Die 32. Alpinen Skiweltmeisterschaften fanden vom 4. bis 14. Februar 1993 in der Wintersportstation Shizukuishi nahe der japanischen Stadt Morioka an den eher den Charakter von Hügeln innehabenden Mount Takakura und Mount Kotakakura statt. Dabei wurden die Pisten nachträglich durch den Schweizer Pisten-Architekten Bernhard Russi mit Schwierigkeiten versehen. Die Herren-Abfahrt, deren Schlüsselstelle der Weiten von 60 Metern ermöglichende Kongoo-Sprung darstellte, beinhaltete zwölf Kurven und fünf Sprünge. Bei den Damen wies die Strecke neun Kurven bei vier Sprüngen auf."Sport-Bild & Audi präsentieren die Ski-WM '93 – Alles über die spannenden Rennen vom 3. bis 14. Februar in Morioka (Japan)", Sport-Bild vom 3. Februar 1993, S. 31ff, 33. Aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse mussten einzelne Rennen mehrmals verschoben, der Herren-Super-G konnte sogar nicht mehr ausgetragen werden; er wurde ersatzlos gestrichen.
Erstmals fanden alpine Skiweltmeisterschaften, losgelöst von Olympischen Winterspielen (wie es 1972 in Sapporo der Fall war), in Asien statt. Am 11. Juni 1988 hatte sich der Austragungsort bereits im ersten Wahlgang beim 36. FIS-Kongress in Istanbul gegen die anderen Mitbewerber als potenzielle Ausrichter durchgesetzt.
Eröffnung Diese fand am 3. Februar um 9 Uhr Ortszeit statt und wurde durch Prinz Fumihito von Akishino durchgeführt, der sich indigniert präsentierte; es war anzunehmen, dass die Kritik an der Vergabe an das wetteranfällige Morioka auch zu ihm durchgedrungen war.„Japans Prinz war ‚verschnupft‘“ in «Kleine Zeitung» vom 2. Februar 1993, S. 37. 6.000 Besucher waren gekommen. 456 Sportlerinnen und Sportler aus 45 Nationen zogen ein, das sogenannte „Rest-Jugoslawien“ war auf Grund einer UN-Resolution von der FIS ausgeschlossen worden. Zwei amtierende Weltmeister waren Fahnenträger: Bei Österreich Ulrike Maier, bei der Schweiz Franz Heinzer.„Uli Maier Fahnenträgerin“. In «Tiroler Tageszeitung» Nr. 281 vom 1. Februar 1993, S. 26; POS.: Spalten 1; MitteGlosse „Gesprächs-Thema Ski-WM“ mit Titel „Eröffnung mit Fahnenträgerin Maier“. In «Salzburger Nachrichten» Nr. 26 vom 2. Februar 1993, S. 19.„Ulli Maier trägt österreichische Fahne“: in «Kleine Zeitung» vom 2. Februar 1993, S. 37. Proteste gab es hinsichtlich eines von FIS-Präsident Marc Hodler wegen seines während seiner Ansprache getragenen Anoraks mit einem darauf fixierten Werbeemblem für „Rossignol“, jedoch war dieser französische Ski der offizielle Weltmeisterschafts-Ski.Beitrag in «Kronen Zeitung» vom 5. Februar 1993, Sonderseiten „WM extra“, S. 2; POS.: erster Kasten links Proteste gab es aber auch, u. zw. durch die Firma Raichle, über die Startnummern, die die Aufschrift „Nordica“ trugen. Diese fruchteten allerdings nicht. Die FIS drohte sogar Disqualifikationen an, sollten an den Startnummern wegen der Aufschrift Veränderungen durchgeführt werden, das „Statement von Raichl“ lautete, „man wolle im Sinne der Sportler die Entscheidung akzeptieren“.„Protest half nicht – Die Werbung bleibt“. In «Kronen Zeitung» vom 4. Februar 1993, Spezialseiten „WM Extra“, S. 1. Bei achttausend Journalisten, Sponsoren und „VIPS“ und 200.000 Besucher kamen bzw. wurden erwartet. Lt. FIS-Generalsekretär Gian Franco Kasper hatten 45 Verbände mit 250 Aktiven genannt.
Kritik an der Entscheidung für Morioka FIS-Präsident Marc Hodler verteidigte die Morioka-Wahl und stellte nicht in Abrede, dass bei der Vergabe auch wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle gespielt hatten. „Die Industrie war sicher dafür, weil Japan mit seinen Millionen Skiläufern ein interessanter Absatzmarkt ist. Außerdem war es eine Verpflichtung, eine Weltmeisterschaft an Asien zu vergeben, wo Japan die einzige Möglichkeit war“.„Hodler verteidigt Morioka-Wahl“ in «Tiroler Tageszeitung» Nr. 29 vom 5. Februar 1993, S. 21; POS.: Spalten 3 bis 6, unten
Gegen die Aussagen Hodlers und des Generalsekretärs Kasper, dass in Europa kein Schnee zu finden sei und die Durchführung einer Weltmeisterschaft auch Probleme mit sich gebracht hätte, protestierten in einem Telegramm an diese beiden Herren die Mitgliedsorte der Vereinigung „Best of the Alps“ (Chamonix, Cortina, Grindelwald, St. Moritz, Davos, Zermatt, Garmisch-Partenkirchen, Lech am Arlberg, Kitzbühel und Seefeld): „Die Vereinigung verwehre sich entschieden gegen diese falschen und geschäftsschädigenden, weltweit verbreiteten Aussagen. In den europäischen Wintersportorten herrschen derzeit überwiegend sehr gute Schneeverhältnisse. Die Vereinigung organisiere als langähriger loyaler Partner der FIS Skiveranstaltungen und stellte auch im Sommer Trainingsmöglichkeiten bereit.“ Es wurde eine Richtigstellung noch während der Weltmeisterschaft gefordert.„Protest gegen Hodler und Kasper“ in «Tiroler Tageszeitung» Nr. 33 vom 10. Februar 1993, S. 24; POS.: Spalten 2 bis 5, Mitte
Gegenüber der österreichischen Tageszeitung «Salzburger Nachrichten» (siehe Ausgabe Nr. 31 vom 8. Februar 1993, S. 17, mit Titel „‚Ungeheure Vorgänge‘ bei WM-Vergabe“) bestätigte ein ranghoher FIS-Funktionär, dass er zwei Monate nach dem Zuschlag erstmals in die WM-Region gekommen sei und feststellen musste, dass das Skigebiet großteils nur aus Plänen bestanden und es nur einen Parkplatz und einen Lift gegeben habe. Statt der als schwierig beschriebenen Damenabfahrt habe nur ein Wald existiert.
Entscheidungen am Sportbereich Bereits am 12. Januar gab es eine Vorausmeldung an die FIS, in welcher ein größerer Kader genannt werden konnte, ehe nach den Weltcuprennen dieser reduziert wurde. Der ÖSV listete 36 Namen (19 Herren, 17 Damen)Beitrag in «Tiroler Tageszeitung» Nr. 9 vom 13. Januar 1993, S. 13.„Kein Prestigekampf der Geschlechter!“ In «Kronen Zeitung» vom 18. Januar 1993, S. 8 von hinten und bei der endgültigen Fixierung 14 Herren und 12 Damen auf, wobei es keine absolute Sensation gab. Dass Helmut Höflehner fehlen würde, hatte sich abgezeichnet, da er nicht in Form gekommen war und sich dann auch noch verletzt hatte. Die Schweizer Teamverantwortlichen nominierten Vreni Schneider wegen eines zu hohen Verletzungsrisikos nicht für den Kombinationsbewerb.„Kombi ohne Schneider“ in «Tiroler Tageszeitung» Nr. 281 vom 1. Februar 1993, S. 26; POS.: Spalten 5, 6; Mitte Erst am 4. Februar traf Paul Accola nach seinem Meniskusriss vom Dezember als letzter Nachzügler ein; seine Vorhaben waren Starts im Slalom und Riesenslalom. Allerdings wurde er nur für den Slalom nominiert, für den (letztlich nicht ausgetragenen) Super-G verlor er die mannschaftsinterne Qualifikation.Kasten „WM-Splitter“ in «Tiroler Tageszeitung» Nr. 29 vom 5. Februar 1993, S. 20; zweiter BeitragKasten „WM-Splitter“ in «Tiroler Tageszeitung» Nr. 36 vom 13./14. Februar 1993, S. 21; letzter Beitrag Kate Pace fuhr bei ihrem Abfahrtssieg praktisch nur mit der rechten Hand, denn sie hatte sich bei ihrem Sturz in der Abfahrt einen Speichenbruch der linken Hand zugezogen und hatte eine Manschette angelegt. Wie sie aussagte, sei ihr die Verschiebung entgegengekommen, da sie dadurch Zeit zum Lernen hatte, nur einen Stock zu gebrauchen.„Nur mit einer Hand!“ in «Tiroler Tageszeitung» Nr. 35 vom 12. Februar 1993, S. 15; POS.: Spalten 4 und 5, unten Der Kombinationsslalom der Damen gestaltete sich nach dessen Beendigung noch zu einer „Detektivarbeit“, da inkompetente Torrichter ihrer Aufgabe nicht gewachsen gewesen waren. So wurde Videomaterial zu Hilfe genommen, was zur Disqualifikation von Astrid Lødemel führte, während vermutete Torfehler von Anne Berge (NOR) nicht nachweisbar waren.„Wachter gegen Vogt – der letzte große Kombikampf?“. In «Kronen Zeitung» vom 5. Februar 1993, Spezialseiten „WM Extra“, S. 5 und 6 Kombinationsgold für Lasse Kjus bedeutete die erste Goldmedaille für Norwegens Herren bei alpinen Skiweltmeisterschaften seit Stein Eriksen 1954 in Åre. Marc Girardelli verzichtete auf ein Antreten in der Abfahrt. Sein Vater (und Trainer) Helmut Girardelli begründete dies damit, dass auf diesem Berg (Mount Takakura) Abfahrten irregulär seien und nur Fahrer mit höheren Nummern Chancen hätten. Außerdem ging es dem Läufer auch darum, sich noch für den Spezialslalom und Super-G vorzubereiten.„Geschimpft, geflucht – und dann Verzicht auf Abfahrt!“. In «Kronen Zeitung» vom 11. Februar 1993, Spezialseiten „WM Extra“, S. 1 und 2 Der österreichische Abfahrtstrainer Werner Margreiter schickte vorerst elf, danach mit dem hinzugekommenen Leonhard Stock zwölf Läufer in die Abfahrts-Qualifikation, weil er sagte, dass auf dieser Strecke alles möglich sei.„Keine ‚Bank‘ in der Abfahrts-Lotterie . Margreiter schickte elf Mann ins Training“. In «Kronen Zeitung» vom 2. Februar 1993, Spezialseiten „WM Extra“, S. 2. Es war gleich beim ersten Zeitlauf ersichtlich, dass durch die Wetterverhältnisse (Wind) die Gruppe-1-Läufer „verblasen“ wurden. Luc Alphand mit der Start-Nr. 33 war der Schnellste.„Die Ergebnisliste als Wetterbericht . Zehnter Assinger bester Österreicher“. In «Kronen Zeitung» vom 2. Februar 1993, Spezialseiten „WM Extra“, S. 6. Norwegens Trainer Dieter Bartsch hatte vor der Herrenabfahrt bei FIS-Renndirektor Karl Frehsner interveniert und den von ihn als „faul“ bezeichneten Schnee aus dem Gleitstück schaufeln lassen.„Der ‚faule Trick‘ des schlauen Dieter Bartsch“. In «Kronen Zeitung» vom 14. Februar 1993, Sonderseiten „WM extra“, S. 4. Die österreichische Slalomläuferin Monika Maierhofer weigerte sich, bei strömenden Regen eine Qualifikation gegen zwei andere Konkurrentinnen zu fahren und wurde deshalb heimgeschickt.„Ausgebootet“. In «Kleine Zeitung» vom 8. Februar 1993, S. 18. Beim Herren-Riesenslalom am 9. Februar musste der zweite Durchgang (wegen zu heftigen Windes nach mehreren Startverschiebungen) abgesagt und für den nächsten Tag neu angesetzt werden, was in dieser Weise auch eine Novität darstellte. Es waren zwar in den Anfangsjahren mit der Einführung der Herren-Riesenslaloms in zwei Durchgängen an zwei Tagen gefahren worden, jedoch war das damals derart programmiert gewesen. Gegenüber der Gebräuchlichkeit beim Weltcup, dass die Läufer selbst bei der (vortägigen) Startnummernvergabe, sprich dem „Pick up“, sich diese auswählten, war hier den Trainern dieses Prozedere erlaubt. So hatte sich der österreichische Trainer Werner Margreiter für Thomas Stangassinger, obwohl sich der Tennengauer die Nr. 1 gewünscht hatte, für die Nr. 2 entschieden – und ausgerechnet die Nr. 1 gewann; dabei war Aamodt überhaupt erst durch seinen Sieg im Kombinationsslalom in die Slalom-Elitegruppe vorgerückt.„Sieg mit ‚Stanis‘ Nummer – leider trug sie Aamodt“ mit zweitem Titel „Der ‚Falsche‘ trug die Nr. 1“. In «Kronen Zeitung» vom 14. Februar 1993, Sonderseiten „WM extra“, S. 7 und 8„Nummer 2 statt 1 – und so blieb dann nur 3“. In «Kleine Zeitung» vom 14. Februar 1993, S. 40/41. Erstmals konnte mit dem Super-G der Herren ein Bewerb bei alpinen Skiweltmeisterschaften nicht ausgetragen werden. Vorerst hieß es, man würde diesen Super-G (wahrscheinlich in Lillehammer) nachtragen, doch am 20. Februar lehnte der FIS-Vorstand anlässlich seines Aufenthaltes bei den Nordischen Skiweltmeisterschaften in Falun diesen Vorschlag ab. Man wollte damit keine „Präjudizwirkung“ auslösen und sonst „würden die Weltmeisterschaften eventuell nie enden“.„Stefan bleibt bis 1995 Weltmeister“. In «Kronen Zeitung» vom 22. Februar 1993, S. 8 von hinten
Erwähnenswert Die englischsprachig erscheinende „The Japan Times“ veröffentlichte in ihrer Weltmeisterschaftsvorschau ein Foto von Günther Mader mit der Bildunterschrift „Hier sehen sie Österreichs Super-G-Weltmeisterin Ukrike Meyer“. In der offiziellen WM-Broschüre wurde Rudi Nierlich als Italiener und auch als „Neilrich“, Stephan Eberharter als „Eberherzer“ genannt.Kasten „WM-Splitter“ in «Tiroler Tageszeitung» Nr. 281 vom 1. Februar 1993, S. 27; erster BeitragGlosse „Gesprächs-Thema Ski-WM“ mit Titel „Ulli Mader, Eberherzer und Neilrich“. In «Salzburger Nachrichten» Nr. 25 vom 1. Februar 1993, S. 22.