Die 33. Alpinen Skiweltmeisterschaften fanden vom 12. bis 25. Februar 1996 in der spanischen Sierra Nevada in der Nähe der Stadt Granada statt. Sie hätte planmäßig im Jahr 1995 stattfinden sollen. Aufgrund des Schneemangels in der Sierra Nevada musste sie jedoch zum ursprünglichen Termin abgesagt werden und wurde um ein Jahr verschoben.

Absage 1995 Die Absage wurde offiziell um 15 Uhr am 26. Januar 1995 (somit drei Tage vor der offiziellen Eröffnung) mitgeteilt. Es wurde ein Verlust von ca. 17,5 Mio. DM (16,2 Mio. CHFr/130 Mio. Schilling) genannt. Die Absage stellte auch viele Anforderungen an die TV-Stationen, die ihre Kameras wieder abbauen und heimtransportieren mussten – aber auch an viele andere Organisationen, die vor Ort kleine Gebäude errichtet hatten, z. B. der „Österreichische Wirtschaftsbund“ mit seinem bei diesen Ereignissen vertretenen „Österreich-Haus“ und der auch eine große Menge an Speisen und vor allem Getränken nach Spanien gebracht hatte.„Ski-WM auf 1996 verlegt – 130 Mio Verlust“ in «Kronen Zeitung» vom 27. Januar 1995, Seiten 7 und 6 von hinten

Eröffnung Die Feier begann am 11. Februar 1996 ab 19 Uhr im Fußballstadion „Los Cármenes“ in Granada (Estadio Nuevo Los Cármenes). Die spanische Königsfamilie hatte den Ehrenschutz übernommen, König Juan Carlos I. selbst sprach die Eröffnungsworte. Anwesend waren auch Ministerpräsident Felipe González sowie die Präsidenten des IOC, Juan Antonio Samaranch, und der FIS, Marc Hodler. Die Moderation führten die erfolgreichen Alpin-Olympioniken Francisco und Blanca Fernandez-Ochoa durch.

Wissenswertes An den Weltmeisterschaften nahmen 352 Sportler aus 50 Nationen teil. Seitens des Organisationschefs Manuel Hernández waren 200 Schneekanonen im Einsatz; das Budget von 160 Mio. Pesetas wurde von der Region Granada, dem Land Andalusien und dem spanischen Staat aufgebracht. Der Österreichische Skiverband hatte 15 Herren und 9 Damen genannt, darunter Stephan Eberharter, der jedoch durch seine Verletzungen in den letzten Jahren keine Weltcup-, sondern nur Europacup und „gewöhnliche“ FIS-Rennen bestritten hatte und praktisch fünf Jahre nach seinem Titelgewinn im Super-G diesen verteidigen durfte (nachdem 1993 dieser hatte gecancelt werden müssen). Im Herren-Aufgebot war Hannes Trinkl allerdings bloß als Ersatz vorgesehen. Die ARD hatte für die Übertragung des Herren-Kombinationsslaloms ca. 1,43 Mio. DM bezahlt, doch wegen der geänderten Startzeit am Abend des 20. Februar konnte sie diesen wegen anderer festgelegter Programme (es war dies zudem der Faschingdienstag) nicht zeigen, weshalb angekündigt wurde, Regressansprüche bei der FIS geltend zu machen.Bericht in „WM-Extra“ in «Kronen Zeitung» vom 22. Februar 1996, Seite 3, POS.: Mitte, zweiter Kasten

Programm Herren 13. Februar: 11:30 Uhr Super-G 17. Februar: 11:30 Uhr Abfahrt 19. Februar: 11:30 Uhr Kombinations-Abfahrt 20. Februar: 10:00 und 13:00 Uhr Kombinations-Slalom 23. Februar: 09:30 und 13:00 Uhr Riesenslalom 25. Februar: 09:30 und 13:00 Uhr Slalom

Damen 12. Februar: 11:30 Uhr Super-G 16. Februar: 11:30 Uhr Kombinations-Abfahrt 18. Februar: 11:30 Uhr Abfahrt 19. Februar: 10:00 und 13:00 Uhr Kombinations-Slalom 22. Februar: 09:30 und 13:00 Uhr Riesenslalom 24. Februar: 09:30 und 13:00 Uhr Slalom

Die Herren-Abfahrt konnte nicht termingerecht ausgetragen werden, weil keine Trainings möglich gewesen waren, was aber nicht an Wetterunbillen lag, sondern am ziemlich reduzierten Fleiß des für die Präparierung zuständigen Personals. Dies führte zu Protesten der TV-Werbekunden. So gab es erst am eigentlichen Renntag ab 10:00 Uhr einen Zeitlauf.„Nach Skandal sind nun doch die 100-Kilo-Bomber dran“ in «Kronen Zeitung» vom 17. Februar 1996, Sonderseiten „WM extra“

Verletzungen Einen folgenschweren Zwischenfall gab es am 14. Februar beim ersten Abfahrtstraining der Damen auf der Piste „Velera“, wo die russische Läuferin Tatjana Lebedewa in Tempo 100 km/h mit dem die Piste querenden ehemaligen Cheftrainer (bis 1972) und den USA (1974–1991) und nunmehr USA-FIS-Funktionär Harald Schönherr aus Park City kollidierte. Lebedewa erlitt einen Schien- und Wadenbeinbruch rechts, Schönhaar einen Trümmerbruch im linken Unterschenkel; beide wurden in die Universitätsklinik in Granada gebracht und dort operiert. Lebedewa war mit Nr. 30 die letzte Läuferin vor einer Unterbrechung gewesen. Schönhaar hatte sich mit dem deutschen FIS-Funktionär Dieter Wieder an der Piste aufgehalten und dürfte einen Funkspruch missverstanden und geglaubt haben, dass die Strecke frei sei.„Nur Tatjanas tolle Reaktion verhinderte WM-Tragödie“ in «Kronen Zeitung» vom 15. Februar 1996, Sonderseiten „WM-Extra“ Am 10. Februar 1996 rutschte Alexandra Meissnitzer auf einer Stiege vor dem Mannschaftshotel aus, zog sich eine Knöchelverstauchung zu, die sich auf ihre Leistungen in den von ihr bestrittenen Rennen sehr negativ auswirkte und dazu führte, dass sie wegen der Schmerzen zum 2. Durchgang im Riesenslalom nicht mehr antrat. Auch am 10. Februar erlitt Martina Ertl bei einem Sturz im Riesenslalom-Training eine Schuhrandprellung links; es wurde für sie daher ein weicherer Schuh „gebastelt“.in «Kronen Zeitung» vom 12. Februar 1996, Sonderseiten „WM-Extra“„Drei Debütantinnen greifen heute beim WM-Auftakt an“ in »Salzburger Nachrichten« vom 12. Februar 1996, Seite 14 Peter Rzehak zog sich am 17. Februar bei einem Trainingssturz einen Riss der Partillasehne im rechten Knie zu. Nach einer Erstversorgung in Granada wurde er in die Universitätsklinik in Innsbruck überstellt und von Karl Bernedetto operiert.„Rzehak operiert“ in «Tiroler Tageszeitung» Nr. 42 vom 20. Februar 1996, Seite 25, POS.: Spalte 5, unten Bruno Kernen erlitt im Kombinationsslalom eine Verstauchung der Wirbelsäule; es wurde ihm eine Halskrause angebracht.Bericht in „WM-Extra“ in «Kronen Zeitung» vom 22. Februar 1996, Seite 3, POS.: Mitte, erster Kasten

Sonstiges Michael Tritscher hatte schon im Vorfeld wegen eines zu hohen Risikos auf die Weltmeisterschaftsteilnahme verzichtet.„Michael Tritscher verzichtet auf WM“ in »Salzburger Nachrichten« vom 8. Januar 1996, Seite 21; POS.: Spalte 5, letzter Beitrag Renate Götschl verschlief die Siegerehrung für die Damenkombination, in der sie Vierte geworden war. Die 20-Jährige war bei einem Großereignis noch nie in dieser Position und daher der Meinung gewesen, dass hierbei nur die drei Medaillengewinnerinnen eingeladen seien.Glosse „Fragwürdig“ in «Kleine Zeitung» vom 21. Februar 1996, Seite 45; POS.: rechts Es gab bereits zum 20. Mal ein sogenanntes „Österreich-Haus“ (Kosten rund 8 Mio. Schilling, davon 3,5 Mio. von der Wirtschaftskammer, der Rest von 34 österreichischen Firmen finanziert), welches sogar bei dessen Eröffnung von König Juan Carlos besucht wurde. Das war darin begründet, dass die Österreicher dieses Haus im Jahr 1995 trotz der Absage aufgebaut hatten, was dem Monarchen imponiert hatte.Rubrik „Tagebuch“ mit dem Titel „Jubiläum im Österreich-Haus“ in »Salzburger Nachrichten« vom 10. Februar 1996, Seite 27; POS.: Spalten 2 und 3, Mitte Der Großteil der österreichischen Journalisten boykottierte einen „spanisch-österreichischen Abend“ am 21. Februar, da in der in Granada erscheinenden Lokalzeitung „Ideal“ ein großer Aufmacher die Leserschaft über Österreichs Geschichte wissen ließ, dass „man dort lange nicht gewusst habe, wo Granada überhaupt liegt (vielleicht in Afrika?)“ oder dass „Österreich noch zu den Barbaren gehört hat, als Granada das Weltzentrum für Kultur und Wirtschaft war“.„Die Spanier kramen in unserer Geschichte“ in «Kleine Zeitung» vom 22. Februar 1996, Seite 41 Es kam aber doch noch am 21. Februar zu einer Versöhnung zwischen ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel und dem WM-Chef Jeronimo Paez, die bei einem österreichisch-spanischen Abend im Österreich-Haus mit Bier anstießen.Rubrik „Tagebuch“ in »Salzburger Nachrichten« vom 23. Februar 1996, Seite 11; POS.: Spalten 4 und 5, unten; erster Beitrag

Erwähnenswertes Der Kombinations-Slalom der Männer war der erste WM-Wettbewerb überhaupt in der Geschichte alpiner Skiweltmeisterschaften, der abends unter Flutlicht stattfand. Dieser Slalom war außerdem zu einem Ersatztermin eingeschoben worden.

Dies und das Der erste Teil des österreichischen Teams (Damen) kam am 8. Februar verspätet in Spanien an, da der Flug in Zürich versäumt worden war; auch Teile des Gepäcks trafen verspätet ein oder waren auch einen Tag danach noch nicht vor Ort. Beim DSV-Team waren die Skier von Katja Seizinger verschwunden. Eine Kuriosität bestand darin, dass die Hauptkonkurrentinnen, die US-Girls, die Damen des DSV und die Österreicherinnen in einem gemeinsamen Hotel untergebracht waren.„Anreise mit Schwierigkeiten“ in »Salzburger Nachrichten« vom 10. Februar 1996, Seite 27; POS.: Spalten 4 und 5 Strapaziös war der WM-Einstand für die nur für die technischen Bewerbe angereiste Claudia Riegler, denn sie musste insgesamt dreimal das Hotel wechseln (im zuerst für den 12. Februar gebuchten Hotel war trotzdem nichts frei gewesen), das Wachsmaterial war im offiziellen Mannschaftshotel gelandet, wo es von einem Teil des bereits nach Japan abreisenden italienischen Team mitgenommen worden war, dann doch noch aufgefunden wurde.Rubrik „Tagebuch“ in »Salzburger Nachrichten« vom 23. Februar 1996, Seite 11; POS.: Spalten 4 und 5, unten; zweiter Beitrag Österreichs Fahnenträger war Stephan Eberharter.„König eröffnete die Ski-WM“ in »Salzburger Nachrichten« vom 12. Februar 1996, Seite 14; POS.: Spalten 4 und 5, Mitte

Männer Abfahrt Platz Land Sportler Zeit 1 Patrick Ortlieb 2:00,17 min 2 Kristian Ghedina 2:00,44 min 3 Luc Alphand 2:00,45 min 4 Lasse Kjus 2:00,64 min 5 Brian Stemmle 2:00,92 min 6 Günther Mader 2:01,28 min 7 Werner Perathoner 2:01,36 min 8 Peter Runggaldier 2:01,38 min 9 Hannes Trinkl 2:01,83 min 10 Xavier Gigandet 2:02,07 min - - - - 13 William Besse 2:02,13 min 16 Hans Knauß 2:02,28 min 17 Bruno Kernen 2:02,30 min 19 Daniel Mahrer 2:02,61 min 20 Stefan Krauß 2:03,03 min 26 Markus Foser 2:03,52 min 30 Max Rauffer 2:03,86 min 31 Berni Huber 2:03,97 min 32 Urs Lehmann 2:03,98 min 36 Michael Brunner 2:04,73 min 38 Jürgen Hasler 2:04,89 min 42 Achim Vogt 2:05,06 min 68 Hubertus von Hohenlohe 2:14,55 min

Titelverteidiger: Urs Lehmann (SUI) Datum: 17. Februar, 14:00 Uhr Piste: „Veleta“ Länge: 3930 m, Höhenunterschied: 950 m Tore: 42

Am Start waren 75 Läufer, alle erreichten das Ziel.

Super-G Platz Land Sportler Zeit 1 Atle Skårdal 1:21,80 min 2 Patrik Järbyn 1:22,09 min 3 Kjetil André Aamodt 1:22,11 min 4 Janne Leskinen 1:22,37 min 5 Patrick Wirth 1:22,48 min 6 Lasse Kjus 1:22,57 min 7 Günther Mader 1:22,59 min 8 Alessandro Fattori 1:22,60 min 9 Hans Knauß 1:22,63 min - - - - 13 Marco Hangl 1:22,83 min 16 Tobias Barnerssoi 1:23,03 min 17 Bruno Kernen 1:23,12 min 20 Richard Kröll 1:23,67 min 24 Max Rauffer 1:23,88 min 25 Achim Vogt 1:24,02 min 27 William Besse 1:24,14 min 30 Steve Locher 1:24,40 min 34 Berni Huber 1:24,66 min 73 Hubertus von Hohenlohe 1:34,19 min

Bei den Weltmeisterschaften 1993 abgesagt; Titelverteidiger 1991: Stephan Eberharter (AUT) Datum: 13. Februar, 11:30 Uhr Piste: „Granados“ Länge: 2425 m, Höhenunterschied: 640 m Tore: 44

Am Start waren 96 Läufer, 82 von ihnen erreichten das Ziel.

Ausgeschieden u. a.: Stephan Eberharter (AUT), Markus Foser (LIE)

Für die ÖSV-Herren war der Super-G bereits im oberen Streckenteil mit seinen vielen Richtungsänderungen verloren, denn die dort erreichten Zwischenzeiten mit den Rängen 15 (Wirth), 21 (Knauss) und 32 (Mader) waren ein zu hoher Ballast, das konnte bei der Aufholjagd (zweitbeste Zwischenzeiten in den weiteren Abschnitten) nicht mehr gutgemacht werden.Rubrik „WM-Splitter“ in »Salzburger Nachrichten« vom 14. Februar 1996, Seite 23; POS.: Spalte 1, unten; zweiter Absatz

Riesenslalom