mini|hochkant|Odenbachtal im Osten der Gemeindegemarkung
Herschberg ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Südwestpfalz in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben an.
Geographie Herschberg liegt im Südwesten von Rheinland-Pfalz auf der Sickinger Höhe, die nach dem Ritter Franz von Sickingen benannt ist. Zu Herschberg gehören zusätzlich die Wohnplätze Aspenhof, Konradsmühle, Weihermühle, Würschhauserhof und Würschhausermühle. Die Gemeindegemarkung wird von Wallhalb, Schauerbach und Odenbach eingerahmt, die großenteils die Grenze zu den Nachbarortschaften bilden.
Geschichte Der Ortsname wurde im Jahr 1149 erstmals urkundlich erwähnt. Bis Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort zu Leiningen-Dagsburg.
Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Herschberg in den Kanton Waldfischbach eingegliedert und war Sitz einer Mairie, der zusätzlich Saalstadt, Schauerberg und Wallhalben angehörten. 1815 wurde der Ort zunächst Österreich zugeschlagen. Ein Jahr später wechselte er in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 war er Bestandteil des Landkommissariats Pirmasens, das anschließend in ein Bezirksamt umgewandelt wurde.
1939 wurde Herschberg in den Landkreis Pirmasens (ab 1997 Landkreis Südwestpfalz) eingegliedert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Jahr 1970 wurde die Gemeinde zum „staatlich anerkannten Erholungsort“ ernannt. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde sie 1972 der neugeschaffenen Verbandsgemeinde Wallhalben zugeordnet. Seit 2014 gehört Herschberg zur Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben.
Bevölkerung Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahl von Herschberg entwickelte sich folgendermaßen, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten Jahr Einwohner 1815 650 1835 969 1871 745 1905 756 1939 892 1950 962 1961 983 Jahr Einwohner 1970 1.025 1987 925 1997 912 2005 946 2011 841 2017 820 mini|400px|Einwohnerentwicklung von Herschberg von 1815 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle
Religion Konfessionen Ende 2014 waren 61,8 % der Einwohner evangelisch und 29,0 % katholisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.Gemeindestatistik KommWis, Stand: 31. Dezember 2014.
Jüdische Gemeinde
mini|Jüdischer Friedhof
In Herschberg bestand im 19. Jahrhundert eine relativ große jüdische Gemeinde. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. 1747 wurde ein jüdischer Friedhof angelegt, der noch besteht. 1801 lebten 50 jüdische Personen im Ort; 1848 wurde mit 170 die höchste Zahl jüdischer Gemeindeglieder erreicht, dies waren etwa 25 % der Einwohner. Eine Synagoge ist erstmals 1815 genannt, 1830 wurde eine neue eingerichtet. Im September 1892 konnte nochmals eine neue Synagoge eingeweiht werden.
Durch Aus- und Abwanderung verringerte sich die Zahl der jüdischen Einwohner seit der Zeit um 1880 so stark, dass die Gemeinde um 1905/10 aufgelöst und die Synagoge zu einem Wohnhaus umgebaut wurde. Dieses Haus wurde 1999 abgebrochen. Die beiden letzten jüdischen Einwohner kamen nach ihrer Deportation 1940 ums Leben. Nach Angaben der Gedenkstätte Yad Vashem wurden 16 gebürtige oder länger in Herschberg lebende jüdische Bürger Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.https://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/h-j/891-herschberg-rheinland-pfalz Im Gedenken an diese Menschen wurden im Februar 2012 Stolpersteine in Herschberg verlegt.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Herschberg besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FWG IZH Gesamt 2024 4 – – 8 12 Sitze 2019 4 2 – 6 12 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen. 2014 4 – – 8 12 Sitze 2009 6 2 4 – 12 Sitze 2004 5 3 4 – 12 Sitze IZH = Initiative Zukunft Herschberg e. V.
Bürgermeister Andreas Schneider (IZH) wurde am 13. August 2019 Ortsbürgermeister von Herschberg. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 war er mit einem Stimmenanteil von 56,49 % gewählt worden. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 setzte sich Andreas Schneider mit 65,5 % gegen einen Mitbewerber durch und wurde damit für weitere fünf Jahre wiedergewählt.
Schneiders Vorgänger waren Manfred Biedinger (CDU) und Lydia Westrich (SPD).
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Kulturdenkmäler mini|hochkant|Kriegerdenkmal Der Würschhauserhof und der jüdische Friedhof sind jeweils als Denkmalzonen ausgewiesen. Hinzu kommen vier Einzelobjekte, die unter Denkmalschutz stehen.
Natur Im Gemeindegebiet existieren fünf Naturdenkmale. Das Landschaftsschutzgebiet Wallhalbtal – Schauerbachtal erstreckt sich teilweise über die Gemarkung von Herschberg.
Mundart Die Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben widmet sich intensiv der Pflege der Pfälzer Mundart und veranstaltet seit 1991 in zweijährlichem Turnus den Sickinger Mundartwettstreit, dessen Endrunde samt Preisverleihung in der Bürgerhalle Herschberg stattfindet. Sparten sind Mundartlyrik und -prosa.
Pferderennen Im Jahr 1911 wurde in Herschberg der Reiterverein Sickingerhöhe gegründet, der damals das erste Pferderennen veranstaltete. Unter dem Namen Meilbächel-Rennen fand es bis zum Jahr 2010 alljährlich statt, und zwar nicht auf einem Rundkurs, sondern talaufwärts und nach klassischer englischer Art „von Punkt zu Punkt“.
Naturerlebnis In der Nähe von Herschberg verlaufen ein Wasserschaupfad sowie der Mühlenweg, der die Gemeinden im Bereich der Wallhalb verbindet. Der Wasserschaupfad ist in einigen Wanderkarten verzeichnet. Die Teilabschnitte beginnen an verschiedenen Örtlichkeiten (beispielsweise Herschberg, Saalstadt). Infotafeln beschreiben Geschichte, Beschaffenheit und Bedeutung der auf dem Wege liegenden Sehenswürdigkeiten. Als Raststation kann die bewirtschaftete ehemalige Weihermühle dienen. Das Herschberger Waldmuseum ist aus Gründen des fehlenden Brandschutzes dauerhaft geschlossen.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Herschberg lebt überwiegend von Tourismus sowie von Land- und Forstwirtschaft. Die Wasserversorgung wurde früher durch die Konradsmühle gewährleistet.
Verkehr Verkehrsmäßig ist die Gemeinde über die 6 km nordöstlich gelegene Anschlussstelle Weselberg an die Autobahn 62 (Pirmasens–Trier) angebunden, die großräumig auch die Verbindungen zur A 6 im Norden und zur B 10 im Süden schafft. Die Kreisstraßen 18 und 19 führen durch den Ort. Die Landesstraße 475 führt durch den Westen des Gemeindegebiets.
Freizeiteinrichtungen Herschberg verfügt über eine große Freizeitanlage, die einen Minigolfplatz, Tennisplätze und einen Kinderspielplatz bietet.
Persönlichkeiten Ehrenbürger Klaus G. Juner (* 30. September 1928; † 27. Oktober 2016), Heimatautor und Genealoge, wurde am 1. November 2009 in Würdigung seines vielfältigen Engagements für die Gemeinde zum Ehrenbürger ernannt.
Söhne und Töchter der Gemeinde Christian Mehlis (1850–1933), Historiker Martin Horn (* 1969), Leichtathlet, Teilnehmer bei den Paralympischen Spielen 1996 und 2000, im Jahr 2000 Bronzemedaille in der 4 × 100-m-Staffel
Personen, die in Herschberg wirkten
Adam Ritzhaupt (1882–1976), evangelischer Theologe und Schriftsteller, war Pfarrer in Herschberg von 1909 bis 1916. Johann Schiller (1812–1886), evangelischer Pfarrer, Theologe und Schriftsteller, war in Herschberg Pfarrer. Lydia Westrich, Politikerin (SPD), Mitglied des Bundestages, wohnt in Herschberg Christin Hussong (* 1994), Leichtathletin (Speerwurf), war Teilnehmerin der Olympischen Spiele 2016 und Europameisterin 2018.
Literatur
Weblinks
Die Ortsgemeinde Herschberg auf den Seiten der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben Informationen zur jüdischen Geschichte und der Synagoge in Herschberg
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Südwestpfalz Kategorie:Sickinger Höhe Kategorie:Ersterwähnung 1149