Die koreanische Sprache oder Koreanisch wird von mehr als 81 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen die meisten koreanischer Abstammung sind. Mit ihrer Sprecherzahl gehört sie zu den 25 meistgesprochenen Sprachen der Welt.
Sie gehört zur Koreanischen Sprachfamilie, zusammen mit der Jeju-Sprache und einigen ausgestorbenen Sprachen.
Koreanisch wird mit einer eigens entwickelten Alphabetschrift Hangeul geschrieben. Die lokalen Namen der Sprache sind in Südkorea hangugeo (hangeul ) oder hangugmal (), in Nordkorea hingegen chosŏnŏ (, RR joseoneo) oder chosŏnmal (, RR joseonmal). Die unterschiedlichen Namen kommen von der in Nordkorea und Südkorea jeweils üblichen Bezeichnung für das Land. In Südkorea wird die Sprache von dem Nationalen Institut für Koreanische Sprache gepflegt.
Grammatikalisch handelt es sich beim Koreanischen um eine agglutinierende Sprache mit der Grundwortstellung Subjekt-Objekt-Verb. Verwandtschaften zu anderen Sprachen sind nach den üblichen Kriterien nicht feststellbar.
Klassifikation Die koreanische Sprache ist zusammen mit der Jeju-Sprache und einigen ausgestorbenen Sprachen Teil der koreanischen Sprachfamilie, die in der englischsprachigen Literatur als „Koreanic languages“ bezeichnet wird. Sie wird fälschlicherweise auch als isolierte Sprache kategorisiert.
Konventionell wurde sie bis in die 1990er als Teil der altaischen Sprachfamilie behandelt, jedoch hat der ursprüngliche altaische Sprachfamilienvorschlag weitgehend an Unterstützung verloren. Der Grundansatz eines Vergleichs typologischer Merkmale gilt als unzureichend für den Beweis genetischer Verwandtschaft. Diese werden stattdessen als Merkmale des altaischen, bzw. nordostasiatischen Sprachareals aufgeführt. Unter anderem weist das Koreanische nach gleichen Kriterien mehr Gemeinsamkeiten mit den sogenannten paläosibirischen Sprachen auf, jedoch werden deren Mitglieder als unverwandt betrachtet.
Externe Verwandtschaftshypothesen Die Hypothese, dass das Koreanische mit dem Japanischen verwandt sein könnte, fand einige Unterstützer aufgrund von einer kleinen Anzahl an Überschneidungen im einheimischen Wortschatz und oberflächlicher grammatikalischer Ähnlichkeiten, die von Forschern wie Samuel E. Martin und Roy Andrew Miller näher untersucht wurden. Sergei Starostin (1991) fand etwa 25 % potenzieller Kognaten in der 100-Wort-Swadesh-Liste für Japanisch und Koreanisch. Einige Linguisten, die sich mit der Beziehung zwischen Japanisch und Koreanisch befassen, darunter Alexander Vovin, argumentieren, dass die angegebenen Ähnlichkeiten nicht unbedingt auf eine genetische Verwandtschaft zurückzuführen sind, sondern auf geographisch bedingte Sprachbundeffekte und intensiven Sprachkontakt, insbesondere vom Altkoreanischen ins westliche Altjapanisch. Ein Beispiel könnte das mittelkoreanische Wort sàm und das japanische asá sein, beide bedeuten „Hanf“. Dieses Wort scheint ein Kognat zu sein, ist im westlichen Altjapanisch gut belegt und taucht in den nördlichen Ryūkyū-Sprachen auf, kommt aber im östlichen Altjapanisch nur in Komposita vor und ist nur in drei Dialekten der südlichen Ryūkyū-Sprachgruppe nachgewiesen. Zudem ist eine alternative, einheimisch-japanische Dublette wo, ebenfalls „Hanf“ bedeutend, im westlichen Altjapanisch und in den südlichen Ryūkyū-Sprachen belegt.
Sowohl im Altkoreanischen als auch im Altjapanischen lassen sich gewisse Gemeinsamkeiten feststellen, wie etwa Agglutination und relativ simple Phonologie. Laut Paul Benedicts Hypothese zur Verwandtschaft zwischen japanischen und Tai-Kadai Sprachen wiesen die japanischen Sprachen ursprünglich einen isolierenden Sprachbau auf, mit möglicherweise rein monosyllabischem Vokabular und einer Verb-Objekt-Satzstellung. Gemeinsamkeiten wie das Suffix -ga werden auf sprachlichen Kontakt zurückgeführt. Einige Linguisten vermuten zudem, dass das Koreanische Teil eines prähistorischen Sprachbundes war, der eine Verbindung zur Sprache der Niwchen (einer Amur-Sprache in Sibirien und auf der Insel Sachalin) nahelegt.Janhunen, Juha (2005). "The Lost Languages of Koguryo". Journal of Inner and East Asian Studies. 2–2: 65–86.Kang, Gil-un (1990). 고대사의 비교언어학적 연구. 새문사. Die Annahme, dass Koreanisch mit der japanischen Sprache verwandt sei, wird weiterhin vertreten.
Hudson und Robbeets (2020) schlugen vor, dass es Spuren eines präniwchischen Substrats im Koreanischen gibt. Laut dieser Hypothese waren ursprüngliche Varianten des Niwchischen (auch bekannt als Amurisch) einst auf der koreanischen Halbinsel verbreitet, bevor die koreanischen Sprecher dort eintrafen.
Gelegentlich wird der Hamkyŏng/Ryukjin-Dialekt als separate Sprache behandelt.
Geschichte
Das Koreanische ist erstmals seit dem 5. Jahrhundert belegt. Altkoreanisch wird von einigen Linguisten in die Gruppe der Buyeo-Sprachen () im Norden und der Han-Sprachen () im Süden aufgeteilt und stammt vom Proto-Koreanischen ab.
Proto-Koreanisch
mini|419x419px|Verbreitung verschiedener Arten von Bronzeschwertern in Nordostasien Die Einwanderungen verschiedener Bevölkerungsgruppen aus dem Norden zwischen dem 2. Jahrtausend v. Chr. und der Jahrtausendwende n. Chr. lassen sich mit mehreren zeitgleichen soziokulturellen und historischen Ereignissen in Verbindung bringen. Dazu zählen die Einführung des Trockenreisanbaus im 9. Jahrhundert v. Chr. aus der Liao-Region, der Untergang von Go-Joseon im 2. Jahrhundert v. Chr. und die darauf folgenden Migrationen von Reitergruppen, die Hirseanbau und Viehzucht betrieben, aus dem ehemaligen Go-Joseon in den Südosten der koreanischen Halbinsel. Ein bedeutendes Ereignis in dieser Zeit war die Einführung der Bronzekultur, die etwa im 9. Jahrhundert v. Chr. begann und eng mit der Entwicklung des Proto-Koreanischen verknüpft ist. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass die Bronzeverarbeitung nicht nur technologische, sondern auch kulturelle und sprachliche Veränderungen mit sich brachte, die möglicherweise auch die sprachliche Landschaft beeinflussten.
Es wird allgemein angenommen, dass das Proto-Koreanische zwischen dem 9. und 3. Jahrhundert v. Chr. durch Bevölkerungsgruppen aus Südsibirien auf die koreanische Halbinsel gelangte. Im gleichen Zeitraum fanden auch die Migration von Menschen in das Japan der Yayoi-Zeit statt. Silla wurde im 1. Jahrhundert n. Chr. von den genannten Einwanderern gegründet. Einige Sprachwissenschaftler argumentieren jedoch, dass spätere Ereignisse, wie die Expansion von Goguryeo in den Süden Koreas und die Migration der Buyeo-Völker nach Zentralwestkorea, ebenfalls zur Verbreitung der koreanischen Sprachen beitrugen und maßgeblich zur Verdrängung der Halbinsel-Japonischen Sprachen führten.
Einige Wörter, die aus Ortsnamen in von Goguryeo im 5. Jahrhundert eroberten Gebieten abgeleitet wurden, zeigen Parallelen zu japanischen Begriffen. Beispielsweise entspricht *tan, *tuan dem altjapanischen tani („Tal“), während *usaxam dem altjapanischen usagi („Hase“) ähnelt. Aufgrund solcher und weiterer Übereinstimmungen, wie etwa in Zählwörtern, entstand in den 1970er Jahren die Hypothese, dass das Koreanische und das Japanische über die Sprache von Goguryeo miteinander verwandt sein könnten. Heutzutage wird jedoch angenommen, dass diese Ähnlichkeiten auf ein Substrat im südlichen Goguryeo zurückzuführen sind. Dieses Substrat repräsentierte vielleicht nicht die offizielle Sprache des Reiches, deutet jedoch auf das Vorhandensein protojapanischer Sprachen im westlichen Korea hin. Goguryeo verwendete chinesische Schriftzeichen, um grammatikalische Morpheme darzustellen. Beispiele hierfür sind 尸 für das Irrealis-/Prospektives-Gerund-Suffix *-l bzw. *-lh und 乙 oder 肹 für die Akkusativendung *-(u)r.
Die Sprachen der Samhan – Jinhan, Mahan und Byeonhan – im Süden Koreas werden in chinesischen Quellen wie der Wei Shu und der späteren Hou Han Shu als sehr ähnlich beschrieben, insbesondere die Sprachen von Byeonhan und Jinhan. Diese Beschreibungen widersprechen sich jedoch in einigen Aspekten, was darauf hindeutet, dass die sprachliche Situation komplexer war als ursprünglich angenommen. Zudem scheint das Ethnonym Han nicht eindeutig mit einer bestimmten Sprache verbunden zu sein, da es sowohl für Gruppen verwendet wurde, die vermutlich Proto-Koreanisch, als auch für solche, die Proto-Japanisch sprachen.
Altkoreanisch
Die altkoreanische Sprache ist erstmals seit dem 5. Jahrhundert belegt.
Die meisten Befunde schriftlicher Überlieferungen stammen aus der Zeit des Vereinigten Sillas des 7. bis 10. Jahrhunderts. Demnach kann Altkoreanisch allgemein als die Sprache Sillas nach der Vereinigung der Drei Reiche verstanden werden. Alternativ wird vom Linguisten Alexander Vovin davon ausgegangen, dass Mittelkoreanisch aus der Sprache Goguryeos hervorgegangen ist, während Baekjes Sprache in Form der Jeju-Sprache weiterexistiert. Silla soll nicht dazu fähig gewesen sein, Korea kulturell zu einigen, weshalb es aufgrund von inneren Unruhen kollabierte. Generell werden auch die Sprachen der Drei Reiche als Varianten des Altkoreanischen bezeichnet.
Mittelkoreanisch Die Entwicklung des Mittelkoreanischen wird in das 10. bis zum 13. Jahrhundert eingeschätzt. Bis zur Einführung der phonetischen koreanischen Schrift Hangeul im 15. Jahrhundert sind sprachliche Zeugnisse ausschließlich mit den Schriftsystemen von Idu, Hyangchal und Gugyeol belegt. Idu wurde noch bis ins 19. Jahrhundert verwendet, vor allem von Beamten der Mittelschicht. Gugyeol wurde verwendet, um chinesische Texte mit Glossen zu versehen, ähnlich wie das japanische Man’yōgana und Kunten sowie das spätere Katakana. Hyangchal wurde verwendet, um altkoreanische Volksgedichte aus Silla niederzuschreiben.
Ab Mitte des 15. Jahrhunderts ist Mittelkoreanisch deutlich besser belegt, was auf die Verbreitung von Hangeul im Jahr 1443 zurückzuführen ist.
Ungefähr für die Zeit des Imjin-Kriegs gegen Ende des 16. Jahrhunderts sind phonologische und morphologische Veränderungen belegt, die etwa im 17. Jahrhundert abgeschlossen waren. Das nun entstandene Koreanische weicht vom vorher üblichen Mittelkoreanischen teilweise erheblich ab und stellt im Grunde die heute in Korea gesprochene Sprache dar.
Morphologie Das Koreanische besitzt eine recht komplexe Morphologie, die sich in vielen Formen durch beispielsweise divergierende Wortverwandtschaften sowie durch eine Vielzahl an Flexionsmorphemen ausdrückt.
Beweisbare morphosemantische Verwandtschaften von Wörtern des modernen Koreanischen wie 다스하다 (daseuhada), 따뜻하다 (ttatteuthada), 따듯하다 (ttadeuthada), 따스하다 (ttaseuhada), 따끈하다 (ttakkeunhada), 따습다 (ttaseupda), 따갑다 (ttagapda) und 뜨뜻하다 (tteutteuthada) lassen sich meist bis ins Mittelkoreanische zurückverfolgen. Diese Begriffe teilen eine semantische Grundbedeutung, die mit Wärme, Behaglichkeit und Milde verbunden ist, wobei sich im Laufe der Zeit allmähliche Unterschiede durch semantische Spezialisierung, phonologische Entwicklungen und durch Prozesse wie Reduplikation zur Betonung oder Verstärkung der Bedeutung herausgebildet haben. Der Begriff 다스하다 hatte Bedeutungen wie „mild“, „sanft“ oder „warm“. Im Frühmodernen Koreanisch durchlief 다스하다 phonologische Veränderungen, die zur Entstehung von Formen wie 따스하다 (ttaseu-hada) führten. Die Wandlung des unaspirierten Lenis-Anfangskonsonanten zu einer Fortis (hier 다스- zu 따스-) ist ein häufiges Phänomen im Koreanischen, das oft verwendet wird, um Bedeutung zu verstärken oder eine nuancierte Intimität oder Intensität auszudrücken. Die koreanische Fortis ist der abrupte Beginn der Lautwiedergabe nach einer kurzen Verschluss-Freigabe. Die heutige Form 따뜻하다 (ttatteuthada) entwickelte sich durch weitere phonetische Anpassungen, wie der Vokalhebung und Assimilation.