Das Grüne Gewölbe in Dresden ist die historische Museumssammlung der ehemaligen Schatzkammer der Wettiner Fürsten von der Renaissance bis zum Klassizismus. Der Name der umfangreichsten Kleinodiensammlung Europas leitet sich von den ehemals malachitgrün gestrichenen Säulenbasen und -kapitellen in den ursprünglichen Gewölberäumen her. Bereits seit 1724 sind die Sammlungsräume des Grünen Gewölbes öffentlich zugänglich.
Das Grüne Gewölbe gehört zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Ausgestellt wird die Sammlung im Historischen Grünen Gewölbe und im Neuen Grünen Gewölbe, die sich beide im Westteil des Dresdner Residenzschlosses befinden.
Geschichte Gründung Nach der Ernennung des Herzogs Moritz zum Kurfürsten im Jahr 1547 ließ dieser im Westen seines Residenzschlosses einen Flügel anbauen. Zwei dabei geschaffene Räume und ein großer Saal mit angeschlossenem Turmzimmer erhielten prunkvolle Decken, wobei die Kapitelle wie Säulenbasen malachitgrün bemalt wurden. Letzteres gab diesen vier Räumen im Erdgeschoss, offiziell ab dem späten 16. Jahrhundert „Geheime Verwahrung“ genannt, den bis heute erhaltenen, gängigen Namen Grünes Gewölbe.Jutta Kappel, Ulrike Weinhold: Das Neue Grüne Gewölbe – Führer durch die ständige Ausstellung. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2007, ISBN 978-3-422-06546-8, S. 6.Dirk Syndram: Prunkstücke des Grünen Gewölbes zu Dresden. 5. Auflage. Seemann, Leipzig 2006, ISBN 3-86502-150-6, S. 7–16.
Das Gewölbe diente zu jener Zeit noch der sicheren Aufbewahrung kostbarer Gegenstände und Unterlagen und nicht deren Ausstellung für die Öffentlichkeit. Steinerne Gewölbe wurden in Schlössern der Zeit öfter für die Lagerung von Wertgegenständen und Urkunden gewählt, da sie besonderen Schutz gegen Feuer boten. Diese vorausschauende Entscheidung ermöglichte eine weitgehende Erhaltung der Schätze bis heute.
Erweiterung unter August dem Starken mini|hochkant=1|Grundriss von 1727 mit handschriftlichen Eintragungen von August dem Starken zur Erweiterung Zwischen 1723 und 1730 richtete der sächsische Kurfürst und polnische König August der Starke eine aus neun Räumen bestehende Wunderkammer ein, in der Besucher in einer barocken Repräsentationsarchitektur die von ihm und seinen dynastischen Vorgängern gesammelten Kunstobjekte und Raritäten besichtigen konnten. In einer ersten Bauphase wurden bis 1725 der Pretiosensaal und das Eck-Kabinett in ihren heutigen Formen geschaffen; 1727 veranlasste August eine Erweiterung des ursprünglichen Grünen Gewölbes mit Wanddurchbrüchen um acht weitere Gewölbe. Die Architektur der Schatzkammern gestaltete Matthäus Daniel Pöppelmann, der Architekt des Dresdner Zwingers. Die Innenausstattung schuf Raymond Leplat.
20. Jahrhundert mini|Der Pretiosensaal, 1904
Das Grüne Gewölbe blieb bis in das 20. Jahrhundert weitgehend unverändert. Es kann damit beanspruchen, nach dem eigens bereits 1572–1583 angelegten Museumskomplex mit den Rüstkammern, der Kunst- und Wunderkammer sowie der Bibliothek Erzherzog Ferdinands II. auf Schloss Ambras Innsbruck, eines der ältesten Museen der Welt zu sein.
Die Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 zerstörte drei der neun Räume größtenteils. Die Kunstschätze hatte man schon einige Jahre zuvor in die Festung Königstein ausgelagert. Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurden sie in die Sowjetunion abtransportiert, 1958 aber auf Beschluss der sowjetischen Regierung an die DDR zurückgegeben.
Von 1959 bis Anfang 2004 war das Grüne Gewölbe übergangsweise im Dresdner Albertinum zu sehen. 1974 erfolgte durch Susanne und Volker Berthold und Ulrich Aust eine Neugestaltung des Grünen Gewölbes. mini|hochkant|Jakob Zeller: Große Fregatte aus Elfenbein, von Neptun getragen, signiert und datiert 1620 Wiedereröffnung im Residenzschloss Am 7. September 2004 wurde das Neue Grüne Gewölbe mit zehn Räumen im ersten Stock des Westflügels des Residenzschlosses wieder eröffnet.
Am 1. September 2006 folgte die Wiedereröffnung des restaurierten bzw. rekonstruierten Historischen Grünen Gewölbes im Erdgeschoss des Westflügels. Dessen Einrichtung orientiert sich an den erhaltenen Inventaren von 1733 und stellt so weit wie möglich den Zustand unter August dem Starken wieder her. Mehr als 3000 Objekte kehrten damit wieder an ihren alten Platz zurück. Die Sanierung der historischen Wandverkleidung kostete 13 Millionen Euro, insgesamt gab das Land Sachsen 45 Millionen Euro für das Grüne Gewölbe aus.
Juwelendiebstahl am 25. November 2019
Am frühen Montagmorgen des 25. Novembers 2019 wurde in den historischen Teil des Grünen Gewölbes eingebrochen. Mehrere Objekte, Teile zweier weiterer Stücke sowie diamantbesetzte Rockknöpfe wurden aus einer Vitrine im Juwelenzimmer entwendet. Dabei ging auch der „Sächsische Weiße“ verloren, ein weißer Diamant mit 48 Karat. In Folge von Ermittlungen der Polizei und der Staatsanwaltschaft Dresden wurde im September 2021 Anklage gegen sechs Mitglieder der Familie Remmo erhoben. Nach Absprachen zwischen den Verteidigern der angeklagten Remmos und der Staatsanwaltschaft konnten Polizeibeamte am 17. Dezember 2022 einen erheblichen Teil der Beute sicherstellen: Gesichert wurden 31 Objekte, dagegen fehlen noch die Epaulette mit dem „Sächsischen Weißen“ und die „Große Brustschleife der Königin Amalie Auguste“.Tagesschau: Beute aus Grünem Gewölbe sichergestellt. 17. Dezember 2022 15:16 UhrDer Tagesspiegel: Justizdeal mit Remmo-Clan – großer Teil der Beute in Berlin sichergestellt. 17. Dezember 2022 14:20 Uhr
Museumsleiter
Zeitraum Name 1864–1882 Johann Georg Theodor Grässe 1914–1924 Jean Louis Sponsel 1924–1940 Erich Haenel1959 Artur Dänhardt1961–1992 Joachim Menzhausen1993–2021MDR Kultur vom 14. August 2021: Interview: Abschied aus der Schatzkammer. Direktor des Grünen Gewölbes geht in den Ruhestand, abgerufen am 16. August 2021 Dirk Syndram seit 1. Oktober 2021 Marius WinzelerDr. Marius Winzeler wird neuer Direktor des Grünen Gewölbes und der Rüstkammer an den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). Gemeinsame Pressemitteilung von SMKT und SKD vom 31. August 2021, abgerufen am 31. August 2021
Heutige Ausstellungen Die Sammlung der sächsischen Kurfürsten und Könige umfasst über 4000 Kunstwerke. Die Exponate sind in mehrfacher Weise einzigartig in Europa und in der Welt. Aufgrund der beschränkten Platzverhältnisse können nicht alle Kunstwerke gezeigt werden, man beschränkt sich auf die berühmtesten und anspruchsvollsten Exponate.
Die heutigen Ausstellungen unterteilen sich in das „Historische Grüne Gewölbe“ im Erdgeschoss und das „Neue Grüne Gewölbe“ im ersten Obergeschoss mit jeweils etwa 2000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Im Neuen Grünen Gewölbe sind beinahe 1100 Objekte der Juwelier- und Goldschmiedekunst zu sehen, etwa 3000 Stücke sind im historischen Gewölbe ausgestellt. Während im Neuen Grünen Gewölbe das Kunstobjekt an sich im Vordergrund steht, besticht das historische Gewölbe zusätzlich durch die prachtvolle Ausstattung der Räume.
Im Gegensatz zum Neuen Grünen Gewölbe, das jederzeit besuchbar ist, ist der Zugang zum historischen Gewölbe nur mit einem im Vorverkauf erworbenen Zeitticket möglich. Jeden Morgen wird zusätzlich ein beschränktes Kontingent an Karten verkauft.
Historisches Grünes Gewölbe Das Historische Grüne Gewölbe befindet sich in den Gewölberäumen des Schlosses, womit das spätbarocke Kunstwerk in den ursprünglichen Räumen erlebbar ist. Inmitten rekonstruierter Renaissance- und Barocksäle werden die ungefähr 3000 Exponate wie einst frei auf den Konsolen prachtvoller Schauwände und Prunktische präsentiert.
Ausstellungsräume mini|Grundriss des Historischen Grünen Gewölbes mini|Das Juwelenzimmer, 1904
Das Historische Grüne Gewölbe besteht aus neun Ausstellungsräumen und einem Vorgewölbe: Das Vorgewölbe mit Luther-Kabinett zeigt Kunst des Mittelalters und der Frührenaissance. Zu sehen sind unter anderem die Trinkschale Iwans des Schrecklichen, der Mundbecher und Siegelring Martin Luthers und eine Bibel im Taschenformat, die König Gustav Adolf von Schweden gehörte. Es kann als einziger Raum auch ohne Zeitkarte betreten werden. Das Vorgewölbe ist von den nachfolgenden Räumen durch eine Klima- und Staubschleuse getrennt. Das Bernstein-Kabinett. „Die Sammlung von Bernsteinkunst im Grünen Gewölbe von Dresden gehört zu den künstlerisch bedeutendsten in ganz Europa. Ihre Gefäße, Schalen, Schatullen, Prunkbestecke und Statuetten stammen aus Königsberger und Danziger Werkstätten“Jutta Kappel: Bernsteinkunst aus dem Grünen Gewölbe. Deutscher Kunstverlag 2005 (u. a. von Georg Schreiber, Jacob Heise, Michael Redlin, Christoph Maucher). Das Elfenbeinzimmer mit Elfenbeinskulpturen auf Wandkonsolen, Gesims und Tischen. Das Weißsilberzimmer mit Figuren aus Weißsilber. Das Silbervergoldete Zimmer mit Goldschmiedearbeiten aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Das Zimmer brannte 1945 völlig aus, es leuchtet heute wieder malachitgrün. Der Pretiosensaal mit Eck-Kabinett ist der größte Ausstellungsraum. Er ist fast vollkommen verspiegelt, zum Teil wurden Spiegel aus Quecksilber verwendet. Das Wappenzimmer mit astronomischen Tischuhren. Das Juwelenzimmer mit dem „Mohr mit der Smaragdstufe“ und dem „Obeliscus Augustalis“. Das Bronzezimmer mit circa 80 Bronzen auf Postamenten. Dem Raum der Renaissancebronzen mit bedeutenden Kleinbronzen auf steinernen Postamenten.
Exponate (Auswahl) Der „Mohr mit der Smaragdstufe“ ist eines der bekanntesten Ausstellungsstücke des Hofgoldschmieds Johann Melchior Dinglinger. Die Skulptur, die auf einem Tablett eine kolumbianische Smaragdstufe präsentiert, wurde in Zusammenarbeit mit Balthasar Permoser geschaffen. Der Begriff „Smaragdstufe“ bezeichnet die auf dem Tablett befindliche Erdplatte, in der die Smaragde noch fest stecken. Das Stück ist 63,8 cm hoch und besteht aus lackiertem Birnbaumholz, das mit Smaragden, Rubinen, Saphiren, Topasen, Granaten, Almandinen, Schildpatt besetzt ist. Es stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1724. Der Mohr, also ein Afrikaner, soll in Wirklichkeit einen Indianer darstellen, zu erkennen am indianischen Körperschmuck. Die Skulptur wurde auf Wunsch Augusts des Starken geschaffen, um den aus Kolumbien stammenden und seinem Vorgänger, Kurfürst August, 1581 geschenkten Smaragdkristallen ein würdiges Präsentationsmittel zu geben.Dirk Syndram: Prunkstücke des Grünen Gewölbes zu Dresden. 5. Auflage. Seemann, Leipzig 2006, ISBN 3-86502-150-6, S. 154–157.
Der „Obeliscus Augustalis“ ist ein weiteres Meisterwerk des Hofgoldschmieds, geschaffen in der Zeit von 1719 bis 1721. Es stellt eine aufwändig gearbeitete Kartusche mit einem ovalen Abbild Augusts des Starken dar. Es wurden 240 Gemmen und Kameen, geschnittene Steine und goldemaillierte Figuren zu einem raumprägenden Kunstwerk vereint. Die Höhe beträgt 228 cm. Dieser damit mannshohe, wandgebundene Obelisk war ungefähr so teuer wie der Bau eines barocken Schlosses.
Der „Bernsteinkabinettschrank“ war ein Geschenk Friedrichs II. von Preußen an König August III. von Polen. Er wurde vor 1742 in Königsberg gefertigt. Auch sind weitere, umfangreiche Bernsteinkunstwerke im Bernstein-Kabinett ausgestellt.
Die „Juwelen-Garnituren“ bildeten, mindestens bis zum Kunstdiebstahl am 25. November 2019, den umfangreichsten Juwelenschatz Europas. Die frühesten Garnituren, denen auch der Einbruch galt, wurden noch für August den Starken selbst geschaffen. Ein großer Teil der Garnituren wurde später hinzugefügt und unterlag in der Ausgestaltung dem jeweiligen modischen Zeitgeist. Es sind sechs verschiedene Stilrichtungen zu unterscheiden, vor allem nach den verwendeten Materialien. Als Edelsteine wurden verwendet: Saphire, Karneole, Diamanten und Rubine sowie Perlen.Dirk Syndram, Prunkstücke des Grünen Gewölbes zu Dresden, 5. Auflage. Seemann, Leipzig 2006, ISBN 3-86502-150-6, S. 166–173. Die Garnituren waren der Inbegriff eines absolutistischen Machtanspruches. Zudem wird ein weltweit einmaliger Saphir von 648 Karat gezeigt, der ein Geschenk von Zar Peter dem Großen war.