Die 31. Alpinen Skiweltmeisterschaften fanden vom 22. Januar bis 3. Februar 1991 im österreichischen Wintersportort Saalbach-Hinterglemm statt.

Auswahl des Austragungsortes Anfang Dezember 1985 wurde die Gründung des Vereins „Kandidatur Saalbach-Hinterglemm“ bekannt. Am 11. Juni 1988 konnte sich diese Skiregion bereits im ersten Wahlgang beim 36. FIS-Kongress in Istanbul durchsetzen.

Programm Tag Ort Wettbewerb Zeit 21. Januar Anreisetag Herren 22. Januar Hinterglemm Slalom 10 und 13 Uhr 23. Januar Hinterglemm Super-G 12:30 Uhr 27. Januar Hinterglemm Abfahrt 12:30 Uhr 28. Januar Hinterglemm Kombinations-Abfahrt 12:30 Uhr 30. Januar Hinterglemm Kombinations-Slalom 10 und 13 Uhr 3. Februar Saalbach Riesenslalom 10 und 13:30 Uhr Damen 25. Januar Saalbach Kombinations-Abfahrt 12:30 Uhr 26. Januar Saalbach Abfahrt 12:30 Uhr 29. Januar Hinterglemm Super-G 12:30 Uhr 31. Januar Saalbach Kombinations-Slalom 10 und 13 Uhr 1. Februar Saalbach Slalom 10 und 13 Uhr 2. Februar Saalbach Riesenslalom 10 und 13 Uhr

Die FIS musste vom ursprünglichen, laut Reglement vorgesehenen Nennungsschluss (18 Tage vor Weltmeisterschaftsbeginn), das war der 3. Januar, abweichen und setzte diesen für den 20. Januar, 16 Uhr, fest.„Nennungsschluss 42 Stunden vor erstem Bewerb“ in «Salzburger Nachrichten» vom 29. Dezember 1990, S. 25.

Eröffnung Wegen der Sicherheitsbedenken gab es zwar keine Eröffnungsfeier, jedoch wurden die Weltmeisterschaften am Morgen des 22. Januar im Stadion „Zwölferkogel“ in Hinterglemm vor dem Start des Herrenslaloms offiziell durch Bundespräsident Kurt Waldheim eröffnet, wobei lediglich das reine Protokoll erfüllt wurde. Weitere kurze Ansprachen wurden vom Saalbacher Bürgermeister Peter Mitterer, dem Salzburger Landeshauptmann Hans Katschthaler, den für den Sport zuständigen Gesundheitsminister Harald Ettl und FIS-Präsident Marc Hodler gehalten, welche sich alle eine sportliche und angesichts der angespannten politischen Situation eine friedliche Veranstaltung wünschten. Die Reden von Waldheim und Ettl waren sogar auf je zwei Minuten reduziert. – Die einzig kleine Auflockerung war der Einmarsch einer kleinen Abordnung aus Vail, dem Ausrichter der vorangegangenen Weltmeisterschaften, welche die FIS-Fahne mitbrachte, verbunden mit dem Abspielen der FIS-Hymne. Besucher waren mit Transparenten mit der Aufschrift „Give Peace a Chance“ anwesend.„Hodler-Ansprache als WM-Eröffnung“ in «Kleine Zeitung» vom 19. Januar 1991, S. 35; POS.: links untenKasten „Aus der WM-Manege“ in «Kleine Zeitung» vom 23. Januar 1991, S. 31; POS.: dritter Beitrag„Eine Eröffnung mit kurzen Reden“ in «Salzburger Nachrichten» vom 23. Januar 1991, S. 13; POS.: Spalte 1

Golfkrieg Die Weltmeisterschaften standen (vor allem österreichintern) im Zeichen des Todes von Gernot Reinstadler, in dessen Gedenken am 20. Januar am WM-Center die Fahnen auf halbmast gesetzt wurden. Während die Speedfahrer ihr Programm etwas später zu absolvieren hatten und sie daher zum Begräbnis des Verunglückten am 22. Januar „normal“ anreisten, wurde für die Slalomläufer eine Luftbrücke eingerichtet, damit sie nach Beendigung ihrer Läufe noch nach Jerzens kommen konnten.„Luftbrücke zu Reinstadlers Beerdigung“ in «Tiroler Tageszeitung» Nr. 18 vom 22. Januar 1991, S. 15.

Es hatte aber auch der am 16. Januar begonnene zweite Teil des „Zweiten Golfkrieges“ („Desert Storm“ oder „Gulf War“) eine mehrfache Auswirkung auf die gegenständlichen Weltmeisterschaften, was sich bereits darin dokumentierte, dass eine Eröffnungsfeier aus Sicherheitsgründen nicht stattfand (es gab aber eine formelle Eröffnung – siehe dazu den betreffenden Beitrag). Aussendungen seitens der staatlichen Stellen sprachen für die Gewährleistung der Sicherheit, vor allem für die Mannschaft der Vereinigten Staaten. Für diese waren die Quartiere im Hotel „Kendler“ (wo Ex-Skirennläufer Hans Enn der Geschäftsführer war) und im „Tirolerhof“ in Hinterglemm vorbereitet, doch das Team traf verspätet am 23. Januar ein. (Vorerst waren die US-Amerikaner aus Wengen in Richtung Heimat abgereist. Am 20. Januar hatte dann die US-Ski-Association 21 Athletinnen/Athleten nominiert, offensichtlich auch deshalb, weil Präsident George Bush für eine Teilnahme plädiert hatte.)„Wird der Weltcup im März gestoppt?“ in «Kleine Zeitung» vom 19. Januar 1991, S. 34; POS.: unten„US-Team wartet noch weiterhin ab“ in «Kleine Zeitung» vom 22. Januar 1991, S. 33; POS.: Spalte 3 Es war von der Sicherheitsdirektion des Landes Salzburg eine Sicherheitstruppe abgestellt worden, der österreichische Innenminister Franz Löschnak kündigte an, dass jede(r) US-Läufer(in) von Sicherheitsbeamten begleitet werden sollen.„70 Anti-Terror-Spezialisten für die WM abkommandiert!“ in «Kronen Zeitung» vom 25. Januar 1991, S. 1 und 2 in Sonderseiten „WM extra“ US-Delegationschef Howard Pedersen lobte nach Ende der Weltmeisterschaften die Sicherheitsvorkehrungen.„Haben un s rund um die Uhr sicher gefühlt“ in «Salzburger Nachrichten» vom 4. Februar 1991, S. 19.

Die Teilnahme des US-Teams hatte zudem gewichtigen Einfluss auf das Budget des Veranstalters. Denn der US-TV-Gigant ABC hatte sich wegen Fehlens der US-Fahrer ausgeblendet, lediglich der US-Sportkanal „ESPN“ blieb dran – wäre das nicht geschehen, hätte es eine finanzielle Einbuße von 15 Mio. Schilling gegeben.Überzeile „Kathrin Gutensohn war die Schnellste im gestrigen Abschlusstraining – US-Skinationalteam kommt doch noch“ zur Überschrift „Sabine Ginther und Haas setzten Akzente“ in «Tiroler Tageszeitung» Nr. 19 vom 23. Januar 1991, S. 14.

Erste Pressekonferenz, Geld- und Geschäftsfragen Schon am 6. November 1989 lud das Organisationskomitee zu einer Pressekonferenz, in welcher Generalsekretär Hans Fürstauer das Budget mit 137,8 Millionen Schilling bezifferte. Von einer 350.000 Quadratmeter großen Parkfläche in Maishofen waren 120 Groß-Shuttlebusse zum Nulltarif zum Weltmeisterschaftsort eingerichtet; im Glemmtal selbst waren 50 bis 60 Kleinbusse vorgesehen. Die Bergbahnen hatten für 1989 noch 200 Millionen Schilling in Neu- und Ausbauten der Liftanlagen veranschlagt.„137,8 Millionen Schilling für Ski-WM“. In »Tiroler Tageszeitung« Nr. 258 vom 8. November 1989, S. 17. Bei der bereits am 17. Januar für die Medienvertreter erfolgten Öffnung des Pressezentrum gab der Präsident des Organisationskomitees, Hannes Fürstauer, bekannt, dass sich das Gesamtbudget auf 660 Mio. Schilling (ca. 94,5 Mio. DM/82,5 Mio. CHFr) beläuft und der Hauptanteil von 340 Mio. vom Land Salzburg und der Republik für verkehrsentlastende Maßnahmen, 180 Mio. von der Bergbahngesellschaft und 140 Mio. als Weltmeisterschafts-Budget beigetragen wurden.„WM ohne Eröffnungsfeier“ in «Tiroler Tageszeitung» Nr. 15 vom 18. Januar 1991, S. 19, Mitte Die Endabrechnung soll ein Defizit von 40 Mio. Schilling ergeben haben. Es war vom Veranstalter zwar mitgeteilt worden, dass 200.000 Besucher gekommen wären, doch dürften nur bei 90.000 auch bezahlt haben, da in die Besucherzahl auch jeweils die „Gratisbesucher“ (es habe insgesamt 9.000 diverse Akkreditierungen gegeben, die bei zwölf Veranstaltungen eine Summe von 108.000 betragen hätten) inkludiert waren.Vom Fernsehen her hatten weltweit 250 Millionen Personen den Herren-Abfahrtslauf gesehen.„Die Welt entdeckte Saalbach“ in «Kleine Zeitung» vom 3. Februar 1991, S. 39.Finanzielle Turbulenzen hatten sich auch dadurch ergeben, dass die vom Organisationskomitee mit der Werbeagentur „Saatchi & Saatchi“ abgeschlossenen Verträge auf US-$-Basis beruhten, der Kurs der US-Währung jedoch gefallen war, so dass aus den umgerechneten 90 Mio. Schilling nur 67 Mio. Schilling wurden. Eine kleine Linderung trug Generalsponsor „Audi“ mit einem Zuschuss von 5 Mio. Schilling für den Kauf diverser Werberechte ein. Die Brau-AG hoffte auf eine Umsatzsteigerung von 25 %. Sie setzte jährlich 800.000 Liter Bier im Pinzgauer Tal um.„Flüssiges ‚Edelweiß‘ soll den Bier-Umsatz im Glemmtal um immerhin 25 Prozent anheben“ in «Salzburger Nachrichten» vom 26. Januar 1991, S. 30; POS.: unten

Erwähnenswertes Diese Weltmeisterschaften galten als die „sonnigsten“ seit Langem, was sogar dazu führte, dass alle Abfahren wegen der zunehmenden Sonneneinstrahlung um eineinhalb Stunden vorverlegt wurden. Bezüglich der Herrenabfahrt sträubte sich der Veranstalter vorerst, weil es dadurch u. a galt, die Fahrpläne der vielen Zubringer-Verkehrsmittel anzupassen. Es hieß, dass diese Änderung, verbunden mit den Begleitmaßnahmen (die Abfahrt fand am Sonntag statt), auch die Besucherzahlen sinken lassen würde. Die Fahrer übten jedoch heftige Kritik, führten an, dass der Schnee zu weich und daher gefährlich werden würde, was schon einige schwere Stürze im Training gezeigt hätten. Der mit Nr. 36 gefahrene Lasse Kjus hatte bei einem Sturz vier Zähne eingebüßt. Lars-Börje Eriksson (Nr. 38) hatte eine Schuhrandprellung erlitten und musste im Krankenhaus von Zell am See operiert werden.„Herren-Abfahrt vorverlegt“ in «Salzburger Nachrichten» vom 26. Januar 1991, S. 30. Hinsichtlich des Themas „Sonne“ kommentierte FIS-Präsident Hodler dieses Phänomen dahingehend, dass es auf der Erde nur zwei Plätze gibt, wo immer die Sonne scheint, hier und in der Wüste Sahara.Glosse „Sprüche zum Tag“ in «Salzburger Nachrichten» vom 4. Februar 1991, S. 18. Es gelangen zwei Titelverteidigungen (Damen-Super-G und Herren-Riesenslalom). Der bis zu diesem Zeitpunkt kaum in Erscheinung getretene Stephan Eberharter avancierte mit zwei Goldmedaillen zum „großen Gewinner“ dieser Weltmeisterschaften. Petra Kronberger galt auch als Mitfavoritin für die Kombination, in welcher sie vorerst in der Abfahrt Zweite geworden war, und auch für weitere Bewerbe. Durch die bei ihrem Sturz im Super-G erlittene Verletzung konnte sie aber zu keinem dieser Rennen mehr antreten. Die Goldmedaille im Riesenslalom für Rudolf Nierlich bedurfte erst der nachträglichen Bestätigung durch die FIS-Gremien, da der Österreicher mit einem Rennanzug gefahren war, auf dem die Prüfplombe fehlte (diese war offensichtlich verloren gegangen). Eine Überprüfung des Anzuges ergab aber keine Beanstandung.

Sonstiges Diverse Ski-Exoten (aus Costa Rica, Zypern, Guatemala und von den Virgin Islands, deren Läuferin Seba Johnson der in Fachkreisen bekannte „Star“ war) hatten sich zu einer Trainingsgemeinschaft zusammengeschlossen und trainierten unter der Leitung des Wiener Sportprofessors Wolfgang Grafenberger vom 7. bis 19. Januar in Zauchensee, wo auch ab 15. Januar die „Flachländer-Skimeisterschaften“ stattfanden.„Nennungsschluss 42 Stunden vor erstem Bewerb“ in «Salzburger Nachrichten» vom 29. Dezember 1990, S. 25; Thema 2 Auf Grund seiner Trainingsleistungen war Helmut Höflehner der erklärte Favorit für die Spezialabfahrt,„Ob er will oder nicht: Nun ist Heli der große Favorit“ in «Kronen Zeitung» vom 26. Januar 1991, Sonderseiten „WM extra“, S. 1 und 2 jedoch dürfte ihm seine Nervosität einen Streich gespielt haben. Er überkreuzte beim Start die Skier, wollte die verlorene Zeit aufholen, was in seinem Ausscheiden endete.„So etwas darf nicht einmal einem Anfänger passieren!“ in «Kronen Zeitung» vom 28. Januar 1991, Sonderseiten „WM extra“, S. 6 und 7 Eine Panne unterlief Heinz Prüller bei der Reportage im ORF-Radio, der (möglicherweise in seinen Unterlagen kramend) Höflehners Startprobleme übersehen hatte und einigermaßen unwissend über den (recht kurzen) Lauf des Steirers berichtete. Alberto Tomba als Doppel-Olympiasieger 1988 kam erneut nicht zu einer Goldmedaille; er blieb (wie auch 1989) überhaupt medaillenlos – im Slalom Vierter, im Riesenslalom mit Bestzeit nach dem ersten Lauf (0,27 s vor Nierlich) im zweiten Durchgang beim achten Tor mit der Hand eingehängt. Damit befand sich bezüglich Weltmeisterschaften nur die 1987 überraschend geholte Riesenslalom-Bronzemedaille in seinem Besitz.