Lahntal ist eine Gemeinde im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Geografie Geografische Lage Die Gemeinde Lahntal liegt an der oberen Lahn etwa 83 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main und zirka 7 Kilometer nordwestlich von Marburg.

Westlich der Gemeinde ragt der hohe Rimberg auf.

Naturraum Die Lahn flussabwärts von Westen nach Osten betrachtet gehören Brungershausen, Kernbach und Caldern naturräumlich zum Oberen Lahntal, während Sterzhausen, Goßfelden, Sarnau und Göttingen in der Wetschaft-Senke liegen. Das Obere Lahntal ist die nördliche Nahtstelle des Gladenbacher Berglandes zu den Ausläufern des Rothaargebirges (Wittgensteiner Bergland und Sackpfeife nebst Vorhöhen).

Klima Das Gebiet des Lahntals liegt nach der Köppen-Geiger-Klassifikation im gemäßigten Ozeanklima (Cfb-Klima) der mittleren Breiten. Die mittlere Tagesmitteltemperatur beträgt im Sommer im oberen Lahntal ungefähr 15–16 °C, im unteren (Wetschaftssenke) 16–17 °C und im Winter etwa −1 °C bis 1 °C. Die mittlere Niederschlagshöhe beträgt im oberen Lahntal zirka 800–1000 mm, im unteren 700–800 mmUmweltatlas Hessen. In: Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie 2005, [1. Februar 2006].

Gewässer miniatur|Die Mündung der Wetschaft in die Lahn

Das größte Fließgewässer in Lahntal ist die Lahn. Sie durchfließt das Gemeindegebiet im nördlichen Bereich von Westen (Gemeinde Dautphetal) nach Osten (Gemeinde Cölbe), teils Richtung Südosten. Die Wetschaft fließt ihr von Norden (Wetter (Hessen)) zu. Südöstlich von Göttingen mündet die Wetschaft auf 192 m ü. NN linksseitig in die Lahn. Alle anderen Bäche innerhalb Lahntals sind aus geographischen Gründen sehr kurz und speisen ebenfalls mittelbar oder unmittelbar die Lahn. Linksseitig sind das etwa, weiter lahnaufwärts gelistet, der Rodenbach (Mündung bei Sarnau), der Scherbachsgraben (Mündung zwischen Goßfelden und Sterzhausen) der Stinkelsgraben (Mündung unmittelbar unterhalb Sterzhausens), der Steingraben (Mündung unmittelbar oberhalb Sterzhausens) und der Warzenbach (Mündung bei Brungershausen), rechtsseitig der Michelbach (Mündung oberhalb Sterzhausens), der Erlenbach (Mündung bei Caldern) und der Kernbach (Mündung bei Kernbach).

Nachbargemeinden Lahntal grenzt im Norden und Osten an die Stadt Wetter, im Südosten an die Gemeinde Cölbe, im Süden an die Stadt Marburg, sowie im Westen an die Gemeinde Dautphetal (alle im Landkreis Marburg-Biedenkopf).

Gemeindegliederung Lahntal besteht aus den folgenden Ortsteilen (in Klammern Einwohnerzahlen 2014): Brungershausen (87) Caldern (1189) Goßfelden (2212) Göttingen (237) Kernbach (202) Sarnau (928) Sterzhausen (2014)

Geschichte Gemeindebildung Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten zum 31. Dezember 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Caldern (mit den ehemaligen Gemeinden Caldern und Kernbach) und Sterzhausen freiwillig zu einer Gemeinde mit dem Namen Lahntal. Am 1. Juli 1974 wurde die Gemeinde Lahntal kraft Landesgesetz mit den Gemeinden Brungershausen, Göttingen und Lahnfels (mit den ehemaligen Gemeinden Goßfelden und Sarnau) zu einer Gemeinde mit dem Namen Lahntal zusammengeschlossen. Die Gemeindeverwaltung befindet sich im Ortsteil Sterzhausen. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Lahntal wurde je ein Ortsbezirk gebildet.

Am 26. September 2021 fand eine Abstimmung über eine Gemeindefusion der Gemeinden Lahntal und Münchhausen, sowie der Stadt Wetter (Hessen) statt. Dabei sprach sich eine deutliche Mehrheit der Münchhausener (77,7 %) und der Lahntaler (79,5 %) gegen die Fusion aus, wohingegen die Bevölkerung Wetters knapp (52,8 %) für den Zusammenschluss votierte.

Zusammenfassung Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Brungershausen 1. Juli 1974 Caldern 31. Dezember 1971 Gründung der Gemeinde Lahntal Goßfelden 31. Dezember 1970 Zusammenschluss mit Sarnau zu Lahnfels Göttingen 1. Juli 1974 Kernbach 31. Dezember 1970 Eingemeindung nach Caldern Lahnfels 1. Juli 1974 Sarnau 31. Dezember 1970 Zusammenschluss mit Goßfelden zu Lahnfels Sterzhausen 31. Dezember 1971 Gründung der Gemeinde Lahntal

Geschichte der Ortsteile miniatur|hochkant|Der Wehrturm der Kirche von Sterzhausen, eines der ältesten Gebäude Lahntals Siehe auch Ortsteilartikel.

Die einzelnen Ortsteile haben voneinander unabhängige historische Wurzeln. In: www.lahntal.de

In der Nähe des Ortsteils Brungershausen wurde 1992 ein Burgstall, der Burgstall Brungershausen, aus dem 10. bis 13. Jahrhundert, entdeckt. Ob die Burg, über die es keine Belege gibt, in Verbindung mit der Adelsfamilie „de Brungodeshusen“ steht, ist bisher ungeklärt.

Die Kirche in Caldern war Mittelpunkt eines Zisterzienserinnen-Klosters von der noch Reste erhalten sind und die als landgräfliches Gericht um 800 n. Chr. erwähnt wurde.

Der Ortsteil Göttingen wurde erstmals im Jahre 1306 erwähnt und war aufgrund seiner Lage von jeher ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Seit dem Dreißigjährigen Krieg führte die Handelsstraße von Frankfurt nach Bremen durch Göttingen und Cölbe und die alte Niederrheinische Straße von Göttingen nach der Eibenhardt am Chausseehaus von Bürgeln vorbei.

Das bereits um 850 n. Chr. in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda erstmals erwähnte Goßfelden war jahrhundertelang dem Deutschen Ritterorden in Marburg zugehörig. Zu der ab Beginn des 19. Jahrhunderts bestehenden Synagogengemeinde in Goßfeldensynagoge-wetter.de: Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Wetter e. V. gehörten die jüdischen Bewohner von Caldern, Goßfelden, Sterzhausen und Wetter.

Erstmals wurde der Ortsteil Kernbach laut Aufzeichnungen des Staatsarchivs Marburg um 1130 mit dem Namen „Cagernbach“ erwähnt. Später wurde nach Urkunde aus dem des Klosters Caldern im Jahre 1254 der Ort unter dem Namen „Kerenbach“ geführt.

Der Name des Ortsteiles Sarnau ist keltischen und slawischen Ursprungs. Sarnowa bedeutet Rehaue oder Rehwiese. Keramische Funde lassen auf eine entsprechend frühe Besiedlung schließen. In einer Urkunde taucht Sarnau erstmals um das Jahr 1200 auf. 1322 verwaltet der Ritter Gottschalk von Sarnowe den Ritterhof in Sarnau.

Das Dorf Sterzhausen gehörte im 13. Jahrhundert zur Grafschaft Wetter, für das aus alten Urkunden und Aufzeichnungen verschiedene Schreibweisen bekannt sind, wie Steinerthusen (1280), Stereshusen (1330) und Stertzhausen (1570). Der weithin sichtbare Wehrturm der Kirche von Sterzhausen ist mit Abstand das älteste Gebäude. Sehr wahrscheinlich gehen die Grundmauern des Turmes auf eine romanische Kapelle zurück. Die ältesten Balken im Turm sind auf das Jahr 1246 datiert worden. Im Chorraum sind Wandmalereien aus dem 13. Jahrhundert erhalten.lahntal.de/kg:

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Lahntal 6819 Einwohner. Darunter waren 282 (4,1 %) Ausländer, von denen 95 aus dem EU-Ausland, 142 aus anderen europäischen Ländern und 72 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2019 erhöhte sich die Ausländerquote auf 6,9 %.) Nach dem Lebensalter waren 1350 Einwohner unter 18 Jahren, 2961 zwischen 18 und 49, 1404 zwischen 50 und 64 und 1101 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 2802 Haushalten. Davon waren 750 Singlehaushalte, 753 Paare ohne Kinder und 999 Paare mit Kindern, sowie 249 Alleinerziehende und 51 Wohngemeinschaften. In 414 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 2016 Haushaltungen leben keine Senioren/-innen.

Einwohnerentwicklung

Religionszugehörigkeit • 1987: 4626 evangelische (= 76,82 %), 602 katholische (= 10,00 %), 794 sonstige (= 13,18 %) Einwohner • 2011: 4531 evangelische (= 66,45 %), 670 katholische (= 9,82 %), 1618 sonstige (= 23,73 %) Einwohner

Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Lahntal erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Lahntal 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 BLL Bürgerliste Lahntal 40,4 10 26,0 8 23,7 7 16,4 5 — — — — 24,6 6 34,9 11 44,5 14 48,0 15 51,4 16 43,1 13 19,3 5 20,9 6 19,5 6 20,4 6 22,2 7 22,1 7 15,6 4 18,2 6 12,3 4 15,2 5 7,6 2 10,4 3 BÜRGERBLOCK Bürgerblock Goßfelden-Sarnau-Göttingen — — — — — — — — 12,9 4 16,6 5 WG Wählergemeinschaft Lahntal-Sterzhausen — — — — — — — — 5,9 2 7,8 3 Gesamt 100,0 25 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 58,7 55,8 51,7 51,3 52,1 60,9

Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Lahntal neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und acht weitere Beigeordnete angehören.Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 20. Januar 2023 Carsten Laukel (BLL). Er wurde als Nachfolger von Manfred Apell (SPD), der nach fünf Amtszeiten in den Ruhestand getreten war, am 18. September 2022 im ersten Wahlgang bei 56,13 Prozent Wahlbeteiligung mit 58,92 Prozent der Stimmen gewählt.Votemanager: Bürgermeisterwahl Gemeinde Lahntal 2022

Amtszeiten der Bürgermeister 2023–2029 Carsten Laukel (BLL)Oberhessische Presse, 18. September 2022: 1993–2023 Manfred Apell (SPD)Oberhessische Presse, 14. September 2016: : „Manfred Apell wurde mit 65 Jahren als Bürgermeister bestätigt“

Ortsbeiräte Für die Ortsteile Brungershausen, Caldern, Goßfelden, Göttingen, Kernbach, Sarnau und Sterzhausen bestehen Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher, nach Maßgabe der §§ 81 und 82 HGO und des Kommunalwahlgesetzes in der jeweils gültigen Fassung. Die Ortsbezirke werden durch die Gemarkungsgrenzen der ehemaligen eingegliederten Gemeinden abgegrenzt. Jeder Ortsbeirat wird im Rahmen der Kommunalwahlen gewählt. Der Ortsbeirat wählt eines seiner Mitglieder zum Ortsvorsteher bzw. zur Ortsvorsteherin.

Wappen und Flagge

Die nichtamtliche Flagge der Gemeinde zeigt das Wappen auf einem von Rot und Weiß zweigeteilten Flaggentuch.

Gemeindepartnerschaften Die Gemeinde Lahntal ist seit dem 6. April 1986 mit der französischen Gemeinde Sussargues verschwistert. Sussargues liegt im südfranzösischen Département Hérault in unmittelbarer Nähe zu Montpellier (etwa 17 Kilometer) und zum Mittelmeer. Die Entfernung zwischen Lahntal und Sussargues beträgt in etwa 1050 Kilometer. Zwischen der polnischen Gemeinde Stara Kiszewa und der Gemeinde Lahntal wurde am 10. Januar 2005 in Polen die Gemeindepartnerschaft in einem Festakt besiegelt. Die Unterzeichnung in Lahntal hat am 26. Mai 2006 stattgefunden. Die Gemeinde Stara Kiszewa hat rund 6200 Einwohner in etwa 20, teilweise sehr kleinen Ortsteilen und liegt im Landkreis Kościerzyna, etwa 80 Kilometer südlich von Gdańsk (Danzig) und 80 Kilometer westlich von Malbork (Marienburg) in der touristisch interessanten Region Kaschubei.

Interkommunale Zusammenarbeit Die Gemeinde Lahntal arbeitet seit 2007 verstärkt mit den Kommunen Cölbe, Münchhausen und Wetter in mehreren Gebieten zusammen. Neben der Zusammenarbeit im sogenannten Nordkreis bei klassischen Verwaltungsaufgaben, wie Geschwindigkeitskontrolle und Bauhof, werden auch die wichtigen kommunalen Zukunftsaufgaben Demografischer Wandel, nachhaltige und klimaschonende Energieversorgung, sowie Kinder- und Jugendförderung interkommunal bearbeitet. Gemeinsam werden hierzu auch zwei Messen ausgerichtet, „Wohnen im Alter“ und die „Solarmesse“.klimax-nordkreis.de

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke miniatur|Das Ubbelohdehaus

Rimberg-Turm bei Caldern Wehrturm der Kirche in Sterzhausen aus dem 12./13. Jahrhundert Alte Lahn-Brücke in Goßfelden Otto-Ubbelohde-Haus in Goßfelden

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr