Luchsfelle werden meist nicht unter dem Artnamen gehandelt, sondern nur als Luchse, je nach Herkunft kanadische, nordamerikanische, russische oder mongolische Luchse sowie Luchskatzen bzw. Bobcats (Rotluchse). Die wirtschaftliche Bedeutung der Felle für den Pelzhandel ist je nach Herkommen und damit Aussehen sehr unterschiedlich, die Felle der als am schönsten empfundenen Luchsarten rechnen seit jeher zu den wertvollsten Pelzarten. Die Flecken- und Streifenzeichnung variiert auch innerhalb der Populationen stark. Luchse gehören zu den wenigen Pelzen, bei denen das Bauchfell als wertvoller erachtet wird als das des Rückens. Kennzeichnend für das weichhaarige Luchsfell sind außerdem die langen Beine mit beeindruckend großen Pranken, der Stummelschwanz und die auffälligen, bis zu vier Zentimeter langen Haarpinsel über den großen Ohren sowie der, besonders bei den amerikanischen Arten, ausgeprägte Backenbart. Die Vorderbeine sind kürzer als die Hinterbeine, je nach Art unterschiedlich stark.

Die meisten Luchsarten unterliegen den Handelsbeschränkungen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens Absatz II.

Allgemein

Luchsfelle gelangen, wie viele andere Fellarten auch, rund abgezogen in den Handel, das heißt, das Fell wird nicht der Länge nach auf der Bauchseite aufgeschnitten. Beim Luchs kommt dem eine besondere Bedeutung zu, da dabei das wertvolle Bauchfell, die langhaarige helle Wamme, nicht beschädigt wird. In der Moderne wurde kurzzeitig bis etwa 1930 jedoch nur der Luchsrücken verwendet, dem derzeit kaum noch ein Wert beigemessen wird. Auf Gemälden aus dem Spätmittelalter und danach ist erkennbar, dass man zu der Zeit wie auch heute, die Wamme als attraktiver und damit vermutlich auch als wertvoller ansah, da sie von den Kürschnern bei Besätzen und Verbrämungen entsprechend auffällig an den Kanten platziert wurde. Der heute ganz besonders hohe Preis einzelner Luchs- oder Luchskatzenpelze rührt daher, dass nur oder fast nur die Wamme in möglichst klarer Farbe (weiß mit dunklen Tupfen) verwendet wird, die zudem noch deutlich schmaler ist als der mit Rücken bezeichnete Fellteil, der auch die Tierseiten mit umfasst. Meist wird für Großkonfektion (Mäntel und Jacken) Rücken und Wamme getrennt verarbeitet, wobei, je nach Preislage und unterschiedlichem modischen Anspruch, an der Wamme mehr oder weniger vom dunkleren Rücken verbleibt.

Gemeiner Luchs oder Nordluchs

mini|hochkant=1.4|Königin Wilhelmina der Niederlande mit einer Schlittendecke aus Luchsfell (1940)

Das Fell des Gemeinen Luchses ist etwa 1,00 bis 1,30 m lang, der Schwanz etwa 15 bis 24 cm. Die Färbung variiert entsprechend dem großen unterschiedlichen Vorkommen, die Grundfarbe ist meist ein weißlich durchsetztes rötlich grau. Die rot- und graubraune Tüpfelzeichnung wechselt stark. Die Fellseiten, die Innenseite der Beine und der Vorderhals sind weiß. Vom Schwanz ist fast die hintere Hälfte schwarz, nach der Wurzel zu mit schwarzen Binden. Die Grannenhaare sind häufiger weißgrau oder ganz dunkel, schwarz gespitzt. Die Sommerfelle sind rötlicher, die Winterfelle grauweißlicher. Neben stark gefleckten kommen auch an Rücken und Seiten fast ungemusterte Luchse vor.

Das Oberhaar ist mittellang, seidig bis grob und relativ dicht. Das Unterhaar ist ausgesprochen wellig. Auf einem Quadratzentimeter Rückenfläche stehen beim mittelrussischen Luchs etwa 9000, am Bauch etwa 4600 Haare. Auf ein Grannenhaar entfallen 12 bis 13 Wollhaare. Die Unterwolle ist weich und dicht, die Wamme ist langhaariger und weniger dicht, der Schweif ist gleichmäßig dicht behaart. Die Deckhaare auf dem Rücken sind 31 bis 51 Millimeter lang, am Bauch 50 bis 70 Millimeter, die Wollhaare entsprechend 31 beziehungsweise 41 Millimeter. Die Ohrpinsel werden von bis zu 4 Zentimeter langen Haaren gebildet. Zweimal jährlich findet ein deutlicher Haarwechsel statt, etwa zwischen April und September und Oktober bis November.

Der Haltbarkeitskoeffizient für alle Luchs- sowie Luchskatzenarten wurde anhand allgemeiner Erfahrung mit 50 bis 60 Prozent angegeben.Die angegebenen vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch Gerbung und Veredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden.Die Einteilung erfolgte in Stufen von jeweils 10 Prozent. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt.Paul Schöps; H. Brauckhoff, Stuttgart; K. Häse, Leipzig, Richard König, Frankfurt/Main; W. Straube-Daiber, Stuttgart: Die Haltbarkeitskoeffizienten der Pelzfelle in Das Pelzgewerbe, Jahrgang XV, Neue Folge, 1964, Nr. 2, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Frankfurt/Main, Leipzig, Wien, S. 56–58. Eine amerikanische Studie ordnete das Luchsfell anhand von mikroskopischen Haaruntersuchungen bei 25 Prozent ein.Redaktion: Die Haltbarkeit des Pelzhaares. In: Der Rauchwarenmarkt Nr. 26, Leipzig, 28. Juni 1940, S. 12. Primärquelle: American Fur Breeder, USA (Anmerkung: Alle Vergleiche setzen das Seeotterfell auf 100 Prozent). → Haltbarkeitsvergleich.

Bei einer Einteilung der Pelztiere in die Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das Haar des kanadischen Luchses als seidig eingestuft, das des europäischen und des asiatischen Luchses als fein.Paul Schöps, Kurt Häse: Die Feinheit der Behaarung - Die Feinheits-Klassen. In: Das Pelzgewerbe Jg. VI / Neue Folge, 1955 Nr. 2, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig, Berlin, Frankfurt am Main, S. 39–40.

Felle aus dem nördlichen Europa sind rauch, vor allem in der Wamme. Sie sind rötlich grau und haben schwarze, teilweise leicht braune Tupfen. In Skandinavien werden die gefleckten „Katzenluchse“, die fast ungemusterten „Wolfsluchse“ genannt.

Aus dem europäischen Russland, dem Ural, dem Kaukasus und dem südwestlichen Sibirien kommen ebenfalls rötlich graue Felle mit sehr langhaariger, weißer Wamme und schwarz getupftem Rücken. Die Felle aus dem nördlichen Sibirien sind sehr dichthaarig, der Rücken ist hellgrau bis gelblich, tiefdunkelbraun getupft. Die Wamme ist sehr hell, schwarz getupft. Aus anderen sibirischen Gebieten kommen sehr kleine rötlich weiße Felle mit starker rötlicher Fleckung, das Sommerfell hat fast keine Zeichnung. Der russische Standard unterscheidet: Nach Herkommen: Sibirier, Nördliche, Kaukasische Nach Größen: Große, mittelgroße, kleine, unterteilt in leicht beschädigte, stark beschädigte und Brackware.

Die Felle aus Turkestan, Zentralasien, der Mongolei und China sind sehr klein, meist rötlich, mit mehr oder weniger deutlichen Flecken.

Der rötliche europäische Luchs wurde zumindest im 19. Jahrhundert von den Kürschnern auch Kalbluchs genannt.

Die Felle werden in Beutelform angeliefert, durch einen Querschnitt zwischen den Hinterbeinen geöffnet, meist mit dem Haar nach außen.

Der Anfall an Luchsfellen ist nicht bedeutend. 1987 wurden von der russischen Pelzhandelsgesellschaft Sojuzpushnina 2500 Felle angeboten.

Die Art als Ganzes gilt nach der IUCN als nur gering gefährdet. Der eurasische Luchs steht jedoch in Anhang A der EG-Verordnung. Das bedeutet, dass er seit dem 1. Juni 1997 einem EU-weiten Handelsverbot unterliegt, obwohl er nach dem internationalen Artenschutzrecht nach wie vor im Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens gelistet ist (regulierte Nutzung).

Polarluchs

Der Polarluchs oder Kanadische Luchs lebt vor allem im borealen Nordamerika. Das Verbreitungsgebiet reicht südlich bis zu den großen Seen und Pennsylvanien, westwärts bis in die Rocky Mountains und nach Oregon. Am häufigsten ist er im York Fort District (etwa Alberta, Saskatchewan, Manitoba).

Auktionssortimente der kanadischen Herkommen(YF, EB, MR, LS, NW, AL, Canadian) Größen: exlarge über 100 cm large 90 bis 100 cm medium 80 bis 90 cm small unter 80 cm Sorten: I, I & No. 2, II, III, IV, lowgrades, damaged, badly, damaged, stained Farben: silvery, silver clear, clear Sortiment der Hudson’s Bay und Annings Ltd., London Herkommen: Canadian, USA Größen: exlarge, large, medium, small Sorten: I, I & II, III, damaged, specimenRussischer Standard (Stand 1951)Sibirier, Nördliche, Kaukasische Größen: groß, mittelgroß, klein Qualitäten: 1. Sorte vollhaarig 2. Sorte weniger vollhaarig 3. Sorte halbhaarig 4. Sorte dünn

Sein Fell ist 90 bis 115 Zentimeter lang, der Schwanz 13 Zentimeter. Die Grundfärbung ist rötlich braun oder silbergrau mit schwach hervortretenden schwärzlich braunen Flecken an den Seiten und den Außenseiten der Läufe. Die fast fleckenlose Wamme ist schmutzigweiß bis dunkelgrau. Der Schwanz ist an der Oberseite rötlich bis gelblich weiß gebändert mit schwarzer Spitze, die Unterseite ist gleichmäßig leuchtend gelb.

Die Behaarung des Rückens ist dicht und seidenweich und etwa 3 Zentimeter lang. Das weiche Wammenhaar hat dagegen eine Länge von fast 10 Zentimeter. Der Polarluchs hat das eindrucksvollste Fell der Luchsfamilie und es wird deshalb meist am höchsten bewertet. Die feinsten Qualitäten sind Alaska und York Fort (YF) (Silberluchs). Aus Alaska, den Hudson-Bay-Territorien, Maine und dem nördlichen Minnesota kommen große, sehr seidige und dichte, silberweiße Felle. Québec, Ontario, Nova Scotia und Labrador liefern kleine, seidige bis sehr seidige, meist blaugraue Felle. Manitoba, Saskatchewan und Alberta sind größer aber gröber im Haar, hellgrau, die aus British Columbia (Coast) noch größer, grob im Haar, dunkelgrau mit dunkler Unterwolle.

Der nordamerikanische Anfall an Luchsfellen betrug 1987 etwa 25.000 Felle, davon etwa 6000 aus Kanada.

Auffallend für den Handel ist der periodisch stark wechselnde Fellanfall. In drei aufeinanderfolgenden Jahren ist das Angebot gering. In den folgenden Jahren bis zum siebenten Jahr stehen doppelt so viele Felle als im vorangegangenen Jahr zur Verfügung. Im achten Jahr bleibt die Zahl konstant. In den folgenden drei Jahren beträgt das Angebot jährlich die Hälfte der Vorjahresmenge. Die Ursache dieser Schwankungen hängt mit dem Massenwechsel des Polarhase (White Hare) zusammen. Brechen unter ihrem Hauptwild Seuchen aus, so werfen die hungernden Luchsweibchen in dieser Zeit nicht.

Die Rohfellanlieferung erfolgt in Beutelform, meist mit dem Haar nach außen, bei einigen kanadischen Sorten mit dem Leder nach außen.

Bobcat, Luchskatze oder Rotluchs

mini|hochkant=1.4|Kanadische Luchskatzenfelle Die Größe des Rotluchses nimmt nach Süden zu erheblich ab, der in den Vereinigten Staaten (südlichstes Kanada bis gelegentlich Mexiko) lebende Rotluchs ist kleiner als der Nordluchs Kanadas. Das Fell ist 65 bis 95 Zentimeter lang, der Schwanz 13 bis 19 Zentimeter, männliche Tiere sind größer als weibliche. Die größten Felle sind so groß wie ein kleiner Luchs, das kleinste kaum größer als ein Wildkatzenfell. Die Fellbezeichnung im Handel ist meist Luchskatze oder Bobcat, auch wenn es Luchs„katzen“ im zoologischen System nicht gibt.