Zell am Main (amtlich: Zell a.Main), kurz Zell genannt, ist ein Markt im Landkreis Würzburg im Süden des Regierungsbezirks Unterfranken. Der Hauptort liegt etwa fünf Kilometer nordwestlich der Stadt Würzburg am Main.
Geographie Lage Zell am Main liegt auf der linken Mainseite. Es grenzt im Uhrzeigersinn beginnend im Norden an: Margetshöchheim, Veitshöchheim, Würzburg, Höchberg, Waldbüttelbrunn, Hettstadt und Leinach. Durch Zell verläuft der Fränkische Marienweg.
Zell ist der namensgebende Hauptort der Synklinale Zeller Mulde. Aufgrund der Anordnung der Schichtenpakete drücken hier insgesamt 25 Süßwasserquellen aus dem Gestein des Zellerberges und des Norbertusheimstollens. Die sogenannten Zeller Quellen sind ein bedeutender Faktor für die Trinkwasserversorgung der nahegelegenen Stadt Würzburg.
Gemeindegliederung Der Markt Zell besteht aus den Gemeindeteilen Zell (auch Unterzell) und Oberzell.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet nur die Gemarkung Zell a.Main. Sie hat eine Fläche von 9,948 km² und ist in 2465 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 4035,60 m² haben.
Geschichte mini|Zell am Main, um 1847 Bis zum 19. Jahrhundert Als Ortschaft wird Zell erstmals 1128 anlässlich der Gründung des Prämonstratenser-Klosters Oberzell urkundlich erwähnt. Eine Pfarrkirche wird dem Ort von verschiedenen Chronisten bereits für das Jahr 983 zugeschrieben.So z. B. Peter Endrich und Karl Dinklage: Vor- und Frühgeschichte der Stadt Würzburg. Stürtz, Würzburg 1951. Für das Jahr 985 ist der hl. Laurentius als Kirchenpatron von Zell belegt.Karl Bosl (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 7: Bayern (= Kröners Taschenausgabe. Band 277). 3. Auflage. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-27703-4, S. 847–848. Das damalige Dörfchen der Fischer und Häcker ist also einige Jahrhunderte älter als die Urkunde von 1128.
Der Ort hat insbesondere durch das noch intakte Kloster Oberzell, wie auch durch das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Kloster Unterzell eine wechselvolle Geschichte.
Das Amt des Hochstifts Würzburg fiel bei der Säkularisation an Bayern, wurde 1805 (Friede von Pressburg) Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen und kam mit diesem 1814 endgültig an Bayern. Im Jahre 1817 gründeten Friedrich Koenig und Andreas Bauer in dem zu dieser Zeit säkularisierten Kloster Oberzell das Unternehmen Koenig & Bauer. 1901 verlegte Koenig & Bauer seine Fabrikationsstätten auf die andere Mainseite nach Würzburg. In der Folge wurde eine Mainbrücke errichtet und 1903 eingeweiht.
Rabbi Mendel Rosenbaum aus Theilheim bei Werneck erwarb mit anderen das ehemalige Kloster Unterzell und siedelte 1822 mit Familie und Lazarus Bergmann dahin über. Im Zuge der Hep-Hep-Krawalle 1819 waren viele Jeschivahstudenten und andere Juden aus Würzburg ins Umland geflohen, unter anderem zu Rosenbaum nach Theilheim. Rosenbaum und Bergmann gründeten mit einigen der geflohenen Würzburger in Unterzell eine neue jüdische Gemeinde, deren Rabbiner Rosenbaum wurde, und in der Folge auch eine Talmudschule.
Neben seinem bisherigen Erwerb als Vieh- und Warenhändler errichtete Rosenbaum in Unterzell einen Kolonialwarenhandel und eine Nagelschmiede. Ab 1825 leitete Bergmann die Nagelschmiede,Vgl. „Zell am Main (Kreis Würzburg) Jüdische Geschichte / Synagoge“, Abschnitt «Berichte aus der Geschichte der jüdischen Gemeinde und der Familie Rosenbaum», auf: Alemannia Judaica: Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum, abgerufen am 12. Dezember 2016. nach seiner Alijah mit Frau und Kindern 1834 führte Rosenbaums ältester Sohn Nagelschmiedemeister Moses Rosenbaum sie fort.Vgl. , Abschnitt: 'Die Nagelschmiede', auf: , abgerufen am 21. Dezember 2016.
Rosenbaums wirtschaftliche Unternehmungen in Unterzell mit der in Oberzell ansässigen Schnelldruckpressenfabrik Koenig & Bauer waren ausschlaggebend dafür, dass Ober- und Unterzell 1833 zusammengefasst als Zell am Main das Marktrecht erhielten.
Verhandlungen über eine Eingemeindung von Zell nach Würzburg scheiterten 1927.Matthias Stickler: Neuanfang und Kontinuität: Würzburg in der Weimarer Republik. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. Band III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9), Theiss, Stuttgart 2001–2007, S. 177–195 und 1268–1271; hier: S. 190.Sybille Grübel: Zeittafel zur Geschichte der Stadt von 1814–2006. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Band 2, 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 1225–1247; hier: S. 1238.
Etymologie Dem Namen liegt mittellateinisch cella oder mittelhochdeutsch cëlla, im Sinne von Wirtschaftshof, zugrunde. Seit dem 13. Jahrhundert wurden die Zusätze Ober-, Mittel- und Nieder- zur Unterscheidung der Klosternamen verwendet. Sie beziehen sich auf die Höhenlage im Maintal.
Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden waren: 1128 Cella 1217 Celle 1259 Cella 1295 Cellis 1321 Celle 1376 Zelle 1497 Zell 1888 Zell am Main Einwohnerentwicklung Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2001 2005 2010 2015 Einwohner 1339 1507 1902 2813 2981 3244 3226 3562 3720 3989 4207 4335 4299
Religion Von der Bevölkerung sind 65,07 % katholisch, 21,24 % evangelisch und 13,69 % anderen Religionen zugehörig oder konfessionslos. Die hohe Prozentzahl der Katholischgläubigen ist zum einen auf den Herrschaftsbereich des Hochstifts Würzburg, zum anderen auf die Klöster Ober- und Unterzell zurückzuführen. Heute ist nur noch das Kloster Oberzell intakt. In ihm leben seit 1901 die Dienerinnen der hl. Kindheit Jesu, welche 1854 von Antonia Werr gegründet wurden. Weiter befindet sich noch auf dem Stadtgebiet katholische St.-Laurentius-Kirche (Dekanat Würzburg links des Mains) und die evangelische Versöhnungskirche (Evangelisch-Lutherisches Dekanat Würzburg). Der 1822 gegründeten jüdischen Gemeinde (Distriktsrabbinat Würzburg) diente zunächst Mendel Rosenbaum als Rabbiner,Vgl. N.N., „Rabbi Mendel Rosenbaum: לזכר עולם יהי צדיק!“, in: Der Israelit, 4. November 1868 (No. 45, Jg. IX). ihm folgte 1868 sein Sohn Elias Raphael und diesem wiederum 1886 dessen jüngerer Bruder Rabbi Jona, der 1894 verschied.Vgl. N.N., „Rabbi Jona Rosenbaum: לזכר עולם יהי צדיק!“, in: Der Israelit, 8. November 1894.
Politik Marktgemeinderat Die Gemeinderatswahl am 15. März 2020 führte zu folgendem Ergebnis für die Zusammensetzung des Marktgemeinderates von Zell am Main: Parteien und Wählergemeinschaften2020AnteilSitzeCSUChristlich-Soziale Union in Bayern/Freie Zeller Bürger34,015FWZeller Mitte – Freie Wähler23,484SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands/Junge Liste Zell22,804GrüneBündnis 90/Die Grünen19,713Gesamt100,016Wahlbeteiligung in %59,51
Bürgermeister Ab Oktober 2007 übernahm Anita Feuerbach nach dem Rücktritt von Franz Nagelstutz zunächst kommissarisch die Amtsgeschäfte und war vom 3. März 2008 bis 30. April 2020 hauptamtliche 1. Bürgermeisterin. Bei der Wahl 2020 trat sie nicht mehr an. Ihr Nachfolger Joachim Kipke erreichte unter drei Bewerbern am 15. März 2020 die zweitmeisten Stimmen (34,31 %) und wurde in der Stichwahl am 29. März 2020 mit 55,9 % der Stimmen gewählt.Bürgermeisterwahl 2020, abgerufen am 9. Juli 2020 Seine Amtszeit begann am 1. Mai 2020.
Zweiter Bürgermeister ist Sebastian Rüthlein (SPD), Dritter Bürgermeister ist Silvia Schlagmüller (CSU).
Erste Bürgermeister des Marktes Zell a. Main: 1870–1876 Friedrich Koenig 1876–1877 Heinrich Pfaff 1877–1900 Kaspar Ettlinger 1900–1906 Ferdinand Albert 1906–1912 Franz Kuff 1912–1919 Heinrich Fasel 1919–1933 Stefan Ettlinger 1933–1935 Walter Kohl 1935–1945 Adolf Röhr 1945 Walter Kohl 1945 Stefan Ettlinger 1946–1956 Ludwig Seufert 1956–1964 Emil Kunzemann 1964–1984 Josef Meichsner (CSU; 1922–2020) 1984–2002 Dieter Weidenhammer (SPD/Wählergemeinschaft) 2002–2007 Franz Nagelstutz (CSU/FZB) Rücktritt am 30. September 2007 2007–2020 Anita Feuerbach (CSU/FZB)seit 2020Joachim Kipke (Zeller Mitte – Freie Wähler e. V.)
Partnergemeinden Seit 1993 ist Dozulé in der Normandie (Frankreich) Partnergemeinde von Zell. Diese liegt nur 25 km entfernt von der Partnerstadt Würzburgs, Caen.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke
Kloster Oberzell mit Gebäuden von Balthasar Neumann Kloster Unterzell mit der Ev. Versöhnungskirche in der Klosterruine Wasserwerk Zell mit mehreren Stollen (funktionsfähig seit dem 6. Mai 1900Horst-Günter Wagner: Die Stadtentwicklung Würzburgs 1814–2000. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Band 2, 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 1300, Anm. 43.) Schützenhaus in der Feldscheune Katholische Kirche St. Laurentius mit einer Pietà (Vesperbild) von Tilman Riemenschneider Evangelische Versöhnungskirche, ehemals Klosterkirche von Unterzell Pfaffsmühle Laubhütte im Judenhof (ehemaliges Kloster Unterzell)
Museen Wassermuseum
Regelmäßige Veranstaltungen Am letzten Wochenende im Juni präsentieren sich auf dem jährlich stattfindenden „Laurentius-Fest“ Zeller Vereine und Gruppierungen mit kulinarischen Köstlichkeiten. Die im Jahr 2002 eingeführte Zeller „Kulturmeile“ findet im 2-jährlichen Turnus am letzten Wochenende im Mai oder in der 1. Juni-Woche statt.Zeller Kulturmeile Abgerufen am 23. Mai 2011.
Wirtschaft und Infrastruktur Die Marktgemeinde ist seit 2004 schuldenfrei. Trotz umfangreicher Investitionen in die gemeindliche Infrastruktur in den letzten Jahren (Ankauf und Umbau Gasthaus Rose, Schiffsanlegestelle, Ankauf Anwesen Judenhof, Beteiligung an Seniorenwohnanlage, Sanierung der Friedhöfe, Neubau des Dachs der Maintalhalle (erbaut 1977 bis 1981www.zell-main.de: Sportanlagen.), Gestaltung Kelterhof und Stollenvorplatz etc.) konnten erhebliche Rücklagen gebildet werden.
Unternehmen Im Gewerbegebiet befinden sich die Automobile Breitenberger Chrysler Jeep und Dodge Vertragspartner, die Schreinerei Auinger sowie zahlreiche Handwerker und kleinere Firmen.
Bildungseinrichtungen Neben einer Grundschule (1.–4. Klasse) und einem Caritas-Kindergarten gibt es im Kloster Oberzell eine Montessori-Schule (Grund- und Hauptschule). Seit September 2007 besteht im Kloster Oberzell auch eine Montessori-Fachoberschule. Im November 2006 wurde eine Kinderkrippe (Montessori) in der Pfaffsmühle eröffnet.
Verkehr Die Buslinie 522 des ÖPNV bedient Zell vom Busbahnhof Würzburg über die Zellerau im 20- bzw. 30-Minuten-Takt, an Sonn- und Feiertagen verkehrt die Linie alle 60 Minuten (Fahrzeit 15–25 Minuten). Im Ort selbst verkehrt mehrmals in der Woche der Bürgerbus kostenfrei. Des Weiteren gibt es auf Würzburger Grund den Bahnhof Würzburg-Zell, von dem Regionalzüge zum Hauptbahnhof Würzburg oder in Richtung Gemünden verkehren. Von der Schiffsanlegestelle kann man in den Sommermonaten tagsüber ungefähr alle 60 Minuten nach Würzburg zum Alten Kranen oder nach Veitshöchheim fahren.
Am 26. März 2010 sperrte die Stadt Würzburg die Verbindungsstraße Zeller Bock aus Sicherheitsgründen. Statiker hatten festgestellt, dass die Straße nicht mehr sicher ist.http://www.main-media.de/lokales/wuerzburg/Vollsperrung-Aus-fuer-Zeller-Bock;art735,5513483 Nach über 6-jähriger Bauzeit wurde der Zeller Bock am 17. April 2016 wieder dem Verkehr freigegeben.
Persönlichkeiten Andreas Joseph Fahrmann (1742–1802), römisch-katholischer Geistlicher, Moraltheologe und Weihbischof Andreas Joseph Hofmann (1752–1849), in Zell am Main geborener Philosoph und Revolutionär