,2 m), auf der Sayn-Wied-Hochfläche des Niederwesterwaldes, in der Gemarkung Oberbieber, zwischen dem Engelsbach und dem Aubach, nordnordöstlich von Oberbieber, Köppel (Unten auf dem Köppel) (182,3 m) auf dem Wollendorf-Gladbacher Beckenhang des Mittelrheinischen Beckens, in der Gemarkung Oberbieber, zwischen dem Engelsbach und dem Aubach, nahe dem Stausee im Aubachtal, nordöstlich von Oberbieber, Wingertsberg (181,1 m) auf dem Wollendorf-Gladbacher Beckenhang des Mittelrheinischen Beckens, in der Gemarkung Oberbieber, am nordöstlichen Rand von Oberbieber, über dem Aubachtal, Kreuzberg (177,0 m) auf dem Wollendorf-Gladbacher Beckenhang des Mittelrheinischen Beckens, in der Gemarkung Altwied, nordnordöstlich der Siedlung Kümmelberg und südlich von Melsbach.
Klima Der Jahresniederschlag beträgt 664 mm.Niederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD
Stadtgliederung Die Stadt Neuwied besteht aus 14 Ortsbezirken, die jeweils durch einen Ortsbeirat und einen Ortsvorsteher vertreten werden.
Die Innenstadt und Heddesdorf wurden mit Ablauf der Kommunalwahlperiode 2019–2024 als zusätzliche Ortsbezirke gebildet, wodurch sich ihre Anzahl von 12 auf 14 erhöhte. Seitdem ist das gesamte Stadtgebiet in Ortsbezirke gegliedert.
Nachbargemeinden Die folgenden Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Neuwied:MapServer LANIS Rheinland-Pfalz
auf der rechten Rheinseite im Uhrzeigersinn, beginnend am Rhein im Nordwesten, die im Landkreis Neuwied liegenden Ortsgemeinden Leutesdorf, Hammerstein, Rheinbrohl, Datzeroth, Ehlscheid, Melsbach, Rengsdorf, Anhausen, Meinborn und Isenburg sowie die zum Landkreis Mayen-Koblenz gehörende Stadt Bendorf; linksrheinisch die gegenüberliegenden Ortsgemeinden Kaltenengers und Urmitz sowie die Städte Mülheim-Kärlich, Weißenthurm und Andernach, alle dem Landkreis Mayen-Koblenz angehörig.
Geschichte Als barocke Neugründung ist Neuwied im Vergleich zu anderen rheinischen Städten relativ jung, steht aber auf geschichtsträchtigem Boden.
Vorgeschichte und Römerzeit Der älteste Nachweis menschlicher Besiedlung auf dem Gebiet der heutigen Stadt Neuwied stammt vom Fundplatz Gönnersdorf, der bei Grabungen im Stadtteil Feldkirchen (in der Gemarkung des Ortsteiles Gönnersdorf) entdeckt und auf das 16. Jahrtausend v. Chr. datiert wurde. Die Funde aus diesen Ausgrabungen sind im archäologischen Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution Monrepos ausgestellt, das sich in der, inzwischen dafür erweiterten, Villa „Waldheim“ in Monrepos – das zum Stadtteil Segendorf gehört – befindet.
Spätestens seit keltischer und römischer Zeit war das Gebiet permanent besiedelt. Bodenfunde weisen darauf hin, dass Julius Caesar seinen ersten Rheinübergang, den er in De Bello Gallico erwähnt, um 55 v. Chr. mithilfe einer Pionierbrücke ausführte, deren rechtsrheinischer Brückenkopf auf Neuwieder Gebiet lag. Vom 1. bis zum 3. Jahrhundert bestanden römische Kastelle in Heddesdorf und Niederbieber, die der Sicherung des Obergermanischen Limes dienten, der, den Rheinhöhen folgend, durch das heutige Stadtgebiet verlief. Nach der Rückverlegung der Grenze an den Rhein im Jahr 260 bestand im Stadtteil Engers ein Burgus, der der römischen Rheinflotte als Stützpunkt diente.
Stadtgebiet im Mittelalter Nach dem Abzug der römischen Legionen wurde das Stadtgebiet ab dem 5. Jahrhundert Teil des fränkischen Machtbereichs. Einige Stadtteile Neuwieds wurden bereits 773 urkundlich erwähnt. Die Dokumente aus dem 8. Jahrhundert ordnen das Stadtgebiet dem Engersgau zu. Die Gaugrafen nannten sich ab 1129 Grafen von Wied. Später zerfiel der Engersgau. Nach dem Aussterben des ersten Grafenhauses von Wied 1244 und der darauf folgenden Zersplitterung der Herrschaft brachte Graf Wilhelm von Isenburg-Braunsberg (später Wied) das spätere Stadtgebiet unter seine Kontrolle. Engers erhielt 1357 Stadtrecht, fiel aber nach kriegerischen Auseinandersetzungen an Kurtrier. Residenz der Grafschaft Wied war die Burg Altwied.
Stadtgründung mini|hochkant|Friedrich III. zu Wied gründete die Stadt 1653 mini|Neuwied 1784 mini|Residenzschloss der Fürsten zu Wied Die Grafschaft war im Dreißigjährigen Krieg weitgehend verarmt. Von der Teilhabe am Rheinhandel versprach sich Graf Friedrich III. zu Wied wirtschaftliche Impulse. Daher ließ er ab 1646 an der schmalen, wegen häufiger Überschwemmungen eigentlich ungünstig gelegenen Rheinfront seiner Grafschaft, an der Stelle des zerstörten Weilers Langendorf eine kleine Befestigungsanlage errichten. Für das nahe der Wiedmündung gelegene Haus Newen Wiedt und für die kleine Siedlung, die es umgab, erwirkte er am 26. August 1653 die Übertragung der Stadtrechte von der kleinen Stadt Nordhofen im Westerwald durch Kaiser Ferdinand III. zu Regensburg, wovon noch heute der Pfau im Wappen von Neuwied zeugt.Stefan Volk: Peuplierung und religiöse Toleranz. Neuwied von der Mitte des 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts. In: Rheinische Vierteljahrsblätter, Jg. 55 (1991), S. 205–231, S. 208 Dieser Tag gilt als das Gründungsdatum der Stadt Neuwied. Die rasterförmig angelegte Planstadt, die ein fast rechtwinkliges Viereck mit gitterförmigem Straßennetz bildete, wurde 1694 während des Pfälzischen Erbfolgekriegs von französischen Truppen zerstört. Im Jahr 1706 wurde mit dem Bau der heutigen dreiflügeligen Schlossanlage begonnen.
Grafen und Fürsten ab Stadtgründung Neuwied war von seiner Gründung bis 1806 Residenzstadt der Grafschaft, seit 1784 des Fürstentums Wied, eines eigenständigen Territoriums im Verband des Heiligen Römischen Reichs. Das Fürstentum Wied blieb von 1815 bis zur Märzrevolution als Standesherrschaft innerhalb Preußens bestehen. Am 30. Oktober 1848 verzichtete Hermann Fürst zu Wied für sich und seine Nachkommen auf alle Regierungsrechte. Dessen ungeachtet zählte das Geschlecht bis 1918 weiter zum deutschen Hochadel. Nach Abschaffung der Monarchie in Deutschland 1918 kam dem Fürstenhaus keine politische Bedeutung mehr zu. Liste der Grafen und Fürsten zu Wied Amtszeit Name 1638–1698 Graf Friedrich III. (Wied), Begründer der Stadt Neuwied 1698–1737 Graf Friedrich Wilhelm (Wied-Neuwied) 1737–1784 Graf Johann Friedrich Alexander (Wied-Neuwied)
Johann Friedrich Alexander zu Wied-Neuwied war regierender Graf in der Niedergrafschaft Wied-Neuwied und wurde am 29. Mai 1784 von Kaiser Joseph II. in den erblichen Fürstenstand erhoben und war der 1. Fürst zu Wied-Neuwied.
1784–1791 1. Fürst Johann Friedrich Alexander (Wied-Neuwied) 1791–1802 2. Fürst Friedrich Karl (Wied-Neuwied) 1802–1836 3. Fürst Johann August Karl zu Wied* 1836–1864 4. Fürst Hermann zu Wied 1864–1907 5. Fürst Wilhelm zu Wied 1907–1945 6. Fürst Friedrich zu Wied 1945–2000 7. Fürst Friedrich Wilhelm zu Wied 2000–2015 8. Fürst Friedrich August Maximilian Wilhelm Carl zu Wied seit 2015 9. Fürst Franz Alexander Friedrich Wilhelm Maximilian zu Wied 1806 mediatisiert, von da an unter nassauischer, ab 1815 als Standesherr unter preußischer Oberherrschaft, seit 1824 Fürst des mit Wied-Runkel wiedervereinigten Fürstentums Wied.
Neuwied als Exulantenstadt mini|Herrnhuter-Viertel, rechts die Kirche mini|Wohn- und Arbeitsstätte von David Roentgen