mini|Rittergut Döbernitz um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Döbernitz ist ein Ortsteil der Großen Kreisstadt Delitzsch im sächsischen Landkreis Nordsachsen. Die Gemeinde Döbernitz, in die am 1. Januar 1994 die Ortschaften Beerendorf, Brodau und Selben eingegliedert wurden, gehört seit dem 1. März 2004 zu Delitzsch. Der Ortsteil hat knapp 830 Einwohner (Stand 2018).

Geographische Lage Der Ortsteil Döbernitz liegt etwa zwei Kilometer südlich von der Stadtmitte Delitzschs entfernt. Die Bahnstrecke Bitterfeld–Leipzig und der Lober durchlaufen von Norden kommend den Ort und gliedern ihn in West- und Ost-Döbernitz. Im Süden grenzt Döbernitz an Zschepen, im Nordosten an Beerendorf. Westlich befindet sich die Kreuzung der B 184 und S4.

Geschichte Die Gemeinde wurde 1349 erstmals urkundlich als Dobernicz (altsorbisch für gut) erwähnt. Zu dieser Zeit lag die Ortschaft im „markgräflich-meißnischen districtus Deltsch“, im Besitz eines Johannes Dobernicz. Im Laufe der Zeit änderte sich der Ortsname von Döberniz (1439) über Dobernicz (1445) nach Dobernitz (1518–1551) bis zu seinem heutigen Namen ab 1570.Digitales Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen: Döbernitz: Ortsnamenformen Döbernitz war um 1350 Herrensitz, von 1445/47 bis 1551 Rittersitz mit Vorwerken und bis 1880 Rittergut (von 1747 bis 1791 ohne Dorf).Digitales Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen: Döbernitz: Verfassung

Der Ort gehörte bis 1815 zum kursächsischen Amt Delitzsch.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 56 f. Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kam er zu Preußen und wurde 1816 dem Kreis Delitzsch im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem er bis 1952 gehörte. Im Zuge der Kreisreform in der DDR von 1952 wurde Döbernitz dem neu zugeschnittenen Kreis Delitzsch im Bezirk Leipzig zugeteilt, welcher 1994 im Landkreis Delitzsch aufging.

Bereits am 20. Juli 1950 wurde der Ort Zschepen nach Selben eingemeindet. Am 1. Januar 1994 wurden durch die sächsische Gemeindegebietsreform die Ortschaften Beerendorf, Brodau und Selben mit dem Ortsteil Zschepen nach Döbernitz eingemeindet, wodurch die Großgemeinde Döbernitz entstand. Im Jahr 1999 gründete Döbernitz mit der Stadt Delitzsch eine Verwaltungsgemeinschaft.

Auf Beschluss des damaligen Stadt- beziehungsweise Gemeinderats von Delitzsch und Döbernitz, wurde die Gemeinde am 1. März 2004, mit seinen Ortsteilen in die Stadt Delitzsch eingemeindet.

Einwohnerentwicklung (jeweiliger Gebietsstand) Datum EinwohnerDigitales Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen: Döbernitz: Bevölkerung 1551 10 Hufner, 21 Inwohner 1747 23 Häusler 1818 227 1880 274 1895 314 1910 447 1925 500 1939 529 1946 787 1950 ¹ 775 1964 866 Datum (zum 31.12.) EinwohnerStatistisches Landesamt Sachsen: 1990 826 1991 972 1992 964 1993 969 1994 ¹ 2402 1995 2581 1996 2800 1997 2955 1998 2860 1999 2910 2000 2956 Datum (zum 31.12.) Einwohner 2001 2961 2002 2925 2003 2911 2011 ² 833

¹ Eingemeindung ² nur Hauptwohnsitze am 30.09. (Quelle: Einwohnermeldeamt Stadt Delitzsch)

Politik

Döbernitz verfügt über einen eigenen Ortschaftsrat mit zehn Sitzen und einem Ortsvorsteher sowie Stellvertreter. Zuständig ist er Rat für die Delitzscher Ortsteile Beerendorf, Brodau, Selben, Zschepen und Döbernitz selbst.

Bei den letzten Ortschaftsratswahlen am 9. Juni 2024 entfielen fünf Sitze auf den Heimatverein Döbernitz (HVD) (49,5 %), drei Sitze auf die CDU (29,5 %) und je ein Sitz auf die SPD (11,4 %) und auf die neu im Ortschaftsrat vertretene Wählervereinigung Delitzsch (WVD) (9,6 %). Gegenüber der vorangegangenen Wahl am 26. Mai 2019 haben sich damit deutliche Verschiebungen zulasten der CDU ergeben. Damals entfielen noch fünf Sitze auf sie (45,4 %), vier Sitze auf den Heimatverein Döbernitz (HVD) (44,1 %) und ein Sitz auf die SPD (10,5 %). Im Vergleich zur Wahl am 25. Mai 2014 hatten sich 2019 dagegen nur geringfügige Veränderungen ergeben: Damals entfielen ebenfalls fünf Sitze auf die CDU (46,7 %), vier Sitze auf den Heimatverein Döbernitz (HVD) (31,4 %) und ein Sitz auf die Linke (14 %). Die restlichen 7,9 % entfielen 2014 auf sonstige Parteien, von denen keine einen Sitz erhielt.Leipziger Volkszeitung (Delitzsch-Eilenburger Kreiszeitung), 27. Mai 2014, Seite 27

Ortsvorsteher ist weiterhin Roland Kirsten (CDU) und sein Stellvertreter bleibt Jörg Eitzen (HVD), der 2019 Jörg Peter Sackewitz (HVD) abgelöst hatte. Die nächste Wahl ist voraussichtlich im Jahr 2029.

Kultur Vereine Durch die Initiierung des Döbernitzer Landwirts Norbert Lienig sollten, durch die Gründung einer noch vorläufigen Interessengemeinschaft, Heimatverbundenheiten wieder aufleben. Somit kam es im Januar 2005 zur Gründung des Heimatvereins Döbernitz, der durch zahlreiche vorherige Organisationstreffen und Veranstaltungen von Döbernitzern entstand. Seit Juni 2008 ist der Heimatverein Döbernitz e. V. ein gemeinnütziger, eingetragener Verein, mit 25 Mitgliedern.

Regelmäßige Veranstaltungen Seit 2006 findet jährlich, initiiert vom Heimatverein Döbernitz, im Mai eine Veranstaltung in der Kirche, im Juli das Sommerfest, im September das Kartoffelfest des Kartoffelhofes Lienig und zum Jahresausklang eine Weihnachtsfeier für Senioren statt. Der Verein organisiert daneben von Oktober bis März Kaffenachmittage.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Nordsachsen Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Nordsachsen) Kategorie:Ersterwähnung 1349 Kategorie:Gemeindeauflösung 2004 Kategorie:Geographie (Delitzsch)