Die Weiße Flotte Sachsen GmbH (Eigenschreibweise WEIßE FLOTTE SACHSEN; auch Sächsische Dampfschifffahrt) ist ein deutsches Schifffahrtsunternehmen und Betreiber von Fahrgastschiffen mit Sitz in Dresden. Es ist mit ihren neun historischen Schaufelraddampfern die älteste und größte Raddampferflotte der Welt. Befahren wird die Elbe zwischen Diesbar-Seußlitz und Bad Schandau, gelegentlich auch bis Ústí nad Labem in Tschechien. Nach Insolvenz wurde die ehemalige Sächsische Dampfschiffahrts GmbH & Co. Conti Elbschiffahrts KG 2020 vom Schweizer Unternehmen United Rivers aufgekauft.
Geschichte Überblick + Zeitliche Entwicklung der Elbdampfgesellschaft Elbdampfschiffahrts-Gesellschaft (1836) Königlich privilegierte Sächsische Dampfschiffahrts-Gesellschaft (1839) K. K. priv. Dampfschiffahrt Übernahme 1849 Vereinigte Sächsisch-Böhmische Dampfschiffahrt (1849) K. K. priv. Elbe-Dampfschiffahrt Übernahme 1851 Sächsisch-Böhmische Dampfschiffahrts-Gesellschaft (SBDG, 1867) Sächsisch-Böhmische Dampfschiffahrts-Gesellschaft (SBDG, 1867) Neue Deutsch-Böhmische Elbeschiffahrt Aktiengesellschaft (NDBE) Fusion 1922/23 Neugründung der Sächsisch-Böhmischen Dampfschiffahrt, Aktiengesellschaft (SBDA, 1923) Auflösung und Überführung in Volkseigentum (1947)„Elbeschiffahrt Sachsen“ Deutsche Schiffahrts- und Umschlagsbetriebszentrale (DSU, 1950) VEB Fahrgastschiffahrt und Reparaturwerft Dresden (1956) VEB Fahrgastschiffahrt Dresden (1967) Sächsische Dampfschiffahrts-GmbH & Co. Conti Elbschiffahrts KG (1992) Weiße Flotte Sachsen GmbH (2020) mini|links|PD Pillnitz an den Anlegestellen am Terrassenufer unterhalb der Brühlschen Terrasse mini|links|PD Pirna auf Höhe Pillnitz
Die Schifffahrt mit Dampfern auf der Oberelbe begann im Jahr 1835, als ein Heckraddampfboot von Heinrich Wilhelm Calberla (1774–1836), Besitzer der Calberlaschen Zuckersiederei, am 20. Februar 1835 von Hamburg kommend mit zwei Kähnen im Schlepp in Dresden eintraf. Das hölzerne Schiff war 1833 vom Schiffbauer Schinke in Krippen erbaut worden. Danach wurde es nach Hamburg überführt und im Jahr 1834 vom Mechaniker Lipperts mit einer englischen Dampfmaschine mit einer Leistung von 75 PS ausgerüstet. Im Winter 1834/35 wurden Probefahrten auf der Unterelbe absolviert. Nach der Fahrt von Hamburg nach Dresden führte Calberla bis 1837 weitere Fahrten durch. Dann stellte er aufgrund der Konkurrenzsituation den Betrieb des Schiffes ein und beteiligte sich als Aktionär an der Elbdampfschiffahrts-Gesellschaft. Vor dem Antrag Calberlas vom 19. Juli 1833 gab es mehrere Gesuche an den sächsischen König, um mit Dampfschiffen die Segelschiffe und Treidelschiffe abzulösen. Das erste Gesuch des Dresdner Kaufmanns Friedrich Wilhelm Schaff vom 6. November 1815 wurde wie auch die Gesuche des Dresdner Bürgers Karl Knab vom 26. März und 12. Juli 1824, das Gesuch von Johann Andreas Schubert vom 7. Juni 1833 und das Gesuch des Hoforgelbauers Johann Andreas Uthe vom 12. August 1833 abgelehnt.
Elbdampfschiffahrts-Gesellschaft, gegründet 1836 Auf Anregung der Dresdner Kaufleute Benjamin Schwenke und Friedrich Lange wurde am 16. März 1836 an die sächsische Regierung ein Antrag zum Betreiben der Dampfschifffahrt auf der Elbe eingereicht. Am 25. März 1836 gründete sich in der konstituierenden Sitzung die Elbdampfschiffahrts-Gesellschaft, der neben den beiden Kaufleuten zwölf weitere Bürger angehörten. Bis zum 5. Mai 1836 wurden 1500 Aktien zum Nennwert von jeweils 100 Talern gezeichnet. Am 8. Juli 1836 erteilte König Friedrich August II. von Sachsen der Gesellschaft das Privileg zur Dampfschifffahrt im Königreich Sachsen für die Zeit von fünf Jahren. Bedingung war die Aufnahme des Schiffsverkehrs innerhalb eines Jahres.
Parallel dazu wurde Johann Andreas Schubert, Professor für Mathematik und Mechanik an der Technischen Bildungsanstalt Dresden, im Jahr 1836 Direktor des neugegründeten Dresdner Actien Maschinenbau-Vereins. Schubert, der die Dampfschifffahrt auf der Seine kennengelernt hatte, konstruierte die ersten Dresdner Dampfschiffe, die unter seiner Leitung auf der Vogelwiese am Johannstädter Elbufer gebaut wurden. Im Jahr 1837 lief mit der Königin Maria das erste deutsche Personendampfschiff vom Stapel, dessen erste öffentliche Fahrt vom Packhof an der Marienbrücke nach Meißen führte.
Königlich privilegierte Sächsische Dampfschiffahrts-Gesellschaft, ab 1839 Ab 1839 firmierte die Gesellschaft unter dem Namen Königlich privilegierte Sächsische Dampfschiffahrts-Gesellschaft und das bisher auf fünf Jahre begrenzte Privileg wurde bis 1849 verlängert. In der Folge fuhren die Schiffe nach Riesa, Meißen und Tetschen. Ab 1845 wurde dann bis Aussig gefahren. Im Jahr 1846 wurde die Strecke bis Leitmeritz und ab 1847 bis Melnik erweitert. Der böhmische Konkurrent Andrews/Ruston hatte ab 1842 das Privileg zur Schifffahrt von Prag bis zur sächsischen Grenze. Dennoch fuhren die Schiffe unter der Bezeichnung K. K. priv. Elbe-Dampfschiffahrt von Prag nach Dresden. Offensichtlich wurde die Strecke von der sächsischen Grenze bis Dresden im gegenseitigen Einvernehmen der beiden Gesellschaften von der Bohemia befahren. Ab Sommer 1845 organisierte das Tochterunternehmen K. K. priv. Dampfschiffahrt die Fahrten von Dresden nach Prag. Erst mit der Indienststellung der Germania 1846 und der Übernahme der Saxonia von der K. S. Elb-Dampfschiffahrt im Jahr 1848 wurden die beiden böhmischen Schifffahrtsgesellschaften zu ernsten Konkurrenten.
Nach Veröffentlichungen im Journal des Österreichischen Lloyd vom 19. März und 24. Mai 1846Vergleiche die Anno-Digitalisate bzw. . sowie der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom April 1846 waren folgende Dampfboote bei der Konkurrenz der Sächsischen priv. Dampfschiffahrts-Gesellschaft im Einsatz: Bohemia Germania Saxonia Baujahr & Ort 1840/41 in Prag Karolinenthal (Karlín) 1845/1846 Schiffbauplatz Obříství 1845/46 in Riesa Hersteller Ruston & Andrews (Prag, Schiffseigner) Ruston & Andrews (Prag, Schiffseigner) k. A. Antrieb Niederdruckmaschine von 30 PSn Niederdruckmaschine von 30 PSn 45 PSn Länge 120 Fuß (w) (37,93 m) 142 Fuß (40,21 m) k. A. Breite 15,5 Fuß (w) (4,90 m) 16 Fuß (4,53 m) k. A. Tiefgang 16,5 Zoll (w) (43,00 cm) 17 Zoll (40,00 cm) k. A.
+ Vorsitzender Direktor Name Zeitraum Friedrich Liebisch 1837–1841 Bernhard Buzzi 1841–1849
Sächsisch-Böhmische Dampfschiffahrts-Gesellschaft (SBDG), 1849–1922 mini|hochkant|links|Anzeige für eine Elbe-Dampferfahrt zwischen Prag und Dresden auf den Dampfschiffen Bohemia, Germania und Constitution aus dem Jahr 1849 mit Übernachtungsmöglichkeit auf dem Schloss in Obříství in Böhmen mini|hochkant|links|Anzeige für die Sächsisch-Böhmische Dampfschiffahrt (1913/14) mini|Aktie über 1000 Mark der Neuen Deutsch-Böhmischen Elbschiffahrt AG vom 4. Oktober 1921 Nach der im März 1849 erfolgten Vereinigung der Königlich priv. Sächsische Dampfschiffahrts-Gesellschaft mit der K. K. priv. Dampfschiffahrt firmierte das Unternehmen ab April 1849 unter dem Namen Vereinigte Sächsisch-Böhmische Dampfschiffahrt. Am 3. Februar 1851 kaufte man die drei Schiffe und die Konzession der böhmischen Konkurrenz für 25.000 Taler. Am 26. März 1867 erfolgte die Umwandlung der Gesellschaft in die Sächsisch-Böhmische Dampfschiffahrts-Gesellschaft (SBDG). 1851 gehörten sieben Personendampfer zur Flotte. 1867 waren es 16 Raddampfer und eine Dampffähre. Der kurzzeitig aufgenommene Schleppdienst wurde aufgrund starker Konkurrenz wieder eingestellt. Die Anzahl der Schiffe blieb in den nächsten Jahren nahezu stabil. Von 1867 bis 1888 wurden 13 Schiffe neu gebaut und 7 Schiffe verkauft oder abgewrackt. Die Passagierkapazität stieg von 6.700 auf 13.600 Plätze. Mit dem Dienstantritt des neuen Direktors, Oscar Ludwig Menzel, im Jahr 1888 änderte sich offensichtlich die Unternehmensphilosophie. Man setzte jetzt auf eine Expansion des Unternehmens. Bis 1893 wurden weitere 10 Schiffe mit einer Passagierkapazität von 5.700 Plätzen gebaut, aber nur 4 Schiffe ausgemustert. Der ab 1894 amtierende Direktor Ernst Kuchenbuch setzte diesen Kurs fort. Bis 1901 wurden weitere 12 Schiffe mit einer Kapazität von 8.600 Passagieren gebaut. Ausgemustert wurde in dieser Zeit ein Schiff. Die Anzahl der Schiffe stieg auf 37 und die Passagierkapazität auf 23.800 Personen. 1901 wurde mit 3.460.000 Passagieren das zweithöchste Passagieraufkommen erreicht. mini|Bohemia an der Anlegestelle am Italienischen Dörfchen, im Hintergrund die Semperoper, um 1900 1900 kam es zu einer Umstrukturierung der Gesellschaft. Der Verwaltungsrat wurde abgeschafft. Die Personen des Verwaltungsrates wurden in den schon bestehenden Aufsichtsrat übernommen. Der Posten des vollziehenden Direktors wurde abgeschafft und ein Vorstand, der nur aus dem Direktor bestand, etabliert. Kuchenbuch erlangte damit noch mehr Macht innerhalb der Gesellschaft. Die Folgen dieser expansiven Politik waren aber schon zu spüren. Die Auslastung der Schiffe sank im Vergleich zu 1876 um 30 %. Zum Ausgleich der finanziellen Lasten wurde 1896 eine Kapitalerhöhung der Gesellschaft von 984.300 Mark auf 1.500.000 Mark durchgeführt und der Reservefonds von 98.430 Mark auf 543.188 Mark aufgestockt. Trotz offensichtlicher finanzieller Probleme wurden auch weiterhin Dividenden von 10 % gezahlt. Mit der Indienststellung der Kaiser Wilhelm II im Jahr 1900 musste die Kaiser Wilhelm aus Kapazitätsgründen vorübergehend stillgelegt werden. Mit dem Tod von Ernst Kuchenbuch im März 1902 übernahm Kurt Fischer den Posten des Direktors. Er versuchte das angeschlagene Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Er legte eine Prioritäten-Anleihe in Höhe von 1.000.000 Mark auf und begann den Reservefonds in Anspruch zu nehmen. Die Dividendenzahlung wurde für mehrere Jahre ausgesetzt. Ein Schiff wurde verkauft und 2 Schiffe verpachtet (1906 verkauft). Seine Bemühungen wurden durch 2 trockene Sommer in den Jahren 1904 und 1911 behindert. Die Schifffahrt musste hier für 4 bzw. 3 Monate eingestellt werden. 1910 erhielt die Flotte ihren Liegeplatz am Dresdner Terrassenufer unterhalb der Brühlschen Terrasse. Im Jahr 1911 besaß die Sächsisch-Böhmische Dampfschifffahrtsgesellschaft 32 Dampfschiffe und beschäftigte etwa 540 Personen. Bis 1915 wurden weitere 3 Schiffe gebaut, aber auch 3 Schiffe verkauft. Die Passagierkapazität lag weiterhin bei 23.000 Plätzen. Zwischenzeitlich sank die Auslastung der Schiffe gegenüber 1875 auf unter 40 %. Der Erste Weltkrieg stellte das Unternehmen vor weitere Herausforderungen. Der Bau eines weiteren Schiffes wurde 1915 abgebrochen. Beginnend im Jahr 1915 wurde eine Anzahl von Schiffen stillgelegt. 1918 waren von 34 Schiffen nur noch 18 in Fahrt. Ende 1917 wurden zwei Schiffe für den Kriegseinsatz auf der Weichsel beschlagnahmt.
Gegen Ende des Krieges verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation der Gesellschaft dramatisch. Deshalb wurden einige Schiffe verkauft. 1919 sechs Schiffe und 1921 zwei Schiffe. 1922 verfügte die Gesellschaft damit über 24 Schiffe mit einer Kapazität von 17.400 Passagieren. Im Januar 1921 stand die Frage der Liquidation der Gesellschaft. Der Staat Sachsen, der mit einem Drittel an der Gesellschaft beteiligt war, sprach sich gegen diese Option aus. Die Gesellschaft fusionierte deshalb 1923 mit dem Stichtag 1. Januar 1922 mit der Neuen Deutsch-Böhmische Elbeschiffahrt Aktiengesellschaft (NDBE). Diese übernahm alle Vermögenswerte der SBDG. Zum 1. Oktober 1922 wurde die Laubegaster Werft an die NDBE für 25 Jahre verpachtet. Am 25. November 1924 erwarb der Sächsische Staat 47,76 % der Aktien der NDBE. Der zweite Großinvestor mit 51,35 % der Aktien war die böhmische Georg Schicht AG. Nur sehr wenige Aktien befanden sich in Privathand. Am 21. März 1923 wurde die (Neue) Sächsisch-Böhmische-Dampfschiffahrt, Aktiengesellschaft (SDBA) mit einem Aktienkapital von einer Million Mark gegründet und am 13. April 1923 eingetragen.
+ Vorsitzender Direktor Name Zeitraum Wilhelm Heimbold 1850–1854 Carl Leopold Reichelt 1855–1866 Otto Rippold 1867–1869