mini|Benediktbeuern von Westen aus der Luft Benediktbeuern, früher auch Laingruben, Laingrub oder Dorf Laimgrub (1812) genannt, ist ein Pfarrdorf und eine gleichnamige Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen im Alpenvorland am Fuße der 1801 Meter hohen Benediktenwand. Die Gemeinde ist zusammen mit Bichl Mitglied der gleichnamigen Verwaltungsgemeinschaft.
Gemeindeteile Es gibt fünf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Benediktbeuern (Pfarrdorf) Gschwendt (Dorf) Häusern (Dorf) Vormholz (Weiler) Straßberg (Einöde)
Es gibt nur die Gemarkungen Benediktbeuern.
Geschichte mini|Sicht von Norden auf das Kloster Benediktbeuern Das Kloster Buron/Benediktbeuern entstand als frühmittelalterliche Gründung im 8. Jahrhundert. Seine ersten Anfänge sind in ein tiefes Dunkel gehüllt, das kaum mehr zu lichten ist. Zeitgenössische Quellen darüber fließen spärlich, eine Gründungsurkunde fehlt. Die spätere Überlieferung über die Gründung stammt erst aus der Mitte des 11. Jahrhunderts. Damals wurde das Kloster nach der Zerstörung durch die Ungarn (955) von den Benediktinermönchen von Tegernsee aus neu belebt (1031). Der Amtsantritt des ersten Abtes Lantfrid wird heute in die Mitte der sechziger Jahre des 8. Jahrhunderts datiert.Handbuch der Bayerischen Geschichte, Erster Band, Das Alte Bayern, Von der Vorgeschichte bis zum Hochmittelalter, neu herausgegeben von Alois Schmid, Verlag C.H. Beck oHG, München 2017, S. 181Ludwig Holzfurtner, Gründung und Gründungsüberlieferung. Quellenkritische Studien zur Gründungsgeschichte der Bayerischen Klöster der Agilolfinger Zeit und ihrer hochmittelalterlichen Überlieferung, Oberpfalzverlag Michael Laßleben, Kallmünz 1984, ISBN 3-7847-3011-6, S. 57 ff.Joachim Jahn, Ducatus Baiuvariorum, Das Bayerische Herzogtum der Agilolfinger, Kloster Benediktbeuern, Anton Hiersemann Verlag, Stuttgart 1991 S. 449 ffKilian Streidl, Rätsel um die Gründungsgeschichte des Klosters Buron/Benediktbeuern, Auszüge aus den Werken anerkannter Historiker der jüngeren Generationen, Bichl Oktober 2021, begrenzter VerteilerRudolf Steiger, Zwischen Legende und Wirklichkeit, Zum historischen Hintergrund der Gründungsüberlieferung des Klosters Benediktbeuern, in Lech-Isar-Land, Heimatliches Jahrbuch 2021, S. 213 bis 264. Offenbar war er als gebildeter Mann gut vernetzt, drang doch sein Ruf bereits bis nach Italien. Der bedeutende Theologe Ambrosius Autpertus von der Abtei San Vincenzo am Volturno (gest. 784) widmete ihm eine Abhandlung über den Konflikt der Tugenden und Laster. Eine Reihe erhaltener Buchkodizes aus dem späten 8. und dem frühen 9. Jahrhundert belegen, dass die Benediktbeurer Mönche rasch eines der bedeutendsten Skriptorien im südlichen Bayern schufen. Auch die Anlage von Heilkräutergärten um 1200 ist bezeugt.
Das Kloster ist eng mit der Geschichte der Zimbern verbunden, einer kleinen deutschen Minderheit, die in Lusern (Trentino), Roana und Giazza (Venetien) lebte. Um das Jahr 1000 siedelten sich einige Familien in den Lessinischen Bergen, den Sette Comuni und auf dem Luserner Hochplateau an und brachten ihre Sprache und Kultur mit. Im Kloster wird die Pergamentrolle mit den Namen der ersten Familien aufbewahrt, die nach Verona zogen.
Ursprünglicher Kirchenpatron war der Apostel Jakobus der Ältere; erst später nahm der Mönchsvater Benedikt von Nursia diese Stelle ein. Dessen Verehrung wurde maßgeblich gefördert, als Karl der Große dem Kloster eine Unterarmreliquie des Heiligen schenkte. Der romanische Schmuckfußboden aus dem 12. Jahrhundert, der bei Ausgrabungen in der Basilika gefunden wurde, geht auf diese Blütezeit zurück.
1490 zerstörte ein Großbrand die zentralen Klostergebäude. Nach dem Dreißigjährigen Krieg kam es erneut zu einer kulturellen Hochblüte. Das Gymnasium mit musischem, mathematischem und botanischem Schwerpunkt wurde wieder eröffnet und eine Theologische Hochschule der Bayerischen Benediktinerkongregation errichtet. Zwischen 1669 und 1679 wurde die heutige barocke Form der Klosteranlage geschaffen und ab 1672 die Klosterkirche St. Benedikt neu gebaut.
Die erste Fronleichnamsprozession in Bayern fand in diesem Ort im Jahr 1273 statt.
Ab 1664 hatte Benediktbeuern eine wöchentliche Postverbindung von München nach Innsbruck. Poststationen waren in den Dörfern Laingruben und Walchensee. Diese Route nutzte Johann Wolfgang Goethe bei seiner dritten Italienreise 1786; er nächtigte im Gasthaus Zur Post in Laingruben.ebenda GERMANICA SACRA, S. 110
Benediktbeuern war vor 1800 Sitz des Oberen und Unteren Gerichts des Klosters Benediktbeuern. Das Kloster wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst. In der Klosterbibliothek wurden dabei die Carmina Burana, eine Sammlung von Vagantenliedern aus dem 13. Jahrhundert, gefunden. Das Gebiet der Gemeinde Benediktbeuern wurde 1818 im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern eine selbstständige politische Gemeinde. Die Gemeinde hieß damals noch Laingruben und trägt erst seit dem 30. November 1865 den Namen des Klosters. Das alte Dorf befindet sich zu beiden Seiten der Dorfstraße sowie des Mariabrunnwegs.Karte Dorf Laimgub 1812, auf bayerische-landesbibliothek-online.de Die Besiedlung ist hier am dichtesten und trägt bäuerlichen Charakter.
1930 erwarben die Salesianer Don Boscos die Klosteranlage und renovierten die Gebäude. Im Jahr 2022 lebten dort rund 35 Ordensleute.
Die Klosteranlage beherbergt auch seit dem WS 2014/15 den Studiengang Religionspädagogik der Katholischen Stiftungsfachhochschule München in den Räumen der ehemaligen Philosophisch-Theologischen Hochschule Benediktbeuern, die Jugendbildungsstätte Aktionszentrum, das Zentrum für Umwelt und Kultur, den örtlichen Jugendtreff sowie die Don-Bosco-Jugendherberge. Im Meierhof des Klosters sind außerdem das Trachteninformationszentrum und die Fachberatung für Heimatpflege des Bezirks Oberbayern untergebracht.
Im Maierhof wurde von Gemeinde und Kloster am 14. November 2022 ein gemeinsames Willkommenszentrum eröffnet. Es ist zentrale Anlauf- und Informationsstelle für alle Besucher des Klosters, ob Schüler, Urlauber oder Tagungsgäste. Das Kloster ist der größte Beherbergungsbetrieb in der Gemeinde und das Zentrum dient mit modernen Medien in touristischer Hinsicht einem verstärkten Miteinander.Im neuen Willkommenszentrum: Kloster und Gemeinde Benediktbeuern verzahnen sich für Touristen, auf merkur.de
Bei einem schweren Hagelsturm Ende August 2023 wurde der Ort massiv getroffen. Von 1000 bebauten Grundstücken wurden laut Feuerwehr 800 durch Hagelschlag beschädigt, 60 Prozent davon stark.Hagelunwetter hinterlässt Schneise der Verwüstung im Isarwinkel und Loisachtal: „Es ist ein Schlachtfeld“, Münchner Merkur Es war das schwerste Unwetter seit Jahrzehnten. Die Klosteranlage Benediktbeuern wurde ebenfalls von erheblichen Zerstörungen betroffen – die Schäden allein am Kloster lagen im zweistelligen Millionenbereich. Unter anderem wurden auch Kunstwerke und Renaissance-Stuckaturen beschädigt. Es bestand sogar zwischenzeitlich Einsturzgefahr einzelner Gebäudeteile – sie konnten jedoch gesichert werden.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 2797 auf 3617 Einwohner an (29,3 %). 2022 lag die Einwohnerzahl bei 3729.
mini|Die Barocktürme von Kloster Benediktbeuern
Politik Gemeinderat Die Wahl am 8. März 2026 brachte folgendes Ergebnis:
Gegenüber der Amtszeit 2014–2020 mussten CSU und die Freie Bürgerliste Miteinander (FBM) jeweils ein Mandat abgeben, Freie Wählergemeinschaft Benediktbeuern (FWGB) blieb unverändert, Benediktbeurer Bürgervereinigung (BB) gewann ein Mandat dazu und die JU kandidierte erstmals. Die Benediktbeurer Mitte (BM) wurde vor der Wahl aufgelöst.
Weiteres Mitglied und Vorsitzender des Gemeinderates ist Bürgermeister Toni Ortlieb (Benediktbeurer Bürgervereinigung). Er folgte im Juli 2019 auf den verstorbenen Johann Kiefersauer.Trauer in Benediktbeuern: Bürgermeister Hans Kiefersauer gestorben, Nachricht vom 14. März 2019 auf merkur.de. Nach dem Todesfall war die Bürgermeister-Neuwahl vorgezogen worden. Ortlieb setzte sich im zweiten, als Stichwahl stattfindenden Wahlgang mit 51 % gegen den CSU-Kandidaten Hans Seller (49 %) durch.41 Stimmen Vorsprung: Toni Ortlieb ist neuer Bürgermeister in Benediktbeuern, Nachricht vom 14. Juli 2019 auf merkur.de. Bei der Wahl am 8. März 2026 gewann Ortlieb mit 58,4 Prozent gegen Markus Schambeck (FWG) und erhielt somit eine zweite Amtszeit.
Weitere Wahlen In der folgenden Tabelle sind die Ergebnisse von Bundes-, Landtags- und Europawahlen in Benediktbeuern dargestellt. JahrWahlWbt. CSU AfD Grüne SPD FDP LinkeFW BSW Sonst.2025Bundestagswahl87,543,514,613,89,44,64,64,42,27,52024Europawahl69,642,48,814,47,13,31,09,23,810,02023Landtagswahl77,239,510,416,45,52,91,217,2—6,8
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Kloster Benediktbeuern mini|hochkant|Biergarten Bauwerke
Kloster Benediktbeuern: Hauptsehenswürdigkeit ist die um 739/740 gegründete ehemalige Benediktinerabtei. Die heutige barocke Form der Klosteranlage stammt aus den Jahren 1669 bis 1679. Der Bibliothekskomplex stammt aus dem Jahr 1722. Im Barocksaal des Klosters, der heute auch als Konzertsaal genutzt wird, befinden sich Deckengemälde von Stephan Kessler. 1803 wurde das Kloster Benediktbeuern säkularisiert. Seit 1930 bewohnen Salesianer Don Boscos das Kloster und unterhielten im Klosterareal bis 2013 die Philosophisch-Theologische Hochschule Benediktbeuern. Außerdem ist im Kloster die Abteilung Benediktbeuern der Katholischen Stiftungshochschule München mit dem Studiengang Soziale Arbeit untergebracht. In der Klosterbibliothek wurden 1803 die Carmina Burana, eine Sammlung von Vagantenliedern aus dem 13. Jahrhundert, gefunden. Die Handschrift, auch „Codex Buranus“ genannt, befindet sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek. Eine Auswahl der Carmina Burana wurde jeweils 1935/36 durch Carl Orff vertont. Das Kloster kann besichtigt werden. Klosterkirche St. Benedikt: 1680–1685 im Stil des italienischen Barock vom Weilheimer Baumeister Caspar Feichtmayr errichtet. Im Inneren sind Fresken von Hans Georg Asam zu sehen, dem Vater von Cosmas Damian und Egid Quirin Asam, der am Kloster als Maler beschäftigt war. Die Kirche erhielt 1972 den Rang einer Basilica minor. Rokokokapelle St. Anastasia: 1750–1758 von Johann Michael Fischer erbaut, befindet sich am Nordende des Chores der Klosterkirche St. Benedikt. Fraunhofer-Glashütte (Museum): Pierre-Louis Guinand richtete nach der Säkularisation im Auftrag Joseph von Utzschneiders in einem Nebenbau des Klosters eine Glashütte ein. Aus dieser gingen die optischen Werkstätten des Mathematisch-Feinmechanischen Instituts von Utzschneider, Fraunhofer und Reichenbach hervor. Die Werkstätten leitete von 1809 bis 1819 Joseph von Fraunhofer. Er entdeckte dort die Absorptionslinien im Sonnenspektrum (Fraunhofersche Linien) und produzierte optische Geräte von Weltruf. Die Glashütte ist heute ein Museum. Das Klosterland mit mehreren Naturlehrpfaden des Zentrums für Umwelt und Kultur Benediktbeuern (Moorpfad, Barfußpfad, Klangpfad etc.).
Landschaft Lainbachtal mit Wildbachlehrpfad Waldlehrpfad ab dem Freibad Historischer Mühlenweg Klosterweg mit Moorabschnitten Benediktusweg mit Stationen zu den Regeln des hl. Benedikt
Bodendenkmäler
Regelmäßige Veranstaltungen Alle drei Jahre wird am Dorfplatz ein großer hölzerner Maibaum aufgestellt. Das Aufstellen gleicht einem kleineren Volksfest und endet abends im Maitanz in einer der lokalen Gaststätten. Das letzte Mal wurde der Maibaum 2024 aufgestellt. Am Dienstag nach Pfingsten findet in jedem Jahr der Pfingstmarkt statt. Mobile Händler bieten hier Waren an, von Spielzeug bis hin zu Haushaltsbedarf. Im August findet jährlich das Sommerkellerfest statt, das von der Freiwilligen Feuerwehr Benediktbeuern ausgerichtet wird. Ganzjährig finden im Kloster Benediktbeuern, z. B. im Barocksaal, klassische Konzerte statt.