Schloss Mailberg liegt auf einer Anhöhe am südlichen Rand des historischen Zentrums des Weinbauortes Mailberg, nordöstlich von Hollabrunn im Weinviertel in Niederösterreich.

Burg und Schloss Mailberg waren Orte zweier wichtiger historischer Begebnisse. Am 2. Mai 1082 verlor hier der Babenberger Leopold II. eine entscheidende Schlacht gegen den kaisertreuen Böhmenfürsten Vratislav II. Im Jahr 1451 vereinigten sich im Schloss die Landstände von Ober- und Niederösterreich, die mit dem Kaiser Friedrich III. wegen Freigabe des unter seiner Vormundschaft stehenden Thronerben Ladislaus Postumus in Streit lagen, und schlossen den Mailberger Bund. 250 Siegel bestätigten dieses Bündnis, um dem rechtsmäßigen Thronerben zu seinem Recht zu verhelfen.Gerhard Stenzel: Von Schloß zu Schloß in Österreich. Mit Flugbildaufnahmen von Lothar Beckel. Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 1976, ISBN 3-218-00288-5, S. 196 (Schloß Mailberg, N.Ö., mit einer Abbildung).

Die bauliche Grundsubstanz des Schlosses geht auf eine Ordensburg des Johanniter-Ordens zurück, die wahrscheinlich zur Zeit des Zweiten Kreuzzuges (1147–1149) entstandHansjörg Weidenhoffer: Zeugnisse der Baukunst des Ordens in Österreich. In: Christian Steeb, Birgit Strimitzer (Hrsg.): Der Souveräne Malteser-Ritter-Orden in Österreich. Leykam, 1999, S. 495 ff. und auf einer Schenkung Chadolts von Zogelsdorf beruht. abgerufen am 7. September 2011. Ab dem 13. Jahrhundert diente das Schloss als religiöses, wirtschaftliches, militärisches und hospitalisches Zentrum der vom Orden zur Kommende Mailberg zusammengefassten Besitzungen, welche heute die weltweit älteste in Ordensbesitz stehende Kommende des (wie der katholische Zweig des Ordens heute heißt) Souveränen Malteser Ritter-Ordens bilden. abgerufen am 7. September 2011.

Das heutige Erscheinungsbild der vormaligen Kommende und der Pfarrkirche des hl. Johannes dem Täufer geht auf Um- und Ausbauten zurück, die von der Gotik über die Renaissance und vor allem den Barock hin zu kleineren Veränderungen des 19. und 20. Jahrhunderts reichen.

Der land- und forstwirtschaftliche Betrieb der Kommende Mailberg umfasst heute 440 ha Wald, 250 ha Landwirtschaft und 48 ha Weinriede. Das Schloss beherbergt neben der Pfarrkirche Mailberg gegenwärtig ein Schlosshotel, ein Restaurant sowie die Vinothek des „Schlossweingutes Malteser Ritterorden“ und der Qualitäts-Winzergemeinschaft „Mailberg Valley“. (abgerufen am 11. September 2011).

Geschichte des Schlosses Vorgeschichte mini|Die Schlacht bei Mailberg (1082) (Babenberger-Stammbaum, um 1490, Stift Klosterneuburg) Im 11. Jahrhundert gehörte das Gebiet um Mailberg (Mauriberg, Mouriberch) Haderich, einem Sohn des Vogtes des Bischofs von Regensburg und seinen Nachkommen. Um 1135 kam das Gebiet in den Besitz des Geschlechts der Kadolte (auch Chadolte), die im 12. Jahrhundert in Pulkau, Harras, Mailberg, Göllersdorf, Stronsdorf, Zogelsdorf und Seefeld nachgewiesen sind und an die im nördlichen Weinviertel noch einige Orts- und Flurnamen erinnern. Sie gründen vermutlich auch die Siedlung am Fuße des namensgebenden Berges. Chadolt von Zogelsdorf schloss sich 1147 unter Markgraf Heinrich II. Jasomirgott dem Zweiten Kreuzzug an und stiftete bereits 1146 einen Teil seiner Besitzungen den 1099 gegründeten Johannitern. Nach dessen Tod beanspruchte sein Neffe Chadolt von Harras die Schenkung. Heinrich II. schlichtete am 15. August 1156 den Streit und gegen die Überlassung zweier Weingärten in Grinzing und bäuerlicher Untertanen (Grundholde) sollten die Johanniter Mailberg behalten können.Rudolf Fürnkranz: (abgerufen am 7. September 2011). Die Abmachung ist im sogenannten Heinricianum festgehalten.Elisabeth Schöggl-Ernst: Die Archivbestände der österreichischen Kommenden im Staatlichen Zentralarchiv Prag. in: Steeb/Strimitzer 1999, op. cit. S. 528ff.

Vermutlich schon zur Zeit der Schenkung, die in die Amtszeit des Ordens-Großmeisters Frá Raymond du Puy fällt, begann der Johanniter-Orden auf einer kleinen Anhöhe südlich des Ortes ein befestigtes Kloster mit Hospital und Kirche zu errichten. Die Anwesenheit des Ordens kann aber urkundlich frühestens mit der Bestätigung des Besitzes durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa vom 17. September 1156 belegt werden.Dagmar Weltin: Studien zur Geschichte der Johanniterkommende Mailberg. Diplomarbeit, Universität Wien, 2007 (univie.ac.at [PDF; 1,0 MB]).

Kommende Mailberg 12./13. Jahrhundert Noch im 12. und vor allem im 13. Jahrhundert erfolgten erhebliche Schenkungen an den Orden. Diese, meist kleinen und verstreut liegenden Besitzungen und weltlichen Gerechtsame (Dorfherrschaft, Patronats- und Zehentrechte, Wildbann und Fischrechte),Herwig Ebner: Überblick über den Ordensbesitz in den ehemaligen habsburgischen Erblanden von den Anfängen bis zur frühen Neuzeit. in: Steeb/Strimitzer 1999, op. cit. S. 39 ff. wurden im Zuge der Entwicklung von verschiedenen Verwaltungsebenen des Johanniter-Ordens zu einer Kommende gefasst. Der klassische Aufbau einer Kommende ergab sich aus den Prinzipien des Ordens: Religio, Hospitalitas, Militia und Caritas. Ein solcher Ordenssitz hatte demnach den Funktionen als Wehrgebäude, Wirtschaftshof, Kirche und Pilgerhospital zu dienen.

An der Straßenkreuzung der Wege von der Donau nach Böhmen und ins Waldviertel gelegen, befand sich Mailberg – charakteristisch für viele Kommenden – an einem wichtigen Pilger- und Handelsweg, aber auch in militärstrategischer Position zum stets gefährdeten Grenzgebiet.

Für gewöhnlich überwogen in den Kommenden der habsburgischen Erblande die Priesterbrüder die Zahl der Ritterbrüder, da erstere auch die zahlreichen inkorporierten Ordenspfarren zu betreuen hatten. Mailberg dürfte ursprünglich eine der wenigen Ritterkommenden des Großpriorats Böhmen gewesen sein. Komture, die Ritterbrüder waren, entweder den Titel „Meister“ oder „Kommendator“ führten und die militärische und wirtschaftliche Führung innehatten, sind ab dem 13. Jahrhundert als „magister fratrum in mourberch“ überliefert. Darunter sind die Namen Ludwig und Friedrich (1232), Wolfger (1244), Konrad (1263) und Leupold von Stillfried (1292) überliefert. Geistliche Brüder des „Ordinis Hospitalis sancti Johannis dictus de Meurenberge“ die dem Kloster vorstanden, trugen den Titel „Prior“.

Aus der Zeit Leupold von Stillfrieds ist ein Siegel der Kommende Mailberg überliefert, welches das abgeschlagene, bärtige und nimbierte Haupt Johannes des Täufers auf einer Fußschale ruhend zeigt.Erik Hilzensauer: Die Ordensheraldik der Malteser und Johanniter. in: Steeb/Strimitzer 1999, op. cit. S. 391ff.

14./15. Jahrhundert mini|Schloss Mailberg Nordosttrakt Die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts war politisch von Auseinandersetzung zwischen Habsburgern und Wittelsbachern geprägt. 1331 fielen böhmische Truppen im Weinviertel ein und verwüsteten das Land. Johann von Böhmen fiel 1336 erneut mit 20.000 Fußsoldaten und 2.000 Reitern ins Pulkautal ein und besetzte Mailberg. Unter den Komturen Otto und Bernhard Lembucher (1392–1420), fielen die Herren von Lipa und Neuhaus 1399 und der Söldnerführer Johann Sokol von Lamberg 1402 ein, der die Ordensburg kurzfristig besetzte.

Dem „Magister“ zu Mailberg waren in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts mehrere Kommenden als „membra“ unterstellt, darunter Wien, Unterlaa, Ebenfurth und Stroheim bei Eferding sowie solche in Mähren. Nach der Militarisierung des Ordens im 12. und 13. Jahrhundert setzt sich mit dem 14. die Klerikalisierung der europäischen Ordensniederlassungen durch.Herwig Ebner: Von der Gründung des Johanniterordens bis zum Ende des Ordensstaates auf Rhodos 1522. In: Steeb/Strimitzer 1999, op. cit. S. 13 ff.

In den Hussitenkriegen wurde die Kommende neuerlich schwer in Mitleidenschaft gezogen. 1426 fielen den kriegerischen Auseinandersetzungen der Ort, die Kunigundenkirche und das Hospital zum Opfer, wobei das Hauptgebäude und die Kirche allerdings weitgehend unbeschadet geblieben sein dürften. Komtur Wilhelm Dechsner (ca. 1440–1462) und sein Konvent klagten noch 1445 über die wirtschaftlichen Folgen. Er verfügte dennoch über die Mittel, den „Mailberger Hof“ in der Wiener Johannesgasse zu erwerben. Die Kommende Mailberg war bedeutend genug, um jene Versammlung zu beherbergen, die am 14. Oktober 1451 im Mailberger Bund gipfelte und zu deren Unterzeichnern auch Komtur Dechsner zählte, was verdeutlicht, dass die Mailberger Komture in der Ständeversammlung bei den Äbten und Prälaten eingereiht waren.Rudolf Fürnkranz: (abgerufen am 7. September 2011). 1452 wird der Komtur vor die Ordensregierung in Rhodos zitiert, da dieser infolge der Hussitenkriege die Responsionszahlungen eingestellt hatte. Als Ersatz versprach er, 6000 Mann mit 1200 Pferden für den Krieg gegen die Türken auszurüsten.

In der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts war der einstige böhmische Söldnerführer Achaz Bohunko Komtur in Mailberg. Bohunko hatte sich in der Auseinandersetzung Kaiser Friedrichs III. mit den Landständen und der Stadt Wien auf dessen Seite geschlagen. Als der Kaiser die Mailberger Kommende dem von ihm 1469 gegründeten St. Georgs-Orden zu übereignen drohte, konnten die Johanniter dies wohl nicht zuletzt auch durch den Einfluss Bohunkos verhindern.

1477 fiel Matthias Corvinus mit seinen Truppen im nördlichen Niederösterreich ein und besetzte „die Burg Martperg“, wie der Konvent nun genannt wurde. Bohunko starb 1479 und ein Nachfolgezwist entbrannte. 1482 forderte sogar Papst Sixtus IV. Corvinus auf, Mailberg dem von den Johannitern ernannten Komtur Johannes Florset zurückzugeben. Corvinus hatte den Ordenssitz aber von Kaiser Friedrich III. erlangt, der „Schloß und Herrschaft Marperg“ wiederum für 7000 Gulden an die Brüder Andreas, Ulrich und Wolfram von Grafenegg verpfändet hatte. Erst 1494 versprach Jan von Schellenberg (Jan ze Šelmberka), der oberste Kanzler von Böhmen, das Schloss Mailberg dem Johanniterordensritter Andreas von Grafenegg oder dessen Hauptmann Nikolaus Pflug für 800 Gulden zurückzugeben.Rudolf Fürnkranz: (abgerufen am 8. September 2011). Diese Zeit markiert auch den allgemeinen politischen Niedergang der europäischen Johanniterniederlassungen, dem der Ordensstaat auf Rhodos nichts entgegenzusetzen hatte.

16. Jahrhundert Der Streit um die Kommende wurde 1504 vom römisch-deutschen König Maximilian I. beigelegt, endgültig kam Mailberg aber erst ab 22. Oktober 1517 wieder an den Orden.

Mit dem Niedergang der Kirche im 15. Jahrhundert und der nachfolgenden Reformationszeit setzt die Laisierung des Ordens ein. Ab dem Ende des 15. Jahrhunderts kommt es dazu wiederholt zu kleineren Osmaneneinfällen und Scharmützeln in allen östlichen Grenzgebieten des Habsburgerreiches.Robert L. Dauber: Militia und Türkenabwehr der Johanniter/Malteser-Ritter zu Lande und zu Wasser. in: Steeb/Strimitzer 1999, op. cit. S. 495ff.

Als Komture sind in den ersten Jahrzehnten des Jahrhunderts Hugko Popel (Hugo Paul) von Lobkowitz (1517), dessen Grabplatte in der Schlosskirche erhalten ist, und Johann Kaltderer (1521) überliefert. Schloss und „Priesterhaus“ verfallen zusehends. Auch Ordensbrüder dürften kaum noch im Konvent gewesen sein, worunter der Bauzustand des Schlosses insgesamt litt. Auf Johann Kalterer folgt 1533 Frá Reinprecht von Ebersdorf, der 1529 bei der Ersten Türkenbelagerung Wiens zwei Truppenkontingente kommandierte. Auch dessen Grabplatte ist in der Schlosskirche erhalten geblieben.