mini|hochkant=1.1|Rabbi Ben Zion Rabinovitz von Biala im Gehpelz, mit Besatz aus nordamerikanischem Otter (2017) mini|Herrenweste aus kanadischem Otter (2019)

Otterfelle gelten als die haltbarsten unter den Pelzen; in den Haltbarkeitstabellen für Pelze stehen sie an oberster Stelle. Sie werden im Rauchwarenhandel nach ihrem Herkommen unterschieden. Die ursprünglich in der ganzen Welt beheimateten Otter sind in den meisten Gebieten inzwischen selten geworden. Sie fehlen, außer in den Polargebieten, nur in Australien und Polynesien. Der Handel ist fast ganz zum Erliegen gekommen. Im Wesentlichen sind nur noch nordamerikanische Otterfelle im Handel. Die meisten Herkommen unterliegen den Handelsbeschränkungen oder absoluten Handelsverboten des Washingtoner Artenschutzübereinkommens.

Europäische Otter bezeichnet der Pelzhandel traditionell als Landotter.

Bei den Ottern findet man mit bis etwa über einem Meter Kopfrumpflänge die größten Vertreter der Marder (Riesenotter und Seeotter).

Allgemein

Wie bei allen Mardern sind die Männchen etwa ein Viertel größer als die Weibchen. Ihr Fell ist entweder gleichmäßig braun-grau, manchmal leicht gesprenkelt und häufig etwas heller am „Kragen“ und/oder am Bauch. Sie besitzen mit mehr als 1000 Haaren pro mm² eines der dichtesten Felle im Tierreich. Durch den Aufbau des Fells – lange Fellhaare schützen das dichte, weiche Unterfell – können sie auch bei längerem Aufenthalt im Wasser eine isolierende Luftschicht um den Körper halten. Wegen dieses dichten, stabilen Haarkleids wird dem Fell seit alters her die größte Haltbarkeit aller Pelzarten nachgesagt. Der Haarwechsel erfolgt, wie meist bei viel im Wasser lebenden Tieren, sehr langsam und nicht als zweimaliger jahreszeitlicher Fellwechsel. Zumindest beim Seeotter ist die Härung im Sommer stärker, so dass das Winterfell dichter ist.

Der Haltbarkeitskoeffizient für Otterpelz wird mit 90 bis 100 Prozent angegeben.Die angegebenen vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch Pelzzurichtung und Pelzveredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt.Paul Schöps; H. Brauckhoff, Stuttgart; K. Häse, Leipzig, Richard König, Frankfurt/Main; W. Straube-Daiber, Stuttgart: Die Haltbarkeitskoeffizienten der Pelzfelle in Das Pelzgewerbe, Jahrgang XV, Neue Folge, 1964, Nr. 2, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Frankfurt/Main, Leipzig, Wien, S. 56–58 Bei einer Einteilung der Pelztiere in die Haar-Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das Seeotterhaar als seidig eingestuft, das Fischotterhaar als fein.Paul Schöps, Kurt Häse: Die Feinheit der Behaarung - Die Feinheits-Klassen. In: Das Pelzgewerbe Jg. VI / Neue Folge, 1955 Nr. 2, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig, Berlin, Frankfurt am Main, S. 39–40 (Anmerkung: fein (teils seidig); mittelfein (teils fein); gröber (mittelfein bis grob)).

Otter wurde hauptsächlich für Mäntel und Jacken und für Besätze auf feinen Herren-„Gehpelzen“ verwendet. D'Annunzio beschrieb in der seriösen römischen Zeitschrift La Tribuna bereits im Jahr 1884 geradezu überschwänglich die ersten langen, mit Biber besetzten Ottermäntel, offenbar einige der frühesten modernen, mit dem Haar nach außen getragenen Pelzbekleidungen überhaupt.Anna Municchi: Ladies in Furs 1900–1940. Zanfi, Mailand 1952, engl., ISBN 88-85168-86-8. Primärquelle D'Annunzio unter dem Pseudonym „Happemouche“ in: La Tribuna, Rom, in der Kolumne „Cronachetta“. Abgesehen davon, dass alle Arten bis auf Lutra canadiensis inzwischen durch Handelsverbote des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens geschützt sind (Höchstschutz für südamerikanische Ottern seit 20. Juni 1976), finden die ehemals so begehrten Felle durch die Begünstigung der jetzigen Mode von leichten Materialien zumindest in den wärmeren Ländern kaum Beachtung. Von der IUCN wird der Fischotter insgesamt als „gering gefährdet“ eingestuft. Der Populationstrend ist jedoch abnehmend.[]. Version 2015.4. Abgerufen am 3. Februar 2016.

Wenn nicht anders angegeben, werden die Felle der einzelnen Herkommen dem Pelzzurichter unaufgeschnitten, rund abgezogen angeliefert, mit dem Haar nach außen, teils nach innen.

Etwa um 1900 waren Felle der Otterspitzmaus (Westafrika, Kongoraum und Angola) als Babyotter im Handel. Das Vorkommen ist jedoch begrenzt und die Anlieferung war deshalb sehr klein. Auch das Nerzfell war einmal fälschlich als Otter im Handel, unter der Bezeichnung Sumpfotter.Heinrich Lomer: Der Rauchwaarenhandel. Leipzig 1864, S. 62.

Fischotter

Als Fischotter werden verschiedene Arten auf der ganzen Welt bezeichnet, die oft beträchtliche Unterschiede in Bezug auf Größe, Farbe und Haarstruktur aufweisen. In den meisten Gebieten sind sie selten geworden: Nicht nur, dass die Fischer ihnen nachstellten – auch die Felle waren überall begehrt. Der Otter hat kaum natürliche Feinde, entscheidend für den Bestandsrückgang war neben der Bejagung vor allem die zunehmende Verdrängung durch die Kultivierung. Hinzu kam eine mit der Verschmutzung der Flüsse und Seen einhergehende Abnahme des Fischbestands.

Die Kopfrumpflänge beträgt bis über 110 Zentimeter, der behaarte Schwanz ist 30 bis 55 Zentimeter lang. An den Vorder- und Hinterpfoten befinden sich Schwimmhäute. Das Haarkleid ist vorwiegend braun in allen Schattierungen, mitunter blauschwarz bis fast schwarz, bläulich bis bräunlich, gräulich bis rötlich, gelegentlich auch bis graubraun. Selten ist es grauweiß getüpfelt oder reinweiß. Die Bauchseite ist dichter im Haar und heller gefärbt (dunkel- bis aschgrau). Der für viele Marderarten typische Kehlfleck ist weißgelblich bis rötlich. Vorderhals und die Kopfseiten sind weißlich graubraun. Das Unterhaar ist hellgrau bis gelbbräunlich, manchmal weißgrundig (die dunklen indischen und die USA-Sorten), auch lachsfarben (Brasilien).

Bei nördlichen Fischottern haben die Rückenhaare folgende durchschnittliche Längen (in Millimetern): Leithaare 24,2, Grannenhaare 18,4 und Wollhaare 14,6. Am Bauch ist die Behaarung etwas kürzer, aber dichter. Auf 1 Quadratzentimeter Rückenfläche stehen etwa 35.000 Haare, am Bauch etwa 50.000 Haare. Auf ein Deckhaar entfallen am Bauch 120, am Rücken 155 Wollhaare.

Das Leder ist leicht bis schwer.Paul Schöps, Kurt Häse, Richard König, Fritz Schmidt: Der Fischotter. In: Das Pelzgewerbe Jg. XI / Neue Folge, 1960 Nr. 1, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Frankfurt/Main, Leipzig, Wien, S. 6–20.

Europa und asiatische Teile Russlands (Eurasischer Fischotter)

mini|Zwei eurasische Fischotterfelle Alle Fischotter stehen in Anhang II des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens, einige Arten, wie beispielsweise der Eurasische Fischotter, der Südamerikanische Fischotter neben anderen sogar in Anhang I (absolutes Handelsverbot). Größen Sorten Large 90 bis 110 cm I vollhaarig Medium 70 bis 90 cm II weniger vollhaarig Small bis 70 cm III halbhaarig

Herkunft Norwegen und Schweden lieferten die besten Eurasischen Fischotter-Felle, mit dichter, dunkelgrauer Unterwolle und feinen weichen, dunkelbraunen Oberhaaren. Qualitativ und farblich kommen die skandinavischen Otter, insbesondere die Lappländer, fast den Alaskaottern gleich. Schweiz, Süd- und Mitteldeutschland, England: Die Felle sind teilweise schön in der Farbe. Felle aus Österreich, Frankreich und dem Balkan sind kleiner. Die besten deutschen, rauchen und dunklen, Felle kamen früher aus Bayern. Tschechische Sorten sind ebenfalls rauch und dunkel. Griechenland, die Felle sind von sehr geringer Qualität („spießig“), besser sind die Mazedonier. Russland, Sibirien: Es wird hier unterschieden in europäische Otter aus West-, Nord-, Zentral- und Südrussland, und sibirische, von denen die helleren, mit gelblichem Ton (südsibirische) kaukasische genannt werden, während die dunklen, bläulichen Felle als sibirische gehandelt wurden.

Felle ganz junger Otter wurden als Milchotter gehandelt.

Nordamerika mini|hochkant=1.8|Sortiment kanadischer Otterfelle

Das Vorkommen der Nordamerikanischen Fischotter, auch Kanadischer Otter, lange Zeit im Handel vor allem Virginischer Otter genannt, ist Alaska und Labrador bis zu den Südstaaten der USA. Er kommt in 45 US-Staaten und in allen kanadischen Provinzen vor, außer auf den Prince-Edward-Inseln. Die besten Sorten befinden sich im Nordosten (besonders seidig und dicht). Einige dunkle Sorten fallen durch eine hell- bis weißgrundige Unterwolle auf. Haben diese Felle ein gedrungenes Haar, wurden sie in der Vergangenheit, wie auch helle und missfarbige, gerupft und schwarzgefärbt (sealfarben). Die westlichen Herkommen sind qualitativ und farblich schwächer sowie gröber und schütterer in der Unterwolle. Nur die Alaskaotter sind noch feiner (mittelseidig). Im Süden ist die Qualität meist geringer.

Die Fellfarbe reicht von hellbraun bis bläulichschwarz. Felle aus den USA, insbesondere aus dem Norden, sind oft dunkelfarbig, die westlichen Sorten braun. Aus Alaska kommen auch blaubraune Felle. Das Haarkleid der Florida-Otter ist besonders dicht, braun bis fast schwarzbraun. Die Fellgrößen variieren erheblich.

Die nordöstlichen sind im Leder meist dünn (leichtledrig), Zentrale (USA) und Westliche sind etwas schwerer. Das Leder der mittel- und ostkanadischen Sorten ist sehr sauber, mit dem Bimsstein gereinigt. Vor allem ist es frei von Aas, während bei den anderen amerikanischen Sorten das Leder oft stark mit Fett behaftet ist, insbesondere die aus Carolina und Florida.

1960 wurde beschrieben, dass die nordamerikanischen Otterfelle oft krummspitzig in der Granne („versengt“) aus der Pelzzurichtung kommen. Je dunkler und feinhaariger eine Partie war, desto mehr krummspitzige Felle fielen an. Als Ursache wurde ein unsachgemäßes, zu warmes Trocknen der Rohfelle angenommen, da ein Krummspitzigwerden bei sachgemäßer Zurichtung von den Veredlern ausgeschlossen wurde. Die Neigung zur Krummspitzigkeit ist dem Haar bereits im Rohzustand anzusehen, insbesondere an einer Krummspitzigkeit der Hinterpfoten. Ist ein Fell an den Hinterpfoten krummspitzig, ist es meist auch der Rücken.

Die Fellgrößen zwischen den Sorten sind mehrfach unterschiedlich.

Hudson’s Bay Company und Annings LTD., London sortieren wie folgt: Herkommen: LS (Oberer See) & MR (Moose River), Alaska, USA, Skandinavien Größen: xx large (über 40 inch), x large (38 bis 40 inch), large (36 bis 38 inch), medium large (34 bis 36 inch), medium (32 bis 34 inch), small (unter 32 inch) Sorten: dark (dunkel), medium (mittel), pale (hell)

Die Felle werden rund abgezogen angeliefert, mit dem Haar nach innen.

mini|hochkant=2|Cheyenne-Indianer, rechts mit Otterfell und Otterfell-Hemdbrust unter einer Hair-Pipe-Brustplatte Nordöstliche Voll im Haar (rauch), manchmal fast seidig, gedrungen; dunkel bis fast schwarz; leichtledrig. Die Qualität ist im Allgemeinen sehr gut. 1. Eskimo Bay (EB) Sehr fein; dunkel bis fast schwarz (bläulich). Allerfeinste Qualität. 2. Fort George (FG) Sehr fein; dunkel bis fast schwarz (bläulich). 3. East Maine (EM) Sehr fein; fast schwarz (bläulich). 4. Maine River (M) Sehr fein; dunkelbraun. 5. Labrador (Lab) Sehr fein; sehr dunkel. 6. Neufundland (NFL) Sehr fein; dunkelbraun. 7. York Fort (YF) Sehr fein; dunkelbraun bis hellbraun. 1–3 groß – 4–7 etwas kleiner

Östliche Mittelgroß bis groß; gröber, dicht; heller. Meist schwereres Leder. 8. Halifax (Neu-Schottland) Groß, dunkelbräunlich; kräftiges Haar. 9. Ostküste (USA): Maryland, Kentucky Dunkelbräunlich. 10. Nord-Carolina, Süd-Carolina Dunkelbräunlich. Bessere Qualitäten aus Nord-Carolina. Südstaaten: Alabama, Louisiana, Mississippi