mini|Ausbreitung der Hanse um 1400, nach Droysen, 1886 mini|Die Hansestädte und der Deutsche Orden im 14. Jahrhundert und Anfang des 15. Jahrhunderts mini|Abbildung aus dem Hamburger Stadtrecht von 1497 Hanse (auch Deutsche Hanse oder Düdesche Hanse, Dudesche Hense, ) ist die Bezeichnung für die zwischen Mitte des 12. Jahrhunderts und Mitte des 17. Jahrhunderts bestehenden Vereinigungen hauptsächlich norddeutscher Kaufleute, deren Ziel die Sicherheit der Überfahrt und die Vertretung gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen besonders im Ausland war. Die Hanse war nicht nur auf wirtschaftlichem, sondern auch auf politischem und kulturellem Gebiet ein wichtiger Faktor im Spätmittelalter.

Eine Entwicklung von der „Kaufmannshanse“ zu einer „Städtehanse“ lässt sich spätestens Mitte des 14. Jahrhunderts mit erstmaligen nahezu „gesamthansischen Tagfahrten“ (Hansetagen) festmachen, in denen sich die Hansestädte zusammenschlossen und die Interessen der norddeutschen Kaufleute vertraten. Die genaue Abgrenzung ist jedoch umstritten.

Die Farben der Hanse (weiß und rot) finden sich noch in den Wappen vieler Hansestädte. In ihrer größten Ausdehnung waren beinahe 300 See- und Binnenstädte Nordeuropas in der Städtehanse zusammengeschlossen. Eine wichtige Grundlage war die Entwicklung des Transportwesens, insbesondere zur See, weshalb die Kogge zum Symbol für die Verbindung wurde. Durch Freihandel gelangten viele Hansestädte zu großem Reichtum, was sich an zahlreichen bedeutenden Bauwerken ablesen lässt.

Unabhängig davon nannten sich auch andere Kaufmannsverbünde bis nach Österreich „Hanse“ oder „Hänse“. Bei ihnen handelte es sich meist nicht um Bünde zwischen Städten und Territorien, sondern um Bruderschaften, denen einzelne Händler beitraten. Oft waren solche Bünde auf einen bestimmten Jahrmarkt ausgerichtet und übernahmen wirtschaftliche Kontrollfunktionen, wie sie in größeren Städten von den Zünften durchgeführt wurden.

Wortherkunft Die Benennung Hanse leitet sich vom althochdeutschen und altsächsischen Wort hansa ab, das im Hochmittelalter zur Übersetzung des lateinischen cohors („Gefolge, Schar, Gruppe“) wurde, der frühestbelegten Eigenbezeichnung der Hanse. Das vorherige gemeingermanische *hanso bezog sich wahrscheinlich auf „eine Gemeinschaft mit einer gesamtlichten Kasse und wobei gemeinsam Mahlzeiten verzehrt wurden“; vergleiche gotisch hunsl („Opfermahlzeit“) und schweizerdeutsch hans („Trinkgelage“). Auch die finno-ugrischen Sprachen entnahmen *hanso aus den frühgermanischen Sprachen, vergleiche finnisch kansa („Volk“), karelisch kanža („Sammlung“) und estnisch kāz(a) („Genosse, Gemahl“).P.A.F. van Veen en N. van der Sijs: Etymologisch woordenboek: de herkomst van onze woorden. Van Dale Lexicografie, Utrecht / Antwerpen 1997.M. Philippa, F. Debrabandere, A. Quak, T. Schoonheim en N. van der Sijs: Etymologisch Woordenboek van het Nederlands. Amsterdam (2003–2009).J. de Vries: Nederlands Etymologisch Woordenboek. Leiden, 1971.

Politische Geschichte Die Hanse war über lange Zeit eine politische Macht ersten Ranges. Obwohl ihre Mitglieder nicht souverän waren – sie verblieben jeweils unter der Herrschaft unterschiedlicher weltlicher und kirchlicher Gewalten –, war sie wirtschaftlich und militärisch erfolgreich. Anfang und Ende der Hanse sind schwer zu bestimmen.

Entstehung der Kaufmannshanse (bis etwa 1250) Die Deutsche Hanse entwickelte sich im 12. Jahrhundert aus den Gemeinschaften der Ost- und Nordseehändler. Allgemein wird die Gründung Lübecks, der ersten deutschen Ostseestadt, im Jahr 1143 als entscheidend für die Entwicklung der Hanse angesehen. Der Ostseezugang ermöglichte einen Handel zwischen den rohstoffreichen Gebieten Nordrusslands (z. B. Getreide, Holz, Wachs, Felle, Pelze) und den Ländern Westeuropas mit seinen Fertigprodukten (z. B. Tuche, Wein).

mini|Lübeck im 17. Jahrhundert mini|Das Holstentor (Stadtseite) in Lübeck um 1900 mini|Hansestadt Kampen (Niederlande), Zwillingstor Koornmarktspoort

Verschiedene Vorschläge für das Gründungsjahr Es gibt kein Gründungsdatum der Hanse. Sie ist aus kleinen, lokalen Strukturen heraus entstanden und zu einer großen Organisation angewachsen. Nicht einmal die Zeitgenossen scheinen klare Vorstellungen darüber gehabt zu haben. 1418 wandte sich der Rat der Hansestadt Bremen in einem Streit mit Hamburg an Köln mit der Bitte um eine Abschrift der Gründungsurkunde. Die Kölner Antwort lautete, dass man vergeblich nach der geforderten Schrift van der fundatacien der Duytzschen hensze gesucht hätte, aber den Bremern die Abschrift schicken würde, sobald man fündig geworden sei.

Bei der frühen Hanse handelte es sich um den freien Zusammenschluss von Kaufleuten, die den Schutz der Gruppe für die gefahrvolle Reise suchten und ihre Interessen an den Zielorten besser vertreten konnten. Dazu fanden sich die Kaufleute einer Region für eine Fahrgemeinschaft zusammen. Die frühesten Belege solcher organisierten deutschen Handelsgruppen liegen für das Auftreten Kölner Kaufleute in London vor. Dort waren bereits flandrische Kaufleutegruppen vorhanden.

Diese Organisationsform bedeutet, dass man zunächst nicht von „der“ Hanse oder einer „Gründung“ sprechen kann, da lediglich einzelne Gruppen ihre jeweiligen Partikularinteressen verfolgten und auch später verfolgen sollten.

In der älteren Forschung wird als Gründungsjahr der Hanse häufig – neben der Neugründung 1143 bzw. dem Wiederaufbau Lübecks 1159 – auch die erste überlieferte Erwähnung eines deutschen Kaufmannsbundes 1157 in einer Londoner Urkunde genannt. Der Historiker Philippe Dollinger argumentiert für 1159 mit der führenden Stellung der Lübecker während der ganzen Hansezeit. Für 1157 spricht die Tatsache, dass die Hanse anfangs eine Schutzgemeinschaft deutscher Kaufleute im Ausland war und der Erwerb eines Grundstücks in London zur Errichtung des Stalhofes durch Kölner den ersten Beleg für die Existenz der Gemeinschaft bildet.

1160 erhielt Lübeck das Soester Stadtrecht. Dieser Zeitpunkt wird von Historikern als der Beginn der Kaufmannshanse (im Gegensatz zur späteren Städtehanse) angesehen. Wichtigstes Argument für diese Position stellt dabei das Artlenburger Privileg von 1161 dar, in dem die Lübecker Kaufleute den bisher im Ostseehandel dominierenden gotländischen Kaufleuten rechtlich gleichgestellt werden sollten. Die Genossenschaft der nach Gotland fahrenden deutschen Kaufleute (universi mercatores Imperii Romani Gotlandiam frequentantes), der nicht nur lübische Kaufleute angehörten, kann nach Dollinger wohl als Keimzelle der Kaufmannshanse angesehen werden.

Die Gründung Lübecks 1143 kann deshalb als einschneidender Faktor für die Entwicklung der Hanse gewertet werden, weil sie die erste deutsche Stadt an der Ostsee mit sicheren Verbindungen zum Hinterland war und damit gleichsam zum „Einfallstor“ norddeutscher Kaufleute für den Osthandel wurde. Hintergrund für die große Bedeutung des Ostseezugangs war, dass Westeuropa auf diese Weise mit Russland und über Dnepr und Wolga Handel bis in den Orient (Kaspisches Meer, Persien) führen konnte. Zur Zeit der Goldenen Horde wurde der Handel mit Mittelasien und China verstärkt. Umgekehrt orientierte sich der nordrussische Handel über die Ostsee nach Westen, was die Entwicklung einer Ost-West-Handelsverbindung zwischen den rohstoffreichen Gebieten Nordrusslands (Getreide, Wachs, Holz, Pelze, vor allem über Nowgorod) und den Fertigprodukten Westeuropas (u. a. Tuche aus Flandern und England) ermöglichte. Nebenbei wird die Christianisierung der Skandinavier vorangebracht, die noch im frühen 12. Jahrhundert den Ostseehandel dominierten. Mit dem Zugang deutscher Kaufleute zur Ostsee konnten diese eine Handelsroute etablieren, welche die wichtigen Handelszentren Nowgorod und Brügge nahezu vollständig unter ihrem Einfluss miteinander verband.

Ungefähr zur selben Zeit wie die Hanse entstand im Übrigen auch die Knudsgilde, die sich im dänisch-skandinavischen Raum ausbreitete und in der Folgezeit in Konkurrenz mit der Hanse stand.

Unabhängig vom genauen Gründungsjahr fand am 13. und 14. Mai 2023 in der Hansestadt Zwolle das 800-jährige Hansejubiläum statt.

Gotländische Genossenschaft Ab dem 12. Jahrhundert wurde der Ostseeraum im Rahmen der Ostsiedlung zunehmend für den deutschen Handel erschlossen.

In Lübeck entstand nach dem Vorbild kaufmännischer Schutzgemeinschaften die Gemeinschaft der deutschen Gotlandfahrer, auch Gotländische Genossenschaft genannt. Sie war ein Zusammenschluss einzelner Kaufleute norddeutscher Herkunft, sächsischer Rechtsgewohnheiten und ähnlicher Handelsinteressen u. a. aus dem Nordwesten Deutschlands, von Lübeckern und aus neuen Stadtgründungen an der Ostsee.

Der Handel in der Ostsee wurde zunächst von Skandinaviern dominiert, wobei die Siedlung Visby (deutsch auch Wisby) auf der Insel Gotland als Zentrum und „Drehscheibe“ fungierte und somit in Konkurrenz zu Lübeck trat. Mit der gegenseitigen Versicherung von Handelsprivilegien deutscher und gotländischer Kaufleute unter Lothar III. begannen deutsche Kaufleute den Handel mit Gotland (daher „Gotlandfahrer“). Bald folgten die deutschen Händler den gotländischen Kaufleuten in deren angestammte Handelsziele an der Ostseeküste und vor allem nach Russland, was zu blutigen Auseinandersetzungen in Visby, durch den stetigen deutschen Zuzug mittlerweile mit großer deutscher Gemeinde, zwischen deutschen und gotländischen Händlern führte. Dieser Streit wurde 1161 durch die Vermittlung Heinrichs des Löwen beigelegt und die gegenseitigen Handelsprivilegien im Artlenburger Privileg neu beschworen, was in der älteren Forschung als die „Geburt“ der Gotländischen Genossenschaft angesehen wurde. Hier von einer „Geburt“ zu sprechen, verkennt jedoch die bereits existierenden Strukturen.

Visby blieb zunächst die Drehscheibe des Ostseehandels mit einer Hauptverbindung nach Lübeck, geriet aber, die Rolle als Schutzmacht der deutschen Russland-Kaufleute betreffend, mit Lübeck zunehmend in Konflikt. Visby gründete um 1200 in Nowgorod den Peterhof, nachdem die Bedingungen im skandinavischen Gotenhof, in dem die Gotländer zunächst die deutschen Händler aufnahmen, für die Deutschen nicht mehr ausreichten. Im Jahr 1293 übernahm dann Lübeck vom unterlegenen Visby die Kontrolle über die deutsche Siedlung Nowgorod und die Glanzzeit von Visby ging zu Ende.

Deren rasanter Aufstieg, die Sicherung zahlreicher Privilegien und die Verbreitung der nahezu omnipräsenten Kaufleute der Gotländischen Genossenschaft in der Ostsee, in der Nordsee, in England und Flandern galt in der historischen Forschung als Kern der frühen Hanse. In Flandern stand sie in Konkurrenz zu den alten Handelsbeziehungen der rheinischen Hansekaufleute. Dollinger sieht im Jahr 1161 sogar die eigentliche Geburtsstunde der Hanse überhaupt. Eine Identifizierung der Gotländischen Genossenschaft als „die“ frühe Hanse widerspräche jedoch allen niederdeutschen Handelsbeziehungen (vor allem nach Flandern und London), die nicht unter dem Siegel der Genossenschaft stattfanden.

Entstehung der Städtehanse, Blütezeit (etwa 1250 bis 1400) Strukturelle Entwicklungen Veränderungen in Europa führten für die Hanse zu Entwicklungen, die in der Städtehanse mündeten. Dazu gehören die Befriedung der Handelswege, das Ende der traditionellen Fahrgemeinschaften, die „kommerzielle Revolution“, die Entwicklung der Städte und das Ende der kaiserlichen Schutzmacht im Interregnum.